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President Donald Trump speaks during a news conference at the White House in Washington, Thursday, Sept. 10, 2020. (AP Photo/Susan Walsh)
Donald Trump

Donald Trump am Donnerstag im Weissen Haus. Bild: keystone

Trump nimmt Stellung zu den Tapes: «Schreckliche Frage. Ich habe nicht gelogen»

Am Tag nach Veröffentlichung der Audio-Aufnahmen von den Gesprächen mit Bob Woodward wies Donald Trump sämtliche Vorwürfe von sich. Und er verriet, dass er in den vergangenen Stunden ziemlich lange vor dem TV klebte.



Zu Beginn der Pressekonferenz im Weissen Haus, welche zunächst einer Wahlkampfveranstaltung glich, sprach der 74-Jährige über Erfolge der letzen Woche. So habe sich die Wirtschaft viel schneller erholt, als alle gedacht hätten. «Wir haben wahrscheinlich die beste Erholung der Welt.»

Auch das Coronavirus habe man immer besser im Griff, meinte der Präsident. Die Infektionszahlen und die Todeszahlen gingen zurück.

Immer wieder teilte er gegen Joe Biden aus, der wegen «wackliger Umfragewerte» aus seinem Bunker gekommen sei. «Wenn Biden verantwortlich gewesen wäre, wären unzählige Menschen mehr gestorben.»

Trump verteidigt sich und attackiert Journalisten

Nach einer knappen halben Stunde des Lobgesanges auf die eigene Administration war die Reihe an den Journalisten. Weshalb er gelogen habe, wollte Jon Karl von ABC wissen. In den Tapes, die der Autor Bob Woodward veröffentlichte, sprach Trump davon, dass er die Gefahr des Virus bewusst herunterspiele.

«Das ist eine schreckliche Frage», entgegnete Trump dem ABC-Journalisten. «Ich habe nicht gelogen. Wir mussten ruhig bleiben. Ich wollte keine Panik lostreten.» Es sei wirklich eine Schande, dass er das überhaupt frage.

Trump gab zum wiederholten Male China die Schuld für die Pandemie. «Das ist alles nur Chinas Fehler.» Es hätten 2,5 Millionen bis 3 Millionen Tote sein können, hätten wir nicht reagiert und Reisen von und nach China unterbunden, so Trump.

«Ich will nicht hoch und runter springen und schreien: Tod, Tod, Tod.»

Donald Trump

Die Opposition um Nancy Pelosi habe ihn damals dafür kritisiert, dass er Anfang Februar die Grenzen geschlossen habe. Er habe Führungsqualitäten gezeigt in dieser Situation, so Trump. «Ich will nicht hoch und runter springen und schreien: Tod, Tod, Tod.» Er müsse ruhig bleiben. «Wir haben den besten Job gemacht.»

Weshalb er nicht etwa wie Angela Merkel gehandelt habe, welche auch ruhig geblieben sei, die Bevölkerung aber ehrlich informiert habe, wollte darauf Philip Rucker von der «Washington Post» wissen. Trump meinte: «Ich weiss nicht, was Angela Merkel gemacht hat. Aber wenn ich die Zahlen mit Europa vergleiche, dann schneiden wir viel besser ab.» Die Zahlen in Europa würden wieder ansteigen.

Dabei liess der Präsident ausser Acht, dass die Todesrate in Deutschland rund fünf Mal tiefer liegt als in den USA. Auch starben in den USA in den vergangenen sieben Tagen deutlich mehr Menschen an den Folgen von Covid-19 als in Spanien, Frankreich, Deutschland oder Italien.

Trump will Woodward in die Pflicht nehmen

Trump versuchte, das Blatt während der Pressekonferenz zu wenden und Bob Woodward in die Verantwortung zu nehmen. «Wenn Bob Woodward dachte, dass das, was ich gesagt habe, schlimm ist, hätte er sofort an die Öffentlichkeit gelangen müssen. Er hatte die Tapes für vier Monate.» Offenbar habe es der Autor aber auch nicht so schlimm gefunden.

Philip Rucker entgegnete Trump trocken: «Bob Woodward ist nicht der Präsident.»

Bereits zuvor bemühte Trump dieses Narrativ auf Twitter. Der Präsident fragte, ob Woodward nicht die Pflicht gehabt hätte, die Aussagen zu melden, um leben zu retten, nur um gleich selber die Antwort zu geben: «Nein, weil er wusste, dass es gute und richtige Antworten waren.»

Der Präsident liess nur wenige Fragen zu und beendete die Pressekonferenz schneller als üblich. Vielleicht, um wieder vor den Fernseher zu sitzen. Denn dies tat er in den Stunden zuvor ganz ausführlich, wie er an der Pressekonferenz zugab.

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