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Ein Mann überfällt einen Shop, doch bald darauf wird er aufgehalten. bild: screenshot bbc

Diese Studie gibt uns den Glauben an die Menschheit zurück

Die Menschheit ist gar nicht so schlecht, wie immer behauptet wird. In einer Notsituation wird dir geholfen, stellen nun Psychologen der Lancaster Universität fest.



Im «American Psychologist» veröffentlichte eine Gruppe von Wissenschaftlern eine Studie, die uns den Glauben an die Menschheit zurückgibt.

Die Psychologen haben Aufnahmen von Überwachungskameras in Südafrika, den Niederlanden und Grossbritannien analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass sich Leute in Notsituationen durchaus zu Hilfe eilen.

Schau dir die Fall-Beispiele im Video an:

Ist also der sogenannte Zuschauer-Effekt (engl. «Bystander Effect») nur ein Mythos?

Unter diesem versteht man das Phänomen, dass einzelne Augenzeugen eines Unfalls oder kriminellen Übergriffs eher gehemmt sind, Hilfestellung zu leisten, wenn weitere Zuschauer anwesend sind, als wenn sie alleine sind.

Die Vorgeschichte: Ein Mord, der vielleicht hätte verhindert werden können

Angefangen hatte alles mit dem Mord an Kitty Genovese. Die 28-jährige New Yorkerin wurde am 13. März 1964 ganz in der Nähe ihrer Wohnung vergewaltigt und erstochen. Der Angriff dauerte über eine halbe Stunde. Spätere Untersuchungen ergaben, dass mindestens 38 Leute zumindest Teile des Angriffs beobachtet oder gehört hatten, aber allesamt nichts unternahmen.

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Catherine Susan Genovese wurde am 13. März 1964 von von Winston Moseley umgebracht. bild: gemeinfrei

Die «New York Times» titelte damals: «Thirty-Eight Who Saw Murder Didn't Call the Police». Am Ende des Artikels las man die Aussage eines Nachbarn, der sein Nichtstun damit erklärte, dass er nicht darin verwickelt werden wollte.

Die Welt war geschockt. Der Mord an der jungen Frau wurde zum Sinnbild für menschlichen Egoismus, Gefühlskälte und Apathie gegenüber eines sich in Lebensgefahr befindlichen Mitmenschen.

Etliche Studien wurden über den Vorfall verfasst, der fortan erklärt wurde mit dem Zuschauer-Effekt – je mehr Augenzeugen in einer Notsituation anwesend sind, desto weniger sind sie gewillt, einzuschreiten. Eine viel zitierte Metastudie aus dem Jahr 1981 zementierte dann anhand von 50 relevanten Untersuchungen jene «Wahrheit» für die nächsten 20 Jahre.

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Als Winston Moseley festgenommen wurde, gestand er nicht nur den Mord an Genovese, sondern auch zwei weitere Morde, die beide sexuelle Übergriffe beinhaltet hatten. Anschliessende psychiatrische Untersuchungen wiesen darauf hin, dass es sich bei Moseley um einen Nekrophilen handle. Er starb am am 28. März 2016 im Alter von 81 Jahren in der Haft, nachdem er seit 1964 fast 52 Jahre lang inhaftiert war.

2007 erst kamen allmählich die Details ans Licht: Einige von Genoveses Nachbarn haben damals durchaus versucht, den Mörder aufzuhalten – ein Mann schrie aus seinem Fenster: «Lass das Mädchen in Ruhe!», ein anderer rief die Polizei. Und ein Jahr später brachte eine neue Metaanalyse jenes pessimistische Menschenbild endgültig zu Fall:

Sie zeigte, dass den Machern der früheren Metastudie ein Kalkulationsfehler unterlief. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Opfer Hilfe von einem Beistehenden erhält, sei sogar höher, je grösser ihre Anzahl sei, lautete die Schlussfolgerung der neuen Studie.

Nicht zuschauen, sondern helfen ist die Norm

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Ein Mann schlichtet eine Prügelei. bild: screenshot bbc

Diesen Befund bestätigt auch die vom Psychologen Richard Philpot von der renommierten Lancaster Universität kürzlich durchgeführte Analyse«Would I be helped?: Cross-national CCTV footage shows that intervention is the norm in public conflicts». Philpots Team untersuchte 219 öffentliche Konflikte, die von Überwachungskameras erfasst worden sind. Die ausgewählten Vorfälle zeichnen sich dadurch aus, dass keine Polizei oder Sanitäter anwesend waren, um dem Opfer zu helfen. Das Video-Material stammt aus Amsterdam (Niederlanden), Kapstadt (Südafrika) und Lancaster (Grossbritannien).

Die Bilder zeigen zudem, dass in 9 von 10 Fällen mindestens ein Zeuge, typischerweise sogar mehrere, in die Notsituation eingreifen und damit etwas bewirken können. Und dies unabhängig davon, wo die Leute leben. Ob in Amsterdam oder dem verhältnismässig kriminelleren Kapstadt – die Menschen helfen einander.

Die Ergebnisse der Studie beantworten also die gestellte Frage «Würde mir geholfen werden?» mit «Ja». Die Frage, die der Zuschauer-Effekt aufwirft – ob die Anwesenheit mehrerer Leute die Hilfestellung tatsächlich erschwert – ist damit nicht geklärt, geben die Forscher zu.

Mit anderen Worten: Während ein Opfer eher Hilfe von mindestens einer Person erhält, je mehr Zuschauer anwesend sind, könnte es gleichzeitig wahr sein, dass jeder Zuschauer individuell eine grössere Hemmung zur Hilfestellung empfand, als wenn er allein gewesen wäre.

Im Grunde aber ist diese feine Unterscheidung zweitrangig. Denn wir wissen nun: In 90,9 Prozent der Fälle wird dem Opfer geholfen.

Die Menschheit ist also doch nicht ganz so übel wie angenommen.

Es sei für die Psychologie an der Zeit, die Richtung der Erzählung von der trägen menschlichen Hilfestellung zu ändern, schliesst Philpots Forschungsteam:

«Weg von der angeblichen Abwesenheit von Hilfe, hin zu einem neuen Verständnis dessen, was Interventionen erfolgreich oder erfolglos macht.»

Wie du richtig helfen kannst, verrät dir dieser Artikel:

(rof)

31 Szenen, die uns den Glauben an die Menschheit zurückgeben

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eipa 16.08.2019 22:48
    Highlight Highlight Kennt Ihr diese Zombiefilme wo mit dem ersten Untoten die ganze Zivilisation verschwindet und plötzlich jeder das absolute Arschloch ist? Ich halte das für eine bösartige Unterstellung und völlig unrealistisch...
  • Joe924 15.08.2019 22:38
    Highlight Highlight Schön solche Beispiele zu sehen, als es mich mit dem Bike Abends spektakulär aufs Maul gehauen hat mit 25 kmh und ich am Boden lag um mich zu sammeln fuhren 3 Autos vorbei, eins wurde sogar langsamer, fuhr dann aber doch weiter. 30 Meter weiter sassen paar Leute auf der Terrasse, alle haben geschaut, keiner geholfen.
    Ich musste die restlichen 30 Minuten mit blutendem Kin und offener Wunde an der rechten Hand nach Hause fahren. War auch gar nicht so krass sonst hätt ich 144 angerufen, bin trotzdem enttäuscht von den Reaktionen und würde nicht mehr drauf zählen.
    • Lioness 16.08.2019 05:56
      Highlight Highlight Erlebte ich einmal ähnlich. Sass nach einem Sturz beim Skifahren etwas neben der Piste. Konnte nicht mehr gehen. Mein Mann versuchte jemanden anzuhalten, damit die Bescheid geben bei der Station, dass die Pistenrettung mich holt. Viele fuhren vorbei, bis endlich jemand anhielt. Als der Pistenretter mit dem Schlitten da war, hielten plötzlich jede Menge Leute an und fragten ob sie helfen können. Ich hätte die Hilfe vorher gebraucht.
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 15.08.2019 22:06
    Highlight Highlight Ganz praktisch gesehen: Es ist manchmal auch einfach schwer einzuordnen, was gerade passiert. Ich bin schon manchmal hingelaufen, wenn es laut wurde - und wurde dann (von beiden Seiten) angefeindet, was ich denn will... Dann ist man das nächste Mal vielleicht gehemmter.
  • AnDerWand 15.08.2019 22:05
    Highlight Highlight Geht ins ähnliche
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  • Tonoth 15.08.2019 18:59
    Highlight Highlight Es wäre hier wohl wichtig anzumerken, dass die 219 ausgewerteten Videoclips aus einem Set von 1225 Clips ausgewählt wurden. Selection Bias?
    • LeChef 15.08.2019 21:22
      Highlight Highlight War auch mein erster Gedanke
  • What’s Up, Doc? 15.08.2019 16:36
    Highlight Highlight Ich habe die Erfahrung gemacht dass es nicht nur auf die Menge von Menschen ankommt Hilfe zu leisten sondern auf die "eine Person" welche schlussendlich die Initiative ergreift zu helfen. Ist es eine aus einer Gruppe werden nach Ihm/Ihr weitere animiert zu helfen, dass ist auch von Vorteil den so kann sich die Gruppe auch vor eventueller Aggression schützen.
  • G. Samsa 15.08.2019 16:29
    Highlight Highlight Erzählt das mal Catherine Susan Genovese.
    Ich bin nicht sicher ob sie zustimmen würde...
    • Sandro Wanderlust 15.08.2019 17:45
      Highlight Highlight Klar, dein einzelnes Beispiel widerlegt natürlich die ganze Studie. Und sobald es wieder mal schneit, ist die Klimaerwärmung auch grad Humbug.
  • Blaumeisli 15.08.2019 16:25
    Highlight Highlight Ooh nach all den Meldungen in den News, die nur das übelste im Menschen zeigen, tut so was richtig gut, danke 😭
  • Clife 15.08.2019 15:57
    Highlight Highlight In 90.9% der Fälle wird zuerstmal gegafft und eventuell eine Story für Instagram gemacht, bevor man dann wirklich handelt. Beispiel? Brand in der Solothurner Altstadt, Kadaver auf der Strasse und auch private Angelegenheiten....
    Was mich aber nicht davon aufhält, den Glauben an einen klitzekleinen TEIL der Menschheit zu verlieren. Der andere Teil ist leider schon verloren
    • Matungus Jones 15.08.2019 17:16
      Highlight Highlight [CITATION NEEDED]
    • CaptainLonestarr 15.08.2019 18:16
      Highlight Highlight Faktenresistenz ist leider auch immer häufiger anzutreffen, oft gepaart mit dem Dunning-Kruger Effekt.

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