USA

«Eine nationale Schande»: Warum die Alabama-Wahl Trumps bislang grösste Schlappe ist

Bild: EPA/EPA POOL

13.12.17, 08:17

Trump hatte in Alabama bei der Präsidentenwahl 2016 noch 62 Prozent geholt. Der von ihm für den Senat ins Rennen geschickte Kandidat Moore musste die Republikaner-Hochburg verloren geben. Das politische Erdbeben ist über den Südstaat hinaus zu spüren.

Es ist die wohl grösste Schlappe für US-Präsident Donald Trump in seiner bisherigen Amtszeit: Sein Mann für den Senat, der hochumstrittene Richter Roy Moore, hat für die US-Republikaner eine ihrer Festungen hergegeben.

Sorgenvoller Blick auf die Wahlresultate: Roy Moore mit Unterstützern. Bild: AP/AP

Unterstützt vom Präsidenten höchst selbst und von dessen inzwischen extern wirkendem Scharfmacher Steve Bannon, hatte Moore in der vermeintlich sicheren Konservativen-Hochburg Alabama versucht, ein Exempel zu statuieren: Moore wollte die gegnerischen Demokraten nur nebenbei schlagen, hauptsächlich aber das Partei-Establishment um Senats-Fraktionschef Mitch McConnell mit einer erfolgreichen Kandidatur schwächen.

Das ging so schief für die Republikaner, wie es nur schiefgehen konnte. Das Referendum über den Trumpschen Politikansatz ging verloren, dazu noch ein eigentlich nicht zu verlierender Senatssitz. Fast noch schlimmer dürfte für den Machtmenschen Trump das Kleingedruckte der Meinungsforscher wiegen.

Miese Umfragewerte für Trump

In Nachwahlbefragungen fanden sie bei den Wählern von Alabama unabhängig von der eigentlichen Abstimmung heraus, dass Trumps Zustimmungswerte in dem Bundesstaat bei gerade einmal noch 48 Prozent liegen - verheerend. Vor einem Jahr hatte Trump den Bundesstaat noch mit fliegenden Fahnen und 62 Prozent der Stimmen geholt. Trumps unverrückbare Anhängerschaft scheint zumindest in einigen Regionen kleiner zu sein, als die Scharen von Claqueuren bei seinen öffentlichen Auftritten vermuten lassen.

«Ich unterstütze den Perversling!» Zwei Titelblätter, eine Schlagzeile. Bild: AP/AP

Der Republikaner Josh Holmes, ein Vertrauter von Senats-Fraktionschef McConnell, nannte das Ergebnis für seine Partei in Alabama eine «nationale Schande». Steve Bannon, Trumps ehemaliger Wahlkampfchef, Regierungsberater und inzwischen ausserhalb des Weissen Hauses an einer rechtsgerichteten Anti-Establishment-Bewegung feilende Bruder im Geiste, habe gezeigt, wie man selbst den «rotesten der roten Staaten» verlieren könne. Rot ist die Farbe der Republikaner. Bannon hatte sich für Moore eingesetzt.

Trump zeigte sich immerhin als ungewohnt fairer Verlierer und gratulierte Doug Jones zu dessen «harterkämpftem Sieg». Der Präsident machte auch abtrünnige Wähler für die Niederlage verantwortlich, die lieber einen chancenlosen Aussenseiter wählten als den von Trump unterstützten Moore.

Der Jurist, der zweimal vom höchsten Gericht Alabamas gefeuert worden war und mit eigenwilligen Vorstellungen zu Themen wie der Homo-Ehe auffiel, war selbst in der erzkonservativen Provinz Alabamas nicht zu vermitteln. Zumal im Wahlkampffinale Vorwürfe sexueller Übergriffe in der Vergangenheit die Fragezeichen hinter seinem Namen noch vermehrten.

Roy Moore reitet seiner Niederlage entgegen. Bild: AP/The Montgomery Advertiser

Am Morgen war der einstige Kickboxer Moore noch als Cowboy hoch zu Ross zur Wahlurne geritten. Am Abend trat er dann vor seine verbliebenen Anhänger und übte sich in Durchhalteparolen. «Es ist nicht vorbei», sagte er. Daraus sprach mehr Verzweiflung als die Hoffnung, über eine Nachzählung vielleicht doch noch zum Ziel zu kommen.

Am ehesten ist Moores Trotzigkeit ein Versuch, den Start seines Kontrahenten Jones im US-Senat so lange wie möglich hinauszuzögern. Denn die republikanische Mehrheit in der zweiten und entscheidenden Parlamentskammer ist mit der Niederlage in Alabama auf nur noch einen einzigen Sitz geschmolzen. Für die bevorstehende Abstimmung über die Steuerreform – Trumps grösstes und in seinem ersten Amtsjahr einzig nennenswertes Gesetzesvorhaben – ist jede blockierte Gegenstimme Gold wert für den Präsidenten.

Trump will das Paket unbedingt noch vor Weihnachten unterschreiben, Jones könnte unter Ausnutzung des Wahlgesetzes bis zum 3. Januar auf die Folter gespannt werden.

Entscheidender ist der demokratische Sieg in Alabama auf längere Sicht. Die Opposition hatte nach ihrer vernichtenden Niederlage von 2016 und angesichts schwieriger Konstellationen nicht im Traum gehofft, 2018 eine Senatsmehrheit in Reichweite zu haben. Mit Alabama muss auch diese Rechnung neu aufgemacht werden.

Allerdings interpretieren einige Politikforscher das Ergebnis aus dem Südstaat auch andersherum: Mit Roy Moores Niederlage ist eine politische Zeitbombe für die Republikaner unschädlich gemacht. Im Senat hätte der Tunichtgut der Partei wohl nur geschadet. (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Foto-Fail! Diese 16 Bilder zeigen, warum wir Selfies erfunden haben

Bahn frei für Federer? Der mögliche Halbfinal-Gegner heisst Sandgren oder Chung

Kaufst du auch alle zwei Jahre ein neues Handy? Das soll sich jetzt ändern

20 (!!!) Jahre nach «Charmed – Zauberhafte Hexen» – das ist aus den Darstellern geworden

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
36
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
36Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Maurice Howald 13.12.2017 17:55
    Highlight Vermutlich hätten die Republikaner auch noch einen besseren Kandidaten gefunden als Moore, der bessere Chancen gehabt hätte. Moore wäre aber doch die bessere Wahl gewesen als Jones. Er wurde Opfer einer miesen Rufmordkampagne. Die Vorwürfe gegen ihn konnten bis heute nicht sauber verifiziert werden. Trotzdem baute man darauf den Wahlkampf auf. Doug Jones ist ein wirklich übler Geselle und votiert etwa für einen schrankenlosen Zugang zu sogenannten late-term abortions. Einfach erbärmlich! In der Schweiz würden nicht einmal alle Linken dafür stimmen!
    1 18 Melden
    • Pasionaria 14.12.2017 01:18
      Highlight Was quatschen denn Sie da daher?
      Wenn etwas erbaermlich ist, dann solche Leute:


      Noch Fragen?
      1 0 Melden
  • mia83 13.12.2017 14:25
    Highlight Jeden Tag werden uns Hoffnungen auf den baldigen Abschied gemacht.
    Und nichts passiert...
    6 1 Melden
  • DOUGIE JONES 13.12.2017 12:07
    Highlight Dougie Jones!
    1 2 Melden
  • praxis 13.12.2017 11:35
    Highlight Good news from Alabama. Die Bäume Trumps wachsen auch nicht in den Himmel.
    33 3 Melden
  • My Senf 13.12.2017 11:22
    Highlight Nun, wie mehrmals erwähnt.

    Trump ist durch. November is gone und Thanksgiving ist auch überstanden.

    Er wird noch 3 Jahre durchmachen. Wenn er das Steuergesetz, das ihn um einige hundert Millionen reicher oder weniger ärmer macht durchbringt hat es sich für ihn gelohnt und er kann dann 3 Jahre TV schauen und die Republikaner werden mit ihm als marionette hinten durch die Politik machen...

    Traurig aber ja Demokratie eben...
    43 7 Melden
  • Therealmonti 13.12.2017 11:16
    Highlight Das Wahlergebnis in Alabama gibt mir einen Funken Hoffnung, dass Amerika doch nicht total verloren ist.
    52 5 Melden
  • Sophia 13.12.2017 11:06
    Highlight Dieser Wahlausgang ist doch ganz sicher ein Fake. Da müssen wir nochmals nachzählen! Oder, was meinst du, Donald?
    42 2 Melden
  • Majoras Maske 13.12.2017 10:33
    Highlight Ich finde es beruhigend, dass die Wähler zu Vernunft begabt sind und nicht nur Trumps Soldaten wählen, die im Parlament ihre Kontrollfunktion vermutlich nur ungenügend ausführen würden. Das die Republikaner nach einem Jahr noch immer praktisch nichts als heisse und schrill dargereichte Luft vorweisen können, ist ein ziemliches Armutszeugnis, dass die Wähler hoffentlich auch bemerken.
    35 0 Melden
    • Snowy 13.12.2017 14:44
      Highlight Sehe das auch so.

      Tragisch, dass man bereits von "Vernunft" reden muss, wenn das Stimmvolk keinen rassistischen, evangelikalen, homophoben Kinderschänder wählt.
      9 0 Melden
  • Don Sinner 13.12.2017 10:16
    Highlight Ziemlich sensationell. Lässt den Glauben an die USA wieder wachsen.
    49 3 Melden
    • My Senf 13.12.2017 14:04
      Highlight wieso denn?
      wird was besser jetzt?
      2 13 Melden
  • Lumpirr01 13.12.2017 09:47
    Highlight Wen wunderts, dass die Menschheit bei diesem Präsident als weltweiter Unruhestifter und Klimaschänder langsam beginnt zu begreifen, dass es so nicht ewig weitergehen kann.........
    31 4 Melden
  • banda69 13.12.2017 09:35
    Highlight Trump ist eine internationale Schande.

    Und wann distanziert sich die SVP endlich von ihrem Idol?
    110 20 Melden
    • acove 13.12.2017 13:34
      Highlight Da kannst Du noch lange darauf warten, die ticken gleich wie all jene, welche Trump den verlängerten Rücken massieren.
      18 6 Melden
    • Sophia 13.12.2017 13:47
      Highlight Na, und wenn sie'es tut, wer könnte es glauben. Mund und Herz an der gleichen Stelle haben, ist nicht SVP-like!
      9 4 Melden
    • Lumpirr01 13.12.2017 22:03
      Highlight @banda69: Trump === SVP??
      Hee, schon ein bisschen eine vereinfachte Weltanschauung???
      11 8 Melden
    • banda69 14.12.2017 06:12
      Highlight @lumpirr

      Schön dich mal wieder zu lesen.

      Trump und die SVP. Das ist Hans was Heiri. Es sind Geschwister im Geiste. Gleiches Ziel, gleiche Inhalte.

      3 1 Melden
    • Dirk Leinher 14.12.2017 12:24
      Highlight @Lumpirr01
      Manche fühlen sich halt gut, wenn sie gegen etwas sein können, merken aber nicht dass sie selbst der gleichen vereinfachten Weltsicht fröhnen.
      0 4 Melden
    • Sophia 14.12.2017 17:00
      Highlight Siehste, Leinher, das ist es, du triffst den Nagel genau auf's Auge! (ich weiss schon, wie es richtiga lautet, diese Sprichwort, musst dich also nicht herumplagen!) Wie kommst du jetzt auf dieses Pauschalurteil? Du kennst einen einzigen Satz von Lumpirr oder Banda, und schon haste dein Urteil gefällt: Alles Weltansichtvereinfacher!
      Weisst du, was du bist? Gar nichts anderes! Schönes Fest und denke mal über deine Vereinfachungen nach!
      1 1 Melden
  • Datsyuk 13.12.2017 09:31
    Highlight Schön, schön, schön! Gutes Zeichen?
    21 2 Melden
  • ubu 13.12.2017 09:27
    Highlight "der inzwischen extrem wirkende Steve Bannon" - inzwischen? wirkend?
    44 5 Melden
    • sheimers 13.12.2017 12:21
      Highlight 'extern' steht da, nicht 'extrem'. Weil er kein Amt mehr hat und wieder privat agiert.
      10 0 Melden
  • TodosSomosSecondos 13.12.2017 09:23
    Highlight Ich freu mich zwar über das Resultat wie ein Schneekönig aber nichtsdestotrotz finde ich den Artikel etwas dünn.

    Mit keinem Wort wird erwähnt, dass Trump ursprünglich den Kandidaten "Big" Luther Strange unterstützte, der auch locker gewonnen hätte.

    Der Alt-Right Flügel hat aber kräftig Stimmung gegen Strange gemacht, um ihren Kandidaten durchzusetzen, was nun mächtig in die Hose gegangen ist.

    Die grössten Verlierer sind die Möchtegern-Schattenregierung von Bannon und Konsorten und nicht Trump... ob das nun dasselbe ist, sei mal dahingestellt.
    66 3 Melden
    • Bits_and_More 13.12.2017 13:07
      Highlight Stelle mir gerade Luther Strange als Mischung zwischen Lex Luther und Hugo Strange vor...
      2 0 Melden
  • Eltriangoli 13.12.2017 09:08
    Highlight Die Welt ist heute ein klein wenig besser geworden.
    25 3 Melden
    • My Senf 13.12.2017 14:12
      Highlight ok vielleicht nicht schlimmer.. lass ich noch durchgehen

      Aber grad besser?! Wieso denn?
      1 6 Melden
  • N. Y. P. 13.12.2017 08:56
    Highlight Trump hat mit der Steuerreform den Olymp seiner Amtszeit erreicht.
    Der gestrige Tag geht in die Geschichte ein. Es ist der Beginn des Niedergangs. Das ätzende Gift der Politikverdrossenheit hat seine Basis erreicht.
    62 % runter auf 48 %.
    27 0 Melden
  • rodolofo 13.12.2017 08:49
    Highlight Sind das erste Zeichen einer Immunisierung der US-Gesellschaft gegen die neuartigen Viren des Rechtsextremen Gedankenguts?
    Schön wär's!
    Ich wünsche weiterhin Gute Besserung!
    (Wir sind ja hier auch schon ziemlich stark angesteckt...)
    30 4 Melden
  • Alice36 13.12.2017 08:44
    Highlight "It never ends!" Falsch Donald! Spätestens in 15 Jahren bist du als Mensch Geschichte, als Präsident der USA hoffentlich schon früher. Dumm nur das Amerika dann noch immer damit beschäftigt sein wird das von dir hinterlassene Chaos zu korrigieren.
    46 2 Melden
  • acove 13.12.2017 08:37
    Highlight Es bewahrheitet sich auch in diesem Fall einmal mehr, wer auf einem zu hohen Ross sitzt, wird früher oder später von eben diesem abgeworfen.
    140 7 Melden
    • Doeme #nobillagno 13.12.2017 09:11
      Highlight Und dass obwohl Moore noch wenige Stunden zuvor fest im Sattel sass.
      27 1 Melden
    • Töfflifahrer 13.12.2017 09:39
      Highlight Was ich wohl nie verstehen werde ist, dass es dort Leute gibt die zu jeder Schandtat bereit sind und dies auch durchziehen, die extremsten Gedanken verlautbaren und auch leben. Dann aber mit der Bibel wedeln, den alttestamentarisch Bibelfesten geben und damit noch erfolg haben? Denn dieser Moore hat ja immerhin noch fast die Hälfte aller Stimmen!
      38 1 Melden
    • Frank Drabin 13.12.2017 09:59
      Highlight DT hat extrastarken Sekundenkleber am Füdli, wird schwierig den abzuwerfen. Eigentlich hätte das „Garderobengespräch“ aus drm Bus schon reichen müssen.
      29 1 Melden
    • Dirk Leinher 13.12.2017 10:52
      Highlight Das stimmt.
      Wie die Demokraten bei der Präsidentenwahl vom Himmel geholt wurden, so wird auch Trump irgendwann fallen.
      Das Ereignis hier hat aber noch mit Wunschdenken zu tun.
      9 8 Melden
    • Therealmonti 13.12.2017 11:51
      Highlight @Töfflifahrer. Stimmt. Es ist eine Schande und nicht wirklich beruhigend, dass dieser bigotte Moore fast die Hälfte aller Stimmen hatte. Aber positiv ist, dass er nicht mehr als die Hälfte hatte.
      12 2 Melden

US-Präsident Donald Trump kommt ans WEF in Davos – Das sind die ersten Reaktionen

US-Präsident Donald Trump reist ans Weltwirtschaftsforum (WEF). Dies teilte das Weisse Haus mit. Es ist erst der zweite Besuch eines US-Präsidenten in Davos. Für Bundespräsident Alain Berset gibt es viele Themen zu besprechen mit Trump.

Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders sagte am Dienstag in Washington, Trump freue sich darauf, am diesjährigen WEF bei den weltweiten Führungspersönlichkeiten seine «America First»-Agenda voranzutreiben, um für «amerikanische Unternehmen, die …

Artikel lesen