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Prototyp der Nintendo PlayStation.

Prototyp der Nintendo PlayStation. Bild: Wikimedia/Mats Lindh

Nintendo PlayStation – die Versteigerung eines besonderen Stücks Videospiel-Geschichte

Im März 2020 kommt ein sagenumwobener Prototyp unter den Hammer: Die Nintendo PlayStation war 1991 vorgestellt worden, erreichte aber nie die Ladentische.

Mascha Tobe



Dass seltene Videospiele, originalverpackte Raritäten, historische Hardware oder auch in geringer Stückzahl hergestellte Spielautomaten zu teils horrenden Preisen die Besitzerin oder den Besitzer wechseln, ist keine Neuheit. Derzeit allerdings wird im Online-Auktionshaus Heritage Auctions, das sich unter anderem auf Comics und Videospiele spezialisiert hat, ein ganz besonderes Stück versteigert. Der Prototyp der Nintendo PlayStation (Nintendo PlayStation Super NES CD-ROM) ist das vielleicht letzte Exemplar einer nie veröffentlichten Konsole, die von einer missglückten Zusammenarbeit zwischen Nintendo und Sony zeugt. Sowohl die Entstehungsgeschichte des Geräts als auch seine unerwartete Wiederentdeckung sind filmreif.

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Nachbildung eines Kinderzimmers der 1980er-Jahre.

Nachbildung eines Kinderzimmers der 1980er-Jahre. Bild: Computerspielemuseum Berlin

Ein innovationshungriger Markt

Ende der 1980er-Jahre boomten die Arcadehallen, zu Hause waren der Commodore 64, der Amstrad CPC und der Sinclair ZX Spectrum die beliebtesten Heimcomputer und drei japanische Firmen teilten sich den Konsolenmarkt: Nintendo, Sega und NEC.

Unter dem Namen Famicom führte Nintendo seine erste Konsole 1983 auf dem japanischen Markt ein. Zwei Jahre später gelangte das Gerät als Nintendo Entertainment System (NES) in den weltweiten Handel. Während international vor allem Sega mit seinem Megadrive (in den USA bekannt als Sega Genesis) ein starker Konkurrent für Nintendo war, dominierte NECs PC Engine (in den USA TurboGrafx 16) den japanischen Markt.

Zu dieser Zeit waren die Datenträger weit heterogener als heute. Während im Heimcomputerbereich sowohl Kassetten als auch Disketten üblich waren, war für Konsolen das Steckmodul der Datenträger der Wahl. So erschienen die Spiele für NES, Megadrive und PC Engine zunächst auf Steckmodulen. Um sich weitere Marktanteile zu sichern, veröffentlichte Nintendo 1986 eine Erweiterung für das Famicom, mit der auch 3-Zoll-Disketten als Datenträger genutzt werden konnten.

Konkurrent NEC hingegen widmete sich einer neuen Technologie. So bot man ab 1988 ein CD-ROM-Laufwerk als Erweiterung für die PC Engine an und hängte die Konkurrenz zumindest innerhalb Japans endgültig ab. Bereits 1989 folgt NECs Japan-exklusive Nachfolgekonsole SuperGrafx, die ebenso wie spätere Revisionen der PC Engine mit standardmässig verbautem CD-ROM-Laufwerk aufwartete.

Prototyp der Nintendo PlayStation.

Prototyp der Nintendo PlayStation. Bild: Wikimedia/Mats Lindh

Zwischen Steckmodul und Zukunft

Nintendo wandte sich daraufhin an Sony. Der Elektronikkonzern tüftelte zu jener Zeit bereits an einem Soundchip für Nintendos nächste Konsole, das SuperNES. Darüber hinaus sollte man nun ein CD-ROM-Laufwerk entwickeln, das das SuperNES konkurrenzfähig machen würde.

Im Gegenzug wollte Nintendo dem Partner Sony die eigene Steckmodul-Technologie zur Verfügung stellen. So wären beide Firmen in der Lage gewesen, Konsolen zu produzieren, die sowohl Steckmodule als auch CD-ROMs lesen können. Sony hatte zu jener Zeit zwar kein Interesse daran, ins Konsolen-Business einzusteigen, willigte aber ein.

Das SuperNES (SuperFamicom in Japan) kam zwischen 1990 und 1992 weltweit in die Läden. Der Prototyp, der in Sonys Labors in der Zwischenzeit entstanden war, wurde unter dem Namen PlayStation 1991 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die cremeweisse, geradlinige Box mit Steckmodul- und CD-Laufwerk sowie Digitalanzeige und adaptiertem SuperNES-Controller sollte jedoch niemals die Läden stürmen.

Nintendo gab wenig später unerwartet bekannt, mit Sonys Konkurrent Philips an der Entwicklung eines CD-ROM-Laufwerks für das SuperNES arbeiten zu wollen. Philips beendete die Zusammenarbeit jedoch, sodass Nintendos SuperNES schliesslich nie eine CD-ROM-Erweiterung erhielt. Dieser unfreiwillige Kurswechsel führte dazu, dass auch die Nachfolgekonsole, der Nintendo N64, 1996 noch als Steckmodul-Konsole ohne optisches Laufwerk erschien. Konkurrent Sega publizierte 1991 das Sega Mega-CD, ein CD-ROM-Laufwerk für das MegaDrive sowie die Sega Saturn mit optischem Laufwerk im Jahr 1994.

Die unfreiwilligen Kurswechsel führten dazu, dass der Nintendo N64 1996 ohne optisches Laufwerk erschien.

Die unfreiwilligen Kurswechsel führten dazu, dass der Nintendo N64 1996 ohne optisches Laufwerk erschien. Bild: Wikimedia

Die Konsole Sega Saturn mit optischem Laufwerk im Jahr 1994.

Die Konsole Sega Saturn mit optischem Laufwerk im Jahr 1994. Bild: Wikimedia

Auch Sony entwickelte die vorhandene Technik weiter. 1994 erschien die Sony PlayStation mit optischem Laufwerk in Japan und im Spätsommer 1995 auf dem internationalen Markt. Mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren ist sie bis heute eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten.

Eine Sony PlayStation von 1995 im Computerspielemuseum in Berlin.

Eine Sony PlayStation von 1995 im Computerspielemuseum in Berlin. Bild: Computerspielemuseum Berlin

Ein unerwarteter Dachbodenfund

Dass der sagenumwobene Prototyp schliesslich doch nochmal in die Öffentlichkeit gelangte, ist fast ein Wunder. Der jetzige Noch-Besitzer und Verkäufer Terry Diebold hatte das Gerät unwissentlich vor über zehn Jahren zusammen mit anderem «Trödel» erworben. Erst 2015 hatte Diebolds Sohn das Gerät auf dem Dachboden entdeckt und daraufhin im Internet darüber berichtet.

In den Folgejahren präsentierten Diebold und Sohn die Nintendo PlayStation auf zahlreichen Messen rund um die Welt. Nun wird das Gerät verkauft. Der Einstellpreis von 15'000 US-Dollar wurde bereits um ein Vielfaches überboten. Das aktuelle Gebot liegt bei 280’000 US-Dollar. Zu welchem Preis die Nintendo PlayStation schliesslich das Zuhause wechselt zeigt sich am 6. März, wenn die Auktion endet.

Games

Landesmuseum Zürich
17.1. – 13.4.2020

Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch die rund 50-jährige Geschichte der Videogames und thematisiert dabei auch Aspekte, die in der Gesellschaft als bedenklich wahrgenommen werden. Spielstationen laden dazu ein, die Games selbst auszuprobieren.

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Die Versteigerung eines Stücks Videospiel-Geschichte» erschien am 2. März.
blog.nationalmuseum.ch/2020/03/nintendo-playstation-versteigerung-eines-stuecks-videospiel-geschichte

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Meyer Andrej 04.03.2020 09:11
    Highlight Highlight Ist die PS nicht von Sony?
    • moedesty 04.03.2020 10:24
      Highlight Highlight sind wörter nicht zum lesen da?
    • Zinni 04.03.2020 12:28
      Highlight Highlight Doch, diese schon. Lies mal die geschichte dazu. Sehr spannend 😉👍
    • Mia_san_mia 04.03.2020 16:52
      Highlight Highlight @Meyer Andrej: Wieso liest Du nicht zuerst den Artikel, bevor Du kommentierst?
  • roadster101 04.03.2020 08:42
    Highlight Highlight Hies es nicht dass der Stromstecker für die Konsole nicht vorhanden war und somit nicht funktionstüchtig ist? Auf dem Bild scheint die Konsole eingeschaltet zu sein?

    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 04.03.2020 13:28
      Highlight Highlight Ich wage zu behaupten, dass wenn man die Eingangsspannung kennt, diesen relativ einfach nachbauen könnte.
  • Ricardo Tubbs 04.03.2020 08:28
    Highlight Highlight wollte der vor einiger zeit nicht mal eine million dafür? oder gab es mehrere Prototypen?
  • TheBase 04.03.2020 06:28
    Highlight Highlight Eigentlich gehören solche Schätze in Museen!

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