DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das waren noch Zeiten, als nur Ausländertrios im Spitzenfussball erlaubt waren. Hier die holländische Milan-Fraktion mit Gullit, van Basten und Rijkaard.
Das waren noch Zeiten, als nur Ausländertrios im Spitzenfussball erlaubt waren. Hier die holländische Milan-Fraktion mit Gullit, van Basten und Rijkaard.
Bild: Twitter

Der internationalste Klub – hier spielten am meisten verschiedene Nationalitäten

Ausländische Spieler bereicherten die diversen Fussballligen schon früher. Früher waren sie allerdings noch deutlich seltener. Heute spielt gefühlt die halbe Welt in einer Liga. Aber ist das wirklich so?
23.09.2021, 20:40
Reto Fehr
Folgen

Was wären unsere Fussballligen ohne die Stars aus anderen Ländern? Während diese früher noch als Exoten galten, gibt es heute kaum eine Nation, die nicht in einem Klub vertreten ist. Aber wie sieht die Realität wirklich aus?

Wir haben die 108 Klubs, die aktuell in den höchsten Ligen in Deutschland, England, Frankreich, Italien, Spanien und der Schweiz spielen, nach ihrer Internationalität untersucht. Die grösste Überraschung: Der Verein, der die meisten verschiedenen Nationalitäten seit 1955 engagierte, ist ein Schweizer.

Die Recherche basiert auf den gesammelten Daten von Transfermarkt (siehe Box für Details). Das sind die Resultate:

Daten und Quellen
Alle Daten stammen von Transfermarkt. Gezählt wird jeweils nur die 1. Nation der Spieler. Ivan Rakitic gilt also als Kroate, weshalb Barcelona weiterhin auf den ersten Schweizer im Kader wartet. Erfasst sind alle Nationalitäten, auch wenn in wenigen Fällen die entsprechenden Spieler gar nie in einem Pflichtspiel aufliefen. Entscheidend ist der unterschriebene Vertrag. So zählt beispielsweise Hakan Yakin als Schweizer bei Paris Saint-Germain, obwohl er kein Spiel bestritten hat.

Gezählt wurden nicht die einzelnen Spieler, sondern die Klubs für die ein Spieler auflief. So zählt Robert Lewandowski als Pole bei Dortmund und Bayern München. Matias Delgado gilt bei Basel aber nur als ein Argentinier, obwohl er zweimal zum FC Basel stiess.

Die Daten der ausländischen Spieler sind in den verschiedenen Ligen unterschiedlich weit zurück lückenlos erfasst. In der Super League seit 1955/56, der Bundesliga seit 1963/64, der Serie A seit 1952/53, der Ligue 1 seit 1994/95, der Premier League seit 1992/1993 und der La Liga seit 1999/2000. Davor kann es Lücken geben. Allerdings waren vor 1995 ausländische Spieler nur begrenzt einsetzbar stammten meist aus den bekannten Fussballnationen. Die grosse Internationalität kam erst nach 1995 auf.

Der internationalste Klub

Aus den 108 untersuchten Klubs schwingt tatsächlich ein Schweizer Verein oben aus. Und es ist nicht Sion. In keinem anderen Klub kickten seit Erfassung der Daten mehr Nationen als bei GC. Der Rekordmeister aus Zürich hatte in dem Zeitraum Spieler aus insgesamt 75 Nationen unter Vertrag. Sion, das insbesondere unter dem eigenwilligen Präsidenten Christian Constantin an Internationalität zulegte, schafft es auf bisher 72 Nationen.

Teams mit den meisten Nationalitäten

  1. Grasshoppers: 75
  2. FC Sion: 72
  3. Manchester City: 69
  4. AS Monaco: 68
  5. FC Lugano, Mainz 05, FC Watford, Brighton & Hove: 67
  6. Crystal Palace: 66
  7. Eintracht Frankfurt, West Ham: 65
  8. Arsenal, Olympique Marseille, Strassbourg: 64
  9. Lausanne-Sport, Genua CFC, Wolverhampton, FC Southampton: 63
  10. Udinese Calcio, Stade Rennes: 62

Am anderen Ende der Ausländerverpflichtung steht – wenig überraschend – Athletic Bilbao, das sich als inoffizielles «Nationalteam der Basken» versteht. Verpflichtet werden nur Spieler mit baskischen Wurzeln. So schafften es bisher erst sechs «Ausländer» ins Team. Der bekannteste von ihnen ist wohl Welt- und Europameister sowie Bayern-Legende Bixente Lizarazu, ein französischer Baske.

Teams mit den wenigsten Nationalitäten

  1. Athletic Bilbao: 6
  2. US Sassuolo: 32
  3. RB Leipzig: 33
  4. FC Burnley: 36
  5. FC Villarreal: 39
  6. FC Elche: 40
  7. Clermont Foot, Deportivo Alaves: 41
  8. Real Sociedad: 42
  9. SSC Napoli, Stade Brest, FC Getafe: 43
  10. Real Madrid, FC Sevilla, TSG Hoffenheim, FC Metz: 44

Auffällig auch, dass die aktuellen Vertreter der Super League insgesamt eine deutlich höhere Vielfalt ausweisen als die Klubs der fünf Topligen. Zu erklären dürfte dies unter anderem damit sein, dass für die Top-5-Ligen grundsätzlich nur die besten Fussballer der Welt verpflichtet werden, in der Super League aber auch Spieler mit weniger Qualität Unterschlupf finden, womit auch Fussballer aus weniger bekannten Fussballnationen eher einen Vertrag erhalten können.

Die «unbeliebtesten» Nationen

Insgesamt haben seit 1955 schon Akteure aus 178 verschiedenen Nationen (aktuelle Anzahl UNO-Mitglieder: 197) in den ausgewählten Ligen (Deutschland, England, Frankreich, Italien, Spanien, Schweiz) gespielt. Mit dabei sind auch heute nicht mehr existierende Länder wie die DDR, Sowjetunion oder Jugoslawien.

Interessant ist der Blick auf jene Länder, die bis heute kaum Spieler gestellt haben – oder noch gar nie. Letzteres betrifft insgesamt 42 aktuelle Nationen. Während aus Amerika praktisch jedes Land vertreten ist, sind die asiatischen Spieler deutlich untervertreten:

In den sechs untersuchten Ländern kamen praktisch überall ähnlich viele Nationalitäten zum Einsatz. Einzig bei den aktuellen Premier-League-Teams spielten mit 135 deutlich am meisten verschiedene Herkunftsländer.

Die beliebtesten Nationen

Super League:

  1. Italien: 226
  2. Frankreich: 219
  3. Deutschland: 213
  4. Brasilien: 209
  5. Argentinien: 91

Die aktuellen Superligisten haben vier klare Favoriten: Italien, Frankreich, Deutschland und Brasilien. Alle anderen Nationen folgen mit grossem Abstand. Mit Liechtensteinern wurden bisher 29 Verträge abgeschlossen.

Serie A

  1. Brasilien: 526
  2. Argentinien: 489
  3. Frankreich: 234
  4. Uruguay: 223
  5. Kroatien: 154

Die Serie A zeigt dagegen eine klare Vorliebe für ausländische Kicker aus Brasilien (526) und Argentinien (489). Auch Spieler aus Uruguay, Kroatien und – etwas überraschend – Schweden sind sehr beliebt. Werden Afrikaner verpflichtet, so sind dies in den meisten Fällen Ghanaer (100).

La Liga

  1. Argentinien: 537
  2. Brasilien: 343
  3. Uruguay: 210
  4. Frankreich: 189
  5. Portugal: 155

Auch in Spanien ist die Vorliebe für südamerikanische Fussballer bekannt. Dort allerdings dominiert das spanischsprechende Argentinien (537) vor Brasilien (343) und Uruguay (210). Für Schweizer gab es bisher neunmal ein Plätzchen:

Bundesliga

  1. Brasilien: 198
  2. Kroatien: 181
  3. Österreich: 166
  4. Polen: 141
  5. Türkei: 141

Auch in Deutschland wurden die meisten Verträge mit Brasilianern (198) unterzeichnet. Allerdings folgen danach Kroaten (181) und Österreicher (166). Mit Spielern aus der Schweiz wurden schon 129 Kontrakte abgeschlossen. Das reicht für Rang 6.

Ligue 1

  1. Senegal: 291
  2. Brasilien: 237
  3. Algerien: 231
  4. Kamerun: 204
  5. Argentinien: 201

In Frankreich stellt Frankreich selbst die grösste «Ausländergruppe» in der Ligue 1. Dies ist der AS Monaco geschuldet, die als ausländisches Team an der Liga teilnehmen kann. Wir haben die Franzosen bei Monaco hier aber nicht berücksichtigt.

So sticht die Vorliebe für afrikanische Fussballer aus ehemaligen französischen Kolonien heraus: Der Senegal (291) stellt so die grösste Ausländergruppe, ebenfalls weit vorne: Algerien, Kamerun, die Elfenbeinküste, Marokko und Mali:

Premier League

  1. Schottland: 943
  2. Irland: 601
  3. Wales: 487
  4. Nordirland: 310
  5. Frankreich: 295

Während sich die anderen grossen Nationen gerne aus Südamerika oder Afrika bedienen, setzt die Premier League auf viele Vertreter aus Schottland, Irland, Wales und Nordirland. Oder vielleicht müssten wir sagen: setzte. Denn in den letzten Jahren holten die traditionell starken Fussballnationen mächtig auf. Auch spannend: Australier (124) wurden bisher öfter berücksichtigt als Brasilianer (111).

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots

1 / 80
Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Vanessa und Aya konfrontieren sich mit Klischees über Volleyballerinnen und Fussballerinnen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Abflauende Impfwirkung oder Delta? Was wir aus Israels steigenden Fallzahlen lernen können

In Israel steigen sowohl die Fall- als auch die Hospitalisierungszahlen seit einiger Zeit markant an. Die Regierung geht mit neuen Beschränkungen und einer Booster-Dosis dagegen vor. Doch was genau ist schuld am erneuten Anstieg?

Israel ist ein Vorzeigeland in dieser Pandemie. Nicht unbedingt im Sinne eines guten Beispiels der Pandemiebewältigung, wohl aber im Sinne eines Fensters in die Zukunft.

Im Frühling konnte man in Israel sehen, dass die mRNA-Impfungen gut funktionieren. Nun stellt sich die Frage, ob dieser Schutz schon wieder verblasst.

Grund dafür sind steigende Coronazahlen im Land, welche wir uns gleich im Detail anschauen werden. Dies hat die Regierung dazu veranlasst, neue Beschränkungen im Reise- und …

Artikel lesen
Link zum Artikel