Ukraine greift St. Petersburg erneut massiv mit Drohnen an – «Zeit, Krieg zu beenden»
Am letzten Tag des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg ist die Millionenmetropole erneut Ziel ukrainischer Drohnenangriffe geworden. Gouverneur Alexander Beglow sowie die Zivilschutzbehörden warnten die Bevölkerung vor einem «grossangelegten Angriff mit militärischen Drohnen». Die russische Luftabwehr sei im Einsatz.
Schon am ersten Tag des Wirtschaftsforums am Mittwoch bildeten sich nach dem Angriff auf eine Ölraffinerie schwarze Rauschwolken am blauen Himmel über der Altstadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Das Wirtschaftsforum lief aber wie gewohnt mit Tausenden Teilnehmern.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äusserte sich auf X zu den Drohnenangriffen. «Es ist an der Zeit, diesen Krieg zu beenden», schreibt er. Und weiter:
Russland müsse seinen Krieg beenden. Jede Form von Ungerechtigkeit gegenüber der Ukraine werde eine gerechte Antwort erhalten, schreibt Selenskyj.
It is time to end this war. But Russia’s ruler wants to keep fighting. That is why Ukrainian sanctions against this aggression are working. Last night, our drones covered a distance of about 1,000 kilometers to the St. Petersburg region – to the enemy navy’s arsenals and a base… pic.twitter.com/IkdN8UE3QD
— Volodymyr Zelenskyy / Володимир Зеленський (@ZelenskyyUa) June 6, 2026
«Gemäss den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von St. Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Strasse zu gehen», schrieb der Gouverneur bei Telegram. «Es kann zu Unterbrechungen des mobilen Internets kommen.» Der Zivilschutz setzte auch per SMS einen Drohnenalarm ab. Auf dem für die internationalen Gäste des Forums wichtigen Flughafen Pulkowo gab es am früheren Morgen zeitweilig keine Starts und Landungen wegen der Drohnengefahr.
Hunderte Menschen in Sicherheit gebracht
Im Leningrader Gebiet um St. Petersburg (früher Leningrad) meldete Gouverneur Alexander Drosdenko ebenfalls Drohnenalarm. Die Flugabwehr habe 141 Drohnen abgeschossen. Er informierte auch über die Evakuierung von Wohnhäusern nahe einem Militärobjekt, in dem nach einem Drohnenangriff ein Feuer ausgebrochen sei. Es handle sich um eine vorübergehende Sicherheitsmassnahme, sagte der Gouverneur. Er hoffe auf die baldige Rückkehr der Menschen in ihre Wohnungen.
St. Petersburger Medien meldeten, dass in dem Ort Bolschaja Ischora am Finnischen Meerbusen 600 Menschen ihre Häuser verlassen mussten. Ein Verletzter sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Russische Kriegsmarine in Kronstadt getroffen
Auch im von der russischen Kriegsmarine genutzten Ostseehafen von Kronstadt habe es Angriffe gegeben, es sei zu einem Brand gekommen, hiess es. Dort seien Arsenale für Raketen und Munition und Stützpunkte der Kriegsflotte getroffen worden, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU in Kiew mit. «Solche Spezialoperationen schwächen die baltische Flotte.» Die Angriffe erschwerten die Logistik der russischen Streitkräfte und verringerten die Kampfbereitschaft des Feindes.
In der Region Krasnodar sei in der Stadt Ust-Labinsk ein Öllager getroffen worden – rund 500 Kilometer von der Ukraine entfernt. Es handle sich um ein für die russischen Streitkräfte wichtiges Treibstofflager, teilte der SBU mit.
Schläge und Schäden auch in anderen Regionen
Berichte über Drohnenschläge gab es zudem aus anderen Teilen Russlands, darunter im Gebiet um die Hauptstadt Moskau. Auch der Hafen von Mariupol in dem von Moskau annektierten Gebiet Donezk sei getroffen worden, hiess es. Nach Explosionen seien in Öldepots in Brand geraten, berichteten Medien. In sozialen Netzwerken kursierten von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüfbare Videos, auf dem grosse Feuer und Rauchwolken zu sehen waren.
Die ukrainischen Drohnenattacken gegen die russische Ölindustrie und militärische Ziele waren mehrfach Thema bei dem Wirtschaftsforum, das heute ausklingt. Die Ukraine wehrt sich mit diesen Gegenangriffen gegen den seit gut vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieg.
Kremlchef Wladimir Putin räumte beim Forum am Freitagabend ein, dass es durch die Angriffe einen «gewissen Schaden» für die Wirtschaft gebe. «Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem», sagte er. Wichtig sei eine Stärkung der Flugabwehr; Risiken für die Wirtschaft Russlands gebe es aber nicht, meinte der Präsident. Das Angebot des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu einem Treffen für Friedensverhandlungen lehnte er ab. (hkl/sda/dpa)
