Basel
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Übergriff in Allschwiler Kita: Der Verhaftete ist der Leiter

In einer Allschwiler Kita wurde ein Übergriff beobachtet. Der Betrieb geht normal weiter – zum Schutz der Kinder.

Tobias Gfeller / ch media



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Am Freitag vergangener Woche meldete eine Mitarbeiterin den Vorfall: Globagarden-Kita in Allschwil. bild: roland schmid

Der Fall des 35-jährigen Betreuers der Kindertagesstätte Globegarden in Allschwil, der wegen einer sexuellen Handlung am 6. Dezember verhaftet wurde, erschüttert die Öffentlichkeit. Mittlerweile ist klar, dass es sich um den Leiter der Kita handelt, der erst im April eingestellt wurde. Kurz zuvor hatte Globegarden, die grösste Schweizer Kita-Kette, den Standort in Allschwil an der Steinbühl-Allee übernommen. Gegen den Mann läuft ein Strafverfahren wegen sexuellen Handlungen mit Kindern. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Nun werde abgeklärt, ob es neben dem einen Kind noch weitere Opfer gibt, sagte ein Sprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Christina Mair, Geschäftsführerin der Allschwiler Kindertagesstätte, ist über den Vorfall «bestürzt und erschüttert». Nach Bekanntwerden wurde die Elternschaft informiert und zum Elternabend im Beisein eines Notfallpsychologen eingeladen. «Die Elternschaft hat extrem nett reagiert», verrät Mair. Das Vertrauen in das ganze Team sei nach wie vor spürbar. Der Geschäftsführung und der Verwaltung der Kindertagesstätte sei es wichtig, offen mit dem Vorfall umzugehen. Hinweise der Eltern auf mögliche weitere widerrechtliche Handlungen des Kita-Leiters wurden der Polizei gemeldet. Der inhaftierte Leiter wurde entlassen.

Männer werden nicht strenger überwacht

Gemäss Christina Mair sei wie bei allen Mitarbeitenden das Bewerbungsdossier des Kita-Leiters im Mehraugen-Prinzip geprüft sowie Referenzen und ein Sonderprivatauszug des schweizerischen Strafregisters eingeholt worden. «Es gab zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise, die gegen eine Anstellung gesprochen hätten.»

Gemäss dem für die Aufsicht der Kindertagesstätten zuständigen Baselbieter Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote gab es in den letzten Jahren keinen vergleichbaren Fall im Landkanton. Bei den Empfehlungen für die Einstellung von Betreuungspersonal und den Arbeitsalltag beruft sich das Amt auf entsprechende Publikationen des Verbands Kinderbetreuung Schweiz kibesuisse.

Dieser empfiehlt Kitas ein standardisiertes Vorgehen bei der Auswahl und Einstellung von Betreuungspersonen, dazu gehört «eine kritische Auseinandersetzung mit der Berufsmotivation und dem Rollenverständnis der Person, das Einholen von Referenzen und das Einfordern des Strafregisterauszugs beziehungsweise Sonderprivatregisterauszugs aller Mitarbeitenden». Die Auszüge sollen in einem regelmässigen Abstand von fünf Jahren neu eingefordert werden.

Zusätzlich sei von den Betreuungspersonen die Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung zur Einhaltung des Verhaltenskodex einzufordern. Bei diesen Empfehlungen handle es sich um «wichtige Mindestmassnahmen», um Missbrauchsfälle zu verhindern, schreibt kibesuisse auf Anfrage.

Kinder nicht küssen, Türen nicht schliessen

Der Verband empfiehlt die Einhaltung dieser Mindestmassnahmen unabhängig vom Geschlecht der Betreuungsperson und rät dementsprechend auch nicht zu zusätzlichen Regeln für männliche Mitarbeiter. Neben dem Einholen von Referenzen empfiehlt das Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote in den Bewerbungsgesprächen das Thema «Nähe und Distanz und Umgang mit Gewalt und Sexualität» offen anzusprechen. Das trage dazu bei, problematische Personen abzuschrecken.

Die von kibesuisse publizierten Leitlinien zur Erarbeitung eines Verhaltenskodex sollen Betreuungseinrichtungen und deren Mitarbeitende sensibilisieren und ermutigen, sich mit dem Thema der psychischen, physischen und sexuellen Gewalt auseinanderzusetzen. Der Verband stellt klar: «Eine Berührung darf nie der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse dienen. Das Küssen von Kindern ist den Mitarbeitenden untersagt. Vor dem Wickeln informiert die Bezugsperson weitere anwesende Mitarbeitende, die Tür zum Wickelraum bleibt offen. Ältere Kinder erledigen ihre Körperpflege selbstständig und werden vom Betreuungspersonal adäquat unterstützt. Fotos dürfen nicht mit privaten Geräten und nicht ohne elterliche Bewilligung gemacht werden.»

Der Betrieb in der Kita in Allschwil lief stets normal weiter. Das hat auch der Notfallpsychologe so empfohlen. Alles andere hätten die Kinder wohl nur unnötig verunsichert. (bzbasel.ch)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • LeChef 21.12.2019 16:39
    Highlight Highlight Ein wichtiger Film zu dem Thema ist Die Jagd mit Mads Mikkelsen. Kann den jedem nur empfehlen, denn er zeigt wie schwierig die Situation in den Kitas für alle Beteiligten ist.
  • Ueli der Knecht 21.12.2019 14:41
    Highlight Highlight "Mittlerweile ist klar, dass es sich um den Leiter der Kita handelt, der erst im April eingestellt wurde. Kurz zuvor hatte Globegarden, die grösste Schweizer Kita-Kette, den Standort in Allschwil an der Steinbühl-Allee übernommen."

    Womit glasklar wird, dass diese Missstände erst von Globegarden in die Kita hineingetragen wurden.

    Daher genügen die Beteuerungen von Globegarden überhaupt nicht, sie hätten alles richtig gemacht. Offensichtlich nicht. Globegarden sollte unverzüglich weitere Massnahmen beschliessen, um solche und ähnliche Missstände künftig zu verhindern.
  • Wendy Testaburger 21.12.2019 13:26
    Highlight Highlight Vor nicht allzu langer Zeit galt in Kitas noch: Türe zu beim wickeln, zur Wahrung der Intimsphäre des Kindes.
    Was da alles an Übergriffigem möglich war mag ich mir gar nicht vorstellen.
    Dass Männer in Kitas weniger unter Beobachtung stehen ist Bullshit, natürlich schaut man da genauer hin. Pädophile Frauen tauchen in der Statistik nun mal bedeutend weniger oft auf, was nicht heisst dass sie inexistent sind.
  • sheshe 21.12.2019 11:41
    Highlight Highlight Ich empfehle den Republik Artikel zu Globegarden...
    • Graf von und zu Trautmannsdorff 21.12.2019 17:28
      Highlight Highlight Ich empfehle als Gegendarstellung dazu das ganzseitige Interview mit Frau Mair in der heutigen NZZ.
    • sheshe 21.12.2019 19:46
      Highlight Highlight Und so steht Aussage gegen Aussage. (Auch wenn im typischen "ich hab nichts gemacht"- Stil argumentiert wird). Guter Artikel, danke dafür.
    • Pbel 22.12.2019 00:06
      Highlight Highlight Problem beim NZZ Artikel ist das eigentlich nichts glaubhaft dementiert wird. Fall Thalwil: man will nicht genau sagen was das Problem ist. Situation mit den Babys: kann ich mir nicht vorstellen.
      Essen: die Kinder haben sicher genugzu essen. Mein Sohn der in einer Globegarden Kita ist, sagt das auch - er sagt aber auch, das sei so weil die Betreuerinnen weniger Essen. Auch von einer Kollegin in einer anderen Einrichtung das Gleiche gehört. Betreuungsschlüssel wird nicht immer eingehalten. Die Betreuerinnen selbst geben alles. Aber es ist nicht alles ok - Vergleich zu anderen Krippen schwer.
  • Mutbürger 21.12.2019 11:27
    Highlight Highlight Ein lesenswerter Artikel der Republik zur Firma „globegarden“

    https://www.republik.ch/2019/12/18/die-firma



  • Ataraksia Eudaimonia 21.12.2019 09:49
    Highlight Highlight Es erschüttert einfach einen, bis zum Knochenmark. Ungläubig versucht man das für sich einzuordnen. Es ist so absurd und abstossend dass man nicht weiterkommt...Mir tun Eltern, ihre Kinder aber auch alle unschuldige Männer leid. Als Mann würde mich so was enorm verunsichern im Umgang mit Kindern. Es ist verdammt ungerecht wenn so viele Menschen wegen grässlicher Laune der Natur leiden müssen. Und noch schlimmer: es gibt keine gerechte, konstruktive Lösung (((
  • Firefly 21.12.2019 09:09
    Highlight Highlight Effizienteste und gerechteste aber nicht billigste Massnahme; Genug Personal, so dass nie jemand alleine mit den Kindern / Senioren / Patienten / ist.
    • Nilda84 21.12.2019 09:21
      Highlight Highlight Sorry Firefly, das sollte ein Herz sein! 😣
    • glass9876 21.12.2019 10:02
      Highlight Highlight Sorry, aber will jemand einen Job noch ausüben, wenn Misstrauen allgegenwärtig ist? Alle einfach mal unter Generalverdacht.
    • Firefly 21.12.2019 10:07
      Highlight Highlight @glass9876 Blödsinn, bei der Polizei ist das Gang und Gäbe und niemand kommt auf die Idee, dass man jemanden unter Generalverdacht stellt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • pamayer 21.12.2019 08:53
    Highlight Highlight Widerlich.
    • Karoon 21.12.2019 13:27
      Highlight Highlight Wer verteilt hier Blitze???? Unverständlich
    • Francis Begbie 22.12.2019 20:40
      Highlight Highlight Wohl weil dieser Kommentar keinem was nützt.

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