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Grausame Eskalation in Syrien: «Ist das ein Krieg? Es ist kein Krieg. Es ist ein Massaker»

21.02.2018, 08:0321.02.2018, 08:50

Wegen der Eskalation der Kämpfe in Syrien wächst international die Besorgnis. Die im Zentrum Syriens gelegene Stadt Ost-Ghuta hatte zuvor eine der blutigsten Angriffswellen seit Beginn des Konflikts mit 250 Toten und 1200 Verletzten innerhalb von 48 Stunden erlebt.

Die UNICEF veröffentlichte ein Statement, das aus nur einem Satz bestand und die Sprachlosigkeit über die Gräueltaten zum Ausdruck bringt:

Ost-Ghuta am Stadtrand von Damaskus ist eine der letzten von Rebellen kontrollierten Gegenden in Syrien und seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Über Wochen durften keine Hilfslieferungen in das Gebiet. Es mangelt an Essen, Arzneien und Benzin (mehr zur Lage in Ost-Ghuta, der «Hölle am Rand von Damaskus»).

In den vergangenen Tagen wurden auch mehrere Krankenhäuser bombardiert. Die britische Zeitung Guardian zitiert einen Arzt in Ost-Ghuta, der vom «Massaker des 21. Jahrhunderts» spricht: «Ist das ein Krieg? Es ist kein Krieg. Es ist ein Massaker.»

Dieses Foto wurde am 20. Februar 2018 veröffentlicht und zeigt Mitglieder der «Syrian Civil Defense» (weisse Helme), die einen Verwundeten in Ghuta bergen.
Dieses Foto wurde am 20. Februar 2018 veröffentlicht und zeigt Mitglieder der «Syrian Civil Defense» (weisse Helme), die einen Verwundeten in Ghuta bergen.
Bild: AP/Syrian Civil Defense White Helmets

Auch UNO-Generalsekretär António Guterres zeigte sich am Dienstag (Ortszeit) «zutiefst beunruhigt» über die Lage in dem Rebellengebiet. Besonders die Folgen für die Zivilbevölkerung machten ihm Sorgen, sagte sein Sprecher Stephane Dujarric in New York.

Ost-Ghuta sei Teil der Deeskalationsvereinbarung von Astana, so Dujarric. Der UNO-Generalsekretär erinnere alle Parteien an deren Verpflichtungen. Garantie-Mächte des Abkommens sind Russland, der Iran und die Türkei.

Die Vereinten Nationen hätten wiederholt ein Ende der Kämpfe gefordert, um die Lieferung humanitärer Hilfsgüter zu ermöglichen sowie Kranke und Verwundete aus der Region schaffen zu können, so der Sprecher. Der Generalsekretär dringe darauf, die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur zu schützen.

Kinder in einem Spital in Douma, Ost-Ghuta, aufgenommen am 19. Februar 2018.
Kinder in einem Spital in Douma, Ost-Ghuta, aufgenommen am 19. Februar 2018.
Bild: EPA/EPA
«Das Grauen von Aleppo droht sich nun wenige Kilometer von Damaskus entfernt zu wiederholen.»
Ein Sprecher des deutschen Aussenministeriums

Auch das US-Aussenministerium zeigte sich über die jüngsten Berichte aus Ost-Ghuta beunruhigt. Die «Belagern-und-Aushungern»-Taktik der syrischen Regierung verschlimmere das humanitäre Desaster vor Ort, sagte Sprecherin Heather Nauert am Dienstag (Ortszeit) in Washington.

«Das Grauen von Aleppo droht sich nun wenige Kilometer von Damaskus entfernt zu wiederholen. Und wieder werden vor allem unschuldige Zivilisten, darunter viele Kinder, Opfer der zerstörerischen Gewalt des syrischen Regimes und seiner Unterstützer», erklärte ein Sprecher des deutschen Aussenministeriums. «Wir fordern das Regime auf, seine Angriffe sofort einzustellen und endlich humanitären Zugang zu gewähren!» Zugleich kritisierte er, dass die von der Türkei angekündigte Blockade der von Kurden kontrollierten Region um Afrin zu weiterem Leid unter der Zivilbevölkerung führen werde.

In dem Gebiet im Norden Syriens bombardierte die türkische Armee am Dienstag weiter, nachdem dort syrische Regierungskräfte zur Unterstützung kurdischer Truppen eingerückt waren, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete.

Angst vor grösserer Eskalation

In Afrin wächst mit der Konfrontation die Sorge vor einer grösseren Eskalation zwischen der Türkei und Syrien. Am Dienstag rückten dort zunächst erste syrische Regierungskräfte ein, wie die Kurdenmiliz YPG bestätigte. Diese sollten sich an der Verteidigung der Einheit Syriens und der Grenzen beteiligen.

Die Türkei sieht in der Miliz den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie. Die YPG ist aber zugleich mit der US-geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») in Syrien eng verbündet.

Der Bürgerkrieg in Syrien hatte im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung von Machthaber Baschar al-Assad begonnen. Die Region Ost-Ghuta gehört zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden sie von islamistischen Milizen.

Ost-Ghuta ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen. Rund 400'000 Menschen sind dort fast vollständig von der Aussenwelt abgeschnitten. Helfer berichten von einer dramatischen humanitären Lage. Über Wochen durften keine Hilfslieferungen in das Gebiet. Das habe zu einem schlimmen Mangel an Nahrungsmitteln geführt, sagte der regionale UNO-Nothilfekoordinator, Panos Moumtzis. «Die humanitäre Lage der Zivilisten in Ost-Ghuta ist dabei, ausser Kontrolle zu geraten.» (meg/spon/sda/dpa)

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