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Israelische Avia S-199. Das Kampfflugzeug basierte auf der Messerschmitt Bf 109.
Israelische Avia S-199. Das Kampfflugzeug basierte auf der Messerschmitt Bf 109.Bild: airwar.ru

Verkehrte Welt: Als israelische Piloten mit Nazi-Flugzeugen gegen Spitfires kämpften

20.08.2017, 09:5020.08.2017, 22:55

Die israelischen Piloten liebten diese Maschine nicht. Nicht etwa, weil es sich um eine – allerdings modifizierte – Messerschmitt Bf 109 handelte und damit um ein Flugzeug, das bis vor kurzem von der Nazi-Luftwaffe eingesetzt worden war. Der Grund für die Abneigung waren ihre miserablen Flugeigenschaften. «Sie versuchte uns bei jedem Take-off und bei jeder Landung umzubringen», sagte ein Pilot über die Maschine. 

Das bösartige Flugverhalten im Langsamflug verdankte sich vermutlich dem Umstand, dass der Jäger einen anderen Motor und deshalb eine angepasste Verkleidung und einen anderen Schwerpunkt hatte. Doch trotz ihrer Macken war die Avia S-199, wie die Maschine jetzt hiess, ein womöglich kriegsentscheidender Trumpf im Arsenal der jungen israelischen Luftwaffe. Denn am Anfang war diese Handvoll Jäger das Einzige, was der jüdische Staat den arabischen Flugzeugen entgegenwerfen konnte. 

Eine Avia S-199 der israelischen Luftstreitkräfte im Jahr 1948. 
Eine Avia S-199 der israelischen Luftstreitkräfte im Jahr 1948. Bild: Wikimedia

Wie kam es überhaupt dazu, dass israelische Piloten 1948 im Palästinakrieg diese Variante des berühmtesten Jagdflugzeugs des «Dritten Reiches» flogen? Zunächst gilt es sich zu vergegenwärtigen, dass der eben erst gegründete Staat Israel damals nicht mit amerikanischen Waffenlieferungen verwöhnt wurde – im Gegenteil: Es galt ein striktes Waffenembargo der UNO, an das sich Amerikaner, Briten und Franzosen hielten.

Messerschmitts mit anderen Motoren

Nicht aber die kommunistische Tschechoslowakei, die dringend Devisen brauchte. Und dieses Industrieland, das noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht besetzt worden war, hatte im Krieg unter deutscher Herrschaft in rauen Mengen Messerschmitts für die Luftwaffe produziert. Nun, nach dem Krieg, verfügte die Tschechoslowakei über grosse Vorräte an bereits produzierten, aber nicht mehr montierten Teilen für Jagdmaschinen des Typs Messerschmitt Bf-109G. 

Die Messerschmitt Bf 109 ist das meistgebaute Jagdflugzeug der Geschichte. 
Die Messerschmitt Bf 109 ist das meistgebaute Jagdflugzeug der Geschichte. Bild: germanwarmachine.com

Da aber die dazugehörigen Daimler-Benz-Motoren 1945 bei einem Brand zerstört worden waren, verbauten die Tschechen verfügbare Jumo-211-Motoren, die für schwerere Flugzeuge entworfen waren. Auch die Luftschraube war grösser als beim Original. Das Resultat war die Avia S-199, und von diesem Typ wurden 25 Maschinen zum Stückpreis von 190'000 Dollar nach Israel exportiert – auf dem Luftweg. Zugleich wurden mehrere israelische Piloten auf der S-199 ausgebildet. Ihre Reise in die Tschechoslowakei führte sie übrigens via Zypern und Rom über die Schweiz.

Die Messerschmitt Bf 109 war eigentlich mit einem Daimler-Benz-DB-605-Motor ausgerüstet. 
Die Messerschmitt Bf 109 war eigentlich mit einem Daimler-Benz-DB-605-Motor ausgerüstet. Bild: Wikimedia
Der Junkers-Motor Jumo 211F diente als Ersatz und wurde in die Avia S-199 verbaut. 
Der Junkers-Motor Jumo 211F diente als Ersatz und wurde in die Avia S-199 verbaut. Bild: Wikimedia/Kogo

Die israelischen Luftstreitkräfte, die Scherut Awir, verstärkten ihren Bestand an Piloten mit Freiwilligen – jüdische wie nichtjüdische – aus aller Welt. Viele von ihnen waren Veteranen des Zweiten Weltkriegs und hatten damals – Ironie des Schicksals – gegen deutsche Bf 109 gekämpft. Nun flogen sie in den modifizierten Messerschmitts Einsätze gegen ägyptische Spitfires aus britischer Produktion.  

Spitfires Mark XII im Formationsflug, irgendwo über England im Jahr 1944. 
Spitfires Mark XII im Formationsflug, irgendwo über England im Jahr 1944. Bild: AP British Official

Entscheidender Einsatz

Der erste Einsatz der Jäger fand zwei Wochen nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung statt. Am 29. Mai 1948 griffen die einzigen bereits verfügbaren vier Maschinen einen ägyptischen Militärkonvoi 30 Kilometer südlich von Tel Aviv an. Die Attacke war erfolgreich, obwohl einer der Piloten dabei umkam. 

Zwar war der materielle Schaden, den die ägyptischen Truppen erlitten, eher gering. Der psychologische Effekt indes war womöglich kriegsentscheidend: «Wir sind schwer angegriffen worden von feindlichen Fliegern, wir zerstreuen uns!», so lautete ein ägyptischer Funkspruch, den die Israelis kurz nach dem Einsatz abfingen. Der ägyptische Vormarsch kam ins Stocken, bald erfolgten israelische Gegenangriffe, und die Ägypter zogen sich zurück. Als der Krieg am 20. Juli 1949 mit einem Waffenstillstand endete, waren die ägyptischen Truppen geschlagen. 

Legendäre Dogfights: In der Luftschlacht um England duellierten sich Messerschmitts (rechts hinten) mit Spitfires. 
Legendäre Dogfights: In der Luftschlacht um England duellierten sich Messerschmitts (rechts hinten) mit Spitfires. Bild: AP ?

Hier noch etwas anderes aus Israel, das fliegt: Ein Flugauto!

Video: reuters
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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rüäblimaa
20.08.2017 14:24registriert Oktober 2014
Interessanter Geschichtenverlauf. Danke für den Beitrag.
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coronado71
20.08.2017 15:35registriert Juni 2016
Das dritte Bild einer Me-109 zeigt eine frühe Version, mutmasslich eine B/C-Version - und ist obendrein ein ziemlich schlecht retouchiertes Foto. Es gibt von der G-Version, auf der die Avia S-199 basiert, vermutlich genügend frei verfügbare Fotos (z.B. im Bundesarchiv), ohne dass man auf eine etwas fragwürdige Homepage zurückgreifen muss.
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