Es war die umfangreichste Marine-Landeoperation der Weltgeschichte: Am 6. Juni 1944 begann unter dem Codenamen Operation Neptune die Landung der alliierten Streitkräfte an der Küste der Normandie – und damit die erste Phase der übergeordneten Operation Overlord, der Rückeroberung Frankreichs und der Errichtung einer zweiten Front gegen das Deutsche Reich.
156'000 Soldaten, 195'000 Marineleute, 5300 Schiffe aller Grössen und Bauarten, rund 11'000 Flugzeuge, darunter 4000 Jagdflugzeuge und 4000 Bomber – dies alles an jenem 6. Juni 1944. In den Tagen und Wochen danach kamen weitere etliche Hunderttausende dazu.
Der grösste Anteil der alliierten Angriffstruppen wurde durch die USA, Grossbritannien und Kanada gestellt. Doch auch freie französische Einheiten unter dem Kommando von General Charles de Gaulle sowie australische, tschechoslowakische, polnische, niederländische, belgische, norwegische, neuseeländische, griechische, südafrikanische und rhodesische Einheiten waren beteiligt.
Entgegen den Erwartungen der deutschen Wehrmacht, die von einer Invasion an der engsten Stelle des Ärmelkanals – am Pas-de-Calais – ausging, wählten die Alliierten den langen Weg zu den Stränden der Normandie.
Der Angriff erfolgte auf einer Breite von 98 km zwischen Sainte-Mère-Église im Westen und Ouistreham im Osten. Den alliierten Divisionen wurden fünf Strandabschnitte zugeteilt, welche die Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword erhielten. Zudem gingen der Seeinvasion Luftlandeoperationen bei wesentlichen taktischen Zielorten voraus.
Monatelang wurde zuvor die Seelandung an den Stränden der englischen Grafschaften Dorset und Devon trainiert.
Oberkommandierender aller alliierten Streitkräfte – Supreme Allied Commander – war US-General Dwight D. Eisenhower (im Bild in der Mitte); Oberkommandierender aller alliierten Bodentruppen der britische General Bernard Montgomery (r.); Oberkommandierender aller Streitkräfte zur See der britische Admiral Bertram Ramsay (l.).
Voraussetzung für eine erfolgreiche Seeinvasion war die totale Luftüberlegenheit der alliierten Luftstreitkräfte. Dies war im Juni 1944 erreicht. Die deutsche Luftwaffe in Nordfrankreich war arg dezimiert.
Sämtliche Flugzeuge aller alliierten Luftstreitkräfte erhielten sogenannte invasion stripes – schwarzweisse Streifenmarkierungen –, um Falschidentifikationen möglichst zu verhindern.
Allererstes Ziel, Stunden bevor irgendein Boot die Strände der Normandie erreichte, war es, die Ostflanke zu sichern. Britische Kommandoeinheiten bekamen die Aufgabe, die strategisch wichtigen Brücken über den Orne-Fluss und den Caen-Kanal bei Bénouville (Bild) einzunehmen und zu halten.
Dazu wurden Lastensegler vom Typ Horsa verwendet. Der Vorteil dieser Segelflugzeuge gegenüber Landungen mit Fallschirmen war der lautlose Anflug, der einen Überraschungsangriff ermöglichte, sowie, dass Truppen konzentriert und punktgenau abgesetzt werden konnten, während sie bei Fallschirmeinsätzen meist weit verstreut landeten.
Um 16 Minuten nach Mitternacht am 6. Juni 1944 erreichten die allerersten alliierten Truppen französischen Boden: Drei Lastensegler landeten 50 Meter entfernt von der Brücke über den Caen-Kanal. Trotz der harten Landungen bemerkte die nur wenige Meter entfernte deutsche Wacheinheit nichts und der Überraschungsmoment war perfekt.
Trotz zahlenmässiger Unterlegenheit wurden beide Brücken erobert und 21 Stunden lang erfolgreich gegen deutsche Panzer-, Kanonenboot- und Infanterie-Gegenangriffe verteidigt, bis Ablösung eintraf in Form der 6th Commandos, die von Sword Beach aus unter Dudelsackklängen in Richtung der Brücken marschierten.
Der Familie Gondrée, die das gleichnamige Café an der Westseite der Pegasus-Brücke betrieb, gebührte die Ehre, die ersten befreiten Franzosen der Normandie-Schlacht zu sein.
Derweil erfolgte in den frühen Morgenstunden des 6. Junis der Fallschirmangriff der 82. und 101. US-Luftlandedivisionen im Hinterland von Utah Beach, um die Westflanke der Invasion zu sichern.
Ein besonders blutiger Kampf ereignete sich im Städtchen Sainte-Mère-Église, wo sich aufgrund eines zufälligen Feuers in der Stadt bereits deutsche Truppen vor Ort befanden. Durch Windeinwirkung wurden die US-Fallschirmjäger just in das Städtchen getrieben, wo sie schwere Verluste erlitten.
Bekannt wurde das Missgeschick des Fallschirmjägers John Steele vom 505. Fallschirmjägerregiment: Er blieb mit seinem Fallschirm an einem der Ecktürme des Kirchturms hängen und konnte sich anschliessend nicht befreien, da der Kirchplatz heftig umkämpft war. Ausser ihm blieb noch ein zweiter Soldat, der 17-jährige Ken Russell, an der Kirche hängen. Von dort oben mussten sie mitansehen, wie ihre Kameraden im Kampf fielen. Noch heute erinnert ein Denkmal am Kirchturm von Sainte-Mère-Église an die Luftlandeoperation:
Auch das war D-Day:
Operation Fortitude war eine der erfolgreichsten Täuschungsaktionen des Zweiten Weltkriegs. Zur Verschleierung der Invasion in der Normandie stellten die Alliierten ab 1943 an der schmalsten Stelle des Ärmelkanals zwischen England und Frankreich bei Dover ganze Heereseinheiten von Attrappen von Panzern, Flugzeugen, Artilleriegeschützen und anderem Kriegsmaterial aus Holz oder aufblasbarem Gummi als Ablenkung auf und übten in der Themse Landungsmanöver.
Der Hauptstoss waren aber die mehr als 100'000 Soldaten, die in Schiffen und Landungsbooten auf die designierten Strandabschnitte geschifft werden mussten.
Die Seeinvasion begann unmittelbar bei Tagesanbruch mit schwerem Bombardement der deutschen Verteidigungseinrichtungen an der Küste.
Am westlichen Ende des Landeabschnitts, am hoch gelegenen Pointe du Hoc, befand sich eine deutsche Stellung mit sechs 155-mm-Feldkanonen, die den Strand bewachten und somit die amerikanischen Landungstruppen unter Beschuss hätten nehmen können. Eine aus 225 Männern bestehende US-Rangerbataillon musste zuerst von See aus am Fuss der Klippen anlanden, dann mit Seilen und Leitern die Felswände emporklettern und danach das obere Kliff erobern.
Allen Widrigkeiten und erbittertem Widerstand der deutschen Truppen zum Trotz schafften sie es – um dann feststellen zu müssen, dass die schweren Geschütze bereits entfernt worden waren.
Ab 6.30 Uhr begannen die Landungen an allen Strandabschnitten.
Schwerer Beschuss verhinderte, dass die Landungsboote bei Omaha Beach nahe genug anlanden konnten, weshalb die Soldaten hundert Meter durch das Meer waten mussten. Wegen der daraus resultierenden schweren Verluste der US-Truppen bekamen die Landungsboote die Bezeichnung «taxis to hell and back».
Etwas besser erging es den britischen und kanadischen Truppen auf ihren Strandabschnitten – obwohl auch nicht ohne Verluste, wie dieses Bild beweist.
Bilder der amerikanischen Strandabschnitte, wo unter unnachgiebigem Beschuss Verwundete versorgt werden mussten:
Gegen Ende des Tages mussten die deutschen Verteidigungsstellungen – auch auf Omaha Beach – aufgeben, nicht zuletzt aufgrund der schieren Menge an Truppen, Waffen und Panzern, die nonstop an den Stränden abgeladen wurden.
Die Landung kam für die deutsche Führung völlig unerwartet. Erst am 6. Juni um 3 Uhr morgens wurden die ersten Schiffe gesichtet. Als um 4.30 Uhr die ersten deutschen Boote von Le Havre ausliefen, um diese aufzuklären, wurden zur selben Zeit schon die deutschen Küstenbefestigungen von Flugzeugen bombardiert.
Laut Walter Warlimont, Mitarbeiter im Wehrmachtführungsstab: «Am 5. Juni war sich das deutsche Hauptquartier nicht im geringsten gewahr, dass das entscheidende Ereignis des Krieges unmittelbar bevorstand. Keine Aufklärung hatte die mehr als 5000 Schiffe zu entdecken vermocht, die sich seit 24 Stunden über den Kanal in Richtung Normandie bewegten; keine Lagebeurteilung, sei es von Rommel [Oberbefehlshaber Heeresgruppe B], von Rundstedt [Oberbefehlshaber West] oder dem Wehrmachtführungsstab, sah nach Wetter und Gezeiten eine Landung in nächster Zeit auch nur als wahrscheinlich an.»
Mit der Sicherung der Brückenköpfe an den Landungsstränden begann die massierte Verschiebung von Truppen und Kriegsgerät von England nach Nordfrankreich erst recht.
Bereits einen Tag nach D-Day bot sich auf Omaha Beach diese Szene:
Auch wenn wenige Kilometer entfernt brutal gekämpft wurde, gingen die Lieferungen unaufhörlich weiter.
Allerlei Technologie wurde eingesetzt, um die Sandstrände befahrbar zu machen. Hier ein britischer «Teppichleger»-Panzer vom Typ Churchill, der eine erste behelfsmässige Fahrbahn auslegen konnte.
Mit schwimmenden Pontons, sogenannten Mulberry harbours, konnten die Alliierten innert kurzer Zeit grosse Mengen auch an schwerem Kriegsgerät entladen. Nur eine Woche nach D-Day sah es auf Omaha Beach bereits so aus:
Nach der Sicherung des Brückenkopfes an der Küste ging der alliierte Vorstoss weiter Richtung Inland. Die Landschaft der Normandie erwies sich dabei als Albtraum für die Angreifer und als Segen für die Verteidiger. Die uralte Landschaft bot ein labyrinthartiges Schlachtfeld mit Hecken und Barrieren, die sowohl Fernsicht als auch Panzer blockierten.
Viele französische Städte zahlten einen hohen Preis für ihre Befreiung. Hier die Ruinen von Valognes:
Mit der Kontrolle grösserer Gebiete in der Normandie begannen die Alliierten bald mit der Einrichtung von vorgeschobenen Luftwaffenstützpunkten. Dank ihrer Luftüberlegenheit konnten sich die britischen und US-Luftstreitkräfte auf die Nahunterstützung der Bodentruppen konzentrieren.
Es dauerte schliesslich mehr als zwei Monate von der ersten alliierten Landung am D-Day am 6. Juni bis zur Befreiung von Paris am 25. August, bis die libération vollzogen war. Der Weg dorthin war schwer und verlustreich.
Am 26. August 1944 war es so weit: Einheiten der Forces françaises libres konnten im Triumph durch ihre befreite Hauptstadt paradieren.
Dieses Unwissen führt dazu, dass sich gerade Jüngere von faschistischen Ideen verführen lassen und dafür sorgen, dass sich die Geschichte wiederholt.