DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eismeister Zaugg

Die grössten Playoff-Helden des Schweizer Eishockeys – Rang 40 bis 31

Wer sind die grössten Playoff-Helden des Schweizer Eishockeys? Wer könnte dies besser wissen als einer der grössten Eishockey-Experten und mehrfacher «Sportjournalist des Jahres» Klaus Zaugg? Eben. Drum hier seine Liste.
31.03.2020, 17:13

Im Frühjahr 1986 sind die ersten Playoffs gespielt worden. Seither werden Jahr für Jahr Heldengeschichten geschrieben. 2020 gibt es zum ersten Mal keine solchen Geschichten. Zeit also, um zurückzuschauen und die 50 Grössten der Vergangenheit aufzulisten.

Es sind nicht nur Sieger und Meistermacher. Die Dramatik der Playoffs bringt es mit sich, dass auch Spieler eine Heldengeschichte schreiben, die am Ende den Pokal nicht hochstemmen dürfen oder die nur in einem einzigen Abend ins Rampenlicht treten. Es geht bei unserer Aufstellung um jahrelange Dominanz, um Titel, aber auch um Helden aus einem einzigen Spiel.

Der Pokal ist wichtig, aber nicht alles.
Der Pokal ist wichtig, aber nicht alles.
Bild: KEYSTONE

Es ist eine Auflistung ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit, geprägt von persönlichen Erinnerungen, nicht frei von Irrtümern und auch nicht ganz frei von Polemik. Die aufgeführten Helden habe ich seit 1986 alle im Stadion gesehen. Als Klubzugehörigkeit haben wir bei den einzelnen Spielern nur die wichtigsten Arbeitgeber aufgeführt.

40. Rolf Schrepfer

Stürmer; ZSC Lions und Bern

Er hat nur drei Länderspiele bestritten und gehörte zu Beginn des 21. Jahrhunderts doch zu den begehrtesten Spielern auf dem Transfermarkt. Der bissige, schlaue Flügel, den die Fans als «Schrumm» verehren, versteht es, den Gegenspielern unter die Haut zu gehen und in den Playoffs Spiele zu entscheiden.

Am 1. April 2000 erzielt Verteidiger Adrien Plavsic 10 Sekunden vor Ende des sechsten Spiels gegen Lugano das 4:3 – die ZSC Lions sind Meister. Das Zuspiel kam von Rolf Schrepfer. Im Sommer 2001 zügelt «Schrumm» nach Bern und auch dort kann er den Titel feiern. Ab der Saison 2020/21 ist er Cheftrainer beim EHC Arosa in der «MySports League».

Bild: KEYSTONE

39. Domenico Pittis

Stürmer; Kloten und ZSC Lions

Am 11. Januar 2008 kommt es zum folgenschwersten Transfer während einer laufenden Saison. Der kanadische Stürmer Domenico Pittis wechselt von Kloten zu den ZSC Lions. Ihm verdanken es die Zürcher, dass sie den Final gegen Servette gewinnen. Die Genfer führen 2:0, doch nach vier Partien beginnt der Final wieder von vorne (2:2). Im fünften Spiel in Genf gelingt Domenico Pittis 48 Sekunden vor Schluss der Ausgleich zum 2:2 und er trifft auch im Penalty-Schiessen.

Im sechsten Spiel fällt die Titel-Entscheidung erneut im Penaltyschiessen und diesmal ist der Kanadier der einzige, der trifft. Er ist mit dem ersten Versuch erfolgreich, dann scheitern Florian Conz, Juraj Kolnik und Serge Aubin an Ari Sulander und Thibaut Monnet und Adrian Wichser bringen den Puck nicht an Gian-Luca Mona vorbei. Pittis ist auch eine der wichtigen Figuren beim Titelgewinn von 2012 (10 Punkte in 13 Playoffpartien). Später wechselt er zu Visp in die NLB und beendet die Saison und seine Karriere in der Schweiz als ausländische Playoff-Aushilfe mit Zug (8 Spiele/3 Punkte). Er arbeitet heute als Assistent in der AHL.

Bild: PHOTOPRESS

38. Anders Eldebrink

Verteidiger; Kloten

Vier Jahre lang (von 1991 bis 1995) ist er Klotens grosser Verteidigungsminister und spielt bei den Titeln von 1993, 1994 und 1995 eine zentrale Rolle. Der Schwede ist mit ziemlicher Sicherheit Klotens bester Verteidiger der Klubgeschichte. Diese drei Meisterteams drehen sich um die Achse Mikael Johansson – Anders Eldebrink. Einer der taktisch und defensiv schlausten Mittelstürmer und einer der taktisch und defensiv schlausten Verteidiger der Playoffgeschichte stoppen 1993 und 1994 im Final Gottérons Slawa Bykow und Andrej Chomutow.

2005 kehrt er als Trainer nach Kloten zurück, bleibt bis 2012 und führt die Mannschaft zusammen mit seinem Assistenten Felix Hollenstein zweimal in den Final gegen den HC Davos (2009 und 2011). 2013 kommt er während der Playouts nach Rapperswil-Jona, rettet die Mannschaft vor dem Abstieg. Aber am 3. April 2015 wird er während der Liga-Qualifikation gegen Langnau gefeuert und die Lakers steigen ab.

Bild: KEYSTONE

37. Marc Gianola

Verteidiger; Davos

Von der ersten Saison nach dem Wiederaufstieg von 1993 bis 2009 ist er für den HC Davos, was Sandro Bertaggia und Mathias Seger für die Lugano bzw. die ZSC Lions sind: ein Verteidigungsminister, der auf dem Eis und in der Kabine eine zentrale Rolle spielt. Es gibt charismatischere Leader im Team wie Reto von Arx, aber Marc Gianola ist von 2006 bis zu seinem verletzungsbedingten Rücktritt am 23. Oktober 2009 Captain des Teams. Er holt mit Davos vier Meistertitel (2002, 2005, 2007, 2009). Nach seinem Rücktritt arbeitete er in der HCD-Organisation im Marketing und seit 2015 ist er OK-Chef des Spengler Cups.

Bild: PHOTOPRESS

36. Julien Sprunger

Stürmer; Fribourg

Nicht oft in unserer Playoff-Geschichte hat ein Spieler auf so dramatische Art und Weise ein Spiel entschieden wie Julien Sprunger am 1. März 2008 die zweite Viertelfinal-Partie gegen den SC Bern. 17 Sekunden vor Schluss gelingt Benjamin Plüss doch noch der Freiburger Ausgleich. Aber Schiedsrichter Brent Reiber annulliert den Treffer und entscheidet auf Penalty. Die Menge zu Gottéron tobt.

Schon während der Eisreinigung macht sich Julien Sprunger bereit und wartet und wartet. Nie hat einer so lange auf einen so entscheidenden Penalty gewartet. Mehr nervliche Belastung geht nicht. Und er trifft zum 1:1. Mehr noch: in der Verlängerung assistiert er auch noch Benjamin Plüss beim Siegestreffer zum 2:1. Die Serie steht 1:1 und am Ende wird Qualifikationssieger SCB, der in der Qualifikation 41 Punkte mehr als Gottéron geholt hatte, sensationell scheitern. Im Halbfinal ist für Gottéron gegen Servette aber Endstation.

Bild: PHOTOPRESS

35. Andy Ton

Stürmer; Lugano

Er war 1990 der erste Playoff-Topskorer mit Schweizer Pass (9 Spiele/23 Punkte) und im Laufe seiner Karriere war er in den Playoffs (1,15 Punkte pro Spiel) klar besser als während der Qualifikation (0,88). War je ein Schweizer Stürmer in den Playoffs besser als Andy Ton 1990? Wahrscheinlich nicht.

Lugano hat 1989 den Titel sensationell im Final gegen den SCB verloren und 1990 ist das Jahr der Revanche. In den Playoffs lässt sich der Uzwiler in 9 Partien 10 Tore und 13 Assists notieren, allein 5 Tore und 5 Assist in den vier Finalpartien gegen Bern. Diesen Playoffs verdankt er die Klassierung in unserem Ranking – er hat vorher und nachher nie mehr dieses Niveau erreicht. Nach einem zweijährigen Abstecher zum ZSC (1992 bis 1994) beendet er im Frühjahr 1998 in Lugano seine Profi-Karriere.

Bild: KEYSTONE

34. Marco Bührer

Torhüter; Bern

Wie sein Vorgänger Renato Tosio kam Bührer im Sommer 2001 von Chur nach Bern und auf ihn wartete die schwierigste Aufgabe, die es damals gab: beim SC Bern in den Schuhen eben dieser Renato Tosio zu stehen. Er löste diese Aufgabe bravourös und holte mit dem SCB drei Titel (2004, 2010, 2013).

Wegen einer hartnäckigen Fussverletzung musste er seine Karriere im Laufe der Saison 2015/16 beenden und wurde durch den Tschechen Jakub Stepanek ersetzt, der als bisher einziger ausländischer Goalie mit dem SCB Meister geworden ist. Marco Bührer vermochte Renato Tosio zu ersetzen, weil er seinen Vorgänger in keiner Weise kopierte, kein Spektakelgoalie, sondern ein verlässlicher, eher introvertierter «letzter Mann» war – und in den Playoffs sein bestes Hockey spielte. Er ist heute unter anderem bei «MySports» der beste Goalie-Hockeyexperte des Landes.

Bild: KEYSTONE

33. Misko Antisin

Stürmer; Ambri, Zug, Lugano, Servette

Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger verbüsste über 1000 Strafminuten und war der meistbestrafte Spieler seiner Zeit. Aber er war mehr Provokateur als Raubein. Er gehörte in der Qualifikation nicht zu den besten Skorern der Liga, aber er hatte den härtesten Schuss, mit dem er die besten Goalies überraschte. Das machte ihn zur Schlüsselfigur in den Playoffs.

1995 brachte Antisin Zug als Playoff-Topskorer erstmals in den Final, 1998 holte er mit Zug und 1999 mit Lugano den Meistertitel. 2002 feierte er mit Servette den Aufstieg in die NLA, ein Jahr später beendete er seine Karriere und kehrte nach Kanada zurück. Letzte Saison kehrte er als Assistent von Michel Zeiter (Winterthur) in die Schweiz zurück, wurde am 11. Dezember 2019 zum Cheftrainer befördert, hat aber für die neue Saison keinen Vertrag bekommen.

Bild: KEYSTONE

32. Jonas Hiller

Torhüter; Davos und Biel

Zweimal Meister mit Davos (2005, 2007), dann eine grandiose NHL-Karriere und schliesslich erst in Biel in der Rolle des grossen, dramatischen Playoff-Helden. Am 6. April 2019 hat der EHC Biel eine «Jahrhundert-Chance»: mit einem Sieg über den SC Bern ist der Final erreicht und mit ziemlicher Sicherheit wären dann die Bieler mit dem EV Zug fertig geworden und hätten ihren ersten Titel seit 1983 gefeiert.

Jonas Hiller hält 94,74 Prozent der Schüsse, kassiert nur einen einzigen Treffer – aber Biel verliert 0:1 und anschliessend das siebte Halbfinal-Spiel in Bern mit 1:5. Es ist eine der bittersten Niederlagen unserer Playoff-Geschichte. Jonas Hiller hat nach seiner Rückkehr aus der NHL im Sommer 2016 Biel wieder zu einem Spitzenteam gemacht und beendet seine Karriere im Frühjahr 2020.

Bild: KEYSTONE

31. Josef Marha

Stürmer; Davos

In 144 Playoff-Partien ist der Tscheche mit 0,58 Punkten pro Spiel genau so produktiv wie in 531 Qualifikationsspielen für den HC Davos. Zwölf Jahre lang – neun davon als Assistent-Captain – ist er die stille, perfekte Ergänzung zu Reto von Arx und der Lieblingsspieler von Arno Del Curto. Weil er als smarter Zweiweg-Stürmer auch seine defensive Pflicht erfüllt und nie widerspricht.

Marha ist aber auch der Mann der wichtigen Tore. 2005 gelingt ihm in der Verlängerung (68:24) des fünften Finalspiels gegen die ZSC Lions der Siegestreffer – es ist das Tor, das dem HCD den Titel bringt. Er ist mit acht Treffern auch der beste Torschütze der Playoffs 2007. Im Frühjahr 2013 verlässt er den HCD, mit dem er insgesamt fünf Titel geholt hat.

Bild: KEYSTONE
watson Eishockey auf Instagram
Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

1 / 72
NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden
quelle: keystone / fabrice coffrini
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das Büro steht Kopf, wir sind im Playoff-Fieber

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Warum Bern die Sporthauptstadt der Schweiz ist – und bleiben wird

SCB und YB sind Meister. Allen ist in diesen Tagen wieder einmal klargeworden: Die wahre, die echte, die einzige Sportstadt heisst Bern – auch wenn YB und der SCB ausnahmsweise mal nicht Meister werden sollten.

Bern war schon immer die Sporthauptstadt der Schweiz. Halten wir kurz inne und denken zurück ans Jahr 1954. Am 4. Juli wird in Wankdorf der Fussball-WM-Final Deutschland gegen Ungarn gespielt (3:2). Am Abend des 22. August verstummen die Motoren nach dem letzten Formel-1- und Töff-GP in der Schweiz im Bremgartenwald für immer.

Ein Formel-1-GP und ein Fussball-WM-Final innert 50 Tagen. So etwas haben Zürich oder Basel nie erlebt und werden Zürich und Basel auch nie erleben. Und nun kommen die …

Artikel lesen
Link zum Artikel