Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
This April 9, 2019, photo shows central area of Okuma town, Fukushima. Japan has partially lifted an evacuation order in one of the two hometowns of the tsunami-wrecked Fukushima nuclear plant for the first time since the 2011 disaster. The action taken Wednesday, April 10, 2019, allows people to return about 40 percent of Okuma. The area seen in this photo is still under evacuation order. (Kyodo News via AP)

Immer noch eine Geisterstadt: Okuma am 9. April 2019. Bild: AP/Kyodo News

Acht Jahre nach Fukushima kehren Bewohner in die Sperrzone zurück



10'000 Menschen lebten in Okuma, vor gut acht Jahren. Dann, am 11. März 2011, bebte die Erde und ein gewaltiger Tsunami überflutete die Küste der japanischen Provinz Tohoku. Die Flutwelle legte die Stromversorgung und die Notstromaggregate im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi lahm, das zum Teil auf dem Gemeindegebiet von Okuma liegt. Die Havarie führte zum weltweit zweitgrössten Störfall in einem AKW nach Tschernobyl. In drei Reaktorblöcken kam es zur Kernschmelze.

Okuma wurde evakuiert. Und nicht nur Okuma wurde zur Geisterstadt: In einem Umkreis von 20 Kilometern um die Kraftwerksruine mussten etwa 160'000 Menschen ihr Heim verlassen. Lange wagten sich nur noch mit Geigerzählern bewaffnete Katastrophen-Touristen in die Sperrzone.

Karte Evakuierungszone Fukushima 
Stand vom 15. Juni 2012: Neben Sperrgebiet und „Deliberate Evacuation Area

Die Evakuierungszone um das AKW Fukushima Daiichi (Stand 2012). Okuma lag vollständig in der Sperrzone. Bild: Wikimedia/Ministry of Economy, Trade and Industry (Japan)

Mittlerweile hat die radioaktive Strahlung aber in grossen Bereichen der Sperrzone so weit abgenommen, dass die japanischen Behörden den Bewohnern ab 10. April 2019 die Rückkehr erlauben. Auch nach Okuma, das unmittelbar westlich der Atomruine liegt. Rund 38 Prozent des Stadtgebiets sind als sicher für die permanente Rückkehr eingestuft worden. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe besuchte Okuma am 14. April und wohnte der Eröffnung des Stadthauses bei. Der Bürgermeister der Stadt, Toshitsuna Watanabe, sagte, das Gebäude sei ein Symbol für die Wiederbelebung und den Wiederaufbau von Okuma.

Der grössere Teil der Stadt, darunter das Zentrum, ist jedoch nach wie vor nicht dauerhaft bewohnbar. Das gilt auch für Futaba, die andere Gemeinde, auf deren Gebiet sich das Kraftwerk befindet sowie für andere Kleinstädte in der Nähe des AKWs. Derzeit können deshalb mehr als 40'000 Personen auf absehbare Zeit nicht in ihre vorherige Wohnung zurück.

Geisterstadt Okuma beim Atomkraftwerk Fukushima
https://real-fukushima.com/projects/okuma_town/

Die Hauptstrasse von Okuma. Bild: real-fukushima.com

Wenn sie dies denn überhaupt noch wollen: Trotz der Aufhebung des Evakuierungsbefehls werden voraussichtlich nur wenige der ehemaligen Bewohner nach Okuma zurückkehren. Ende März seien lediglich 367 Personen für die Rückkehr in die zwei freigegebenen Bezirke registriert gewesen, berichtet Japantimes.co.jp – das seien nur gerade 3,5 Prozent der ursprünglich 10'431 Personen umfassenden Bevölkerung. Auch eine Umfrage im Jahr 2018 ergab, dass lediglich 12,5 Prozent der Einwohner die Rückkehr ins Auge fassen.

Okuma beim AKW Fukushima Daiichi
https://real-fukushima.com/projects/okuma_town/

Wo die Menschen fehlen, wuchern die Pflanzen. Bild: Real-Fukushima.com

Grund für den mangelnden Rückkehrwillen dürfte zum einen sein, dass sich viele der ehemaligen Bewohner an einem neuen Ort eingerichtet haben und nicht erneut umziehen wollen. Zum andern fürchten viele – besonders in Familien mit kleinen Kindern – gesundheitliche Folgen der Strahlung. Nach wie vor dauern die Entsorgungsarbeiten im verseuchten Atommeiler an; voraussichtlich werden dreissig bis vierzig Jahre dafür benötigt. Überdies hat das Vertrauen in die Atomwirtschaft im Nachgang der Katastrophe stark gelitten, denn die Betreiberfirma Tepco hat nicht offen kommuniziert, sondern Missstände systematisch verharmlost.

Ausserdem lagern in Okuma immer noch Millionen von Kubikmetern verseuchter Erde, die bei der Dekontaminierung der Kraftwerksumgebung abgetragen wurde. Die japanische Regierung hat zwar versprochen, dass diese Zwischenlager in der Provinz Fukushima bis 2045 aufgehoben werden sollen, doch bisher weiss noch niemand, wohin die in schwarze Müllsäcke abgefüllte Erde schliesslich kommen soll.

Workers pile up plastic bags containing radiation-contaminated fallen leaves and surface soil collected from surrounding area in the municipal baseball field for temporary storage in Okuma, a town where the crippled Fukushima Dai-ichi nuclear plant is located, in Fukushima Prefecture, Japan, Thursday, Feb. 9, 2012. A massive earthquake and tsunami badly damaged the plant last March, resulting in the melting of three reactor cores and more than 100,000 people around the plant fled their homes after the disaster due to radiation fears. (AP Photo/Kyodo News) JAPAN OUT, MANDATORY CREDIT, NO LICENSING IN CHINA, FRANCE, HONG KONG, JAPAN AND SOUTH KOREA

Die verseuchte Erde, die bei der Dekontaminierung der Kraftwerksumgebung anfiel, wurde in schwarze Müllsäcke abgepackt. Bild: AP Kyodo News

(dhr)

Japan acht Jahre nach Fukushima

abspielen

Video: srf/SDA SRF

Fukushima – Bilder aus der verbotenen Zone

So sieht die Sperrzone von Fukushima heute aus

Play Icon

Atomausstieg – Ja, Nein? Mehr zum Thema hier:

Von der Energielösung zur Bedrohung: So eroberte der Atomstrom Europa

Link zum Artikel

Solides Ja oder Trend zum Nein? Umfrage-Chaos beim Atomausstieg

Link zum Artikel

Stehen Atomkraftwerke «nutzlos herum»?

Link zum Artikel

«Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?» 7 Politiker und der Atomausstieg 

Link zum Artikel

Atomausstiegs-«Arena»: Alarm, Licht aus und eine siegreiche Bundesrätin

Link zum Artikel

Sie rentieren nicht mehr – Alpiq will AKW Leibstadt und Gösgen verschenken

Link zum Artikel

Die 6 «Swing States» der Schweiz – hier könnte der AKW-Entscheid fallen

Link zum Artikel

Umfrage zeigt: Schweizer wollen immer noch den raschen Atomausstieg

Link zum Artikel

Chance für die Wirtschaft: Weshalb der Atomausstieg 5700 Arbeitsplätze schaffen könnte 

Link zum Artikel

Beschädigte Brennstäbe: Das Ausmass beim AKW Leibstadt ist grösser als gedacht

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Atomausstieg – Ja, Nein? Mehr zum Thema hier:

Von der Energielösung zur Bedrohung: So eroberte der Atomstrom Europa

56
Link zum Artikel

Solides Ja oder Trend zum Nein? Umfrage-Chaos beim Atomausstieg

57
Link zum Artikel

Stehen Atomkraftwerke «nutzlos herum»?

44
Link zum Artikel

«Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?» 7 Politiker und der Atomausstieg 

101
Link zum Artikel

Atomausstiegs-«Arena»: Alarm, Licht aus und eine siegreiche Bundesrätin

98
Link zum Artikel

Sie rentieren nicht mehr – Alpiq will AKW Leibstadt und Gösgen verschenken

62
Link zum Artikel

Die 6 «Swing States» der Schweiz – hier könnte der AKW-Entscheid fallen

78
Link zum Artikel

Umfrage zeigt: Schweizer wollen immer noch den raschen Atomausstieg

28
Link zum Artikel

Chance für die Wirtschaft: Weshalb der Atomausstieg 5700 Arbeitsplätze schaffen könnte 

80
Link zum Artikel

Beschädigte Brennstäbe: Das Ausmass beim AKW Leibstadt ist grösser als gedacht

56
Link zum Artikel

Atomausstieg – Ja, Nein? Mehr zum Thema hier:

Von der Energielösung zur Bedrohung: So eroberte der Atomstrom Europa

56
Link zum Artikel

Solides Ja oder Trend zum Nein? Umfrage-Chaos beim Atomausstieg

57
Link zum Artikel

Stehen Atomkraftwerke «nutzlos herum»?

44
Link zum Artikel

«Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?» 7 Politiker und der Atomausstieg 

101
Link zum Artikel

Atomausstiegs-«Arena»: Alarm, Licht aus und eine siegreiche Bundesrätin

98
Link zum Artikel

Sie rentieren nicht mehr – Alpiq will AKW Leibstadt und Gösgen verschenken

62
Link zum Artikel

Die 6 «Swing States» der Schweiz – hier könnte der AKW-Entscheid fallen

78
Link zum Artikel

Umfrage zeigt: Schweizer wollen immer noch den raschen Atomausstieg

28
Link zum Artikel

Chance für die Wirtschaft: Weshalb der Atomausstieg 5700 Arbeitsplätze schaffen könnte 

80
Link zum Artikel

Beschädigte Brennstäbe: Das Ausmass beim AKW Leibstadt ist grösser als gedacht

56
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

15
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bangarang 17.04.2019 10:47
    Highlight Highlight Das Gebiet wurde vor allem mit Cäsium 137 verstrahlt, Halbwertszeit 30,08 Jahre. Heute wird auch Hiroshima und Nagasaki wieder bewohnt.

    Fukushima war ein schreckliches Ereigniss, aber kein Weltuntergang.

    • Aladdin 18.04.2019 11:03
      Highlight Highlight Bangarang: In meinen Augen verharmlost du zu stark: Erst nach zirka 70 Jahren dürfte eine Rückkehr nach Futaba möglich sein. Gemäss Wikipedia betrug die Strahlenbelastung von Futaba 2011 zum Teil mehr als 100 milli Sievert pro Jahr. Der Grenzwert den Japan für eine dauerhafte Rückkehr festgesetzt hat, beträgt 20 mSv/a.
      Das heisst, nach 30 Jahren beträgt der Wert (ausgehend von 100 mSv pro Jahr) noch 50 mSv/Jahr und nach 60 Jahren immer noch grenzwertüberschreitende 25 mSv/Jahr.
  • Kubod 17.04.2019 00:21
    Highlight Highlight Ich erinnere mich, dass in den Nachrichten die AKW Katastrophe mit dem Tsunami so vermischt wurde, dass es schien, die Zehntausenden von Toten seien nicht durch den Tsunami, sondern durch das AKW ums Leben gekommen. Die sinnlos über Energiewende in Deutschland und das populistische gedankenlose Nachziehen Leuthardts wurden so gerechtfertigt. Die Idee war wohl, den Grünen den Wind aus den Segeln zu nehmen.
    Fakt ist, dass Tepco die Wasserschutzwand um die veralteten Meiler trotz vorheriger Aufforderung der Kontrollbehörde nicht den Vorschriften gemäss erhöht hat. In CH hoffentlich unmöglich.


    • Alnothur 17.04.2019 13:58
      Highlight Highlight Und darüber hinaus hat das anwesende Team nach dem Stromausfall die passive Kühlung des Reaktors abgeschaltet. Sprich, die Kernschmelze wurde vom Team verursacht, nicht vom Tsunami oder Erdbeben. So dermassen dumm muss man auch erstmal sein...
  • Mutbürgerin 17.04.2019 00:04
    Highlight Highlight Egal was der Mensch verbricht, die Natur erholt sich in kürzester Zeit. Die Natur hat Millionen Jahre von unterschiedlichen Katastrophen überdauert. Das weiss jeder, der seinen Vorplatz versucht mit Roundup von unkraut zu befreien.
    • Bangarang 17.04.2019 10:48
      Highlight Highlight Alle 3 Monate Roundup und der Vorplatz bleibt Vorplatz.
  • DrFreeze 16.04.2019 19:55
    Highlight Highlight Ich staune dass, wie bei Tschernobyl, alles grün ist und zu gedeihen scheint. Die Abwesenheit des Menschen scheint Wunder zu wirken.
  • Maya Eldorado 16.04.2019 19:44
    Highlight Highlight Die verseuchte Erde ist in schwarzen Müllsäcken.
    Ich vermute schwer, dass die aus Plastik sind. Wie lange halten die wohl, bis sie verbrösmelen?
    • Toerpe Zwerg 16.04.2019 20:14
      Highlight Highlight Die wird ja nicht in den Säcken bleiben ...
    • Maya Eldorado 16.04.2019 20:27
      Highlight Highlight Ja schon. Aber zuerst müssen die ja wissen wohin damit. Aber da haben sie ja noch keine Ahnung.

      Die Regierung hat ja versprochen diese bis 2045 aufzuheben. Aber bis jetzt wissen die noch nicht wohin damit.

      Also wenn ich sowas lese, kann man nur hoffen, dass das äusserst stabiler Plastik ist.


  • leu84 16.04.2019 19:30
    Highlight Highlight Leider darf man der Regierung Abe bzw. Tepco in diesem Thema nicht ganz trauen. Nächsten Sommer ist Olympia und da hat man sich perfekt zu präsentieren.
    • Dominik Treier 17.04.2019 02:05
      Highlight Highlight Man möchte sogar das Olympische Radrennen durch die Sperrzone führen um zu beweisen, dass man diese Technologie und zu kontrollieren in der Lage sei... Da werden schon mal Kollateralschäden in kauf genommen...
    • leu84 17.04.2019 06:32
      Highlight Highlight Ich kenne ein paar Leute aus Japan, die oft kritisch darüber und überähnliche Fälle Berichten. Werden vom Geheimdienste beschattet wenn sie irgendwo eine Demonstration abhalten und droht ihnen psychisch und seit letztem Jahr gab es ein Gesetz, welches Abe mehr Macht verleiht und Kritiker als "Terroristen"/Verräter in Gewahrsam zu nehmen.
    • Bangarang 17.04.2019 10:50
      Highlight Highlight Da braucht es keine Geheimnisskrämerei, Physik hilft. Und Geigerzähler/Dosimeter sind auch in Japan legal. Darf jeder selber messen.

      Natürlich tönt es besser von einer globalen Atommaffia-Chemtrail-Weltverschwörung zum murmeln ...
    Weitere Antworten anzeigen

Welche Marke ist wohl die wertvollste der Welt? Spoiler: Es ist eine Frucht...

Trotz des verstärkten Augenmerks von Wettbewerbshütern auf Tech-Konzerne: Apple, Google, Amazon und Microsoft bleiben in der Rangliste der Marktforschungsfirma Interbrand mit Abstand die wertvollsten Marken der Welt.

In der am Donnerstag veröffentlichten jährlichen Studie errechnete Interbrand für Apple einen Markenwert von gut 234 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von neun Prozent. Google belegt Platz zwei mit einem Plus von acht Prozent auf 167.7 Milliarden Dollar.

Bei Amazon sehen die …

Artikel lesen
Link zum Artikel