DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Entzug von Crystal Meth ist die Hölle – jetzt gibt es ein bisschen Hoffnung



D. J. Meek, a 40-year-old homeless drug addict, smokes crystal meth Friday, Sept. 8, 2017, in the Skid Row area of downtown Los Angeles. Meeks' veins are collapsed due to chronic use of heroin. He said talking to himself makes him unemployable. The latest nationwide homeless count shows that 4 of every 10 people living on the street are severely mentally ill or have a serious drug addiction. (AP Photo/Jae C. Hong)

Einmal süchtig ist Crystal Meth kaum wieder wegzubekommen. Bild: AP/AP

Methamphetamin, vulgo Crystal Meth, ist eine tückische Droge: Es macht genauso schnell abhängig wie Heroin, ist aber noch viel schwieriger zu besiegen. Eine Medikamentenstudie mit zwei Substanzen verspricht nun erstmals eine wirkungsvolle Therapie der Sucht.

Wie stark eine Substanz süchtig macht, wird folgendermassen ermittelt: Es wird gemessen, wie viel des erregenden Neurotransmitters Dopamin während des «Highs» durch das wichtigste Belohnungszentrum des Hirns strömt. Crystal Meth führt die traurige Rangliste an: «Methamphetamin ist die Droge, welche die grösste Freisetzung erzeugt», wird Nora Volkow, Direktorin des National Institute on Drug Abuse, in der aktuellen Ausgabe von «Scientific American» zitiert. «Selbst Tiere werden verrückt danach, den Hebel zu ziehen, um die Droge zu bekommen.»

Erfolgserlebnisse beim Meth-Entzug waren bisher selten wie Soft Ice in der Wüste. Das könnte sich nun dank der Kombination zweier Substanzen ändern. Bupropion, ein Antidepressivum, das auch zur Raucherentwöhnung verschrieben wird, hebt den Dopaminspiegel im Gehirn an und kann so das Elend der steilen Abstürze abfedern, die auftreten, wenn Menschen mit Meth aufhören.

Naltrexon, das zweite Medikament, ist ein Opioid-Blocker, der «auf den Belohnungskreislauf einwirkt und möglicherweise das Verlangen lindert», erklärt der Hauptautor der Studie, Madhukar H. Trivedi, ein Psychiater am University of Texas Southwestern Medical Center.

In einer Studie mit 403 starken Meth-Konsumenten half eine Kur mit den beiden Medikamenten 13,6 Prozent, von der Droge wegzukommen, indem sie über einen Zeitraum von sechs Wochen mindestens drei Viertel der Zeit methfrei waren. Nur 2,5 Prozent derjenigen, die Placebos erhielten, erreichten diesen Grad an Abstinenz.

Hilfe aus dem Goldfischglas

Als verhaltenstherapeutische Unterstützung wurde für die Studie in VA-Kliniken (die Veterans Health Administration bietet das grösste ganzheitliche Gesundheitssystem der USA) eine Belohnungsstrategie angewendet: Nach Abgabe einer drogenfreien Urinprobe durften Entzugsaspiranten einen Zettel aus einem Goldfischglas ziehen. Auf der Hälfte der Zettel standen verschiedene Dollarbeträge, die in den institutseigenen Shops ausgegeben werden konnten, auf dem Rest standen aufmunternde Worte. Bei zwei aufeinanderfolgenden reinen Urinproben gab es zwei Zettel zu fischen und so weiter.

250 Millionen Menschen greifen zu illegalen Drogen

Video: srf/Roberto Krone

Eine 2018 durchgeführte Studie mit 2060 VA-Patienten, die vom klinischen Psychologen Dominick DePhilippis geleitet wurde, ergab, dass 91 Prozent der Urinproben von Teilnehmern an diesem Programm frei von der Droge waren. Gemäss einer 2018 durchgeführten Analyse von 50 Studien, an denen fast 7000 Patienten mit Meth- oder Kokainabhängigkeit teilnahmen, profitierte eine/r von fünf Behandelten von dieser Form des Kontingenzmanagments.

Mehr Meth-Tote in der Coronakrise

epa04487940 An investigator of the Federal Criminal Police Office (BKA) holds some of 2.9 tons of seized Crystal Meth on display for media in Wiesbaden, Germany, 13 November 2014. Investigators from several German states and the Czech Republic have busted a drug ring in Leipzig and Prague, police said 13 November. Federal police in Wiesbaden said 2.3 tons of key chemicals to make crystal meth were seized. They have a street value of 184 million euros.  EPA/FREDRIK VON ERICHSEN  EPA/FREDRIK VON ERICHSEN

Bild: EPA/DPA

In den USA haben seit dem Ausbruch von Covid-19 die Fälle von tödlichen Methamphetamin-Überdosen um 35 Prozent zugenommen, wie im Artikel nachzulesen ist.

Aktuelle Zahlen für die Schweiz gibt es nicht. Bekannt ist, dass der Konsum von Crystal Meth zunimmt, besonders stark in der Westschweiz. Doch «Abwasseranalysen zeigten bereits 2014, dass in 13 untersuchten Schweizer Städten insgesamt 4100 Millionen Dosen à 20 Milligramm konsumiert wurden. Das sind 30 Kilo im Jahr. Nicht nur in sogenannten Meth-Hochburgen wie Neuenburg und Biel, sondern auch in Zürich, Luzern oder Basel», wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich schrieb.

(aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Drogen-Funde aus aller Welt

1 / 16
Drogen-Funde aus aller Welt
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Kolumbien: Kampf dem Drogenkrieg - mit Kaffee gegen Koka

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Deshalb solltest du dein Handy nicht ans rechte Ohr halten

Hochfrequente elektromagnetische Felder können sich bei der Nutzung von Mobiltelefonen nachteilig auf die Entwicklung der Gedächtnisleistung von bestimmten Gehirnregionen auswirken. Das ergab eine Studie mit fast 700 Jugendlichen.

Die wichtigste Expositionsquelle für hochfrequente elektromagnetische Felder (HF-EMF) für das Gehirn ist die Verwendung eines Mobiltelefons in der Nähe des Kopfes. Studien, welche die gesundheitlichen Auswirkungen solcher Felder analysierten, konnten bisher jedoch keine eindeutigen Ergebnisse liefern, wie aus einer Mitteilung des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) vom Donnerstag hervorgeht.

Ein Forschungsteam um Martin Röösli vom Swiss TPH hat nun den Zusammenhang …

Artikel lesen
Link zum Artikel