Ein wenig schäbig: Keine WM-Einladung für die olympischen «Bronze-Heldinnen»
Eine WM im eigenen Land ist auch die Gelegenheit «Danke» zu sagen. Wertschätzung zu zeigen. Und viel besser als mit einer Einladung zu einem WM-Spiel der Schweizer konnte diese Wertschätzung eigentlich nicht ausgedrückt werden.
Beim Olympischen Eishockeyturnier 2026 in Mailand haben die Frauen Bronze geholt. Ein Hockey-Märchen. Ein historischer Erfolg. Olympische Medaillen haben im Eishockey den höchsten sportlichen Wert.
Eine Einladung zu einem der insgesamt zehn WM-Spiele der Schweizer in Zürich wäre ein Zeichen der Wertschätzung gewesen. Für die Spielerinnen, aber auch für den scheidenden Nationaltrainer Colin Muller und seinen Staff. Aber die Olympia-Heldinnen, ihr Trainer und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten, wenn sie denn ein Spiel sehen wollten, Tickets kaufen. Keine Einladung. Der Verbands-Kommunikationschef Finn Sulzer bestätigt auf Anfrage:
Ein wenig seltsam ist an dieser Begründung: Die WM wird von einer eigens für diesen Anlass gegründeten Aktiengesellschaft «Organising Committee 2026 IIHF Ice Hockey World Championship AG» durchgeführt. Die Hälfte der Aktien hält der WM-Vermarkter Infront, die andere der Verband. Der Gewinn wird unter den beiden Partnern aufgeteilt (oder der Verlust gemeinsam getragen). Die Gewinnerwartung der WM liegt bei 10 Millionen, die Hälfte davon wird in die Verbandskasse fliessen.
Der Verwaltungsratspräsident der «Organising Committee 2026 IIHF Ice Hockey World Championship AG» heisst Marc Anthony Anner. Er ist auch Verbands-Vizepräsident und beim Verband verantwortlich für die Abteilung Nachwuchs-, Amateur- und Frauensport. Die Behauptung, der Verband habe «weder unlimitierten noch kostenlosen Zugang zu Tickets» gehabt, ist nicht sehr überzeugend. Marc Anthony Anner war ja nicht einfach ein Operetten-OK-Präsident, sondern formell oberster Chef der WM-Organisation. Hätte er die Ticktes für «seine» Frauen (er verantwortet ja beim Verband den Frauensport) beschaffen können? Problemlos. Selbst ein während des Turniers mit Arbeit völlig überlasteter Chronist ohne Beziehungen im Hockey war dazu in der Lage, hin und wieder Tickets für die Partien der Schweizer zu organisieren.
Und wenn Marc Anthony Anner als OK-Chef tatsächlich nicht die Kompetenz oder die Beziehungen hatte, um Tickets für «seine» Olympia-Frauen zu ordern, dann hätte es sich der Verband mit rund 14 Millionen in den Geldspeichern, zu denen nun noch ein WM-Gewinn von rund 5 Millionen hinzukommen wird, leisten können, halt für die «Bronze-Heldinnen» Tickets zu kaufen und sie einzuladen. Als Zeichen der Wertschätzung.
Die Frage ist natürlich, wie viele Tickets der Verband zum Verteilen unter der Funktionärskaste zur Verfügung bzw. geordert hatte. Da wird Kommunikations-Chef Finn Sulzer schmallippig: «Zur Anzahl der durch die SIHF bezogenen bzw. zur Verfügung stehenden Tickets machen wir keine Angaben.»
Ganz schäbig will der Verband aber nicht sein. Es gibt im Sommer doch noch ein «Merci». Finn Sulzer lässt wissen:
Immerhin. Und dann erst noch mit Begleitpersonen! Aber eben: Ein Sommer-Event kann das WM-Erlebnis, das in Zürich ein unvergessliches war, nicht ersetzen.
P.S. 2028 wird die Frauen-WM in der Schweiz stattfinden. Für diesen Anlass benötigen die Spielerinnen und der Staff natürlich keine Tickets.
