Wissen
Food

Fleisch aus Vollweide: «Kein Fleisch hat eine schlechtere Ökobilanz»

Fleisch aus Vollweide: «Kein Fleisch hat eine schlechtere Ökobilanz»

31.08.2022, 20:3001.09.2022, 15:21

Eine Kuh grast friedlich auf einer Weide in Argentinien. Es ist eine Vollweidekuh – sie frisst nur, was die Weide hergibt. So wie es Mutter Natur wollte. Wenn ein solches Tier später zu Burgern verarbeitet wird, kann das ja nicht so schlimm sein. Schliesslich wurde es artgerecht gehalten und nicht mit Kraftfutter vollgestopft.

Weit gefehlt, sagt der britische Zoologe, Hochschuldozent und Journalist George Monbiot. Milch und Fleisch von Rindern und Schafen aus Vollweide ist fürs Klima am schädlichsten. «Ich weiss, dass diese Aussage schockiert», schreibt er im «Guardian». «Aber ich will damit nicht einfach provozieren. Ich versuche nur, bei den Fakten zu bleiben.»

Das eigentliche Problem von Rindern und Schafen auf der Vollweide ist der Platz, den sie benötigen: das Weideland. Die Gewinnung davon ist mit Abstand der grösste Treiber der weltweiten Abholzung.

Bild
bild: ourworldindata.org

Weideland ist im Vergleich zu Wäldern, Steppen und Sümpfen ökologisch weniger wertvoll, die Biodiversität ist geringer, die Speicherung von CO2 weitaus kleiner. Die Tiere fressen nicht nur Gräser und Kräuter, sie machen sich auch über Baumsprösslinge her.

Monbiot schätzt, dass in Grossbritannien allein die Schafe für vier Millionen Hektar baumlose Weiden verantwortlich sind. Eigentlich würde dort üppiger, gemässigter Regenwald wachsen.

Vier Millionen Hektar entsprechen der Fläche für die gesamte Getreideproduktion auf der Insel und rund einem Viertel der gesamten Agrarfläche. Der Früchte- und Gemüseanbau Grossbritanniens benötigt 23 Mal weniger Platz. Der daraus gezogene Nutzen steht dazu allerdings in keinem Verhältnis. Schaf- und Lammfleisch liefern gerade mal ein Prozent der in Grossbritannien konsumierten Kalorien.

Eindrücklich sehen die Zahlen auch auf globaler Ebene aus. 50 Prozent der weltweit habitablen Zone wird für die Landwirtschaft verwendet. 77 Prozent davon (38,5 Prozent der Gesamtfläche) für die Fleisch- und Milchwirtschaft. Das entspricht knapp der Landfläche des gesamten nord- und südamerikanischen Kontinents. Ein Grossteil davon (67 Prozent) wird als Weidefläche (26 Prozent der Gesamtfläche) genutzt.

Bild
bild: ourworldindata.org

Die gesamte Fleisch- und Milchwirtschaft deckt aber nur gerade 37 Prozent des Protein- und 18 Prozent des Kalorienkonsums der Menschheit. Monbiot zitiert eine Studie, die für ein durchschnittliches Kilo Protein aus Rindfleisch einen Fussabdruck von 1250 Kilogramm CO2 berechnet. Dieselbe Proteinmenge aus Sojabohnen kommt auf 17 Kilogramm. Das entspricht einem Faktor von 73.

Der Landverbrauch pro 100 Gramm Protein. Mit Shrimps, Bohnen und Nüssen, aber auch mit Eiern und Geflügel kann der Proteinbedarf der Menschheit um ein Vielfaches effizienter gedeckt werden als mit Rin ...
Der Landverbrauch pro 100 Gramm Protein. Mit Shrimps, Bohnen und Nüssen, aber auch mit Eiern und Geflügel kann der Proteinbedarf der Menschheit um ein Vielfaches effizienter gedeckt werden als mit Rindfleisch. bild: ourworldindata

Bleibt noch die Frage offen, was wäre, wenn sich die gesamte Menschheit komplett pflanzenbasiert ernähren würde. Damit könnten laut Our World in Data drei Viertel des aktuell genutzten Agrarlandes wieder der Natur übergeben werden.

(tog)

Ein Leben für den Frieden – die wichtigsten Momente von Michail Gorbatschow

Video: watson/lucas zollinger
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Vanille kann jeder – diese Glaces sind der wahre Hit
1 / 28
Vanille kann jeder – diese Glaces sind der wahre Hit
Es sollte einfach nicht allzu schnell schmelzen.
quelle: imgur
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«This is evil!» – Engländer findet «grösste Spinne Englands» in seinem Haus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Was der «einflussreichste Ökonom der Welt» über KI denkt, gefällt nicht allen
Daron Acemoglu ist Nobelpreisträger und einer der drei meistzitierten Ökonomen aller bisherigen Zeiten. Im Vergleich mit seinen Kollegen schätzt er die ökonomischen Folgen der künstlichen Intelligenz pessimistisch ein. Deshalb schlägt ihm harter Wind entgegen.
Wie viele Jobs wird KI zerstören? Und werden genügend neue geschaffen? Neben der Frage, ob uns künstliche Intelligenz dereinst komplett auslöschen wird, ist dies der wohl meistdiskutierte Aspekt von KI unter Ökonomen.
Zur Story