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Donald Trump bei der Arbeit im Walter-Reed-Spital.
Donald Trump bei der Arbeit im Walter-Reed-Spital. Bild: keystone

Krankheitsverlauf bei Trump womöglich schwerer als bislang bekannt

Donald Trumps Gesundheitszustand war offenbar «sehr besorgniserregend». Doch gesicherte Informationen gibt es wenige, der Leibarzt des Präsidenten wich wichtigen Fragen aus.
04.10.2020, 13:0704.10.2020, 13:47

Donald Trump meldete sich am Samstagabend per Videobotschaft aus dem Spital und sprach über seinen Gesundheitszustand. Es gehe ihm jetzt «viel besser», sagte der Präsident in der rund vier minütigen Ansprache. Als er ins Spital gekommen sei, habe er sich «nicht so gut gefühlt». Die «wahre Prüfung» stehe aber in den nächsten Tagen noch bevor.

Der Risikopatient wirkt im Video ein wenig angeschlagen, zeigt aber keine grösseren Probleme mit der Atmung. Doch nach den ersten zwei Tagen von Trumps Spitalaufenthalt stellt sich die Frage: Wie krank ist der Präsident wirklich? Denn die Kommunikation des Weissen Hauses und des Walter-Reed-Spitals war derart chaotisch, dass man sich fragen muss, ob Trump womöglich stärker erkrankt war, als er dies zugibt.

Leibarzt stiftet Verwirrung

Am Samstagmittag (Ortszeit) gab Trumps Leibarzt, Sean Conley, den Medien Auskunft. Klarheit über den Gesundheitszustand des 74-Jährigen gab es danach jedoch nicht. Im Gegenteil. Zwar sagte Conley, dem Präsidenten gehe es «sehr gut» und dass das Team zufrieden sei mit dessen Fortschritten. Aber der Arzt wich wichtigen Fragen aus. So wollten Medienschaffende wissen, ob Trump zusätzlichen Sauerstoff erhalten habe. Conley antwortete darauf nur, dass dies derzeit nicht der Fall sei.

Weiter sagte Conley, dass Trump seit 24 Stunden kein Fieber mehr habe. Wie hoch dieses aber zuvor gewesen ist, teilte er nicht mit.

Für Verwirrung sorgte ausserdem, dass der Arzt von einer 72 Stunden zurückliegenden Diagnose sprach. Trump trat am Donnerstag in New Jersey noch an einem Fundraising-Event auf. Am Mittwochabend hielt er eine Wahlkampfveranstaltung in Minnesota ab. Stimmt Conleys 72-Stunden-Aussage, so wusste Trump bereits am Mittwochmittag Bescheid über seine Infektion und nicht erst am Freitag.

Doch Conley widersprach sich selber: An anderer Stelle sagte er, das positive Testergebnis habe in der Nacht zu Freitag vorgelegen. Dann wurde auch die Öffentlichkeit informiert.

Hier stellt sich wiederum die Frage, wann Trump das letzte Mal negativ getestet wurde. Im Normalfall dauert es mehrere Tage, bis ein Corona-Patient Symptome wie Fieber zeigt. Gemäss des Weissen Hauses wird Trump jedoch mehrere Male am Tag getestet. Conley wollte die Frage nach dem letzten negativen Testergebnis ebenfalls nicht beantworten. Die Erklärungen des Weissen Hauses gingen einfach nicht auf, meinte in der Folge Gesundheitsexpertin Leana Wen gegenüber CNN.

Stabschef verärgert Trump

Als hätte die unbefriedigende Pressekonferenz von Conley nicht schon genug Misstrauen gestreut, machte wenig später eine weitere beunruhigende Meldung die Runde. Diverse US-Medien zitierten am Samstagmittag eine gut informierte Quelle, wonach die Werte des Präsidenten in den vergangenen 24 Stunden «sehr besorgniserregend» gewesen seien. Die nächsten 48 Stunden seien entscheidend.

Es stellte sich später heraus, dass die gut informierte Quelle Mark Meadows ist. Meadows ist Trumps Stabschef und verbrachte die Nacht von Freitag auf Samstag beim Präsidenten im Spital. Videos zeigen, wie Meadows Reportern kurz nach der Pressekonferenz des Leibarztes Auskunft gibt.

Am Samstagabend sprach Meadows zudem mit dem TV-Sender Fox News. Er sagte, dass Trump am Freitagmorgen Fieber hatte und der Sauerstoff im Blut «rapide gefallen» sei. Die Ärzte und er seien «sehr besorgt» gewesen. Dennoch sei der Präsident wach gewesen und herumgelaufen.

Trump soll mit den Äusserungen seines Stabschefs überhaupt nicht zufrieden sein. Der Präsident sei sauer auf Meadows, berichtet die Washington Post unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter.

Nach den Aussagen von Meadows weiss die US-Bevölkerung jetzt wenigstens, dass Trump ernsthaft krank ist, oder zumindest war. Doch über vieles lässt der Präsident seine Landsleute im Dunkeln tappen.

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Donald Trump und das Coronavirus in 18 Zitaten

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Donald Trump und das Coronavirus in 18 Zitaten
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