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Drinks an der Bar wie hier in Santa Clarita gibt es in Kalifornien vorerst nicht mehr.
Drinks an der Bar wie hier in Santa Clarita gibt es in Kalifornien vorerst nicht mehr.
Bild: keystone

Kalifornien ist zurück im Lockdown – und Trump geht weiter auf Fauci los

Wovor sich Europa fürchtet, ist in Kalifornien Realität: Der bevölkerungsreichste Staat der USA muss das öffentliche Leben wieder herunterfahren. Präsident Donald Trump aber denkt nur an die Wirtschaft.
14.07.2020, 15:50

Das Coronavirus hat die USA fest im Griff. Täglich werden rund 60’000 neue Infektionen registriert. Zu Hotspots haben sich Bundesstaaten im Süden wie Arizona, Florida, Georgia und Texas entwickelt. Im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien hat der demokratische Gouverneur Gavin Newsom am Montag die Notbremse gezogen.

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Er ordnete die Schliessung aller Bars sowie der Innenräume von Restaurants im gesamten Staat an. In 30 der 58 kalifornischen Bezirke werden zusätzlich die Gotteshäuser, Fitnesscenter, Coiffeursalons und Shoppingmalls geschlossen. Sie umfassen den grössten Teil der Bevölkerung und die meisten urbanen Zentren des «Golden State.»

Die verrücktesten Momente aus Trumps Corona-Pressekonferenzen

Video: watson/een

Damit befindet sich Kalifornien faktisch wieder im Lockdown, zumindest was Indoor-Aktivitäten betrifft. Im März war Newsom der erste US-Gouverneur, der seinen Staat in den vollständigen Stillstand versetzt hatte. Damals erntete er dafür viel Lob, denn Kalifornien konnte in den Spitälern katastrophale Zustände wie in New York vermeiden.

Mit den rapide ansteigenden Fallzahlen der letzten Wochen steuert Kalifornien nun auf ein solches Szenario zu. In einigen Regionen warnen die Spitäler laut Politico, dass ihnen bald die freien Betten ausgehen. Newsom hatte keine andere Wahl, als den Staat erneut herunterzufahren. «Das Virus wird so bald nicht verschwinden», sagte er am Montag.

Kritische Lage in Florida und Texas

Das lässt sich durchaus als Seitenhieb auf Präsident Donald Trump interpretieren, der erst kürzlich wieder einmal behauptet hatte, das Virus werde «irgendwann verschwinden». Davon kann weit und breit nicht die Rede sein. Kritisch ist die Lage in den Spitälern auch in der texanischen Metropole Houston, der viertgrössten Stadt des Landes.

In den Spitälern in Houston wird die Lage immer prekärer.
In den Spitälern in Houston wird die Lage immer prekärer.
Bild: keystone

Der demokratische Bürgermeister Sylvester Turner forderte am Montag einen zweiwöchigen Shutdown. Zuvor hatte der republikanische Gouverneur Greg Abbott weiterreichende Massnahmen zumindest nicht ausgeschlossen. Er hatte Anfang Juli eine Maskenpflicht in den am stärksten betroffenen Bezirken von Texas angeordnet.

Vereinzelte Lichtblicke

Für das konservative Amerika war das ein geradezu revolutionärer Vorgang. Besonders übel aber ist die Lage in Florida. Dort wurde am Samstag die grösste Zahl an täglichen Neuinfektionen in einem Bundesstaat seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Nur in acht Ländern weltweit gibt es laut CNN derzeit mehr Covid-19-Fälle als in Florida.

Vereinzelt gibt es auch Lichtblicke. In der schwer geprüften Stadt New York war der Sonntag der erste Tag seit Ausbruch der Pandemie ohne einen Covid-19-Todesfall. Massachusetts, eine Hochburg der Demokraten, schafft es gemäss CNN weiterhin, die Infektionskurve auf ein niedriges Niveau zu drücken. Doch insgesamt bleibt die Lage in den USA fragil.

Trump will Schulen öffnen

Bei Präsident Trump scheine dies nicht anzukommen, meint CNN. Er zieht es vor, das Virus zu ignorieren, und drängt darauf, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. So fordert er vehement, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen, damit die Eltern nicht länger zu Hause bleiben und ihre Kinder betreuen müssen, sondern zurück zur Arbeit können.

Anthony Fauci (l.) ist derzeit der bevorzugte Sündenbock von Donald Trump.
Anthony Fauci (l.) ist derzeit der bevorzugte Sündenbock von Donald Trump.
Bild: AP

Die beiden Schulbezirke von Los Angeles und San Diego machten ihm am Montag einen Strich durch die Rechnung. Sie ordneten an, dass die Schulen geschlossen bleiben und die Kinder nach den Ferien weiterhin Online-Unterricht erhalten. Von Reportern darauf angesprochen, insistierte Trump auf seiner Forderung, die Schulen zu öffnen.

Gleichzeitig verstärkte das Weisse Haus seine Attacken auf Anthony Fauci. Es liess verschiedenen Medien eine Liste mit angeblichen Falschaussagen des angesehenen Immunologen zukommen, darunter der «Washington Post». Kritiker meinten gegenüber der Zeitung, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden oder unvollständig.

Seine Gegner kreiden ihm an, dass er anfangs vom Tragen einer Schutzmaske abgeraten hatte, während er sie heute dringend empfiehlt. Das erinnert an ähnliche Debatten in der Schweiz und anderen Ländern. Gegenüber der Website The Hill sagte Fauci, damals sei es angesichts leerer Pflichtlager darum gegangen, in erster Linie das medizinische Personal zu versorgen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden twitterte am Montag, Donald Trump solle weniger Zeit mit Golfspielen verbringen und mehr «auf Experten wie Dr. Fauci hören». Der Präsident aber denkt nicht daran. Er verbreitete den Tweet eines zweitrangigen Fernsehmoderators, der Demokraten und Ärzte als Lügner bezeichnete.

Kayleigh McEnany, die Sprecherin des Weissen Hauses, sagte auf Fox News, Faucis Ratschläge würden vom Präsidenten gehört. Sie seien aber nur «ein Standpunkt» unter vielen. Persönlich sollen Trump und Fauci, der bei den Corona-Briefings des Präsidenten stets vor Ort war, seit Wochen nicht mehr miteinander gesprochen haben.

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Coronavirus in den USA

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Coronavirus in den USA
quelle: epa / eugene garcia
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