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epa04170536 A handout image made available by NASA on 17 April 2014 showing an artist's concept of Kepler-186f , the first validated Earth-size planet to orbit a distant star in the habitable zone, a range of distance from a star where liquid water might pool on the planet's surface. The discovery of Kepler-186f confirms that Earth-size planets exist in the habitable zones of other stars and signals a significant step closer to finding a world similar to Earth. The size of Kepler-186f is known to be less than ten percent larger than Earth, but its mass, composition and density are not known. Previous research suggests that a planet the size of Kepler-186f is likely to be rocky. Prior to this discovery, the 'record holder' for the most 'Earth-like' planet went to Kepler-62f, which is 40 percent larger than the size of Earth and orbits in its star's habitable zone.   EDITORIAL USE ONLY

Bild: EPA/NASA

Exoplanet Kepler-186f

Astronomen entdecken Erden-Zwilling in lebensfreundlicher Zone

Ist er die Heimat ausserirdischen Lebens? Erstmals haben Astronomen einen Planeten entdeckt, der die beiden wichtigsten Voraussetzungen erfüllt: Er ist fast genauso gross wie die Erde und umkreist seinen Heimatstern in der bewohnbaren Zone. 



Ein Artikel von

Spiegel Online

Markus Becker / Spiegel Online

Das Traumziel der Astronomie ist blau: Ein Planet, der genauso gross ist wie die Erde, reichlich Wasser besitzt und Leben ermöglicht – zumindest so, wie wir es kennen. Dazu muss er in perfektem Abstand seinen Heimatstern umkreisen. Ein bisschen zu weit, und der Planet erstarrt in Kälte. Ein bisschen zu nah, und er wird gegrillt. 

Zwar haben Forscher bereits mehr als 100 Exoplaneten entdeckt, die ebenso winzig sind wie die Erde – doch die befanden sich meist im Grillbereich. Andere wiederum schweben zwar in der habitablen Zone, sind aber deutlich grösser als die Erde. Jetzt ist es erstmals gelungen, einen Exoplaneten zu finden, der beides hat: die Ausmasse der Erde und einen lebensfreundlichen Abstand zu seinem Heimatstern. 

Kepler-186f gehört, wie sein Name schon andeutet, zu einem ganzen Planetensystem, in dem er der fünfte und zugleich äusserste Planet ist. Sein Durchmesser ist nur zehn Prozent grösser als der der Erde, schreiben die Forscher um Elisa Quintana vom Seti-Institut der US-Weltraumbehörde Nasa im Fachblatt Science. «Dies ist der erste eindeutig erdgrosse Planet, der in der bewohnbaren Zone eines anderen Sterns gefunden wurde», erklärte Quintana. Das «Kepler»-Weltraumteleskop hat ihn erspäht, als er vor seinem Heimatstern vorbeigezogen ist und dessen Licht um eine Winzigkeit abgedunkelt hat. 

A Distant Planet Rather Like Earth

Kepler
-
186 and the Solar System
:
The diagram compares the planets
of the inner solar system to
Kepler
-
186, a five
-
planet system about 500 light
-
years from Earth in the constellation Cygnus.
The five planets of Kepler
-
186 orbit a star classified as a M1 dwarf, measuring half the size and
mass of the sun.
The Kepler
-
186 system is home to Kepler
-
186f, the first validated Earth
-
size
planet orbiting a distant star in the habitable zone
—
a range of distances from a star where liquid
water might pool on the surface of an orbiting planet. The discovery of Kepler
-
186f confir
ms
that Earth
-
size planets exist in the habitable zone of other stars and signals a significant step
closer to finding a world similar to Earth.
Kepler
-
186f is less than ten percent larger than Earth in
size, but its mass and composition are not kno
wn. Kepler
-
186f orbits its star once every 130
-
days
and receives one
-
third the heat energy that Earth does from the sun, placing it near the outer edge
of the habitable zone.
The inner four companion planets all measure less than fifty percent the
s
ize of Earth. Kepler
-
186b, Kepler
-
186c, Kepler
-
186d, and Kepler
-
186e, orbit every three, seven,
13, and 22 days, respectively,
making them very hot and inhospitable for life as we know it.
The
Kepler space telescope, which simultaneously and continu
ously measured the brightness of more
than 150,000 stars, is NASA
's first mission capable of detecting Earth
-
size planets around stars
like our sun.
Kepler does not directly image the planets it detects. The space telescope infers
their existence b
y the amount of starlight blocked when the orbiting planet passes in front of a
distant star from the vantage point of the observer.
The artistic concept of Kepler
-
186f is the
result of scientists and artists collaborating to help imagine the appea
rance of these distant
worlds

Bild: NASA Ames/ SETI Institute/ JPL-CalTech

«Bedeutende Entdeckung»

Bisher seien etwa 20 Exoplaneten in bewohnbaren Zonen bekannt, heisst es in einer Mitteilung des Seti-Instituts. Doch alle seien deutlich grösser als die Erde, weshalb man nicht sicher sein könne, ob sie aus Fels oder – wie beispielsweise Saturn oder Neptun – aus Gas bestehen. Beim Kepler-186f sei das anders: Bei einem Durchmesser von weniger als dem 1,5-Fachen der Erde ist es nach Angaben von Astronom Thomas Barclay höchst unwahrscheinlich, dass es sich um einen Gasplaneten handele. 

Dass Kepler-186f tatsächlich existiert – und nicht etwa ein Artefakt in den Teleskopdaten ist – erscheint ebenfalls nahezu sicher. Die Wahrscheinlichkeit, dass Quintanas Team sich irre, liege bei weniger als einem Prozent, meint Hans-Jörg Deeg vom Instituto de Astrofísica de Canarias. Kepler-186f sei «recht deutlich der am besten potentiell bewohnbare» und auch der erdähnlichste Planet unter den bisher bekannten. «Seine Entdeckung ist daher sehr bedeutend», so Deeg. «Und mit ihm ist nun auch das Hauptziel des ‹Kepler›-Satelliten erreicht: die Entdeckung bewohnbarer erdähnlicher Planeten.»

Allerdings erlauben heutige Teleskope noch keine direkte Beobachtung der Atmosphäre des Planeten – weshalb die Astronomen auch nicht sagen können, ob es auf Kepler-186f wirklich Leben gibt. Dazu müsste man dessen chemische Spuren im Lichtspektrum der Gashülle nachweisen – wozu aber erst die Instrumente der nächsten Generation, etwa das derzeit im Bau befindliche James-Webb-Weltraumteleskop, in der Lage sein werden. 

Doch selbst mit ihnen könnte es laut Astronomin Quintana unmöglich sein, Leben auf Kepler-186f nachzuweisen: Sein Heimatstern ist 490 Lichtjahre von der Erde entfernt und damit womöglich zu düster, um genauere Untersuchungen zu ermöglichen. 

Dreimal weniger Sonnenstrahlung als auf der Erde 

Eines aber scheint gewiss: Obwohl Kepler-186f durchaus Leben beherbergen könnte, wäre er für Menschen kein besonders angenehmes Ausflugsziel. Der Grund dafür ist, dass der Planet im äusseren Teil der habitablen Zone schwebt. Dort bekommt er nach Berechnungen von Quintanas Team nur etwa ein Drittel der Sonnenstrahlung ab, die wir auf der Erde gewohnt sind. Deshalb müsste die Atmosphäre bei weitem mehr Kohlendioxid besitzen, so dass der Treibhauseffekt das Gefrieren allen Wassers verhindert. «Wenn man dort landet, sollte man die Atemmaske nicht abnehmen», sagt Lisa Kaltenegger vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, die nicht an Quintanas Studie beteiligt war. Allerdings sollte eine erhöhte CO2-Konzentration für nicht-menschliches Leben kein Problem sein. 

Francesco Pepe, Planetenforscher am Astronomischen Observatorium der Uni Genf, weist auf weitere unbekannte Grössen hin. Bisher seien nur der Durchmesser des Planeten und seine Umlaufbahn bekannt. «Wie gross aber sind seine Masse und Dichte, wie dicht ist seine Atmosphäre, und woraus besteht sie? Gibt es dort überhaupt Wasser, auch wenn die Temperaturen günstig sind?» Solange diese Fragen nicht geklärt seien, könne auch die Frage nach der Existenz von Leben nicht beantwortet werden. 

Das Seti-Institut hat Kepler-186f seit 2012, als es bereits Hinweise auf ihn gab, mit dem Allen Telescope Array ins Visier genommen und nach Funksignalen einer ausserirdischen Zivilisation gefahndet. Doch in einem breiten Frequenzbereich hörten die Astronomen nichts als Stille. Die Hoffnung aufgeben möchten sie dennoch nicht: Um auf der Erde empfangen zu werden, müssten die Aliens ihr Signal mit einem Sender verschicken, der 10- bis 20-mal stärker ist als das gigantische Radarteleskop in Arecibo in Puerto Rico.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Horseman 18.04.2014 08:43
    Highlight Highlight Total spannend und Faszination pur ... !!
    Früher haben wagemutige Seeleute in langen Seefahrten neue Erdteile gesucht und auch gefunden.
    Mir will scheinen, dass der abenteuerlustige Geist der alten Seefahrer nicht verloren ist, was mich sehr freut.
    Früher waren's Seefahrer, heut haben wir die abenteuerlichen Raumfahrer, die in ihren "kutschen" durch's All reiten.
    Und nun haben wir ein neues und interessantes Objekt entdeckt.
    Mich würd interessieren, wie die Entfernung von der Erde charakterisiert werden kann?
    • @Chr1s1981 19.04.2014 00:01
      Highlight Highlight Damit wir einen weiteren Planeten zu grunde richten? Gut ist alles noch so unerreichbar fern!
    • Horseman 19.04.2014 09:19
      Highlight Highlight Alles, was wir heute haben, verdanken wir Menschen, die was gewagt haben, die an was geglaubt haben.
      Ganz andere Menschen als die Forscher und Erfinder haben daraus Dinge gemacht, die hässlich sind.
      Kann also deine Bedenken, Chr1s
      Sollen wir aufhören, neugierig und forschend zu sein?
      Oder ist die Alternative vielleicht einfach die, dass wir zusammen einstehen, dass die Neerungen zum Guten der Erde und der Menschen eingesetzt werden und nicht von geldgierigen korrupten Idioten ausagebeutet werden?
      Was denkst Du?

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