CBS schreibt Colbert vor, was er in seiner Sendung nicht darf – dieser schlägt zurück
Mitten in seiner eigenen Sendung hat US-Moderator Stephen Colbert seinem Arbeitgeber CBS öffentlich Zensur vorgeworfen. In der «Late Show» am Montagabend erklärte der 61-Jährige, dass die Rechtsabteilung des Senders ihm untersagt habe, ein bereits aufgezeichnetes Interview mit dem demokratischen Politiker James Talarico auszustrahlen. Er behauptet, der Sender habe ihm sogar untersagt, darüber zu sprechen, dass das Interview nicht gezeigt werden darf.
Doch der Moderator, der CBS nur noch bis zum 21. Mai erhalten bleibt, ignorierte die Vorgaben demonstrativ. «Und weil mein Sender absolut nicht will, dass wir darüber sprechen – sprechen wir darüber», verkündete Colbert unter dem Jubel des Studiopublikums. Statt das Interview im Fernsehen zu zeigen, verwies er seine Zuschauer auf den YouTube-Kanal der Sendung, wo das Gespräch mit dem texanischen Abgeordneten inzwischen abrufbar ist.
Als Begründung für das Ausstrahlungsverbot führte CBS laut Colbert die Richtlinien der US-amerikanischen Telekommunikationsaufsicht Federal Communications Commission an. Diese schreiben vor, dass Kandidaten für politische Ämter gleichwertige Sendezeit erhalten müssen. Talarico sitzt derzeit im Repräsentantenhaus von Texas und bewirbt sich um einen Sitz im US-Senat.
Der Moderator wies jedoch auf eine langjährige Ausnahmeregelung hin, die für Nachrichtenformate und Talkshow-Interviews mit Politikern gilt. Diese Ausnahme sei bislang nicht abgeschafft worden, obwohl der unter Donald Trump eingesetzte FCC-Chef Brendan Carr deren Aufweichung anstrebe. «Er hat nur einen Brief veröffentlicht, laut dem er über die Abschaffung der Ausnahme nachdenkt. Er hat es noch nicht getan. Aber mein Sender verhält sich einseitig so, als wenn er es schon hätte», kritisierte Colbert.
Der Vorfall zeigt, wie sehr sich die Stimmung bei CBS verändert hat. Der einst als liberal geltende Sender hatte erst kürzlich angekündigt, dass Colberts «Late Show» nur noch bis zum 21. Mai 2026 ausgestrahlt werden soll.
In seiner Sendung machte der Moderator deutlich, dass er sich den Vorgaben nicht beugen werde. Er kündigte an, dass seine Zuschauer das Interview mit Talarico dennoch sehen könnten – nur eben nicht im Fernsehen. «Der Sender sagt, ich dürfe Ihnen keine URL und keinen QR-Code geben. Aber ich verspreche Ihnen: Wenn Sie auf unsere YouTube-Seite gehen, werden Sie es finden.»
Nachzug in Sendung vom Dienstag
Nachdem Colberts Monolog und Ansage in US-Medien und sogar international für Schlagzeilen gesorgt hatte, doppelte der Late-Night-Moderator in seiner Sendung vom Dienstag direkt nach.
Weil CBS mittlerweile eine Pressemitteilung herausgegeben hat, in dem behauptet wird, man habe Colbert das Interview mit dem Abgeordneten Talarico nicht verboten, präsentierte Colbert seine Version der Ereignisse erneut. Und die beiden Darstellungen passten nicht so ganz zusammen.
Der Moderator gab dabei einen tieferen Einblick, wie die Zusammenarbeit zwischen ihm und den Anwälte seines Arbeitgebers CBS aussieht – und machte ihnen anhand eines Beispiels klar, dass sie ihn seinen Job machen lassen sollten, genau so wie er sich auch nicht in ihren einmischen würde. Hier ist die ganze Szene:
Verwendete Quellen:
- instagram.com: Profil von colbertlateshow
(mit Ergänzungen von lzo)

