Schweiz

Gewerkschafter und Romand-Bergbähnler sind sauer auf den Swiss Pass, die Datenschutz-Kontroverse läuft noch: Aber hey, die SBB sind zufrieden!

04.11.15, 17:11 05.11.15, 07:40

Drei Monate nach der Einführung des Swiss Pass ziehen die SBB und der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) eine positive Zwischenbilanz. Doch nicht alle sehen dies gleich. Vor allem bei Westschweizer Bergbahnen sorgt die rote Chipkarte für rote Köpfe.

Seit dem 1. August gibt es für General- und Halbtaxabos statt des gewohnten blauen Kärtchens den roten Swiss Pass. Mittlerweile sind laut dem VÖV fast 600'000 neue Karten im Umlauf. Das sind mehr als ein Drittel aller GAs und gut 18 Prozent der Halbtaxabos. Jede Woche kommen Tausende weitere hinzu. Bis in drei Jahren werden alle alten Karten durch neue ersetzt sein.

Drei Monate nach der Lancierung: SBB und ÖV-Dachverband sprechen von einer gelungenen Einführung.
Bild: KEYSTONE

«Wir sind zufrieden», bilanzierte VÖV-Direktor Ueli Stückelberger am Mittwoch vor den Medien in Bern. Das «sehr komplexe Projekt mit einer langen Vorlaufgeschichte» sei ruhig eingeführt worden. Fast alles hätte reibungslos funktioniert, die Leute akzeptierten das neue System.

Unzufriedene Seilbähnler

Doch es gibt auch andere Stimmen. Für Eric Balet, Vizepräsident des Verbands Seilbahnen Schweiz, ist der Swiss Pass «eine gute Idee, technisch gesehen aber nicht ausgereift», wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA festhielt. Um Zugang zum neuen System zu haben, müssten die Bergbahnen zu viel zahlen.

«Wir müssten der SBB eine Kommission von sechs Prozent auf jeden verkauften Skipass entrichten.» Dazu komme eine Gebühr in Höhe von 4000 Franken pro Station. Der Mehrwert des Swiss Pass für die Wintersportorte sei dagegen klein. «Der Bund will die Reisenden von der Strasse auf die Schiene locken, wir haben aber nichts davon ausser höhere Kosten», sagte Balet.

Streit um Abgaben an SBB

Tatsächlich haben sich bisher lediglich 23 Skigebiete und Bergbahnen dem Swiss Pass angeschlossen – keine einzige Westschweizer Station ist dabei. «Es gibt verschiedene Meinungen», gab Stückelberger bei der Fragerunde nach der Medienkonferenz zu.

«Es sind nicht alle Stationen vertrauensvoll», sagte auch Jeannine Pilloud, Leiterin SBB Personenverkehr. Deshalb sei eine Begleitgruppe gegründet worden, welche Lösungen mit den Seilbahnen finden soll. «Wir haben Überzeugungsarbeit vor uns.»

Pilloud stellte zugleich klar, dass die SBB die ÖV-Karte nicht für alle finanzieren könne. Der prozentuale Anteil der Kommissionen sei für alle Bergbahnen gleich hoch. «Die Abgaben müssen marktgerecht sein.»

Doch die Fronten sind verhärtet. «Auch wenn die Kommissionen wegfallen würden, wäre das immer noch ein grosses Geschenk von uns an die SBB», sagte Balet von den Seilbahnen Schweiz. Die kommerziellen Bedingungen seien zu hoch.

Widersprüche bei Kontrollzeiten

Verstummt sind laut SBB und VÖV dagegen andere Kritiker. Die anfänglichen Klagen über längere Kontrollen und fehlende Lesegeräte hätten sich grösstenteils nicht bestätigt. «Es gibt zwar gewisse Kinderkrankheiten und Anlaufschwierigkeiten», sagte Stückelberger. Diese seien aber «im normalen Bereich für ein solch grosses Projekt» und würden mit Sofortmassnahmen gelöst.

Nicht ganz so rosig tönt es bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV): «Die Kontrolle pro Fahrgast dauert dreimal länger», sagte Mediensprecher Peter Moor-Trevisan der SDA. Dies sei eine Einladung zum Schwarzfahren, weil die Kontrolleure nicht mehr alle Fahrgäste erreichten.

Gewerkschaft und SBB sind uneins darüber, ob Kontrollen durch den Swiss Pass länger dauern.
Bild: KEYSTONE

Der VÖV und die SBB widersprechen: «Das Kontrollpersonal ist zufrieden», sagte Stückelberger. Er habe keine Hinweise, dass es mehr Schwarzfahrer gebe. Laut Pilloud gibt es «aufs Ganze gesehen auch nicht längere Kontrollen».

Auch von Stimmen unzufriedener Kunden, welche den Swiss Pass anders als früher jedes Mal auf dem Portemonnaie hervorkramen müssen, will Pilloud nichts wissen. «Ich reise viel mit dem Zug und habe keinen Ärger von Mitreisenden verspürt.»

Datenschützer kontrolliert Daten

Bedenken betreffend Datenschutz haben sich laut SBB und VÖV als nichtig erweisen. «Wir wissen nicht, wo unsere Reisenden herumfahren», sagte Stückelberger. Es sei keine Ortung und kein Bewegungsprofil möglich. Kontrolldaten würden nach drei Monaten gelöscht. Unberechtigte Personen hätten keinen Zugriff darauf.

Der Eidg. Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) eröffnete vor ein paar Wochen eine Sachverhaltsabklärung in dieser Angelegenheit, wie Mediensprecher Francis Meier auf Anfrage sagte. «Gegenstand der Kontrolle sind die Datenbearbeitungen, die in Zusammenhang mit dem Swiss Pass erfolgen.» Resultate seien in ein paar Wochen zu erwarten. (tat/sda)

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  • E. Edward Grey 05.11.2015 00:20
    Highlight Mit SwissPass fällt die Kreditkartenfunktion des Halbtax weg. Statt einem Bonus ergibt sich ein Malus von CHF 85,- jährlich für die Gebühren und zusätzlich noch die Preiserhöhung der Jahreskarte?
    Ich brauche ausserdem einen dritten Zettel wollte ich nach Singen fahren.
    Gleichzeitig eine Verschlechterung beim Netz der Bergbahnen, versprochen war etwas ganz anderes.
    Dazu noch ganz unklares Tracking der persönlichen Daten.
    Nicht mit mir, die SBB hat einen Kunden verloren.
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  • mixxta 04.11.2015 23:49
    Highlight Seit einigen Tagen bin ich auch gezwungenermassen "SwissPass"-Besitzer. Wie nimmt eigentlich das Ausland den "SwissPass" zur Kenntnis? Wie kapiert man, dass es sich nicht um den Schweizer Pass handelt? Ist diese Karte nicht viel zu leicht mit einem amtlichen Ausweis zu verwechseln? Ich wüsste beispielsweise nicht, ob es in Finnland einen Pass in Kreditkartenformat gibt...
    1 3 Melden
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  • dracului 04.11.2015 22:26
    Highlight Gerade im Billett-Bereich war Innovation überfällig und die SBB hat nun einen ersten zaghaften Schritt gewagt. Leider passt dieses System m.A. nicht zu dem veralteten Kontrolle durch "Kondukteure". Die SBB sollte ein Self-check-in und self-check-out am Bahnsteig, welches die Kontrollen im Zug überflüssig macht und gleichzeitig das Schwarzfahren unterbindet. Auch die vermehrte Nutzung von mobilen Smartphones der Bahnreisenden würde weiteres Potential bieten: Warum kann der Swisspass nicht als App verfügbar sein? Bei Flugtickets geht das ja auch längst.
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  • Aberbitterschön 04.11.2015 19:33
    Highlight "die Leute akzeptierten das neue System" ... Doofe Aussage bleibt einem ja auch nichts anderes übrig! 😡

    Nun ich gehe in der Regel doch recht offen mit meinen Daten um. Denoch bleiben Fragen im Raum:
    Wem gehören die Kundendaten? (SBB, Kartenverbund, oder sonstige?)
    Wer hat wie Zugriff auf die DB? Muss ich jetzt vermehrt mit Werbemails von irgendwelchen Bahnen rechnen? Bergbahnen arbeiten ja bekanntlich eng mit den Tourismusregionen zusammen. Erstaunlich, dass gerade diese den "wirklichen Wert" der Karte nicht erkennen..
    21 0 Melden
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  • greenlion 04.11.2015 18:12
    Highlight nur weil die SBB nichts mit der Karte anzufangen weiss, heisst das nicht dass diese sicher ist oder es andere nicht könnten.
    ich finde es eher mühsam dass man zum umsteigen auf diese Karte gezwungen wird und das alte GA kärtli gar nicht mehr verkauft wird... aber es ist ja bekannt dass die SBB nicht gerade kundenorientiert werkelt....
    33 7 Melden
    • Luca Dietiker 04.11.2015 19:39
      Highlight Ach seit wann ist es denn «bekannt, dass die SBB nicht kundenorientiert werkelt»? Das ist lediglich deine Warnehmung. In jeder Unternehmung, die langfristig bestehen will, gibt es Innovation. Was die SBB mit dem SwissPass einführt, ist längst überfällig. Schon mal gesehen, wie London, Paris oder Berlin das Ticketing seit Jahren löst?
      Du willst ja auch nicht, dass du in 10 Jahren immer noch eine Kupferleitung von Swisscom hast. Desswegen wird investiert in Glasfaser - dasselbe gilt auch für die (europaweit besten) Bundesbahnen... 🙂
      19 14 Melden
    • Chrigu91 04.11.2015 21:39
      Highlight @Luca Dietiker ich denke, dass die SBB quasi ein Monopol hat und mit den Kunden machen kann was sie will. Kundenorientierung war deswegen noch nie wirklich eine Stärke der Bundesbahnen
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    • Auf Ablenkung 04.11.2015 23:47
      Highlight Immer dasselbe: nicht gerade kundenorientiert. Nervige Platitüde!

      Ich erlebe tagtäglich nettes Zugpersonal, helfendes Reinigungspersonal, gutes App, Kundenbetreuer während Störungen, Extra-Service am Schalter und und und. Was erwartest du? Das dich immer jemand am Händchen nimmt und dich zu deinem Sitzplatz führt?

      Die SBB hat schon heute viele kindenorientierte Produkte und Services - man nörgelt halt lieber als sich zu informieren. Und wenn du nun 1000 Ideen für eine bessere SBB hast und du auch wirklich was verbessern willst - melde dich im Kundenbeirat: http://www.sbb.ch/kundenbeirat
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  • maxi 04.11.2015 17:27
    Highlight ich lasse meinen swisspass einfach nicht scannen. ich hab mir die kaufquittung aufgehoben. und weise die zusätzlich vor. Dann ist ersichtlich ob ich halb tax oder ga habe.
    Man muss dann halt viel diskutieren, aber da ist die SBB selbst schuld!
    20 40 Melden
    • emc2 04.11.2015 18:16
      Highlight Oh, wow. Ja ganz toll. Die Kon­t­rol­leu­rin bzw. der Kontrolleur - der nicht das geringste dieser Situation zu verschulden hat - wird sich freuen.
      43 8 Melden
    • maxi 04.11.2015 18:39
      Highlight es zwing sie niemand da zu arbeiten... ich arbeite auf dem bau muss auch immer wider sachenbewältigen, für die ich nichzs kann!
      16 15 Melden
    • Charlie Brown 04.11.2015 19:09
      Highlight @maxi: Super Sache. Und deinen Kommentar hast du mit einem Meissel in eine Steintafel gehämmert? Oder allenfalls mit einem Apple oder Android Gerät getippt, während der Lieferant deines Betriebssystems jeden Click inkl. GPS Daten auswerten kann?
      9 10 Melden
    • Raro Wetzel 04.11.2015 19:17
      Highlight @ maxi Finde ich echt stark, deine Haltung!
      6 4 Melden
    • Luca Dietiker 04.11.2015 19:40
      Highlight Man merkt, dass du offensichtlich keine Probleme in deinem Leben hast. Schön für dich! :-)
      12 6 Melden
    • elivi 04.11.2015 21:19
      Highlight lol .... aber ey wenn man sonst keine andere probleme hat, warum keine selber machen....
      4 2 Melden
    • Auf Ablenkung 04.11.2015 23:52
      Highlight genau! Und wenn ich am Zoll aufgefordert werde meinen biometrischen Pass zu zeigen, weigere ich mich auch. Die können ja schliesslich bei der Einwohnerkontrolle nachfragen.

      Oh! Post von Migros-Cumulus - schon wieder 20.- Bons, hach!

      *ironieoff*
      7 2 Melden
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