Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der britische Radrennfahrer Tommy Simpson waehrend der Tour de France im Juli 1967. Bei der 13. Etappe am 13. Juli 1967 kam der Radsportler voellig ueberraschend ums Leben. Am Tourmalet in den Pyrenaeen, drei Kilometer unterhalb der Passhoehe, fiel er vom Rad und starb wenige Stunden spaeter im Krankenhaus von Avignon. Als Hauptursache fuer seinen Tod wird die Einnahme von Dopingmitteln angesehen, die bei einer Untersuchung der inneren Organe festgestellt wurden. (KEYSTONE/EPA/DPA/STR)

Simpson an der Tour de France 1967, an welcher er sein Leben verliert. Bild: EPA DPA

Unvergessen

Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – sein Name wird für immer zu einem Mahnmal

13. Juli 1967: «Es ist wie bei einem Autorennen, es geht weiter.» So wird ein Tour-Organisator zitiert, der gerade über den Tod eines Menschen spricht. Tom Simpson kollabiert am Mont Ventoux. Seit dem Tod des Briten wird der Missbrauch von Doping stärker verfolgt.



«Wenn zehn mich umbringen, dann gib mir neun davon!»

Es ist nicht gesichert, dass Tom Simpson diese Worte tatsächlich so gesagt hat. Doch möglich ist es allemal. Denn der Brite gilt als einer, der offen damit kokettiert, seine Leistung mit Tabletten und Pillen zu optimieren. Aufputschmittel betrachtet er als Medizin, nicht als Doping. Und einem Kranken wird man ja wohl helfen dürfen. Wobei Simpson zu seiner Zeit weiss Gott keine Ausnahme ist, der Umgang mit Doping ist selbstverständlich.

CyclistTom 'Tommy' Simpson of Great Britain wearing the rainbow jersey of the World Road Race champion before the first stage of the Tour de France on 21st June 1966 in Nancy, France.  (Photo by Getty Images)

Die Tour de France 1966 bestreitet Tom Simpson im Regenbogentrikot des Weltmeisters. Bild: Getty Images Europe

Als die Tour de France 1967 hinauf auf den Mont Ventoux führt, brennt die Sonne gnadenlos vom Himmel. Simpson ist in der Gesamtwertung in den ersten zehn, es läuft für den Strassen-Weltmeister von 1965. Doch dann scheint irgendwo einer einen Stecker gezogen zu haben.

Der kahle Mont Ventoux mit seiner Mondlandschaft.

Plötzlich kraxelt Simpson an diesem mythischen Berg in der Provence nur noch im Zick-Zack hinauf. Jegliches Tempo ist weg. Simpson knallt auf den Boden. «Put me back on my bike!», befiehlt er seinem Mechaniker, so wird es zumindest überliefert. Harry Hall tut, was ihm gesagt wird, und setzt den Fahrer wieder aufs Velo.

«Setzt mich wieder auf mein Velo!»

Aber Tom Simpson verliert, kaum zurück im Sattel, erneut das Bewusstsein. Sämtliche lebensrettenden Massnahmen misslingen. Der 29-Jährige wird mit einem Helikopter nach Avignon geflogen, doch da ist er bereits tot. Ein Cocktail aus Amphetaminen, Betäubungsmitteln und Alkohol soll dafür verantwortlich sein, dass sein Herz unter der grossen Belastung in der Hitze aufhört zu schlagen.

abspielen

Tom Simpson, Lance Armstrong und Marco Pantani am Mont Ventoux. Video: YouTube/Clínica 449

So tragisch der Tod eines jungen Sportlers ist: Simpson erweist seinem Sport damit einen Dienst. Denn der Antidoping-Kampf, einige Jahre zuvor halbherzig in Angriff genommen, erhält Aufwind. Gelogen und betrogen wird nach wie vor – aber wer erwischt wird, der muss mit harten Strafen rechnen.

Kein Vergleich zur Tour de France 1930. Damals, so ist es im Buch «Der Schweiss der Götter» nachzulesen, müssen sich die Fahrer gegenüber dem Veranstalter schriftlich verpflichten, «die Kosten für stimulierende Mittel, stärkende Mittel und Doping» selber zu tragen.

Die Erinnerung lebt

Heute steht an der Stelle des Aufstiegs, an der Simpson kollabiert ist, eine Gedenkstätte. Velofahrer, die den Mont Ventoux bezwingen, halten oft für Fotos an und hinterlassen einen Bidon, eine Dächlikappe oder ein anderes Erinnerungsstück. David Millar, ein 2014 zurückgetretener englischer Radprofi, lupfte zu Simpsons Ehren bei jeder Vorbeifahrt seinen Helm.

Besonders in Grossbritannien ist Tom Simpson bis heute ein Rad-Idol. Er war der erste Brite im Maillot Jaune, er war als erster Brite Strassen-Weltmeister, er gewann die Flandern-Rundfahrt, Mailand–Sanremo und die Lombardei-Rundfahrt.

«Noch viele Meilensteine erreichen»

«Das grösste meiner Ziele ist der Gewinn der Tour de France», schreibt Simpson in seiner Autobiographie «Cycling Is My Life», welche er nach dem WM-Titel veröffentlicht. Sie schliesst mit Dankesworten an seine Eltern und seine Frau und der Hoffnung, «dass wir gemeinsam noch viel mehr Meilensteine erreichen können.»

Es werden nicht mehr viele. «Wenn zehn mich umbringen, dann gib mir neun davon!», soll Tom Simpson über ein Dopingmittel gesagt haben. An einem heissen Tag im Juli 1967 hat sich wohl einer verzählt.

abspielen

«The Story of Tom Simpson». Einstündiger Dok der BBC (Englisch, Teil 1/6, Rest auf YouTube). Video: YouTube/parmijo

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Tour de France: Perlen aus unserem Archiv

Unvergessene Radsport-Geschichten

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

Link zum Artikel

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

Link zum Artikel

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

Link zum Artikel

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

Link zum Artikel

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

Link zum Artikel

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

Link zum Artikel

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

Link zum Artikel

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

Link zum Artikel

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

Link zum Artikel

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

Link zum Artikel

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

Link zum Artikel

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

Link zum Artikel

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

Link zum Artikel

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Team Insomnia 14.07.2019 10:25
    Highlight Highlight Die sind noch Heute voll auf Saft.
    Stichwort: “Juice”
    Hopp 🇨🇭
  • Eluegitzda 13.07.2019 16:31
    Highlight Highlight Doping ? Siehe franz. TV Cancellara mit rote Wädli( weil warm) und einem roten Rahmenrohr! Wohär chunnt die Wärmi? Habe auch mal nach seinem Rücktritt ( Toni Romminger) es Radio Interview ghört u dert verzeut är ganz öppis angers ! ! !
  • fools garden 13.07.2019 16:01
    Highlight Highlight Es werden laufend neue Doppingmethoden ausgeklügelt auch heute noch. Deshalb kommt der Doppingjäger auch immer einen Schritt zu spät.
  • Triumvir 13.07.2019 09:48
    Highlight Highlight Tragisch. Was für ein sinnloser Tod. Gibt es eigentlich auch nur einen berühmten Rennfahrer, der nicht betrogen hat!?
    • mike2s 13.07.2019 11:38
      Highlight Highlight Die Sieger vor dem Doping Verbot haben per Definition nicht betrogen.
    • Team Insomnia 13.07.2019 14:37
      Highlight Highlight Cancellara war immer sauber. Ebenso Tony Rominger und Rotschär Federer. Hopp 🇨🇭

Das Bild des verarzteten Rennfahrers Laurens ten Dam wird zur Ikone

16. Juli 2011: An der Tour de France verpasst Laurens ten Dam eine Kurve und stürzt schwer. Blutüberströmt beendet er nicht nur die Etappe, sondern einige Tage später auch die Rundfahrt.

Profirennfahrer haben nicht umsonst den Ruf, hart im Nehmen zu sein. Laurens ten Dam macht da keine Ausnahme. Auf der 16. Etappe der Tour de France 2011 gerät der Holländer bei der Abfahrt vom Col d'Agnes in den Pyrenäen auf die Wiese. Ten Dam überschlägt sich, prallt mit dem Gesicht auf Gestein und bleibt nach dem Salto blutüberströmt auf dem Boden.

«Es geht mir soweit gut», meldet er abends nach der Etappe auf Twitter. «Keine Brüche, aber es werden wohl Narben bleiben.» Ob er wieder …

Artikel lesen
Link zum Artikel