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Italien steht zum vierten Mal in einem Europameisterschafts-Finale – folgt am Sonntag der zweite Titel?
Italien steht zum vierten Mal in einem Europameisterschafts-Finale – folgt am Sonntag der zweite Titel?
Bild: keystone

«Wir mussten leiden» – Italien schlägt Spanien im Penaltyschiessen und steht im EM-Final

Italiens EM-Märchen geht weiter. Die Squadra Azzurra sichert sich das Ticket für den EM-Final gegen Spanien mit 5:3 im Penaltyschiessen. Zum tragischen Helden avanciert Alvaro Morata.
07.07.2021, 00:4307.07.2021, 00:46

Es waren Bilder die berührten, als der Mittelfeld-Routinier Thiago Alcantara nach Spaniens Halbfinal-Einzug im Penaltyschiessen gegen die Schweiz den Fehlschützen Ruben Vargas in die Arme schloss und tröstete. Auch am späten Dienstagabend trat Thiago wieder als gute Seele in Aktion, nur handelte es sich diesmal bei den Untröstlichen, denen er Mut zusprach um seine Teamkollegen, allen voran um Dani Olmo und Alvaro Morata, die vom Penaltypunkt aus gesündigt hatten. Und Italien so eine weitere «notta magica» bescherten. Das Team von Roberto Mancini steht kommenden Sonntag im EM-Final.

«Die Spanier haben ein grossartiges Team. Wir mussten leiden.»
Roberto Mancini
Nationaltrainer Roberto Mancini nimmt die Glückwünsche von seinem Gegenüber Luis Enrique (l.) entgegen.
Nationaltrainer Roberto Mancini nimmt die Glückwünsche von seinem Gegenüber Luis Enrique (l.) entgegen.
Bild: keystone

Dem in der regulären Spielzeit gezeigten entspricht der Final-Einzug nicht unbedingt. Nach einer Stunde Spielzeit war eingetreten, was man auf italienischer Seite gehofft hatte, aber nicht hatte erwarten können. Gianluigi Donnarumma hielt einen spanischen Abschluss nicht nur fest, er lancierte umgehend den Gegenstoss, der via Lorenzo Insigne zum 1:0 durch Federico Chiesa führte. Der als Ergänzungsspieler ins Turnier gestartete 23-jährige Angreifer von Juventus Turin drehte den Ball von 14 Metern mit viel Übersicht in die weite Torecke. Spanien stand zum wiederholten Mal an diesem Turnier mit dem Rücken zur Wand.

Doch die Mannschaft von Luis Enrique belegte wie schon nach dem schwachen Turnierstart oder dem 0:1 gegen Kroatien im Achtelfinal, dass sie trotz Jungendlichkeit mit Druck umzugehen weiss. Die Spanier erhöhten den Druck, bis einer dieser stilprägenden Doppelpässe der «Furia Roja» die italienische Abwehr Matt setzte und der als Joker eingesetzte Morata den Ausgleich erzielte. Der 28-Jährige hatte sich zehn Minuten vor dem Ende dem regulären Spielende ins Mittelfeld fallen lassen, ehe er nach Doppelpass mit Dani Olmo, der bis zum Penaltyschiessen eine eindrückliche Leistung gezeigt hatte, im italienischen Strafraum seine Qualitäten als Torschütze für einmal unter Beweis stellte.

«Der Fussball ist hart und manchmal ungerecht, vor allem im Penaltyschiessen. Wir hätten den Sieg verdient.»
Sergio Busquets

Früh hatte sich im Wembley angedeutet, dass sich Roberto Mancini mit Italien nicht auf das bisher an diesem Turnier bewährte Rezept würde verlassen können. Im Kampf um den Ballbesitz kam selbst diese spielfreudige Squadra Azzurra den Spaniern nicht bei. Über 60 Prozent hielten Luis Enriques Spanier in den 90 regulären Minuten den Ball in den eigenen Reihen – gegen einen Gegner, der im Vorfeld angekündigt hatte, sich ebenfalls um die Ballhoheit zu bemühen. So kam es, dass die Italiener statt auf Ballstafetten auf schnelles Vertikalspiel nach Ballgewinn setzten. Gefährlich waren die Italiener darum vor allem, wenn sie einen spanischen Angriff in seiner Entstehung abgefangen konnten.

Das Penaltyschiessen in voller Länge.
Video: streamable
«Wir haben bis zum Schluss an uns geglaubt und am Ende haben wir gewonnen.»
Jorginho

Für Mancinis Team bestand die Aufgabe am Dienstag in erster Linie, dem spielerisch dominant auftretenden Gegner nicht zu viele Chancen zuzugestehen. Es kann auch dies und geht nach der erneut starken Leistung als Titelfavorit ins Endspiel, auch wenn der Gegner im Wembley Gastgeber England sein sollte. Die Spanier konnten sich derweil für eine ihrer besten Turnierleistungen nicht belohnen. Der Ausgang des Spiels wird für weitere Kritik an Trainer Enrique in der Heimat sorgen. Die Experten hatten prognostiziert, dass sein Festhalten an Morata keine gute Idee sein würde. Nun erhielten sie im Penaltyschiessen recht.

Jorginho avanciert im Penaltyschiessen zum Helden – er verwandelt den entscheidenden Elfmeter eiskalt.
Jorginho avanciert im Penaltyschiessen zum Helden – er verwandelt den entscheidenden Elfmeter eiskalt.
Bild: keystone
Die Highlights des Spiels.

Italien – Spanien 1:1 (1:1, 0:0) n.V.
Italien gewinnt 4:2 im Penaltyschiessen.

Wembley, London. 57'811 Zuschauer. SR Brych (GER).
Tore: 60. Chiesa 1:0. 80. Morata 1:1. - Penaltyschiessen (Italien beginnend): Locatelli (Simon hält), Olmo (verschiesst); Belotti 1:0, Gerard Moreno 1:1; Bonucci 2:1, Thiago 2:2; Bernardeschi 3:2, Morata (Donnarumma hält); Jorginho 4:2.
Italien: Donnarumma; Di Lorenzo, Bonucci, Chiellini, Emerson (74. Toloi); Barella (85. Locatelli), Jorginho, Verratti (74. Pessina); Chiesa (107. Bernardeschi), Immobile (61. Berardi), Insigne (85. Belotti).
Spanien: Simon; Azpilicueta (85. Marcos Llorente), Eric Garcia (109. Pau Torres), Laporte, Jordi Alba; Koke (70. Rodri), Busquets (106. Thiago), Pedri; Ferran Torres (61. Morata), Oyarzabal (70. Gerard Moreno), Olmo.
Bemerkungen: Italien ohne Spinazzola (verletzt). Spanien ohne Sarabia (verletzt). 45. Lattenschuss Emerson. Verwarnungen: 51. Busquets (Foul). 97. Toloi (Foul). 118. Bonucci (Foul). (sda)

Die weiteren Stimmen:

«Es ist brutal für die Spanier, im Elfmeterschiessen zu verlieren. Es war ein schwieriges Spiel und wir wollten nicht zu viel riskieren.
In der ersten Halbzeit war es sehr schwer. In der zweiten haben wir es besser gemacht und konnten in Führung gehen. Im Penaltyschiessen gehört immer auch etwas Glück dazu, doch ich bin stolz, dass wir im Finale stehen.»
Italien-Trainer Roberto Mancini
Torschütze Federico Chiesa wurde zum Spieler des Spiels gekürt.
Torschütze Federico Chiesa wurde zum Spieler des Spiels gekürt.
Bild: keystone
«Ich kann meine Emotionen nicht in Worte fassen. Es war ein sehr hartes Spiel. Spanien hat ein extrem starkes Team mit Weltklasse-Spielern auf jeder Position, doch wir stehen im Final und darauf bin ich unglaublich stolz»
Federico Chiesa
«Ich bin stolz auf das Team und das, was wir erreicht haben. Wir hätten die Führung verdient, doch Italien hat gut gespielt und hat das Tor dann geschossen. Dennoch können wir stolz sein, dieses Team ist auf dem Weg, Titel zu gewinnen.»
Sergio Busquets

(nih/sda)

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