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ARCHIVBILD ZUR BEKANNTGABE DER UNFALLURSACHE DES BEI GLAMONDANS ABGESTUERZTEN F/A-18 KAMPFFLUGZEUGS DER SCHWEIZER ARMEE, AM DIENSTAG, 13. JUNI 2017 - A French Gendarmerie officer walks next to the crash scene with pieces of a wreckage of a Swiss Army F/A-18 jet, in Glamondans, near Besancon, in France, Wednesday, 14 October 2015. An F/A-18 jet fighter belonging to the Swiss Air Force crashed on Wednesday morning during a training exercise in eastern France. The one-seater aircraft crashed into an uninhabited area. The pilot, who ejected to safety, has been injured. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Bild: KEYSTONE

Nicht vorschrifsgemässes Verhalten: F/A-18-Absturz war ein Pilotenfehler



Der F/A-18-Absturz im Oktober 2015 in Frankreich geht auf einen Pilotenfehler zurück. Dies stellt die Militärjustiz in ihrem Schlussbericht fest. Hätte sich der Pilot vorschriftsgemäss verhalten, hätte das Flugzeug gerettet werden können.

Die F/A-18 befand sich am 14. Oktober für ein Luftkampftraining gegen zwei F-5 Tiger im Luftraum über dem französischen Jura. Als der Pilot in der letzten Phase der Übung bei vollem Nachbrenner-Einsatz nach oben rechts wegziehen wollte, traten bei der F/A-18 Probleme auf, wie die Militärjustiz am Dienstag mitteilte.

Das Flugzeug begann, sich ungewollt nach links zu drehen. Der Pilot reagierte darauf mit einem Steuerwechsel, um das Flugzeug zu stabilisieren. Gleichzeitig erhielt er akustisch und auf dem Cockpit die Warnung, dass es im linken Triebwerk zu einem Strömungsabriss und dadurch zu einem Leistungsabfall gekommen sei.

Grund für den Abfall waren laut dem Bericht verschiedene Faktoren: Ein praktisch vertikaler Flug mit sehr geringer Geschwindigkeit und ein aggressives Manövrieren mit rascher Veränderung des Anstellwinkels.

Handbuch nicht befolgt

Das F/A-18-Flughandbuch sieht für den Fall eines Strömungsabrisses vor, dass der Pilot das betroffene Triebwerk in den Leerlauf nehmen soll, um den Druck im Triebwerk zu reduzieren. Dadurch könne der Leistungsabfall beseitigt werden.

Der Pilot unterliess es aber, diese Sofortmassnahmen durchzuführen. In der Folge verlor das Flugzeug schnell an Höhe und tauchte in die Wolken ein. Daraufhin betätigte der Pilot den Schleudersitz.

Die F/A-18 der Schweizer Luftwaffe

Der vom Untersuchungsrichter ernannte fliegerische Sachverständige hält in dem Bericht fest, dass das Flugzeug sowohl zum Zeitpunkt des Auftretens des Strömungsabrisses als auch im Moment des Schleudersitzabschusses noch hätte gerettet werden können. «Hätte der Pilot die gebotene Sofortmassnahme korrekt ausgeführt, wäre das Flugzeug mit wenig Höhenverlust wieder voll kontrollierbar gewesen», heisst es.

Andere Gründe ausgeschlossen

Zwar wurde dem Piloten die Warnung über den Leistungsabfall im linken Triebwerk auf dem Cockpit-Display erst mit einer Verzögerung von 24 Sekunden aktiv angezeigt. Doch nach Ansicht des fliegerischen Sachverständigen kann sie nicht direkt verantwortlich gemacht werden für den Absturz. Der Grund für die Verzögerung des Überwachungssystems ist unbekannt und Gegenstand weiterer Abklärungen.

Zusätzlich wird dem Piloten vorgeworfen, die Vorschriften über die minimalen Sicherheitsflughöhen für den Sichtluftkampf unterschritten zu haben. Auch das könnte für den Absturz von Bedeutung gewesen sein.

Andere Gründe wie eine technische Störung oder eine Dritteinwirkung könnten als Ursache für den Absturz ausgeschlossen werden. Auch das Wetter im Trainingsraum habe keine Auswirkungen gehabt.

Erfahrener Pilot

Der Pilot der F/A-18 gilt als ausgesprochen erfahren. Er hat über 3000 Flugstunden – davon 1000 mit der F/A-18 – und 4600 Landungen absolviert. Er ist seit 1999 Berufsmilitärpilot und fliegt die F/A-18 seit 2006. Bei der letzten medizinischen Kontrolle wurde er ohne Einschränkung als flugtauglich beurteilt.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse kommt die Militärjustiz zum Schluss, dass weder ein technisches noch ein medizinisches Problem für den Absturz verantwortlich war. Es bestehe deshalb zumindest ein Anfangsverdacht auf Verletzung des Militärstrafgesetzes wegen Nichtbefolgung von Dienstvorschriften und wegen Missbrauch und Verschleuderung von Material. Damit seien die Voraussetzungen für die Anordnung einer Voruntersuchung erfüllt.

Voruntersuchung eingeleitet

Um feststellen zu können, ob im konkreten Fall eine strafbare Handlung begangen worden sei, habe der Untersuchungsrichter beantragt, eine Voruntersuchung anzuordnen. Bernhard Müller, Chef Einsatz der Luftwaffe habe den Antrag gutgeheissen und eine Voruntersuchung angeordnet, heisst es weiter. Für den Piloten gelte weiterhin die Unschuldsvermutung. Er steht weiterhin für die Luftwaffe im Einsatz.

Die F/A-18 stürzte am 14. Oktober in der Nähe von Glamondans, 20 Kilometer östlich der Stadt Besançon, im Departement Doubs, ab. Das Gebiet gehört zum gemeinsamen Luftwaffen-Trainingsraum der Schweiz und Frankreich. Der 38-jährige Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, wurde aber bei der Landung mit dem Fallschirm leicht verletzt. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • _stefan 13.06.2017 14:32
    Highlight Highlight Ich habe nun diverse Zeitungs-Berichte darüber gelesen; bei jedem Bericht kommen mir neue Fragen auf. Entweder ist dieser Untersuchungsbericht widersprüchlich oder die Berichterstattung unschlüssig. Ein Link zum originalen Schlussbericht wäre hilfreich...

    - Kein techn. Problem, die Warnung kam aber 24 sek. zu spät...
    - In grossen Höhen hätte er den Jet stabilisieren müssen. Anderorts steht er sei eher an der tiefen Grenze geflogen...

    Nach zwei Jahren Untersuchung kommt man nun zum Schluss, dass man eine Voruntersuchung einleiten sollte? Unglaubliche Bürokratie.
  • Makatitom 13.06.2017 14:21
    Highlight Highlight Und jetzt wollen die noch 14 Mrd. für neue Spielzeuge. Danke, aber NEIN, Danke!