Konsum - Detailhandel
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Une personne fait des courses avec un masque sur le visage dans un magasin Migros le mercredi 8 juillet 2020 a Crissier. Les masques sont obligatoires dans les magasins des 10 personnes dans le canton de Vaud a partir d'aujourd'hui. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Der Detailhandel in der Schweiz verkauft so viele Waren wie schon lange nicht mehr. Bild: keystone

Läden verkaufen so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr – doch die Aussichten sind getrübt

Im Detailhandel werden Rekordverkäufe registriert. Doch die Aussichten sind weniger rosig: Der Einkaufstourismus zieht wieder an und eine Maskenpflicht könnte die Verkäufe bremsen.

Stefan Ehrbar / ch media



Der Detailhandel in der Schweiz entwickelt sich prächtig. Das zeigen neueste Daten des Bundesamts für Statistik. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sieht die Lage im Detailhandel aktuell aus?

Im Juni sind die Verkäufe im Schweizer Detailhandel bereinigt um Verkaufs- und Feiertagseffekte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.1 Prozent gestiegen. Ohne Tankstellen resultierte sogar ein Plus von nominal 2.4 Prozent.

Werden die Verkäufe an den darbenden Tankstellen nicht berücksichtigt, war der Juni der beste Monat seit fünf Jahren. Im Mai war der Umsatz sogar so hoch wie nie zuvor seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2000.

Welche Branchen profitieren vom Boom?

Einerseits werden bereits seit Februar Verkäufe von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren verzeichnet, die weit über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Bei der Heimelektronik waren der Mai und Juni nach Umsatz die stärksten Monate überhaupt, die besten Umsätze seit über fünf Jahren wurden auch bei Kleidern, Haushaltsgeräten und Einrichtungs- und Heimwerkerbedarf registriert.

Diese Entwicklung bestätigt Coop: Die Nachfrage im Bereich Garten und Heimwerker sei «sehr hoch», bei Heimelektronik werde ein Wachstum verzeichnet, sagt eine Sprecherin. Nach der Aufhebung des Lockdowns habe man starken Nachholbedarf verzeichnet, der sich nun auf hohem Niveau stabilisiere.

Wie entwickeln sich die Verkäufe in den Läden?

Die grossen Einkaufszentren verbuchten nach der Aufhebung des Lockdowns Rekordverkäufe (wir berichteten). Vor allem Kleider und Möbel sind in den stationären Läden gefragt. Teils konnten die Läden einen Monatsumsatz, den sie wärend der behördlich verordneten Schliessungen verloren, wieder gutmachen.

Eine Sprecherin von Coop sagt: «In den letzten Wochen sind unsere Läden sehr gut besucht, was mitunter auf die vielen Schweizer zurückzuführen ist, die ihre Ferien dieses Jahr in der Heimat verbringen.»

Wie sieht die Lage im Onlinehandel aus?

Wie die Zahlen des Bundes zeigen, legte auch der Internet- und Versandhandel zuletzt stark zu. Gegenüber den Vorjahresmonaten betrugen die Umsatzzuwächse im Mai und Juni real über 20 respektive fast 15 Prozent.

Im ersten Halbjahr legte der Schweizer Onlinehandel um über 35 Prozent zu, berechnete das Beratungsunternehmen Carpathia. «Viele Händler sprechen nach wie vor von Nachfrage und Transaktionsvolumen wie im Weihnachtsgeschäft», heisst es in der Analyse.

Welche Branchen leiden weiterhin unter der Krise?

Die Verkäufe von Sportausrüstung und Spielwaren haben sich zuletzt zwar wieder etwas erholt, liegen aber weiterhin unter dem Durchschnitt der letzten Monate. Am härtesten litten aber die Treibstoffverkäufe an den Tankstellen.

Im Juni betrag das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat real über 10 Prozent, im Mai waren es gar 20 Prozent. Das dürfte daran liegen, dass weiterhin deutlich weniger Auto gefahren wurde als in den Monaten zuvor – etwa wegen verstärktem Homeoffice oder ausbleibenden Ferienreisen.

Mit welcher Entwicklung rechnet die Branche für die weiteren Monate?

Trotz der Rekordzahlen sind die Aussichten durchzogen. Bei der Migros heisst es lediglich, man sei «mit dem aktuellen Geschäftsverlauf zufrieden». Coop will wegen «stetig ändernden Bedingungen» keine Prognose wagen. Ein Branchenkenner sagt, gerade im Lebensmittelbereich habe die Branche davon profitiert, dass die Grenzen bis Mitte Juni geschlossen waren.

Der Einkaufstourismus drückte dementsprechend nicht auf die Umsätze. Das hat sich mittlerweile wieder geändert. Zudem leiden gerade Schmuck- und Uhrenläden und Warenhäuser unter dem Ausbleiben der ausländischen Touristen. Diese kaufen häufig teure Marken ein und lassen mehr Geld in den Läden liegen.

Welchen Einfluss hätte die Maskenpflicht in den Geschäften?

In den Kantonen Genf und Jura ist das Tragen einer Maske in den Geschäften bereits Pflicht. Wie ein Branchenkenner sagt, werde diese gut eingehalten. Es gebe kaum Konflikte. Unter einer Maskenpflicht würden Umsätze in Lebensmittelläden kaum leiden.

Wenig förderlich wäre sie allerdings für Kleiderläden, Schmuck- und Uhrenläden oder Warenhäuser. Dort ist das Stöbern und weniger zielgerichtete Shoppen wichtiger. Eine Maskenpflicht könnte dazu führen, dass die Kunden das Einkaufserlebnis als deutlich weniger angenehm empfinden.

Wie läuft es in den Flughäfen und Bahnhöfen?

Eine Umfrage dieser Zeitung hat gezeigt, dass die Läden in den grossen Bahnhöfen weiterhin deutlich schlechtere Verkäufe verzeichnen. Dasselbe gilt für jene am Flughafen Zürich. Nach wie vor sind viel weniger Pendler und Flugreisende unterwegs. (aargauerzeitung.ch)

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Coffeetime ☕ 01.08.2020 13:44
    Highlight Highlight Kein Wunder, geht es den Lebensmittelläden gut. Viele bei den Grossunternehmen sind immer noch im Home Office. Dafür sind die Umsätze der Kantinen eingebrochen. Es ist halt eine Verlagerung. So wie die Drogerie im Dorf riesen Umsätze macht, aber die in ZH oder BS halt leidet, weil die Bürogummis immer noch nicht da sind.
  • Peter R. 01.08.2020 11:55
    Highlight Highlight Der online-Handel wird auch nach Corona zulegen. Viele Leute werden nur noch in die Läden gehen um ein spezielles Einkaufserlebnis zu erfahren. Für alltägliche Dinge ohne emotionellen Hintergrund ist der online-Handel besser geeignet.
    • Hoci 01.08.2020 13:29
      Highlight Highlight Nö da wird viel Ramdch hübsch präsentiert. Geht für gute Kleider gar nicht.

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