DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: AP
Review

Wie Crystal Meth in die Schweiz geschmuggelt wird – und wo die Droge am beliebtesten ist

Vom Banker bis zum Sozialhilfeempfänger: Menschen aus allen Gesellschaftssichten konsumieren die stark abhängig machende Substanz Crystal Meth. 9 von 10 nehmen die Droge ein Leben lang – ohne dass andere es bemerken.
16.02.2021, 18:0017.02.2021, 08:20

Marc* ist laut Polizei einer der grössten Schweizer Dealer synthetischer Drogen in der Romandie. Wegen Drogenhandels sass er bereits fünf Jahre im Gefängnis. Marc ist nicht sein richtiger Name. Anonym und vermummt stellt er sich den Fragen des Westschweizer Fernsehsender RTS.

Er erzählt, wie Crystal Meth transportiert werden kann. 10 Gramm könne man in kleinen, unscheinbaren Dosen verstecken, die aussehen wie Batterien. Grössere Mengen transponiere man in Konservendosen, in die locker ein halbes Kilogramm der synthetischen Substanz passen.

Mit diesen Dosen kann Methamphetamin transportiert werden.
Mit diesen Dosen kann Methamphetamin transportiert werden.bild: srf eco

Lukrativ sei das Geschäft vor allem, wenn man es kiloweise einkauft und weiterverkauft. Der Einkaufspreis liege da bei circa 20'000 bis 25'000 Franken. Weiterverkaufen könne er die Droge in der Schweiz dann für rund 250'000 bis 300'000 Franken. 90 Prozent wird online verkauft – zum Teil sogar auf Ricardo, erzählt der Dealer.

Marc erwähnt auch, wie gefährlich die Droge ist. «Es gibt nichts Heftigeres auf dem Markt als Crystal Meth. Ein oder zwei Gramm Kokain wirken einen Abend, dieselbe Dosis Crystal Meth hingegen wirkt eine Woche».

Der Konsum der stark Süchtigen steige in der Schweiz besonders in Neuenburg und Freiburg. Wer es einmal raucht, bleibe im Normalfall ein lebenslänglicher Kunde. «Es ist noch schwieriger, von Crystal loszukommen als von Heroin», sagt der Dealer.

Bild: AP/AP

«Vom Banker bis zum Sozialhilfeempfänger. Menschen aus allen Gesellschaftssichten konsumieren die stark abhängig machende Substanz Crystal Meth. 9 von 10 nehmen die Droge ein Leben lang – ohne dass andere es bemerken», so der Dealer.

Die künstlich hergestellte Droge ist bislang vor allem in Osteuropa produziert worden. Inzwischen mischen auch die mexikanischen Kartelle den Markt neu auf. Crystal Blue nennt man die mexikanische Variante, welche sich überall gut verkaufen lässt – so auch in der Schweiz, wie Marc bestätigt.

Für die Herstellung der Droge braucht es sogenannte chemische Vorläuferstoffe. Diese Chemikalien würden hauptsächlich in China und Indien produziert werden. Von dort aus gelangen sie über Europa nach Mexiko, wo Methamphetamin schlussendlich produziert und wieder nach Europa exportiert wird.

Da die Stoffe über Europa geschmuggelt werden, sind auch hierzulande schon tonnenweise Vorläuferstoffe gefunden worden. Untersucht werden die Substanzen hierzulande im Polizeilabor in Zürich. Der Zoll sendet alle verdächtigen Pakete an jenes Labor. «Wenn man solche Stoffe gezielt sucht und findet, verliert die Schweiz die Attraktivität als Vorläufer», sagt der Chemiker Markus Schläpfer.

Beschlagnahmt 2,9 Tonnen Crystal Meth.
Beschlagnahmt 2,9 Tonnen Crystal Meth.Bild: EPA/DPA

RTS wollte ausserdem herausfinden, wie die Mexikaner an solche Vorläuferstoffe kommen. Dafür geben sich die Journalisten als Vermittler von Drogenhändler aus. Mit einem fiktiven Facebook-Profil mit gefälschten mexikanischen Freunden wenden sie sich an dutzende Hersteller von Vorläuferstoffen in China.

Um professionell auftreten zu können, müssen sie zuerst die Sprache der Vorläuferstoffe lernen. Monatelang sprachen sie mit chinesischen Lieferanten, um die Codes zu verstehen. Irgendwann ging der Plan auf.

Die Unterhaltung kann man sich etwa so vorstellen:

«Ich bin auf der Suche nach dem CAS 999-Vorläufer. Haben Sie ihn auf Lager?»
«Nein, der ist kürzlich verboten worden. Wir haben aber den Vorläufer CAS 288, der identisch ist. Gleiche Wirkung. Gleiche Anwendung.»
«Sind Sie sicher, dass Sie diesen durch den Zoll bringen?»
«Ja, wir haben Zollbeamte gekauft. Sie helfen uns bei allen Exporten nach Mexiko. Wir garantieren die Lieferung zu 100 Prozent.»

Kurz nach den Kurznachrichten nehmen die Journalisten via Skype Kontakt mit der Lieferantin auf. Das Gespräch hat surreale Züge. Sie erzählt dem Journalisten unverblümt, dass Mexiko der drittgrösste Kunde sei und sie den Mexikanern bereits eine weitere Droge verkauft habe, die noch stärker sei als Crystal Meth. Es handelt sich dabei um Fentanyl. Die Droge gilt als tödlichste Droge der Welt. Schon in kleinster Menge kann die Droge zum Tode führen.

Schmuggelfund in Mexiko: 75 Kilogramm Fentanyl.
Schmuggelfund in Mexiko: 75 Kilogramm Fentanyl.Bild: keystone

Weiter erzählt die Verkäuferin, dass sie den Namen der Vorläufer ändern mussten. Der Transport erweise sich derzeit als schwierig, aber man arbeite an einer Lösung.

Bei der Namensänderung beginnt bereits das Katz-und-Maus-Spiel. Das gleiche passiere auch, wenn eine Chemikalie verboten werde, sagt der Chemiker Markus Schläpfer. Denn Crystal Meth lässt sich aus unterschiedlichen Vorläuferstoffen herstellen. «Wenn ein Vorläufer verboten wird, kommt schnell wieder ein neuer auf den Markt.»

Die Sendung kannst du dir hier anschauen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Jacht mit einer Tonne Drogen läuft vor Australien auf Grund

1 / 7
Jacht mit einer Tonne Drogen läuft vor Australien auf Grund
quelle: epa / queensland police handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

46 Synonyme für Joint. So kann man «Güff» auch nennen

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

82 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
saukaibli
16.02.2021 18:26registriert Februar 2014
Jetzt kommt dieses Scheisszeug also bei uns auch immer mehr auf den Markt. Eine Droge, die nach der Einnahme bis zu mehreren Wochen im Körper wirksam ist, auch wenn der Rausch schon längst nicht mehr spürbar ist, sie frisst sich regelrecht durchs Gehirn. Wenn vergleichbar harmlose Drogen wie MDMA oder einfaches Amphetamin legal wären, hätten solche zerstörerischen Substanzen wie Methamphetamin viel weniger Chancen auf dem Markt. Lasst die Finger von dem Scheiss, es gibt definitiv Besseres.
54345
Melden
Zum Kommentar
avatar
Garfield91
16.02.2021 18:46registriert Februar 2018
Ich habe mal einen Zivildiensteinsatz bei einer Heroinabgabestelle für Lanzeitsüchtige geleistet. Bei den Patienten gab es die ganze Palette. Von "normalen" Menschen bis zum Junkie der nur dank dem Programm nicht auf der Gasse landet. Aber egal wie schlimm sie dran waren, keiner von denen hat die übertroffen, welche nebenbei noch Crystal geraucht hat. Abgefuckt ist da noch untertrieben...
3832
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pafeld
16.02.2021 18:41registriert August 2014
"Crystal Blue nennt man die mexikanische Variante, welche sich überall gut verkaufen lässt"

Oh, we know what you did, Walter White...

Meth, dass direkt aus der Synthese blau ist, sprich nicht zu Marketingzwecken eingefärbt wurde, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit mit Schwermetallen verunreinigt. Nur falls man noch einen weiteren Grund sucht, um die Finger davon zu lassen.
2783
Melden
Zum Kommentar
82
Sommaruga will mit tieferen Prämien hohe Energiepreise abfedern

Personen und Familien mit tiefen Einkommen sollten nach Ansicht von Bundesrätin Simonetta Sommaruga wegen der steigenden Energiepreise entlastet werden.

Zur Story