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«Höhere Gewalt»: Jetzt muss auch Kuwait Ölförderung drosseln

«Höhere Gewalt»: Jetzt muss auch Kuwait Ölförderung drosseln

Seit mehr als einer Woche kommen keine Schiffe durch die Strasse von Hormus. Nach Katar muss nun auch Kuwait die Ölproduktion stoppen.
08.03.2026, 09:3708.03.2026, 09:40
Amy Walker / t-online
Ein Artikel von
t-online

Wegen des fortdauernden Iran-Kriegs hat nach Reuters-Informationen nun auch Kuwait seine Ölförderung gedrosselt. Die staatliche Kuwait Petroleum Corporation (KPC) habe die Rohölproduktion und die Raffineriedurchleitung reduziert, wie aus einer Händlernotiz vom Samstag hervorgeht, die der Nachrichtenagentur vorlag.

TO GO WITH AFP STORY BY OMAR HASAN
(FILES) - A file picture taken on February 23, 2005 shows the largest and most advanced pier in the Middle East at Kuwait's Al-Ahmadi refinery, just north of A ...
Auch Kuwait muss die Ölförderung einschränken. (Archivbild)Bild: AFP FILES

Als Gründe wurden explizite Drohungen des Iran gegen die Schifffahrt in der Strasse von Hormus sowie anhaltende iranische Angriffe auf Kuwait genannt. Zudem gebe es im Persischen Golf kaum noch verfügbare Schiffe für den Transport von Rohöl und Öl-Produkten. Die KPC habe bei ihrem Vorgehen auf «Höhere Gewalt» («Force Majeure») verwiesen. Das Unternehmen wollte sich offiziell zunächst nicht äussern.

«Force Majeure»
Die «Höhere Gewalt» ist eine Vertragsklausel, die einen Vertragspartner von der Erfüllung des Vertrags befreien kann. Dadurch ist der Vertragspartner nicht haftbar, wenn er die vereinbarten Leistungen nicht erfüllen kann. Sie wird gezogen, wenn unvorhersehbare, von aussen kommende, unabwendbare Ereignisse eintreten, die die Vertragserfüllung unmöglich machen. Dazu zählen Kriege, Pandemien oder andere Naturkatastrophen.

Öl- und Gaspreise dürften weiter steigen

Die Entwicklung könnte die Energiepreise weiter in die Höhe treiben. Schon in den vergangenen Tagen hatte sich zum Beispiel Rohöl schrittweise drastisch verteuert. Die Sorte Brent etwa hatte Ende Februar unmittelbar vor Beginn des Krieges noch rund 73 Dollar pro Fass (je 159 Liter) gekostet, am Freitag waren es knapp 93 Dollar. In Deutschland hatte sich das bereits spürbar auf die Benzin- und Dieselpreise ausgewirkt.

In Europa sind aufgrund des Iran-Kriegs vor allem auch die Gaspreise gestiegen, da neben der Ölproduktion auch der LNG-Transport betroffen ist. Zwar bezieht Europa kaum Energie aus der Region, doch zwingt die Krise grosse Abnehmer wie China und Indien, auf dem Weltmarkt einzukaufen. Das treibt überall die Preise in die Höhe.

Kuwait folgt Katar und Irak – weitere könnten folgen

In dem Schreiben der KPC blieb offen, wie stark die Förderung gekürzt wurde. Im Februar hatte Kuwait noch rund 2,6 Millionen Fass pro Tag produziert. Die Massnahme sei vorsorglich und werde laufend überprüft, hiess es. KPC sei bereit, die Produktion wieder hochzufahren, sobald die Bedingungen dies zuliessen.

Kuwait folgt damit dem Irak und Katar, die ihre Produktion und Gaslieferungen ebenfalls zurückgefahren haben. Der Krieg blockiert seit rund einer Woche die Strasse von Hormus, die wichtigste Wasserstrasse für den Öl-Transport der Welt. Durch sie gehen rund 20 Prozent des globalen Öl- und Flüssiggas-Angebots (LNG). Experten rechnen damit, dass auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien ihre Förderung bald drosseln müssen, da ihre Lagerkapazitäten zur Neige gehen.

Verwendete Quellen:

  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Eigene Recherche
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