USA

Wer Trump alles für die «Shithole»-Aussage rügt – eine Zusammenfassung

13.01.18, 21:12

Nach seiner Äusserung über «Drecksloch»-Staaten schlägt US-Präsident Donald Trump ein Sturm der Entrüstung nicht nur international, sondern auch aus den eigenen Reihen entgegen. Der derzeit führende Republikaner hinter Trump, Paul Ryan, bezeichnete die Wortwohl Trumps am Samstag als «unglücklich und nicht hilfreich».

Der republikanische Senator Lindsey Graham äusserte sich öffentlich nicht, erklärte aber, er habe Trump seinen Teil ins Gesicht gesagt. Andere Republikaner versuchten, dem Präsidenten zu Hilfe zu eilen.

In einer in Washington verbreiteten Erklärung forderten die Länder der Afrikanischen Union eine offizielle Entschuldigung von Trump für dessen «Drecksloch»- Kommentar. Zudem solle Trump die Äusserungen zurücknehmen.

In der Mitteilung brachte die Afrikanische Union «Betroffenheit, Schock und Entrüstung» zum Ausdruck. Man glaube, es gebe ein riesiges Fehlverständnis über den afrikanischen Kontinent und dessen Bevölkerung bei der derzeitigen US-Regierung. «Es gibt ein ernstes Bedürfnis für einen Dialog zwischen den Afrikanischen Ländern und der US-Regierung», heisst es in dem Text.

«Rassistisch und fremdenfeindlich»

Dem Protest schlossen sich auch die Botschafter der afrikanischen Staaten bei den Vereinten Nationen an. Sie verurteilten die «unerhörten rassistischen und fremdenfeindlichen» Aussagen und forderten ebenfalls eine Entschuldigung. Die Diplomaten äusserten sich zudem besorgt über den «fortwährenden und zunehmenden Trend der US-Regierung», den afrikanischen Kontinent «und Farbige herabzuwürdigen».

Auch aus anderen Teilen der Welt kamen entrüstete Reaktionen. «Die Äusserungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten treffen die Würde des salvadorianischen Volkes», schrieb der Präsident von El Salvador, Salvador Sánchez Cerén, auf Twitter.

«Sprache des einfachen Volkes»

Teile der US-Republikaner versuchten am Wochenende, die Äusserungen des Präsidenten zu relativieren. Es habe nach den Bemerkungen eine «vorhersehbare Hysterie» gegeben, hiess es hinter vorgehaltener Hand. Es sei einer der grössten Vorteile Trumps, dass er die Sprache des einfachen Volkes spreche, und nicht die der Eliten in Washington oder New York.

Laut «Washington Post» und anderen US-Medien soll Trump bei einem Treffen mit Senatoren am Donnerstag gefragt haben, warum die USA so viele Menschen aus «Drecksloch-Staaten» aufnehmen müssten. Es ging dabei um den Aufenthaltsstatus von Menschen aus Haiti, El Salvador und afrikanischen Staaten. Ein Sprecher des Weissen Hauses dementierte die Berichte zunächst nicht. Trump selbst schrieb auf Twitter, es seien harte Worte gefallen, aber nicht diese.

«Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde», schrieb Trump. Wenig später erklärte er, er habe nie etwas Abfälliges über Haitianer gesagt, ausser dass Haiti ein «sehr armes und unruhiges Land» sei.

Demokratischer Senator widerspricht

Dem widersprach der demokratische Senator Dick Durbin, der an der fraglichen Unterredung teilnahm. «Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre», sagte er am Freitag. Präsident Trump habe «hasserfüllte, abscheuliche und rassistische Worte gewählt», sagte der Senator.

Trump mit Dick Durbin (links) und Steny Hoyer. Bild: AP/AP

Er könne sich nicht erinnern, dass jemals ein Präsident der Vereinigten Staaten zu solch einer Art von Sprache gegriffen habe, sagte Durbin. Das Wort «Drecksloch» («shithole») sei mehrfach gefallen.

Das Treffen mit Senatoren beider Parteien drehte sich um einen Kompromiss in der Einwanderungspolitik, der eine Lösung für das so genannte Daca-Programm vorsieht. Dieses gibt hunderttausenden jungen Migranten einen temporären Schutzstatus. Trump hatte Anfang September entschieden, die von seinem Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufene Initiative zu beenden. Dafür räumte er eine Frist von sechs Monaten ein.

Der Republikaner Lindsey Graham und der Demokrat Durbin präsentierten den Entwurf am Donnerstag Trump und einer Reihe sehr konservativer Republikaner. Laut «Washington Post» und «New York Times» wurde der Präsident wütend, als Graham und Durbin ihren Vorschlag über die Visa-Lotterie umrissen.

Scharfe Kritik aus Afrika

Die kolportierten Bemerkungen lösten in den USA und weltweit eine Welle der Empörung aus. Aus Afrika kam scharfe Kritik.

Die Regierung von Botswana bestellte den US-Botschafter ein. Man wolle von der US-Regierung wissen, ob sie Botsuana für einen «Drecksloch-Staat» halte, hiess es in einer Mitteilung des Aussenministeriums. Die südafrikanische Regierungspartei ANC, schrieb auf Twitter, es sei «beleidigend», derartig abwertende Kommentare zu machen.

Das Uno-Menschenrechtsbüro zeigte sich ebenfalls beunruhigt. «Wenn das so stimmt, sind dies schockierende und beschämende Äusserungen des US-Präsidenten», sagte Rupert Colville, Sprecher des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte, in Genf. «Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als Dreckslöcher bezeichnen, deren Einwohner, die alle nicht weiss sind, deshalb nicht willkommen sind.» (dwi/sda/dpa)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sophia 15.01.2018 11:01
    Highlight Wann merken die Amis, dass sie diesen Präsidenten loswerden müssen? Er schadet ihnen und macht Amerika weder gross noch angesehen. Er weiss offenbar nicht, was das heissen noch was das bedeuten soll. Er stellt sich hin und sagt: "Ich bin der am wenigsten rassistische Mensch überhaupt!" (Heute im TV) Wie kann man weniger als etwas nicht sein? Es scheint, als wäre er auch noch ein Dummschwätzer. Ein gefährlicher Solipist und ein maligner Narziss sei er, sagen die führenden Psychiater der USA, Dem kann man nur zustimmen. Egal was er ist, er macht Amerika sicher nicht gross.
    2 1 Melden
  • Angelo C. 14.01.2018 13:29
    Highlight Offenbar gibt es auch Soziologen, welche gemäss der New York Times Trumps Aussagen anders gewichten :

    http://www.epochtimes.de/politik/welt/soziologe-in-westafrika-zu-drecksloch-laender-aussage-donald-trump-hat-absolut-recht-a2319978.html
    6 2 Melden
    • Sophia 15.01.2018 18:50
      Highlight Lieber Angelo, es ist schon etwas anderes, ob ein Afrikaner sein eigenes Land Drecksloch nennt und damit den Präsidenten seines Landes meint oder ein Trump, der höllisch aufpassen sollte, dass sein Land unter seiner Regierung nicht bald auch zum Drecksloch verkommt, dies über andere Länder sagt.
      1 1 Melden
  • Radiochopf 14.01.2018 07:50
    Highlight Ich mag mich 2016 noch sehr gut erinnern, wie der weltweite mediale Aufschrei wad, als Obama Lybien Shitshow nannte -nicht! http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/barack-obama-says-david-cameron-allowed-libya-to-become-a-s-show-a6923976.html ...
    7 9 Melden
    • Saraina 14.01.2018 09:47
      Highlight Weil die Kritik Obamas sich auf David Cameron bezog, und nicht auf afrikanische Staaten pauschal?
      Zudem: die "Sprache des Volkes" eignet sich nicht für Diplomatie. Afrikanische Staaten besitzen riesige Rohstoffvorkommen, und werden von China mit Investitionen in Billionenhöhe umworben. Und das nicht aus humanitären Gründen. Die jetzt beleidigten Regierungen werden entscheiden, wem sie den Zuschlag über Förderungen geben, und wem eben nicht. America wird möglicherweise in Zukunft first bei den Chinesen einkaufen müssen. Noch mehr, als jetzt schon.
      5 4 Melden
  • Gregor Hast 13.01.2018 23:31
    Highlight Man weiss nicht einmal, ob er dies wirklich gesagt hat. Man macht sich nicht einmal die Mühe dieser absurden Behauptung auf den Grund zu gehen sondern plappert einfach ohne nachzudenken nach respektive setzt ihm Worte in den Mund, die er wahrscheinlich nicht einmal so geäussert hatte!
    6 24 Melden
    • α Virginis 14.01.2018 14:22
      Highlight «Ich habe nicht ein einziges Wort gelesen, das nicht gefallen wäre» (Zitat Dick Durbin). Das sollte doch klar genug sein? Und da wissen Sie nicht, ob es stimmt? Hmm... Alternative Realitäten?

      Fragen über Fragen.
      4 3 Melden
  • Enzasa 13.01.2018 23:10
    Highlight Trotzdem gibt es immer noch überall auf der Welt Menschen die ihn verteidigen.
    Das ist richtig schlimm und macht Angst
    17 6 Melden
  • w'ever 13.01.2018 22:55
    Highlight die sogenannten shitholes könnten ja trump und dessen amerika ja mal sanktionieren und boykottieren. fragt sich nur mit was und ob es irgendwen interessiert.
    8 7 Melden
    • Saraina 14.01.2018 09:57
      Highlight Der Umstand, dass weite Teile der Bevölkerung arm sind, heisst nicht, dass Afrika arm ist. Es ist wahrscheinlich das an Rohstoffen reichste Gebiet der Erde. Die Chinesen gehen nicht aus humanitären Gründen dorthin. Und die Afrikaner, welche sich jetzt vernehmlich beleidigt zeigen, sind die Regierungen. Aber he! Uns geht es gut, da können wir uns kurzfristiges Denken leisten....

      http://www.gesichter-afrikas.de/rohstoffe-ressourcen-in-afrika.html
      3 2 Melden
    • α Virginis 14.01.2018 14:25
      Highlight Mit Öl oder sonstigen Rohstoffen. Nur werden den Ländern dadurch auch wichtige Einnahmequellen wegbrechen, was sicherlich auch nicht gerade förderlich wäre. Klassische Zwickmühle...
      0 0 Melden
  • Informant 13.01.2018 22:14
    Highlight Ob Lindsey Graham der Richtige ist, Trumps Wortwahl zu kritisieren?

    Lindsey Graham 2013: "The people coming across the southern border live in hellholes. They don’t like that. They want to come here. Our problem is we can’t have everybody in the world who lives in a hellhole come to America."
    6 9 Melden
    • Unclemitch 14.01.2018 09:38
      Highlight Und was ist an der Wortwahl schlecht? Hellhole ist das gleiche wie shithole.
      1 2 Melden
  • zombie woof 13.01.2018 22:01
    Highlight Wenn man sich jetzt dem Niveau von Trump anpasst, darf man ihn auch als Arschloch bezeichnen
    13 6 Melden
  • aglio e olio 13.01.2018 21:34
    Highlight "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert."
    34 9 Melden
    • seventhinkingsteps 13.01.2018 23:03
      Highlight Es ist geil ein Arschloch zu sein
      6 4 Melden
    • Hiker 13.01.2018 23:39
      Highlight Welcher nicht ruinierte Ruf? 🤐
      2 4 Melden
    • Enzasa 14.01.2018 11:16
      Highlight Nein es ist eine Beleidigung für alle einfachen Menschen.
      Einfache Menschen haben eine einfachere und leicht verständliche Sprache.

      Beleidigungen gehören definitiv nicht dazu.
      1 3 Melden

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