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Wie Jugendliche ihre Eltern pflegen und leiden

Seit Anna* klein ist, hilft sie, ihre chronisch kranke Mutter zu betreuen. In der Schule hat sie niemandem davon erzählt. Anna ist kein Einzelfall.

Annika Bangerter / ch media



Wenn Anna* abends mit Freunden weggeht, ist sie spätestens um 23 Uhr zu Hause. Auch an den Wochenenden. Ausgelassen feiern, die Morgenstunde erobern – das ist für Anna mit Angst verbunden. Angst, dass es ihrer Mutter zu Hause schlecht geht. In ihrer Erinnerung tauchen dann jene Bilder auf, wie sie ihre Mutter blutüberströmt auf dem Sofa fand. Das Blut schoss aus der Nase, liess sich nicht stoppen. Anna, damals 13 Jahre alt, brachte die Mutter in das Spital, wo Ärzte sie gerade noch retten konnten. «In solchen Momenten funktioniere ich bloss», sagt Anna. Die sportliche 20-Jährige sitzt in einem Café in einer kleinen Stadt in der Deutschschweiz. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Bis heute sorgt sie sich um ihre Mutter, bis heute funktioniert sie.

Anna gehört zur Gruppe der sogenannte «Young Carers». Der Begriff steht für Kinder und Jugendliche, die Angehörige pflegen und betreuen. Sie unterstützen Erwachsene, die wegen einer psychischen oder körperlichen Krankheit Hilfe brauchen, oder Geschwister mit Beeinträchtigungen. Seit Längerem sucht die Schweiz nach Lösungen, wie erwachsene pflegende Angehörige entlastet werden können. Dabei geht oft vergessen: Betreuung und Unterstützung leisten auch jene, in deren Bett noch ein Kuscheltier liegt oder an deren Zimmerwänden Poster von Schauspielern hängen.

In vielen Ländern wurde erst vor einigen Jahren damit begonnen, das Phänomen «Young Carers» zu untersuchen. In der Schweiz widmet sich das gleichnamige Forschungsprogramm der Careum Hochschule Gesundheit in Zürich dem Thema. Erste repräsentative Umfragen haben gezeigt: Fast acht Prozent der Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 15 Jahren betreuen zeitweise eine nahestehende Person.

Europäische Studie zeigt: In anderen Ländern geht es pflegenden Jugendlichen besser

Fast acht Prozent der Schweizer Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren betreuen kranke oder beeinträchtigte Angehörige. Bislang war unklar, wie es diesen sogenannten «Young Carers» geht. Dieser Frage sind Wissenschafter der Careum Hochschule Gesundheit in Zürich nachgegangen. Sie beteiligen sich für die Schweiz am europäischen Forschungsprojekt «Me-We», an dem auch Schweden, Grossbritannien, Holland, Italien und Slowenien teilnehmen. Dieses rückt Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren ins Zentrum, die Angehörige betreuen.

Erstmals liegen nun Zahlen vor, die einen Vergleich zwischen den Ländern erlauben. Dabei zeigt sich: Am häufigsten pflegen weibliche Jugendliche ihre Mutter, die körperlich beeinträchtigt ist. In Italien beanspruchen Grosseltern verhältnismässig häufig Hilfe von ihren Enkeln. Relativ oft eingebunden in die Pflege eines kranken oder behinderten Geschwisters sind Jugendliche in Grossbritannien und Schweden.

In der Schweiz haben 2057 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an der Umfrage teilgenommen, darunter 485 «Young Carers». Für die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen gaben 85 Betroffene vertieft Auskunft über ihr Wohlbefinden. 40 Prozent berichteten dabei von körperlichen Beschwerden, 33 Prozent von psychischen Problemen. Mit Ausnahme von Grossbritannien haben in keinem der anderen Länder die Befragten so oft von gesundheitlichen Folgen berichtet. Verglichen mit der Schweiz weist Holland beispielsweise halb so hohe Werte aus.

Von den befragten 15- bis 17-Jährigen haben die Schweizer Teenager mit 21 Prozent häufiger Selbstverletzungsgedanken als in den meisten anderen Ländern. Am wenigsten haben diese die Jugendlichen in Italien und Slowenien (je 8 Prozent). Nur 15 Prozent der Teilnehmenden aus der Schweiz gaben an, professionelle Hilfe zu erhalten. Mehr Hilfe bekommen sie in Schweden (43 Prozent) oder in Grossbritannien (47 Prozent). Das «Me-We»-Projekt wird durch das EU-Forschungsprogramm Horizon finanziert. (aba)

Über ihre Verlustängste sprach das Mädchen nicht

So lange sich Anna erinnern kann, hatte ihre Mutter mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Da waren Rheuma und Herzprobleme, aber auch Chemotherapien, die ihr die letzte Kraft raubten. Als Anna acht Jahre alt war, fiel die Mutter nach einer Operation ins Koma. Rückblickend sagt die Tochter: «Bis heute habe ich eine riesige Angst, einen nahestehenden Menschen zu verlieren.» Darüber sprechen kann sie erst seit ein paar Jahren. Als Achtjährige klammerte sie sich an die Idee, «fürs Mami zu schauen», wie die junge Frau erzählt.

Vor der Schule half sie ihr, Stützstrümpfe anzuziehen und die Narbe zu pflegen. Über den Mittag kochte sie dort weiter, wo die Kräfte der Mutter versagt hatten. Nachmittags begleitete sie die Mutter zur Post, zur Bank, zum Einkaufen. Abends kochte sie, spülte das Geschirr oder hängte nasse Wäsche auf. Weitere Hände, die neben den Spitex-Mitarbeiterinnen anpackten, fehlten. Anna ist Einzelkind, der Vater lebt im Ausland.

Erstmals vergleicht das europäische Forschungsprojekt «Me-We» die Situation von «Young Carers» in sechs Ländern. Neben der Schweiz nehmen Schweden, Grossbritannien, Holland, Italien und Slowenien daran teil. Im Fokus stehen die 15- bis 17-Jährigen. Jene jungen Menschen also, die sich eigentlich von den Eltern abnabeln und vom eigenen Gefühlschaos auf Trab gehalten werden.

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Sich selber bestrafen: mit Ritzen oder Schlägen

Der «Me-We»-Bericht zur Situation in der Schweiz liegt dieser Zeitung exklusiv vor. Daraus geht hervor: Den pubertierenden «Young Carers» geht es gesundheitlich oft nicht gut. In der Schweiz gaben 40 Prozent an, körperliche Beschwerden zu haben; 33 Prozent nannten psychische Probleme. Ausser in Grossbritannien kennt kein anderes Land – das an der Studie teilnimmt – derart hohe Werte.

Agnes Leu leitet das Forschungsprojekt am Careum. Die hohen Zahlen haben sie überrascht: «Es ist erschreckend, wie stark ‹Young Carers› tatsächlich belastet sind», sagt sie. Oft würden die jungen Pflegenden darauf verweisen, dass die Betreuung für sie selbstverständlich sei. Aus Zuneigung oder Liebe gegenüber der kranken Person. Über die schwierige Seite würden hingegen viele nicht sprechen, sagt Leu.

«Oft haben sie Angst, dass es beim Gegenüber falsch ankommt oder sie sind schlicht gehemmt aufgrund ihres engen Verhältnisses zum pflegebedürftigen Angehörigen.» Ein Schweigen, das sich ein Ventil sucht. Etwa am eigenen Körper. 21 Prozent der befragten Schweizer Jugendlichen gab an, Selbstverletzungsgedanken zu haben. «Es gilt unbedingt zu verhindern, dass sie diese umsetzen. Deshalb braucht es Fachleute, die sie psychologisch begleiten», fordert Leu.

Bei Anna blieb es nicht bei der Vorstellung, sie ritzte oder schlug sich manchmal selbst. «Es kam vor, dass ich mich selber bestrafen musste», sagt die junge Frau. Wenn ihre Schulnoten nicht so gut waren. Oder die sportliche Leistung nicht ihren hohen Erwartungen entsprach. Sie sei eine Perfektionistin, sagt sie von sich selbst. Vor allem in der Schule setzte sie sich unter Druck. «Ich will niemals vom Staat abhängig sein. Ich sehe es bei meiner Mutter, die IV-Leistungen bezieht, was das bedeutet», sagt Anna.

«Insgeheim wünschte ich mir, dass jemand nachgebohrt hätte. Gleichzeitig spielte ich meine Gefühle runter. Fragte jemand nach, antwortete ich, alles sei gut.»

Musste sie abends ihrer Mutter helfen, stellte sie den Wecker auf fünf Uhr. Im Morgengrauen lernte sie französische Vokabeln oder löste mathematische Gleichungen. Nicht immer sei es derart intensiv gewesen, dazwischen gab es auch einfachere Zeiten, sagt Anna. Beeinflussen konnte sie es nicht. Der Gesundheitszustand der Mutter bestimmte den Alltag. Je älter Anna wurde, umso mehr Aufgaben übernahm sie. Als es ihrer Mutter psychisch schlechter ging, begann das Mädchen, sich auch um Administratives zu kümmern. Sie schrieb Briefe an Behörden und Ärzte, bezahlte Rechnungen. Als sie mit 18 Jahren den Führerschein bestand, kamen Fahrdienste hinzu.

«Young Carers» sind selbst für Fachleute unsichtbar

Anna beklagt sich nicht, spricht reflektiert, wägt ab. Während sie erzählt, löffelt sie eine Glacé. Wäre nicht ihr jugendliches Aussehen, würde ihr Auftreten als jenes einer 10 bis 15 Jahre älteren Frau durchgehen. Mit Gleichaltrigen konnte sie lange nicht viel anfangen. «Ich tickte anders als sie. Kleidermarken oder Make-up haben mich nie interessiert, dafür fehlte mir auch die Zeit», sagt Anna. Von ihrer Situation zu Hause wusste in der Schule niemand. Erst als sie im Alter von 16 Jahren ihre beste Freundin kennenlernte, begann sie zu erzählen. «Von ihr fühlte ich mich verstanden. Sie hatte das Leben auch schon etwas kennengelernt», sagt Anna.

Doch wo waren zuvor all die Erwachsenen: Lehrer, Verwandte oder Bekannte? Anna zuckt mit den Schultern. «Insgeheim wünschte ich mir, dass jemand nachgebohrt hätte. Gleichzeitig spielte ich meine Gefühle runter. Fragte jemand nach, antwortete ich, alles sei gut.» Entweder habe das Vertrauen gefehlt oder sie hatte Angst, dass die Mutter vom Gespräch erfahren würde. «Ich wollte sie nicht zusätzlich belasten oder ihr das Gefühl geben, sie sei das Problem.»

Annas Schilderungen spiegeln sich auch im Bericht des «We-Me»-Forschungsprojekts. Nur 15 Prozent der Teilnehmenden aus der Schweiz geben an, dass sie professionelle Unterstützung erhalten. 61 Prozent bekommen Hilfe aus ihrem Umfeld – mindestens von einem Freund. «Diese Studie zeigt, wie selten selbst Fachleute ‹Young Carers› auf dem Radar haben. In der Schweiz stehen wir diesbezüglich erst am Anfang», sagt die Schweizer Forschungsprogrammleiterin Agnes Leu. Ärzte oder Spitex-Mitarbeitende seien auf ihre Patienten fokussiert, Sozialämter und IV-Ämter auf ihre Klienten.

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Leu ist überzeugt, dass mit einer breiten Sensibilisierung bereits viel gewonnen wäre: «Mit einer standardmässigen Nachfrage bei der erkrankten Person könnten die Fachpersonen relativ einfach ‹Young Carers› erfassen. Sie müssten nur fragen: Haben Sie Kinder – und unterstützen diese Sie?» Leu weist darauf hin, dass die meisten Schulen über einen Sozial- oder psychologischen Dienst verfügen, wo sich eine Ansprechperson finden liesse. Und somit auch eine professionelle Begleitung.

Doch selbst an den Schulen sei die Realität von den jungen betreuenden Angehörigen oft noch nicht angekommen, sagt Leu. Das sei besonders problematisch: «Die ‹Young Carers› könnten durch eine gewisse Flexibilität in der Schule oder in der Berufsbildung stark entlastet werden. Sei dies, indem sie phasenweise weniger Hausaufgaben machen müssten oder auch mal später im Unterricht oder am Ausbildungsplatz erscheinen dürften.»

Anna hat ihren Studienplatz nach der Präsenzzeit ausgesucht. Medizin studieren – mit so wenig Vorlesungszeit wie möglich. Sie will sich zu Hause über die Bücher beugen. Stets mit einem Ohr an der Tür. Das sei immer noch weniger stressig als ausser Haus zu sein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Thomas Bollinger (1) 30.07.2019 22:43
    Highlight Highlight Seien wir nicht naiv: Niemand ausser den Betroffenen hat Interesse an der Verbesserung des Status Quo. Weder gibt es Fachleute (Schule, Gemeinde, Kanton) die proaktiv nachfragen noch Institutionen, die Geld oder Ressourcen haben. Wer sich nicht selber wehrt und kämpft, wird nicht gehört. Und ja, ich weiss, wovon ich spreche.
  • Ah es Alpaka 30.07.2019 21:02
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Artikel. Er hat mir gezeigt, dass es noch andere Menschen gibt, welche in einer ähnlichen Situation sind wie ich.
    Ich habe jahrelang meine Mutter neben Schule und Ausbildung gepflegt, bevor Sie ins Heim gekommen ist und starb.
    Nun bin ich 25 Jahre alt und muss lernen, dass ich auch jemand bin. Ich hätte mir gewünscht, dass jemand Behörden,IV etc mal ernsthaft gefragt hätte,wie es mir damit geht.
    Ich wünsche dir Anna viel Kraft und ein eigenes Leben. Ich muss meins noch finden.
  • tii 30.07.2019 18:01
    Highlight Highlight Bin mit meiner Mutter alleine aufgewachsen und sie hatte Probleme mit Alkohol&Tabletten.
    Am Wochenende konnte ich nicht zu lange draussen bleiben weil sie teilweise in der Wohnung gestürzt ist und der Kopf irgendwo hin knallte.
    Das Problem dabei ist, man kann es kaum jemandem sagen der das selber nicht erlebt hat, da die Leute zwar helfen wollen würden aber selber überfordert mit der Situation sind und es deswegen lieber sein lassen. Der "Familie" / Freunden konnte ich es kaum erzählen da ich nicht wollte dass schlecht über meine Mutter geredet wird, das hätte das ganze noch verschlimmert.
  • Reinrassiger Mischling SG 85 30.07.2019 15:04
    Highlight Highlight ....WOW! Respekt! Diese jungen Menschen sind zu bewundern! Was sie leisten ist nicht mit Gold aufzuwiegen!❤👌💪👏
  • B-Arche 30.07.2019 13:29
    Highlight Highlight In Deutschland wird das vom Gesundheitsminister mehr oder weniger gefordert. Er meinte einmal dass sei individuelles Lebensrisiko und da müsse die Familie Ran, der Staat solle da nicht ran.
    Das war in CDU/CSU (und auch SPD) schon immer so. Da gab's auch Forderungen dass Ausgewanderte gefälligst nach Deutschland zurück zu kommen haben um die Eltern zu pflegen, auch wenn man selber dann ein lebenslanger Hartz iv Fall wird.

    Es wird auch erbittert verhindert den Freibetrag für Elternunterhalt zu erhöhen, wie es fast alle westeuropäischen Länder tun.
  • Fiu 30.07.2019 11:30
    Highlight Highlight ich habe auch riesen Respekt vor solchen Kindern/Jungedlichen die Zuhause helfen. Egal obs Kranke oder Alleinerziehende sind die die Famillie benaspruchen. Ich wünsche mir für alle das Sie Hilfe erhalten und das nicht Alleine durchstehen müüsen. Anna Wünsche ich alles Liebe und viel Kraft und Gutes in Zukunft, danke für diesen Beitrag.
  • snowleppard 30.07.2019 10:20
    Highlight Highlight Man MUSS solche Menschen in diesen Situationen unterstützen. Einen Fonds kreieren, wo Firmen mit hohem Gewinn etwas Spenden könnten (ähnlich wie Bill Gates Stiftung), wäre eine Idee.
    Wer sucht, der findet auch bestimmt Hilfe.
    Sehr gutes Thema, Watson !
  • Thinkdeeper 30.07.2019 09:59
    Highlight Highlight Wann führen wir endlich eine entsprechende solidarische Pflegeversicherung ein?
    Wenn die Pflegenden selber Pflegefälle oder ausgesteuert werden?

    War bei uns auch so..
    Bereits als Kind unterstützen und Pflegen und dann weiter wenn Sie Alt werden und nebenbei Job, Karriere eigene Familie und Kinder unter einen Hut kriegen und alles noch selber bezahlen, nur damit Politiker und Fat Cats immer mehr für sich haben.
  • Gulasch 30.07.2019 07:25
    Highlight Highlight Anna wird eine super Ärztin werden, empathisch, engagiert und "ich weiss was sie meinen, ich kenne das, ich verstehe sie"!
  • runner 30.07.2019 07:24
    Highlight Highlight Die Niederlande sind hier ein Vorbild: Die Pflege von alten, kranken Mesnchen und psychisch auffälligen Kindern ist sehr gut organisiert, man sollte also schauen, wie das niederländische Sozialsystem diese Fälle managd. Das kostet natürlich Geld und man braucht Fachkräfte: Die Mehrwertsteuer in den Niederlanden liegt bei 9 und 21 %.
  • fotzelschnitte 30.07.2019 07:20
    Highlight Highlight «könnten durch eine gewisse Flexibilität in der Schule oder in der Berufsbildung stark entlastet werden. Sei dies, indem sie phasenweise weniger Hausaufgaben machen müssten oder auch mal später im Unterricht oder am Ausbildungsplatz erscheinen dürften.»
    Es kann doch nicht die Lösung sein, dass Kinder in der Schule oder am Arbeitsplatz entlastet werden, um ein Elternteil zu Pflegen! Vielmehr müsste die Entlastung zu Hause passieren, damit die Kinder ihrer Bildung und Ausbildung ungehindert nachgehen können!
    aber wie im Bericht erwähnt, hinkt auch hier die Schweiz wieder hinterher, wie so oft, wenns ums Soziale geht!
  • bruder klaus 30.07.2019 05:44
    Highlight Highlight Ich kenne solche Fälle. Die IV weiss, ob Kinder involviert sein könnten. Die IV könnte sensibilisiert werden, sodass solche Situationen automatisch unterstützend begleitet werden könnten. Besonders kranke Eltern haben oft weder die Gedanken noch die kraft dafür zusätzliche mittel anzifordern. Hier könnte ganz pragmatisch und unkompliziert geholfen werden.
    • tantemagda 30.07.2019 08:43
      Highlight Highlight Bei uns (ich und eine körperlich kranke Mutter) war es so, dass wir zuerst vor Gericht mussten, damit die IV endlich eine Rente für meine 100% arbeitsunfähige Mutter zahlt.

      Dann sollte Spitex engagiert werden, aber diese dachte, neben dem Gymnasium sowie einem Teilzeitjob hätte ich ja noch die Zeit, meine Mutter zu pflegen und den ganzen HH zu machen.

      So einfach mit der IV ist es dann doch nicht... Diese sollte primär mal verändert werden.
  • Lucida Sans 30.07.2019 00:34
    Highlight Highlight Ich finde es ekelhaft, mit welcher Selbstverständlichkeit kranke Erwachsene ihre Kinder/Töchter ausnützen. Es gibt genügend Organisationen, bei denen man um Unterstützung nachfragen könnte. Falls man denn wollte. Schämt euch!
    • paulinapalinska 30.07.2019 08:26
      Highlight Highlight ganz so einfach ist es halt einfach nicht
    • Einstürzende_Altbauten * 30.07.2019 09:31
      Highlight Highlight Das ist meinst ein schleichender Prozess. Es ist okay, wenn Kinder in der Familie mithelfen, ein "Aemtli" haben, mal weniger mal mehr machen. Wird dann ein Elternteil krank, dann kommen schleichend Aufgaben dazu, meist übernehmen die Kinder diese sogar freiwillig. Deine Haltung ist mir zu radikal.
    • Hierundjetzt 30.07.2019 12:18
      Highlight Highlight Lucida: keinen Plan, keine Ahnung vom Thema aber Hauptsache einen Kommentar.

      Was meinst Du eigentlich, was es heisst eine pflegebedürftiges Mami zu haben? Da gehts du als Tochter einfach weg? Wer bezahlt die Spitex? Das Heim? Der Staat? 😂😂😂

      Weil „hey Alte, waisch muen hive. YOLO hihihahaha“?

      Meine Güte, werd erwachsen 🤭
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bildung & Aufklärung 30.07.2019 00:33
    Highlight Highlight Grossen Respekt vor diesen Kindern und Jugendlichen! Wichtig dass diesbezüglich sensibilisiert wird. Gerade in unserem steinreichen Land, in dem wir Milliarden für Milliarden teilweise schlichtweg aus dem Fenster werfen, muss es diskussionslos möglich sein, diese jungen Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen diese riesige Last zu tragen.
  • Kugelblitz 30.07.2019 00:06
    Highlight Highlight Heftig halt,,,,,,als Kind funktioniert man einfach.....
  • Lelele 30.07.2019 00:05
    Highlight Highlight Aus eigener Erfahrung kann ich sehr gut mit Anna mitfühlen. Ich hatte auch immer gehofft jemand würde mich mal fragen wie es mir wirklich geht. Aber auf die normalen Smalltalk-phrasen: “und wie gehts denn dir so?”, konnte ich einfach nur mit: “ja, alles bestens..”, antworten. Als ich dann Probleme mit der Schule bekam wegen meiner vielen Absenzen und ich ihnen meine Situation erklärte, hiess es nur ich solle zu einem Psychiater gehen oder mir eine andere Schule suchen, da ich hier offensichtlich überfordert sei.
  • circumspectat animo 29.07.2019 23:54
    Highlight Highlight Unglaublich das so etwas in einem reichen Land wie der Schweiz möglich ist. Das man junge Menschen leiden lässt während dem andere im Gesundheitsbereich Millionen verdienen. Geht es darum solche Dinge politisch zu ändern verhindern !Bürgerliche! Dies. Nur damit diejenigen die Geld haben nicht einenen kleinen Teil dessen abgeben müssen, der für Sie nicht einen! Unterschied machen würde in ihren Lebensunterhaltungskosten. Unglaublich!
  • PiBe 29.07.2019 23:50
    Highlight Highlight Danke für den Artikel. Dieser könnte einigen wichtigen Menschen die Augen öffnen.
  • Delisa06 29.07.2019 23:36
    Highlight Highlight Traurig dass die Kinder ihre Kindheit und Jugend verpassen. Ich hoffe es wird bald Lösungen geben die ihnen helfen wenigstens ein wenig jung zu sein. Ganz werden die Kinder die Verantwortung nicht abgeben. Da sind die Verlustängste zu gross
  • Padi Engel #Kanngarnix 29.07.2019 23:34
    Highlight Highlight Danke für den Artikel und riesen Respekt für die junge Frau. Wenn ich schaue wie ich teilweise das Gefühl hab mit 22 mein eigenes Leben noch nichtmal 100%-ig im Griff zu haben will ich mir nicht vorstellen, wie ich in so einer Situation untergehen würde.
    • atorator 30.07.2019 02:21
      Highlight Highlight Stell dich darauf ein, dass 100% nie erreicht werden. Das ist ein Trugschluss. Bertold Brecht meinte mal: »Ja, mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch ’nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.«

    • Hierundjetzt 30.07.2019 07:37
      Highlight Highlight 😌
  • keinHeidi 29.07.2019 23:22
    Highlight Highlight Im nachhinein empfinde ich die Zeit mit meinem pflegebedürftigen Grossvater als Bereicherung. Ich hatte aber nur stundenweise die alleinige Verantwortung. Ich habe ihn mit 16 aus einer ganz anderen Perspektive neu kennengelernt. Ich finde es aber ganz schwierig, egal ob jugendlich oder erwachsen, den Respekt gegenüber dem pflegebedürftigen Verwandten zu wahren. Manchmal ist man selbst emotional zu nah.. und fragt nicht mehr nach den Bedürfnissen weil man sie vermeintlich kennt..
  • Baba 29.07.2019 23:03
    Highlight Highlight Eine berührende und aufwühlende Geschichte. "Anna" und ihren Leidensgdnoss*innen von Herzen alles Gute und dass sich wirklich jemand kümmert!

    Mich würde noch interessieren, wie es mit der Aufteilung nach Geschlechtern bei den "Young Carers" aussieht. Ist da was bekannt?
  • Temps_est_ton_allié 29.07.2019 23:03
    Highlight Highlight Der Beitrag hat mich sehr betroffen gemacht und auch an meine Jugend erinnert.
    Mit einer Krebskranken Mutter alleine zuhause fühlt man sich oft machtlos und hat in jeder Sekunde wo man nicht da ist ein schlechtes Gewissen.
    Ist mittlerweile knapp 10 Jahre her aber gewisse Verlustängste und Erinnerungen wird man nie mehr los.
    Ich kann jedem der Betroffen ist empfehlen sucht euch Hilfe auch wenn es nur der Nachbar für ein Kaffeeschwatz ist!
    Die kleinen Dinge können viel bewirken.
  • Natürlich 29.07.2019 22:36
    Highlight Highlight Das ist echt heftig und traurig gleichzeitig.

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