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Review

Wie ein Teenager Drogen im Wert von 4 Millionen Euro aus seinem Kinderzimmer verkaufte

Vom Kinderzimmer aus vertickte Maximilian Schmidt aus Deutschland Drogen im Wert von 4,1 Millionen Euro, bis er im Februar 2015 schliesslich festgenommen wurde. Nun blickt eine neue Netflix-Doku auf dessen Aufstieg und Fall – und stellt den Drogendealer schon fast als Helden dar.
05.08.2021, 19:48

Er bekam Taschengeld, brachte Flaschen für Pfandgeld weg und betrieb in seinem Kinderzimmer einen Online-Drogenhandel mit dem er bis zu 100'000 Euro Umsatz pro Tag machte. Drogen wie Koks oder MDMA verpackte der damals 19-Jährige in seinem Zimmer und übernahm auch deren Auslieferung gleich selbst. Über ein Jahr lebte er davon, Tag ein Tag aus eine Straftat nach der anderen zu begehen.

Wäre dies eine Folge von «X-Factor», hätte man sie garantiert als frei erfunden eingeschätzt. Wie sind die Drogen in sein Kinderzimmer gekommen? Haben seine Eltern nichts bemerkt? Und wie ist er überhaupt auf einen solchen Online-Handel gestossen? In einer neuen Netflix-Doku erzählt der Kinderzimmer-Dealer selbst, wie er Drogen im grossen Stil verkaufen konnte. Eine kurze Zusammenfassung der unfassbaren Geschichte:

Wie alles angefangen hat

Maximilian sieht sich selbst als ruhige Person, die gerne vor dem Computer hängt. Soziale Kontakte pflegte er vor allem online. Im Jahr 2013 unterhielt er sich in einem Internetforum mit einem Fremden über Silk Road – einem Onlineshop, welcher allerlei Drogen anbietet.

Der Computerbegeisterte Maximilian, der mit 14 schon lernte, Passwörtern zu knacken, um anderen aus Spass Trojaner einzubauen, interessierte sich eigentlich kaum für Drogen. Vielmehr reizte ihn die Idee, selbst einen solchen Onlineshop auf die Beine zu stellen. Vor allem als er feststellt, wie viel Geld damit zu verdienen war.

Er sprach im Netz mit diversen Personen, mit dessen Tipps er seinen eigenen Onlineshop entwickelte. Mit dem Verkauf von Drogen wollte er anfangs eigentlich nichts zu tun haben. Jedoch fand er niemanden, der die Seite betreiben wollte. So musste er sich also selbst um den Handel kümmern. Zu diesem Zeitpunkt kannte Max noch nicht einmal einen Dealer.

bild: netflix

Doch auch hier kam ihm das World Wide Web entgegen. Hier knüpfte er Kontakt mit einem Dealer und bestellte sich für 1700 Euro etwas Kokain und MDMA nach Hause. Zahlungsmittel: Bitcoin. Auch das kein Problem für den damals gerade einmal 18-Jährigen.

Als die Lieferung ankam, pröbelte er mit den Drogen herum. «Im Internet findest du keine Anleitung, wie du MDMA klein machst oder Kokain portionierst», so Max in der Netflix-Doku. Sein Zulieferer brachte ihm dann nach und nach via Textnachrichten alles bei. «Am Anfang war das alles sehr anfängerhaft,» so Max.

Wie sein «Onlineshop» funktionierte

Von Kokain über Crytal Meth bis zu Ectasy: Max verkaufte auf seiner Onlineplattform «Shiney Flakes», die über eine einfache Google-Suche zu finden war, allerlei Drogen sowie rezeptpflichtige Medikamente. Auf den Handel von Heroin verzichtete er. Davon habe er nur Schlechtes gehört.

Die Drogen und Medikamente bezog er von einigen wenigen Internetbekanntschaften. Für den Versandt war er selbst zuständig. Er verpackte die Ware in kleine Beutelchen, die er in Umschläge steckte und an unterschiedliche Briefkästen brachte, um sie zu versenden. «Die Postboten waren sozusagen meine Kuriere», scherzt Max mit grossem Grinsen in die Kamera.

Schon im ersten Monat verdiente sich Max mit rund zehn Bestellungen pro Tag eine goldene Nase. Sein Umsatz: 15'000 Euro. Die Nachfrage wuchs ab da rasant. Nach neun Monaten wickelte der frisch gebackene Dealer bereits 50 Bestellungen pro Tag ab. Sogar solche aus China und Indonesien. «Verwunderlich war eine Bestellung aus Kolumbien. Die haben da ja sicherlich genug Drogen», so Max.

Nachgestellte Szene des Kinderzimmers von Maximilian Schmidt.
Nachgestellte Szene des Kinderzimmers von Maximilian Schmidt.
bild: netflix

Sein Onlineshop unterschied sich deutlich von allen anderen. Bei Max konnte man «die Ware» bewerten. So wie bei Amazon. Auch Kommentare wie «Guter Stoff», «schnelle Lieferung» waren da zu lesen.

Nach fast einem halben Jahr wuchs das Ganze Max langsam über den Kopf. Er schlief nur noch rund drei Stunden am Tag, um seinen Lieferungen nachzukommen. Die Nachfrage der Bestellungen hatte sich gleich verdreifacht. Unterstützung besorgte er sich keine. Die 100'000 Euro Umsatz pro Tag sackte Max über ein Bitcoin-Wallet selbst ein.

So ist er aufgeflogen

Ganz alleine konnte Max jedoch nicht arbeiten, er war auf ein paar wenige Zulieferer angewiesen. Einer davon wurde 2014 festgenommen, nachdem er von der Polizei über einen längeren Zeitraum beobachtet wurde. Wegen vielen verdächtigen Bestellungen sind die Ermittler auch auf Max gestossen. Nach 14 Monaten im Drogengeschäft war Schluss für Max. Die Polizei stürmte sein Kinderzimmer und stellte über 100 Kilogramm Drogen sicher. Es handelte sich hierbei um einen der grössten Drogenfunde, die in Deutschland je gemacht wurden. Über eine Tonne Rauschmittel hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits online insgesamt verkauft.

Verurteilt wurde Max zu ursprünglich sieben Jahre Jugendhaft, obwohl Max zu diesem Zeitpunkt bereits 21 war. Ein Begutachter von Max erklärt: «Wenn Zweifel an der sittlichen Reife besteht, wird nicht nach dem Erwachsenenstrafgesetz gehandelt». Aufgrund guter Führung entliess man ihn 2019 nach 4 Jahren und 7 Monaten wieder auf freien Fuss.

Offene Fragen

Fragen wirft der Fall aber immer noch auf. Wie konnte er die Drogen so lange vor seiner Mutter geheim halten? Und wo befindet sich eigentlich das Geld? Gemäss eigenen Angaben habe ihm das Drogengeschäft keinen Cent eingebracht. Der Polizei ist es nicht gelungen, alle seine Bitcoin-Wallets sicherzustellen.

Und was macht er jetzt?

Nach seiner Freilassung arbeitete Max gemäss eigenen Angaben an einem «Autoplatz». Genauere Angaben zu seiner Arbeit wollte er nicht machen. Seit August 2020 läuft ein neues Ermittlungsverfahren gegen ihn. Er soll erneut einen Onlineshop betrieben haben, der illegal Drogen verkauft hatte. Die Webseite habe jener von «Shiny Flakes» stark geähnelt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dazu sind noch nicht vollständig abgeschlossen.

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