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Sinnbild der Niederlage: Ein von israelischen Flugzeugen abgeschossener ägyptischer Kampfjet.
Sinnbild der Niederlage: Ein von israelischen Flugzeugen abgeschossener ägyptischer Kampfjet.Bild: AP

Blitzkrieg in der Wüste – wie Israel in sechs Tagen sein Gebiet vervierfachte

05.06.2017, 13:3206.06.2017, 07:56

Im Frühsommer 1967 riecht es im Nahen Osten nach Krieg. Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser, der die arabischen Staaten unter seiner Führung einigen möchte, baut eine stets aggressivere Drohkulisse gegen Israel auf, obwohl Teile seiner Armee im Bürgerkrieg in Nordjemen gebunden sind.

«Araber, das ist unsere Chance, Israel einen tödlichen Schlag der Vernichtung zu versetzen, seine gesamte Präsenz in unserem Heiligen Land auszuradieren.»
Radio Kairo am 19. Mai 1967

Syrien, Jordanien, der Libanon und der Irak schliessen sich Kairo an, während der Rest der arabischen Welt wohlwollend zuschaut. 

Nasser wirft einen Juden über die Klippe, während die Armeen von Libanon, Syrien und Irak zuschauen. Diese Karikatur erschien kurz vor dem Sechstagekrieg in der libanesischen Zeitung «Al Farida».
Nasser wirft einen Juden über die Klippe, während die Armeen von Libanon, Syrien und Irak zuschauen. Diese Karikatur erschien kurz vor dem Sechstagekrieg in der libanesischen Zeitung «Al Farida».Bild: zionism-israel.com

Israel, der 1948 aus einem Teil des Britischen Mandats Palästina hervorgegangene jüdische Staat, reagiert mit einem massiven Präventivschlag auf die arabische Einkreisung. Der israelischen Führung ist klar, dass sie einen langen Krieg nicht durchstehen kann, da Israel seine Milizarmee nicht über längere Zeit mobilisiert halten kann.

Israelische Panzertruppen üben für den Ernstfall, 20. Mai 1967. 
Israelische Panzertruppen üben für den Ernstfall, 20. Mai 1967. Bild: AP

Während in der israelischen Bevölkerung Ängste vor der Vernichtung des jüdischen Staates und einem neuen Holocaust verbreitet sind, ist die Mehrheit der militärischen Führung überzeugt, die arabischen Armeen schlagen zu können. Der überwältigende Erfolg des israelischen Präventivkriegs verändert vor 50 Jahren das Gesicht des Nahen Ostens und wirkt bis heute nach. 

Der Weg zum Krieg

  • 15. - 16. Mai 1967:
    Ägypten, der grösste und militärisch stärkste arabische Staat, verlegt rund 100'000 Soldaten auf die Sinai-Halbinsel, die seit dem Suezkrieg 1956 eine entmilitarisierte Zone ist.
  • 17. Mai 1967:
    Der ägyptische Präsident Nasser fordert den Abzug der UNO-Friedenstruppe UNEF aus dem Sinai und Gaza. 
    Israel mobilisiert 18'000 Reservisten.
  • 19. Mai 1967:
    UNO-Generalsekretär U Thant zieht die UNEF aus dem Sinai ab, ohne zuvor den Sicherheitsrat zu konsultieren. 
  • 22. Mai 1967:
    Ägypten schliesst die Strasse von Tiran für israelische Schiffe. Damit ist der israelische Hafen Eilat am Golf von Akaba blockiert. Für Israel ist diese Blockade der eigentliche casus belli. 
  • Ab 25. Mai 1967:
    Syrien und Jordanien stationieren Truppen an den Grenzen zu Israel.
Truppenkonzentration: Ägyptische Lastwagen am 25. Mai 1967 im Sinai. 
Truppenkonzentration: Ägyptische Lastwagen am 25. Mai 1967 im Sinai. Bild: KEYSTONE

TAG 1:
5. Juni 1967

07:45 Uhr (israelische Zeit)

Die israelische Luftwaffe (IAF) startet mit der Operation «Moked» (Fokus) einen Überraschungsangriff auf Militärflugplätze in Ägypten. Ihre Kampfjets – Mirages und Mystères aus französischer Produktion – vernichten in einer ersten Angriffswelle zahlreiche ägyptische Flugzeuge vornehmlich sowjetischer Herkunft. Fast alle werden am Boden zerstört. Raketenbeschuss beschädigt die Startbahnen, so dass auch intakt gebliebene Maschinen nicht mehr starten können. Bis auf 12 Maschinen nehmen alle 196 israelischen Jets am Angriff teil. 

Ein ausgebranntes ägyptisches Flugzeugwrack im Flughafen von El Auth. 
Ein ausgebranntes ägyptisches Flugzeugwrack im Flughafen von El Auth. 

08:15

Mit dem Befehl «Sadin Adom» (Rotes Bettlaken) beginnt die israelische Bodenoffensive gegen die ägyptischen Stellungen. Eine Panzerdivision unter dem Kommando von Israel Tal stösst gegen das von der ägyptischen 7. Infanteriedivision verteidigte Rafah im südlichen Gazastreifen vor. Südlich davon dringen zwei weitere Divisionen unter Avraham Joffe und Ariel Scharon in den Sinai ein. 

Jordanische Truppen schiessen trotz wiederholten israelischen Warnungen, sich aus dem Krieg herauszuhalten, auf Ziele in Jerusalem. 

Israelische Panzer rücken auf Rafah vor. 
Israelische Panzer rücken auf Rafah vor. Bild: AP GPO

09:34

Nachdem die israelischen Kampfflugzeuge in nur siebeneinhalb Minuten wieder aufgetankt und neu bewaffnet worden sind, starten sie zur zweiten Angriffswelle. Noch vor Mittag ist das Gros der ägyptischen Luftstreitkräfte ausgeschaltet. Israelische Jets schiessen zudem zwei syrische Maschinen ab. 

09:45

Die jordanische Luftwaffe bombardiert Ziele in Jerusalem und Zentralisrael. Jordanische und irakische Flugzeuge greifen Tel Aviv an. 

10:15

Nach heftigen Kämpfen erobern israelische Truppen Khan Yunis im Gazastreifen. Weitere Verbände dringen im Nordsinai gegen El Arisch vor. 

Israelische Truppen bei El Arisch.
Israelische Truppen bei El Arisch.Bild: KEYSTONE

10:30

Jordanische Truppen besetzen das UNO-Hauptquartier in Jerusalem. 

12:00

Syrische Kampfjets beschiessen Haifa. 

12:15

Die dritte Angriffswelle der IAF beginnt. Die Kampfjets fliegen erneut Einsätze gegen Ziele in Ägypten, greifen nun aber auch syrische und jordanische Luftstützpunkte an. Zudem bombardieren sie eine Luftwaffenbasis im Irak.
Noch vor weiteren Angriffen auf ägyptische Flugplätze am Nachmittag und Abend besitzt die IAF die nahezu uneingeschränkte Luftherrschaft für den Rest des Krieges.
Etwa 100 ägyptische Piloten sind umgekommen; über 300 ägyptische und 60 syrische Kampfjets sind zerstört, die jordanische Luftwaffe ist vollständig ausgeschaltet. Die IAF verliert 19 Maschinen. 

Israelische Flugzeuge bombardieren jordanische Stellungen bei Jerusalem. 
Israelische Flugzeuge bombardieren jordanische Stellungen bei Jerusalem. Bild: AP GPO

14:25

Im Norden des Westjordanlandes und in Jerusalem rücken israelische Truppen gegen jordanische Stellungen vor. Der Vormarsch ist zunächst eher defensiv motiviert: Der israelische Generalstab befürchtet, dass irakische und jordanische Truppen Israel an der engsten Stelle bei Natanja (ca. 15 km) durchtrennen könnten. 

Jordanische Soldaten im Westjordanland mit einem Porträt von König Hussein I. 
Jordanische Soldaten im Westjordanland mit einem Porträt von König Hussein I. Bild: Keystone

15:30

Israelische Einheiten erobern den befestigten jordanischen Stützpunkt bei Sur Bahir südlich von Jerusalem.  

17:00

Tals Panzerspitzen erreichen El Arisch im Norden des Sinais. ​

Jordanische Artillerie beschiesst Tel Aviv. 

Israelische Soldaten auf dem Sinai während einer Kampfpause. 
Israelische Soldaten auf dem Sinai während einer Kampfpause. Bild: KEYSTONE

18:30

Joffes Panzerdivision erreicht die Kreuzung bei Bir Lachfan im nördlichen Sinai. 

Syrische Artillerie beschiesst von Stellungen in den Golan-Höhen aus Rosch Pina in Nordisrael. 

19:30

Israelische Truppen nehmen einen jordanischen Radarposten und weitere jordanische Stellungen ein. 

TAG 2:
6. Juni 1967

02:30

Der Angriff von israelischen Fallschirmjägern auf die mit Schützengräben und Bunkern befestigte jordanische Stellung «Ammunition Hill» im Nordosten Jerusalems beginnt.   

Schützengraben beim Ammunition Hill.
Schützengraben beim Ammunition Hill.Bild: Wikimedia

03:00

Im Westjordanland erobern israelische Einheiten die jordanische Stellung bei Latrun und unterbrechen die Strassenverbindung von Jerusalem nach Ramallah. 

05:45

Syrische Artillerie beschiesst grenznahe Ortschaften in Nordisrael. Syrische Truppen rücken Richtung Tel Dan vor, wo ein Quellfluss des Jordans entspringt. Der Angriff scheitert.

06:00

Im nördlichen Sinai greift Scharons Division die strategisch wichtigen und von starken ägyptischen Kräften unter Generalmajor Sa'adi Nagib verteidigten Stellungen Umm Katef und Abu Ageila an. 

Jordanische Einheiten gehen westlich von Dschenin im nördlichen Westjordanland zum Gegenangriff über. 

Generalmajor Scharon befehligt die südlichste der drei israelischen Divisonen, die im Sinai vorrücken. Scharon wurde später Premierminister. 
Generalmajor Scharon befehligt die südlichste der drei israelischen Divisonen, die im Sinai vorrücken. Scharon wurde später Premierminister. Bild: EPA GPO

06:15

Die Eroberung des «Ammunition Hill» in Jerusalem ist abgeschlossen. Mit 36 israelischen und 71 jordanischen Gefallenen handelt es sich um eines der verlustreichsten Gefechte an der jordanischen Front

08:00

Der Nordosten Jerusalems ist komplett in israelischer Hand. 

12:00

Auf dem Sinai vereinigen sich die Spitzen der Panzerdivisionen von Tal und Joffe. 

Die Eroberung von Gaza ist abgeschlossen. 

Israelische Panzer auf dem Sinai.
Israelische Panzer auf dem Sinai.Bild: AP IMD

13:00

Dschenin kapituliert. 

17:00

Die jordanische Gegenoffensive westlich von Dschenin bricht zusammen. 

17:20

Die israelische Armee nimmt Kalkilia im Westjordanland und Abu Tor bei Jerusalem ein. 

18:30

Auf dem Sinai erreichen Joffes Panzer Dschebel Libni südlich von El Arisch und vernichten dort die ägyptischen Truppen, die zur Verstärkung nach Umm Katef und Abu Ageila unterwegs sind. 

Israelischer Panzer während eines Manövers im Sechstagekrieg.
Israelischer Panzer während eines Manövers im Sechstagekrieg.Bild: KEYSTONE

19:30

Ramallah im Westjordanland kapituliert. 

20:00

Der ägyptische Oberbefehlshaber, Feldmarschall Abd al-Hakim Amer, befiehlt den Rückzug der ägyptischen Einheiten hinter den Suezkanal. Amer – durch die israelischen Vorstösse in Panik geraten – besiegelt damit die Niederlage seiner Armee, die zwar in Bedrängnis, aber noch nicht vernichtend geschlagen ist. Während sich die Ägypter unter chaotischen Umständen zurückziehen, dringen die israelischen Panzerspitzen weiter vor, um die feindlichen Streitkräfte zu überholen und einzukesseln. 

Feldmarschall Abd al-Hakim Amer.
Feldmarschall Abd al-Hakim Amer.Bild: alchetron.com

24:00

Der jordanische König Hussein befiehlt aus Furcht vor einem israelischen Vorstoss ins jordanische Kernland den Rückzug der Truppen aus dem Westjordanland. Damit öffnet er der israelischen Armee den Weg zur vollständigen Eroberung des Westjordanlandes. 

TAG 3:
7. Juni 1967

Den ganzen Tag über beschiesst syrische Artillerie sporadisch von den Golan-Höhen aus Ziele in Nordisrael. 

06:15

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Dajan befiehlt nach anfänglichem Zögern – er befürchtet die Beschädigung der Heiligen Stätten und internationale Sanktionen – die Einkreisung der Altstadt von Jerusalem und deren Eroberung. 

Tal und Joffe treffen einander bei Dschebel Libni, um den Plan für die nächste Phase des Feldzugs festzulegen.

09:00

Joffes Division rückt auf dem Sinai nach Bir al-Hasna vor und schneidet damit ägyptischen Truppenteilen, die sich nach Westen zurückziehen, den Weg zum Mitla-Pass ab. 

Verlassene ägyptische Panzer vor dem Mitla-Pass.
Verlassene ägyptische Panzer vor dem Mitla-Pass.Bild: AP

09:30

Israelische Einheiten erreichen die Damia-Brücke über den Jordan südöstlich von Nablus. 

09:50

Israelische Fallschirmjäger dringen in die Altstadt von Jerusalem ein. Kurz darauf erreichen sie die Klagemauer, die Westmauer der einstigen Tempelanlage und damit eine der wichtigsten religiösen Stätten des Judentums. General Motta Gur funkt: «Der Tempelberg ist in unseren Händen.» 

Ikonisches Bild: Israelische Soldaten am 7. Juni 1967 an der Klagemauer in Jerusalem. 
Ikonisches Bild: Israelische Soldaten am 7. Juni 1967 an der Klagemauer in Jerusalem. Bild: AP GPO

11:00

Im Westjordanland nehmen israelische Truppen Tulkarem und kurz darauf Nablus ein. 

Israelische Panzer bei Jerusalem.
Israelische Panzer bei Jerusalem.Bild: AP IMD

12:15

Drei israelische Torpedoboote nehmen den Hafen von Scharm-el-Scheich im Süden der Sinai-Halbinsel ein. Die ägyptische Infanteriebrigade, die dort stationiert war, ist bereits geflohen. Der Golf von Akaba und die Strasse von Tiran sind für die israelische Schifffahrt wieder frei. 

Die jordanische Armee erhält den Befehl zum allgemeinen Rückzug. 

Ägyptische Gefangene nahe bei Scharm-el-Scheich.
Ägyptische Gefangene nahe bei Scharm-el-Scheich.Bild: EPA

14:30

Israelische Einheiten besetzen Bethlehem im Westjordanland. 

Tals Panzerdivision erobert die strategisch wichtige Kreuzung von Bir Gafgafa, 90 Kilometer östlich des Suez-Kanals. Fliehenden ägyptischen Truppen ist damit der Weg zum Suez-Kanal in diesem Sektor versperrt. 

Israelische Panzertruppen in Bethlehem.
Israelische Panzertruppen in Bethlehem.Bild: AP

18:00

Zwei israelische Panzer-Bataillone erreichen den 24 Kilometer langen Mitla-Pass, der den Zugang zum Suez-Kanal beherrscht. Kurz darauf blockieren Einheiten von Tals Division nördlich davon den Weg nach Ismailia am Suez-Kanal.
In den folgenden 30 Stunden versuchen die vor Scharons Division im Südosten fliehenden ägyptischen Truppen vergeblich, über den Mitla-Pass zum Kanal durchzubrechen. Der Pass wird zum «Valley of Death» für die ägyptischen Soldaten.
Anderen Einheiten gelingt der Rückzug über den erst später besetzten Giddi-Pass.

Im Westjordanland nehmen israelische Truppen Gush Etzion ein. 

Luftaufnahme von verlassenen und zerstörten ägyptischen Fahrzeugen beim Mitla-Pass.  
Luftaufnahme von verlassenen und zerstörten ägyptischen Fahrzeugen beim Mitla-Pass.  Bild: AP

19:30

Israelische Einheiten besetzen Jericho am westlichen Jordanufer.

19:40

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser lehnt in krasser Verkennung der militärischen Lage eine Waffenstillstands-Initiative des UNO-Sicherheitsrates ab. 

Der ägyptische Präsident Nasser überlebte die Niederlage politisch und blieb bis zu seinem Tod 1970 im Amt. 
Der ägyptische Präsident Nasser überlebte die Niederlage politisch und blieb bis zu seinem Tod 1970 im Amt. Bild: qantara.de

TAG 4:
8. Juni 1967

03:00

Eine ägyptische Panzerbrigade greift Tals Einheiten westlich von Bir Gafgafa an. 

05:55

Israelische Aufklärungsflugzeuge entdecken ein Schiff vor der Küste von Gaza. Sie identifizieren es als amerikanisches Kriegsschiff, die USS Liberty. Das Schiff wird in den israelischen Stabsplänen entsprechend markiert. 

Das amerikanische Aufklärungsschiff USS Liberty. 
Das amerikanische Aufklärungsschiff USS Liberty. Bild: Wikimedia

06:30

Israelische Truppen besetzen Hebron im Westjordanland. 

08:00

Westlich von Hebron treffen die von Süden und von Norden her vorrückenden israelischen Truppen aufeinander. 

09:00

Israelische Flugzeuge entdecken die USS Liberty 30 Kilometer vor der Küste bei El Arisch. Das israelische Kommando nimmt Kontakt mit dem US-Marineattaché auf und verlangt, dass sich US-Schiffe identifizieren oder aus der Gefechtszone zurückziehen. 

11:00

Die israelische Luftwaffe greift die syrische Luftverteidigung an. Der Angriff dient der Vorbereitung einer möglichen Operation «Makevet» (Hammer) – der Eroberung der Golan-Höhen.

13:00

Die israelische Armee zerstört alle Brücken über den Jordan. Das Westjordanland befindet sich vollständig unter israelischer Kontrolle. 

13:41

Israelische Patrouillenboote entdecken die USS Liberty, können das Schiff aber nicht identifizieren und fordern Luftunterstützung an. Auch die Piloten erkennen die USS Liberty nicht als amerikanisches Schiff und beschiessen es. Weitere Jets bombardieren das Schiff mit Napalm. Der Vorfall kostet 34 US-Matrosen das Leben, 172 werden verletzt. Bis heute ist umstritten, ob die israelische Armee das Schiff wirklich irrtümlich angriff. Da die USS Liberty Funksprüche und Radarsignale aufzeichnete, könnte der Angriff auch absichtlich erfolgt sein, um die USA am Abhören der israelischen militärischen Kommunikation zu hindern. 

Die USS Liberty nach dem israelischen Angriff.
Die USS Liberty nach dem israelischen Angriff.Bild: Wikimedia

18:00

Israelische Truppen stossen trotz gegenteiliger Befehle von Mosche Dajan bis zum Suez-Kanal vor: Tals Panzerspitzen nehmen El Kantara nördlich von Ismailia ein. 

Israelische Panzer am 8. Juni 1967.
Israelische Panzer am 8. Juni 1967.Bild: AP

TAG 5:
9. Juni 1967​

01:00

Auch Joffes Panzerspitzen erreichen bei Ismailia den Suez-Kanal. 

Israelische Truppen auf dem Sinai. 
Israelische Truppen auf dem Sinai. Bild: KEYSTONE

03:20

Der ägyptische UNO-Botschafter akzeptiert den Waffenstillstand. 

07:20

Nachdem aus einer abgefangenen Botschaft Nassers hervorgeht, dass die ägyptischen Streitkräfte vor dem Zusammenbruch stehen, gibt der israelische Verteidigungsminister Dajan seine Bedenken gegen einen Angriff auf die Golan-Höhen auf. Da die syrischen Stellungen oben auf einer 500 Meter hohen Steilflanke liegen, gilt ein Angriff als riskant. 

11:30

Israelische Truppen unter dem Kommando von Generalmajor David Elazar greifen die syrischen Stellungen auf den Golan-Höhen an. Der Angriff findet im Norden statt, wo der Hang steiler abfällt und die syrischen Stellungen daher weniger stark besetzt sind. Der israelische Vormarsch mit Bulldozern und Panzern ist verlustreich und langsam, da die syrische Artillerie nicht ausgeschaltet werden kann. 

Israelische Truppen an der syrischen Front auf den Golan-Höhen. 
Israelische Truppen an der syrischen Front auf den Golan-Höhen. Bild: AP IMD

18:20

Nach blutigen Gefechten vertreibt die israelische Golani-Brigade die in Bunkern verschanzten syrischen Truppen bei Tel Fahar. 

Israelischer Panzer auf dem Golan.
Israelischer Panzer auf dem Golan.

18:30

Während die ägyptischen Medien noch kurz zuvor einen ägyptischen Sieg verkündet haben, kündigt der ägyptische Präsident Nasser nun in einer im Fernsehen übertragenen Rede seinen Rücktritt an. Darauf bilden sich in Ägypten «spontane» Demonstrationen, die Nasser zum Bleiben auffordern. Nasser kommt daher später auf seinen Beschluss zurück. 
In seiner Rede beschuldigt Nasser die USA, sie hätten Israel militärisch unterstützt. Kurz darauf werden die US-Botschaften in der arabischen Welt von wütenden Demonstranten belagert. 

TAG 6:
10. Juni 1967

08:30

Das syrische Radio meldet, Kuneitra sei von israelischen Truppen erobert worden. Diese sind jedoch noch etwa zehn Kilometer von dem Hauptort des Golans entfernt. Mit der Falschmeldung hofft die syrische Führung, die Sowjetunion dazu zu bringen, mehr Druck für einen Waffenstillstand auszuüben. Die Nachricht wird aber von den syrischen Truppen auf den Golan-Höhen für bare Münze genommen; sie ziehen sich zurück, da sie befürchten, dass ihnen der Fluchtweg abgeschnitten wird. 

Panzerschlacht auf dem Golan.
Panzerschlacht auf dem Golan.Bild: AP

14:30

Israelische Einheiten erobern Kuneitra. Damit enden die militärischen Aktivitäten der israelischen Armee fast vollständig. 

15:00

Der israelische Verteidigungsminister Dayan akzeptiert einen Waffenstillstand ab 18.00 Uhr. 

Dajan (r.) bei seiner ersten Pressekonferenz als Verteidigungsminister am 3. Juni 1967. 
Dajan (r.) bei seiner ersten Pressekonferenz als Verteidigungsminister am 3. Juni 1967. Bild: AP

19:30

Der vom UNO-Sicherheitsrat verfügte Waffenstillstand tritt in Kraft. Der Sechstagekrieg ist beendet. 
Die Kampfhandlungen haben auf israelischer Seite knapp 800 Tote und über 2500 Verwundete gefordert. Auf Seite der arabischen Staaten sind die Verluste ungleich höher: rund 12'000 Tote und 30'000 Verwundete. Auch die materiellen Verluste sind auf arabischer Seite viel höher. Während die israelischen Streitkräfte 46 Flugzeuge und rund 400 Panzer verlieren, sind es bei den arabischen Staaten mehr als 450 Flugzeuge und rund 1200 Panzer. 

Ägyptische Gefangene bei Rafah.
Ägyptische Gefangene bei Rafah.Bild: AP GPO

Die Folgen

Der überwältigende Sieg der israelischen Armee demütigt die arabische Welt. Vor allem die Vormacht Ägypten mit dem ehrgeizigen Nasser an der Spitze sinnt auf Rache. Erst nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973, in dem die arabischen Armeen bedeutende Anfangserfolge erzielen können, ist Ägypten unter Präsident Anwar as-Sadat zu einem Friedensschluss mit dem jüdischen Staat bereit. 

Gebietsgewinne und drei arabische «Nein»

Israel vervierfacht durch die Eroberungen – Westjordanland, Gaza, Golan-Höhen und Sinai-Halbinsel – sein Gebiet, begradigt und verkürzt aber gleichzeitig die zu verteidigenden Grenzlinien. Dennoch ist Jerusalem zunächst bereit, die eroberten Gebiete – mit einigen Ausnahmen vornehmlich im Gazastreifen und dem Westjordanland – gegen einen Friedensschluss mit seinen Nachbarn zurückzugeben. Die arabischen Staaten verwerfen diese Möglichkeit. Am 1. September 1967 verabschiedet die Arabische Liga in Khartum eine Resolution, die drei «Nein» umfasst: kein Friede mit Israel, keine Anerkennung Israels, keine Verhandlungen mit Israel. 

Fläche vervierfacht: Israelische Gebietsgewinne im Sechstagekrieg.
Fläche vervierfacht: Israelische Gebietsgewinne im Sechstagekrieg.Karte: Wikimedia/Hoheit

Flüchtlinge ...

Durch die Gebietsgewinne gerät rund eine Million mehrheitlich palästinensischer Araber unter israelische Verwaltung. Wie schon beim Israelisch-arabischen Krieg von 1948 fliehen zahlreiche palästinensische Zivilisten aus dem Kriegsgebiet und verlieren ihre Heimat. Diesmal fliehen rund 300'000 aus dem Westjordanland nach Jordanien, wo sie die palästinensische Mehrheit verstärken. Nur wenige zehntausend  von ihnen können später zurückkehren. Aus den Golan-Höhen fliehen etwa 100'000 Menschen. 

Palästinensische Flüchtlinge überqueren die beschädigte Allenby-Brücke über den Jordan.  
Palästinensische Flüchtlinge überqueren die beschädigte Allenby-Brücke über den Jordan.  Bild: AP NY

... und Siedler

Bald nach dem Sechstagekrieg gründen überzeugte Zionisten erste Siedlungen im besetzten Land, die von der internationalen Gemeinschaft nahezu einhellig als illegal betrachtet werden. Seither hat die Zahl der Siedler im Westjordanland und in Ostjerusalem stetig zugenommen; nur die Siedlungen auf dem Sinai (1982 endgültig an Ägypten zurückgegeben) und im Gazastreifen (2005 geräumt) werden aufgegeben. Heute leben rund 400'000 Siedler im Westjordanland.
Die Besetzung ist zwar nicht Ursache des Konflikts, sondern eine seiner Folgen, doch die Tatsache, dass Israel eine Besatzungsmacht wird, verändert das Land.​

Vom David zum Goliath

Der Sechstagekrieg verändert die Sicht auf Israel: Die Wahrnehmung des jüdischen Staats als bedrohter David, der sich gegen einen arabischen Goliath wehrt, tritt zurück und macht Platz für eine Sichtweise, in der Israel als regionale militärische Grossmacht fungiert. Die israelische Führung, militärisch wie politisch, neigt nach dem klaren Sieg im Sechstagekrieg dazu , den Gegner zu unterschätzen. Diese Überheblichkeit kommt Israel im Jom-Kippur-Krieg teuer zu stehen. 

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20 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
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flugsteig
05.06.2017 14:41registriert Februar 2014
Sehr guter Artikel. Einen zweiten Teil über den Jom-Kippur-Krieg wäre klasse.
👌🏻👍🏻
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Zum Kommentar
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nostawrivelo
05.06.2017 14:42registriert April 2017
Toller Artikel! Wäre schön mehr Geschichte auf Watson zu sehen
1544
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Zum Kommentar
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Randy Orton
05.06.2017 16:54registriert April 2016
Sehr spannend geschrieben. Ich habe immer Mühe mit diesen einseitigen Sichtweisen auf solche Konflikte. Auch wenn Israel hier eventuell zu gut weg kommt, zeigt es klar auf, welche Hintergründe der Konflikt im Gaza und im Westjordanland haben und welche Mitschuld die Moslems tragen.
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«Wir müssen Apples Zwangsjacke ablegen, um innovativ zu sein»
Evgeny Morozov ist der Michel Foucault der Digital-Moderne: Er analysiert die Machtstrukturen des Internets. Dass die Tech-Industrie jedes Problem mit einer App lösen will, sieht er als eigentliches Problem. Eine gefährliche Ideologie breite sich aus.

Messerscharf analysiert Evgeny Morozov in seinem Buch «The Net Delusion», warum das Internet nicht zu mehr Demokratie und Freiheit, sondern zu mehr Unterdrückung und Überwachung führt. Das war 2011, der Arabische Frühling und der Börsengang von Facebook standen noch bevor. Morozov war ­damals erst 26 Jahre alt und hatte ein, wie die FAZ schreibt, «epochenmachendes» Buch verfasst.

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