Trump erpresst Europa wegen Grönland – die 8 wichtigsten Punkte
US-Präsident Donald Trump dreht an der Eskalationsspirale: Am Samstag kündigte er neue Strafzölle gegen jene europäischen Staaten an, welche kurz zuvor ein symbolisches Kontingent an Soldaten nach Grönland entsendet haben. Kommt es jetzt zum Handelskrieg zwischen den USA und Europa? Und was heisst das für die Schweiz? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Darum geht es
Donald Trump hat im Streit um Grönland neue Zölle gegen acht europäische Staaten angekündigt. Betroffen sind neben Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, den Niederlanden und Finnland auch die beiden nicht EU-Staaten Grossbritannien und Norwegen. Alle acht Länder sind Mitglieder der Nato-Verteidigungsallianz.
Ab dem 1. Februar sollen diese Staaten 10 Prozent zusätzliche Strafzölle bezahlen. Geben sie ihren Widerstand gegen die US-Annexionspläne von Grönland nicht auf, sollen die Zölle laut Trump bis zum Juni auf 25 Prozent steigen. Zusammen mit den 15 Prozent, die bereits gelten, müssten die europäischen Länder so 40 Prozent für ihre Exporte in die USA bezahlen. Die Zölle würden so lange in Kraft bleiben, bis die USA Grönland «vollständig» erworben hätten, hält Trump auf seiner Online-Plattform «Truth Social» fest.
Wie reagieren die Europäer?
Mit einer Warnung. Trumps Zolldrohungen bergen das «Risiko einer Eskalation», hielten die acht betroffenen Staaten in einer gemeinsamen Erklärung fest. Zudem kündigte die EU-Kommission, die alle 27 der EU angehörigen Länder in Handelsfragen vertritt, an, geschlossen zu reagieren. Am Sonntag traf sich die EU-Kommission mit den Mitgliedstaaten in Brüssel zu einer Krisensitzung.
Wie die «Financial Times» berichtet, soll dort die Einführung von Gegenzöllen vorbereitet worden sein, die die EU seit vergangenem Sommer in der Hinterhand hat. Gegenzölle, welche sie auf US-Waren im Wert von rund 93 Milliarden Euro erheben könnte. Dazu gehören Industrieprodukte, aber auch Whiskey, Sojabohnen und Motorräder. Auf Ende Woche lud EU-Ratspräsident António Costa zudem zum EU-Krisengipfel.
Kommt es nun zu einem neuen Zollkrieg?
Sollte Trump wirklich Ernst machen, wird die EU zurückschlagen. Kurzfristig wird es so sein, dass der im letzten Sommer abgeschlossene Handels-Deal nicht weiter umgesetzt wird.
Eigentlich hätte das EU-Parlament dazu diese Woche die Zölle auf die meisten Industriegüter und einige Agrarprodukte auf null absenken sollen. Diese Abstimmung ist jetzt abgesagt. Zudem scheint das ohnehin wackelige Versprechen der Europäer, in den USA Öl und Gas im Gesamtwert von 750 Milliarden Euro einzukaufen, nun noch brüchiger.
Hat der Streit das Potenzial, die Nato zu sprengen?
Das wäre das denkbar schlimmste Szenario: Dass die EU in einen neuen Zollkrieg gegen die USA gerät und Trump in einer Kurzschlussreaktion die Nato verlässt. Bei der Nato betont man stets, dass es keinen Grund gibt, an der Bündnistreue der Amerikaner zu zweifeln. Aber spätestens seit dem grossen Nato-Gipfel von 2018 ist klar, dass Donald Trump alles zuzutrauen ist. Damals stand er kurz davor, den Austritt der USA aus der Verteidigungsallianz zu verkünden.
Kann Trump überhaupt die EU-Länder mit unterschiedlichen Zöllen belegen?
Ja, kann er. In der Praxis wird das aber schwierig. EU-Güter können zollfrei zwischen den Ländern hin und her verschoben werden. Folglich könnte etwa das sanktionierte Frankreich seine Güter über Belgien in die USA verschiffen. Die USA müssten dann schon jedes einzelne Gut betreffend Herkunft und Bestandteile prüfen. Bei französischem Wein mag das noch einfach sein. Bei Industrieprodukten wird es aber deutlich schwieriger. Will Trump seine Drohungen wirklich wahr machen, liefe es auf über kurz oder lang auf neue Zölle für die gesamte EU hinaus.
Hat die EU noch härtere Massnahmen?
Ja, hat sie. Die eigentliche «Bazooka» ist das sogenannte «Anti-Zwangmassnahmen»-Instrument. Es wurde noch nie eingesetzt, ist aber dafür da, wenn eine ausländische Macht versucht, die EU zu erpressen. Das ist bei Donald Trump und seinen Annexions-Plänen gegenüber Grönland offensichtlich der Fall: Trump setzt die EU wirtschaftlich unter Druck, um ein politisches Ziel zu erreichen. Der französische Präsident Emmanuel Macron findet deshalb, es sei Zeit, das Instrument auszupacken. Die neuen US-Zoll-Drohungen seien «inakzeptabel». Man werde sich nicht «einschüchtern lassen» und «vereint reagieren», sagt Macron.
Worauf könnte die Bazooka zielen?
Die EU könnte gewissen US-Produkten in Europa die Zulassung entziehen. Sie könnte aber auch einfach die US-Techgiganten wie Google, Apple oder Amazon ins Visier nehmen. Anders als bei den Gütern hat die EU hier ein grosses Handelsdefizit. Im Jahr 2024 kauften die Europäer fast 500 Milliarden Euro Dienstleistungen in den USA ein, der Grossteil davon im IT- und Digitalbereich.
Was bedeuten Trumps Zolldrohungen für die Schweiz?
Vorerst nichts, da unser Land zwar ein Teil des Binnenmarkts, aber nicht der Zollunion ist. Die Schweiz würde aber von den wirtschaftlichen Turbulenzen eines eskalierenden Zollkriegs mitgerissen werden.
