Fussball
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Thuns Sportchef Andres Gerber, links, und Thuns Praesident Markus Luethi, vor dem Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Ein grosser Moment in der Geschichte des FC Thun: Präsident Markus Lüthi (rechts) und Sportchef Andres Gerber vor dem Cupfinal 2019. Bild: KEYSTONE

Saisonabbruch oder nicht? So ringen Klubs wie der FC Thun um den Entscheid

Vor der Woche der Wahrheit in der Swiss Football League gewährt Präsident Markus Lüthi Einblick in den FC Thun. Dieser bestreitet seine zehnte Saison in Folge in der Super League.

Markus Brütsch und François Schmid-Bechtel / CH Media



High Noon in der Swiss Football League. Am Mittwoch entscheidet der Bundesrat aufgrund der aktuellen Fallzahlen der Corona-Pandemie, ob die Profis wieder Fussball spielen dürfen. Sagt er ja, stimmen am Freitag die 20 Vereine an einer ausserordentlichen Generalversammlung darüber ab, ob sie von dieser Erlaubnis überhaupt Gebrauch machen wollen.

Geisterspiele sind für manche Klubs wirtschaftlich derart unattraktiv und defizitär, dass für sie der Status quo das kleinere Übel wäre. Sie also lieber auf den Trainings- sowie Spielbetrieb verzichten würden, um weiter Kurzarbeitsgeld zu beziehen. Aber auch sie wissen: Für immer und ewig ist das natürlich nicht möglich.

Der FC Thun hat sich indes entschieden, heute Montag wieder ins Training einzusteigen. Muss doch einkalkuliert werden, dass ab dem 19. Juni der Ball auch im Schweizer Spitzenfussball wieder rollt. Möglicherweise aber nicht einfach als Fortsetzung der nach 23 Runden unterbrochenen Meisterschaft, sondern nach einem Abbruch als Neubeginn in einem neuen Format. Der FC Lausanne-Sport jedenfalls hat die Idee von Christian Constantin, dem Präsidenten des FC Sion, aufgegriffen und einen Antrag zuhanden der GV eingereicht.

Demnach würde das Oberhaus auf zwölf Vereine aufgestockt und in 44 Spielen der Meister 2021 ermittelt. Die Challenge League würde von acht Teams bestritten.

Überraschend erhält Constantin für seinen Vorschlag Zuspruch von Markus Lüthi, dem Präsidenten des FC Thun. Bis vor ein paar Wochen hatte sich dieser noch vehement für den Beibehalt der Zehnerligen ins Zeug gelegt. Weshalb nun dieser Sinneswandel? «Die Aufstockung könnte mit ein Beitrag sein, um unerfreuliche und imageschädigende Rechtsfälle zu vermeiden», begründet der 62-Jährige seine neue Optik.

«Mit Constantins Lösung könnte man das vermeiden und dazu die dem TV-Partner entgangenen Partien in der nächsten Saison dank der Mehrspiele besser verhandeln.» Was aus Sicht des FC Thun den Vorteil hätte, die bereits bezogene letzte TV-Tranche von rund 400'000 Franken nicht zurückzahlen zu müssen und nebenbei auch gleich noch den Klassenerhalt auf sicher zu haben.

Le president du FC Sion Christian Constantin prend la parole lors d'une conference de presse, ce mardi 20 mai 2014, a Martigny. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Sion-Boss Constantin setzt sich für eine Aufstockung der Liga ein. Bild: KEYSTONE

Auf einer Gratwanderung

Denn der FC Thun ist als Tabellenletzter in akuter Abstiegsgefahr, selbst wenn sich seit der Winterpause seine Situation verbessert hat. Die offensichtliche Bestimmung seines Klubs bringt Lüthi im Jahresbericht 2019 gut auf den Punkt: «Unser FC Thun Berner Oberland ist und bleibt in anspruchsvollen Grenzbereichen.

Auf einer Gratwanderung zwischen wirtschaftlichem Überleben und Ligaerhalt.» Abgestürzt ist er bisher aber weder auf die eine noch auf die andere Seite, und sein Leistungsausweis ist angesichts der beschränkten Möglichkeiten durchaus beeindruckend. Finanziell hat sich der FC Thun ein Polster von einer Million Franken flüssiger Mittel angelegt, sportlich absolviert er die zehnte Super-League-Saison in Folge und hat im letzten Jahr gegen Basel (1:2) den Cupfinal bestritten.

In der enormen Bandbreite der SFL-Vereine zwischen den Krösussen YB und Basel sowie den Habenichtsen Chiasso und Stade Lausanne-Ouchy ist er mit einem Budget von durchschnittlich 10 Millionen Franken so etwas wie der Median des Schweizer Profifussballs.

Lüthi steht seit 2012 an der Spitze der Thuner und ist stolz darauf, dass er einen Klub mit 250 Mitarbeitern (60 davon in Vollzeit) führt, der den Ruf hat, transparent zu sein im Sinn der Offenlegung von Zahlen. Und 1,5 Millionen Franken aus dem Profi- in den Nachwuchsbereich fliessen lässt.

Insgesamt betrugen 2019 die Kosten für den Personalaufwand 8,7 Millionen Franken (wegen des Cupfinals, des Ranglistenplatzes und den Europacupspielen fast 2 Millionen mehr als sonst), inklusive den Sozialversicherungen. Sie sorgten mit zu einem Verlust von 292'000 Franken.

Der grosse Stamm verdient 6000 bis 8000 Franken

Von besonderem Interesse in der Öffentlichkeit sind immer die Löhne der Spieler. Beim FC Thun gibt es drei Kategorien: Ein paar Schlüsselakteure verdienen monatlich fix 8000 bis 12'000 Franken, der grosse Stamm 6000 bis 8000 Franken und die Nachwuchsspieler 4000 bis 6000 Franken.

In der erfolgreichen letzten Saison allerdings konnten die Spieler dank Leistungsprämien gut dazu verdienen. Doch mehr als 20'000 Franken kassierte keiner. Autos und Wohnungen werden vom Klub keine mehr zur Verfügung gestellt.

Thuns Matteo Tosetti, links, jubelt ueber sein Tor zum 2:0 mit Thuns Stefan Glarner, Miguel Castroman und Leonardo Bertone, von links, waehrend des Fussball Meisterschaftsspiels der Super League zwischen dem FC Thun und dem FC Sion, am Sonntag, 26. Januar 2020, in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Daniel Teuscher)

Dank den Erfolgen in der vergangenen Saison gab es für die Thuner ein finanzielles Zückerchen. Bild: KEYSTONE

Weil Lüthi bereits früh in der Coronakrise den Geldabfluss, wie zum Beispiel die Stadionmiete, stoppte und nur noch gewisse Löhne und die Unfallversicherung bezahlte, beschränkten sich im April die Ausgaben auf 100'000 Franken. Dank der Kurzarbeitsentschädigung konnte sich der FC Thun einigermassen gut über Wasser halten.

Mit der Aufnahme des Trainings und dem Wegfall dieser Gelder wird die Situation nun aber schwieriger. Zwar wären für den FC Thun Geisterspiele im Gegensatz zum FC Basel und FC Zürich Nullsummenspiele – der Einzelticketverkauf und die Kosten für den Stadionbetrieb hielten sich die Waage – , doch just zum heikelsten Liquiditätszeitpunkt fällt der Verkauf der Saisonabonnements 2020/21 weg, wie auch die Verlängerung von Sponsoringverträgen.

«Ich wüsste nicht, wie wir ein weiteres Darlehen zurückzahlen könnten.»

Markus Lüthi

30 Prozent der Sponsoren haben bereits gekündigt, was zu einem Verlust von 400'000 Franken führt.

Noch können die Thuner ihre Rechnungen bezahlen. Nachdem sie 2016 von der Stadt Thun 500'000 Franken (davon sind 200'000 zurückgezahlt) und kürzlich mittels eines Covid-19-Kredits dieselbe Summe aufgenommen haben, wollen sie nun von Viola Amherds 200-Millionen-Finanzhilfspaket keinen Gebrauch machen. «Ich wüsste nicht, wie wir ein weiteres Darlehen zurückzahlen könnten», sagt Lüthi.

Weil er Zweifel hat, ob der Fussball seiner Vorbildrolle gerecht wird, wenn bald weitergespielt wird und eine Extrawurst die Abstandsregeln ausser Kraft setzt, tendiert er zu einem Saisonabbruch. Andrerseits setzt er sich dafür ein, dass bei tiefbleibenden Corona-Fallzahlen schneller als erwartet wieder mit Publikum gespielt werden kann; in Thun vielleicht vor 5000 (aktueller Schnitt: 5456) statt der möglichen 10'000 Fans.

Auch schlägt er vor, ein Kombi-Abonnement aus Saisonkarte und TV-Abo zu kreieren. Dem erfolgreichen Unternehmer Markus Lüthi mangelt es nicht an Visionen und Ideen. Das kann im Überlebenskampf des Schweizer Profifussballs sogar matchentscheidend sein.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ThePower 26.05.2020 00:14
    Highlight Highlight Ich hätte da eine bessere Idee:
    Ab Juli die restlichen 13 Runden bis Jahresende zu Ende spielen, im Idealfall sogar mit Zuschauern. Der Sieger ist Meister 2020. Danach umstellen auf die Sommermeisterschaft, gespielt wird von März bis November/Dezember. Falls das nicht möglich ist, wäre im Frühjahr 21 auch eine 18-Runden-Meisterschaft möglich, und dann ab Sommer 21 im gewohnten Format weiter. Das hätte viele Vorteile (nur eine Saisonvorbereitung, keine Februar-Spiele, fussballfreie Zeit im Sommer entfällt, höhere Einnahmen für die Klubs) und würde gewaltig Termindruck rausnehmen..
  • Score 25.05.2020 13:39
    Highlight Highlight "Geisterspiele sind für manche Klubs wirtschaftlich derart unattraktiv und defizitär, dass für sie der Status quo das kleinere Übel wäre."

    Ehm ja, aber ein Saisonabbruch (freiwillig) wäre definitiv alles andere als ein Status quo und würde das Sonderrecht für Kurzarbeit nicht mehr gerechtfertigen. Das wäre wie wenn eine Firma freiwillig auf Aufträge verzichtet um weiterhin auf Kurzarbeit zu setzen. Das geht definitiv nicht. Zudem dürfte es auch Kostspielig werden wegen den TV Verträgen die dann freiwillig und absichtlich gebrochen würden...
  • TanookiStormtrooper 25.05.2020 12:31
    Highlight Highlight Ein Artikel zu Aussagen sämtlicher Vereinsbosse wäre mal lustig, inkl. aktueller Tabellensituation.
    YB will Abbruch und den Stand der Tabelle vor der Winterpause (weil sie dann Meister wären).
    Wer am Tabellenende ist will Abbruch ohne Absteiger.
    CC will natürlich ganz uneigennützig eine Aufstockung auf 12 Teams (die vor ein paar Wochen abgelehnt wurde).
    • Score 25.05.2020 13:41
      Highlight Highlight Die Rangierung spielt sicher eine Rolle. Für YB aber wohl am wenigsten. Die können wahrscheinlich mit jedem Szenario leben, ausser dem Abbruch mit der Wertung der jetzigen Tabelle. Aber ob Abbruch und Wintertabelle, Abbruch und Nullwertung oder weiterspielen dürfte alles in ihrem Interesse sein...
    • dillinger 25.05.2020 15:17
      Highlight Highlight Der Blick hat zusammengefasst wer für oder gegen Weiterspielen ist und wer die 12er Liga befürwortet/ablehnt. YB ist beispielsweise klar dafür, dass die Saison fortgesetzt wird.
  • Stinkstiefel 25.05.2020 11:29
    Highlight Highlight Die Aufstockung der Super-League wurde vor einem Monat (!) per Abstimmung versenkt. Dies hier nochmal auf den Tisch zu bringen ist Zwängerei. Zwei Challenge-League Teams zum jetzigen Zeitpunkt in die Super-League zu holen schafft vor allem zwei weitere Konkurskandidaten für die nächste Saison.

    Auch ist es ziemlich dreist gegenüber Teleclub & SRF einfach mal den Anspruch zu erheben, die bereits erhaltenen TV-Gelder einzubehalten, aber die Leistung nicht zu erfüllen. Wenn man so kreativ rechnet (und auch mit "unbeschränkter" Kurzarbeit), dann ist klar, dass der Saisonabbruch bevorzugt wird.
    • JohnDoe 26.05.2020 09:51
      Highlight Highlight Teleclub hat ihren Standpunkt klar gemacht in einer Spezialsendung. Sie wollen keine 12er Liga und wollen die Fortsetzung der Meisterschaft. Constantins Rechnung geht somit nicht auf. Die grösste Frechheit war ja sein Vorschlag die Meisterschaft abzubrechen, aufgrund Bedenken wegen des Wettbewerbsrecht, aber den Cup (wo Sion noch dabei ist) will er trotz der gleichen Ausgangslage fertigspielen.
  • neutrino 25.05.2020 11:20
    Highlight Highlight 12 Teams ist ja ok - aber dann 44 Runden? Und noch Cup und noch Europacup? Finde ich massiv zu viel - zB. hat die Bundesliga 34 Runden. Einfach locker noch 10 Runden reinquetschen bringt keinen Mehrwert. Kenne auch keine Liga weltweit die 44 Runden spielt.
    • TanookiStormtrooper 25.05.2020 12:38
      Highlight Highlight Geplant wäre das Schottische Modell. Teilung der Liga nach 33 Spieltagen (jeder spielt 3 mal gegen jeden), wo dann je 6 Mannschaften um die Meisterschaft resp. gegen den Abstieg Spielen. Insgesamt werden so 38 Runden gespielt.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Scottish_Premiership#Austragungsmodus
    • Lorenz Carisch 25.05.2020 13:12
      Highlight Highlight In der argentinischen Primera Division spielen 24 Teans. Das sind mit Hin- und Rückspiel 46 Spiele.
      In der Premier League sind es 38 Spiele, dafür haben die noch 3 oder 4 verschiedene Cup.
      Es gibt durchaus Beispiele mit ähnlich vielen Spielen.
      Mir wäre grundsätzlich eine Aufstöckung auf 16 Teams und nur ein Hin- und Rückspiel am liebsten. Ob das in der Schweiz möglich ist, ist eine andere Frage...
    • neutrino 25.05.2020 13:20
      Highlight Highlight Nein, das wurde abgelehnt. Die Variante, die jetzt auf dem Tisch liegt, ist die Variante Constantin mit 44 Runden (steht im Text).
    Weitere Antworten anzeigen
  • anonymer analphabet 25.05.2020 10:26
    Highlight Highlight Die Aufstockung auf 12 Teams finde ich schon lange fällig.
    Keine Absteiger dafür zwei Aufsteiger ohne grosses Tamtam und Neustart.
    Den Corona-Meistertitel geht an St.Gallen.
    • Player13579 25.05.2020 10:54
      Highlight Highlight Bin mit dir einverstanden bis auf den letzten Satz. Entweder wird YB Meister aufgrund der Hinrundentabelle oder es gibt keinen Meister, weil die aktuelle Runde nicht zu Ende gespielt ist und YB und Basel noch sehr hohe Chanchen auf den Titel haben.
      Ich bin für keinen Meister. Dann gibt es nur noch zu regeln wer wie europäisch spielen darf und da hätten alle 3 einen Platz, von mir aus St. Gallen den CL-Quali platz.
    • Madiba 25.05.2020 11:12
      Highlight Highlight Du widersprichst dir selber. Wenn es keinen Meistertitel gibt ist die aktuelle Tabelle also fair zur Verteilung der Europacup? Da würde dir der FCZ, FCB und YB widersprechen.

      Ich als St. Galler bin aber natürlich voll bei dir!
    • McStem 25.05.2020 12:00
      Highlight Highlight Persönlich als St. Galler befinde ich die Idee keinen Meister & Europaplätze für die beste.

      Dies vor allem weil die Leistung bis jetzt honoriert wird (Europaplätze). Die Unfairness, dass die aktuelle Runde (noch) nicht fertig gespielt ist, ist gerade bei der Top-3 nicht so gross, da die Top 3 bereits gegeneinander gespielt hat.

      Und was den Meistertitel betrifft: Natürlich will ich den in der Ostschweiz, ABER nicht geschenkt. Der erste Meistertitel, an den ich mich richtig erinnern kann (2000 war ich noch etwas zu jung), soll erspielt und nicht am grünen Tisch verteilt sein.
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