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Jeff Koons' «Cracked Egg» Bild: Reuters

Neue Statussymbole der Superreichen

Sie können fünf Yachten kaufen, aber wie viele Yachten kann man fahren? Kunst ist die praktikablere Lösung für eine Prunk-Show 

Yachten und Jets waren gestern: Der Kunstmarkt wird zur Goldgrube der Superreichen. Kunstwerke von Bacon, Warhole oder Koons sind die heutigen Statussymbole – In London und New York werden sie wie Aktien gehandelt. 



Über 61 Millionen Franken (70 Millionen Dollar) in weniger als zehn Minuten: Einem Wettkampf gleich peitschen im Londoner Auktionshaus Christie's vier Bieter den Preis für Francis Bacons Portrait of George Dyer Talking in die Höhe. Als der Hammer an diesem Abend im Februar fällt, hat die Kunstwelt einen weiteren Rekord, die Arbeit ist das teuerste je versteigerte Einzelbild des Malers. 

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Bacons «Portrait of George Dyer Talking» (1966): Das Bild zeigt den Liebhaber des Malers, der 1971 tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wurde. Er hatte sich mit einer Überdosis Tabletten und Alkohol das Leben genommen.  Bild: Reuters

Überrascht hat die riesige Summe kaum noch. In den vergangenen Jahren ist auf dem internationalen Kunstmarkt ein Milieu supersolventer Sammler entstanden, die die Preise zeitgenössischer Kunst ins Fantastische treiben.

Christie's und Konkurrent Sotheby's überbieten sich mit immer neuen Rekordmeldungen. Im November verkaufte Christie's Bacons «Three Studies of Lucian Freud» für rund 127 Millionen Franken (142,2 Mio. Dollar). 

Bacons «Triptychon Three Studies of Lucian Freud» (1969) Bild: EPA

Das aus drei Einzelbildern bestehende Werk löste Edvard Munchs «Schrei» als teuerstes je versteigertes Gemälde ab.

This undated photo showing the version of Edvard Munch's

Edward Munchs «Der Schrei» (zwischen 1839-1910 entstanden) Bild: AP

Chefauktionator Jussi Pylkkänen sprach von einem «historischen Abend». Einen Tag später zog Sotheby's nach, auch wenn ein paar Millionen fehlten: Andy Warhols «Silver Car Crash» wurde für 105,4 Mio. Dollar versteigert, immerhin Auktionsrekord für den Künstler.

FILE - This file photo provided by Sotheby's shows

Andy Warhols «Silver Car Crash» (1963) Bild: AP Sotheby's

Investitionen in einen Kunst-Hype

«Auf dem Sekundärmarkt haben wir bei einigen Künstlern einen unglaublichen Hype.»

Henrik Hanstein; Besitzer des Kölner Kunsthauses Lempertz

Hanstein spricht von einem Herdentrieb. Oligarchen wie Roman Abramowitsch und Victor Pinchuk, der französische Luxusprodukte-Unternehmer François Pinault, aber zuletzt auch Milliardäre aus China, Abu Dhabi oder Dubai konkurrierten um «Blue Chips» – wie die weltweit besonders hochgehandelten Werke grosser Namen wie Bacon, Warhol, Jeff Koons oder Damien Hirst genannt werden.

Die Nachfrage sei grösser als das Angebot, die finanziellen Mittel unbegrenzt, die Käufer spekulativ. «Das treibt die Preise.» Liebhaberei und ideeller Anspruch sind in den Hintergrund getreten.

«Die sehr Vermögenden erkaufen sich mit der Kunst Status. Sie können drei Yachten besitzen und eine weitere kaufen, aber wie viele Yachten kann man fahren?»

Hans Neuendorf, Gründer des Online-Kunstdienstleisters «artnet»

Der Besitz rarer Kunst sei hingegen ein Zeugnis absoluter finanzieller Souveränität – und mehr noch: «Ein Ausweis von Bildung», sagt Neuendorf. «Kunst lässt glänzen.»

1 Koons als neue Währungseinheit

 Quietschbunt, funkelnd, überlebensgross: Auf Arbeiten wie Koons' «Balloon Dog», eine tonnenschwere Nachbildung der meist von Kleinkünstlern verkauften, zu Tierformen geknoteten Luftballons, könne sich die globale Sammlerschaft schnell als etwas wie eine «internationale Währungseinheit» verständigen, sagt Hanstein.

Jeff Koons' «Balloon Dog» in Orange Bild: AFP

US artist Jeff Koons' work

Jeff Koons' «Balloon Dog» in Blau Bild: KEYSTONE

«Objekte, die sich relativ leicht erschliessen lassen, nicht bedeutungsschwanger sind, nicht gegen den Strom schwimmen.» 

Henrik Hanstein; Besitzer des Kölner Kunsthauses Lempertz

Für viele Superreiche sei Kunst daher das, was für andere Vermögende Immobilien sind: «Eine Form der Geldanlage in unsicheren Zeiten, ein System zur Sicherung von Eigentum», sagt Hanstein.

 «Sie wissen in Russland nicht, wie lange sie in der Gunst der Herrscher stehen, ob sie ihr Vermögen behalten werden oder nicht. Ländereien können sie nicht von hier nach dort schicken. Bei einer Milliarde wird es auch schwer.»

Henrik Hanstein; Besitzer des Kölner Kunsthauses Lempertz

Ab in den Tresor 

«Es gibt einen Sammlertyp, bei dem der finanzielle Aspekt im Vordergrund steht», bestätigt Dirk Heinrich, beim Kunstversicherer «Axa Art» verantwortlich für Deutschland und Österreich.

Ein Trend, der sich vor diesem Hintergrund immer stärker zeige, sei die Aufbewahrung von Kunst in sogenannten «Freeports», hochgesicherten Freihandelslagern an grossen Flughäfen, die den Sammlern Zoll- und Steuerersparnisse bieten. Von dort können die Kunstwerke auch leicht weiterverkauft werden – am besten natürlich mit Gewinn.

Die Rekorderlöse der Auktionatoren und die globalen Ambitionen von Top-Galeristen wie dem New Yorker David Zwirner überschatten immer mehr das traditionelle, sehr persönliche Geschäft mit der Kunst, für das viele kleine oder mittelgrosse Kunsthäuser und Galerien verantwortlich sind.

«Die Versteigerungen in London oder New York machen von der Anzahl nur einen Bruchteil des Kunstmarktes aus, vielleicht zwei bis drei Prozent.»

Dirk Heinrich; Kunstversicherer «Axa Art» 

(rof/sda/dpa)

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