Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana: Hornbach und Jumbo reagieren auf Schaumstoff Kritik

Achat mousse en Suisse par watson.
Tortenkerzen und brennbarer Schaumstoff sind einfach erhältlich.Image: watson

Schaumstoff in der Kritik: Hornbach und Jumbo reagieren

watson hat sich bei Hornbach, der Baumarktkette, in der Jacques Moretti laut eigenen Angaben das im «Le Constellation» in Crans-Montana verbaute Material gekauft hat, ein Stück Akustikschaumstoff besorgt.
14.01.2026, 18:2614.01.2026, 18:26
Antoine Menusier

Gegenüber der Walliser Justiz erklärte Jacques Moretti, der Betreiber der Bar «Le Constellation», dass er den Akustikschaumstoff, der an der Decke des Kellerraums der Bar befestigt war, bei Hornbach gekauft habe. Wir wollten wissen, welche Warnhinweise die Baumarktkette zu dieser Art von Schaumstoff gibt.

watson hat deshalb den Baumarkt Hornbach in Biel besucht und eine Akustikschaumplatte gekauft. Das Etikett weist auf eine deutsche Herkunft hin. Wir können nicht bestätigen, dass es sich um genau jenen Schaumstoff handelt, der vor dem tragischen Brand in der Silvesternacht an der Decke der Bar «Le Constellation» zu sehen gewesen war. Aber er sieht ähnlich aus: grau, wabenförmig, mit Auswüchsen.

Achat mousse en Suisse par watson.
Der bei Hornbach gekaufte Schaumstoff.Image: watson

Der Schaumstoff besteht aus Polyurethan. Der Preis für eine Platte mit den Massen 50 x 50 x 5 cm: 8.50 Franken.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Auf der Website warnt Hornbach unter der Rubrik «Weitere Details zum Artikel» in Bezug auf diesen Schaumstoff und andere Schaumstoffe im Allgemeinen:

«Schaumstoffe sind leicht entflammbar. Halten Sie sie daher von offenen Flammen, Zigaretten oder anderen Wärmequellen fern, um Brände zu vermeiden. Verwenden Sie Schaumstoffe nicht in der Nähe von Elektrogeräten oder Heizkörpern, da dies zu Überhitzung führen kann.»

So weiss der Verbraucher, sofern er sich über das betreffende Produkt informiert, dass dieser schalldämmende Schaumstoff unter bestimmten Bedingungen leicht entflammt.

Das passierte mutmasslich auch in der Bar in Crans-Montana. Der Schaumstoff an der Decke dürfte durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen in Brand gesetzt worden sein. Wir haben deshalb in einem Migros-Geschäft eine Packung «Kuchenkerzen» gekauft, die man auf Geburtstagskuchen oder auf eine Sektflasche steckt. Was die Sicherheitshinweise angeht, steht auf der Rückseite der Verpackung:

«Kann in Innenräumen verwendet werden! Mindestens 1 m Sicherheitsabstand zu Zuschauern, Gebäuden und brennbaren Materialien (…) Das Tortenfeuerwerk senkrecht in lockeren Boden oder ein anderes nicht brennbares Material, z. B. Sand, einsetzen. (…)»
Achat de bougies étincelantes en Suisse par watson.
Die Kerzen, die watson in der Migros gekauft hat.Image: watson

«Eine Entzündungstemperatur von 405 °C»

Kommen wir zurück zum Akustikschaumstoff. Die bei Hornbach gefundene Marke wird auch bei Jumbo verkauft, der konkurrierenden Baumarktkette, die zur Coop-Gruppe gehört. Das gleiche Schaumstoffquadrat kostet auf der Website des Geschäfts 11.50 Franken. Die Sicherheitshinweise sind unter «Eigenschaften» auf derselben Seite angegeben, auf der das Produkt zum Verkauf angeboten wird:

«Schaumstoffe sind leicht entflammbar. Entzündungstemperatur: ca. 405 °C. Um Brandgefahr zu vermeiden, halten Sie sie von offenen Flammen, Zigaretten oder anderen Wärmequellen fern.»

Sowohl Hornbach als auch Jumbo geben für diesen Schaumstoff eine «Entzündungstemperatur von 405 °C» an.

Die Antwort von Hornbach

watson hat Hornbach per E-Mail gefragt, ob der Schaumstoff dieser Marke bereits 2015 im Verkauf war, dem Jahr, in dem Jacques Moretti seinen an der Decke des «Le Constellation» angebracht haben will. Wir haben Hornbach auch gefragt, ob es Schaumstoff dieser Marke gibt, der nicht brennt, wenn er einer Wärmequelle ausgesetzt wird. Hornbach hat diese Fragen nicht beantwortet. Aber sein Marketingleiter hat uns dennoch eine Antwort geschickt:

«Der Brand in Crans-Montana hat uns tief getroffen. Wir sprechen den Angehörigen der Opfer unser aufrichtiges Mitgefühl aus. Den Verletzten wünschen wir eine schnelle und vollständige Genesung.»
Die Antwort des Marketing-Direktors von Hornbach

Der Marketingleiter von Hornbach fährt fort:

«Wir haben die Berichterstattung über die möglichen Ursachen des Brandes, einschliesslich der Frage des Akustikschaums, aufmerksam verfolgt. In dieser Angelegenheit stehen wir in engem Kontakt mit den Herstellern, die die Angaben auf ihren Produkten und deren Kennzeichnung gemäss den gesetzlichen Anforderungen anbringen. Generell gilt – und das ist ein sehr wichtiger Punkt: Wer etwas installieren oder verändern möchte, muss prüfen, ob das Material für den vorgesehenen Verwendungszweck geeignet ist.»
Der Marketing-Direktor von Hornbach

Die Antwort von Jumbo

watson hat auch Jumbo zu diesem Thema kontaktiert. Antwort seiner Pressestelle:

«Die Sicherheit unserer Kunden hat für Jumbo oberste Priorität. Unsere Produkte aus Polyurethan (PU) sind gemäss den geltenden gesetzlichen Vorschriften und Normen zertifiziert. PU-Schäume sind grundsätzlich brennbar. Aus diesem Grund haben wir die Entflammbarkeit bereits in den Eigenschaften aller dieser Artikel angegeben (die Pressestelle verweist auf die oben genannten Sicherheitshinweise).»
Die Antwort der Pressestelle von Jumbo

Jumbo fügt hinzu, dass nach dem Drama von Crans-Montana die Kundeninformation über die Gefährlichkeit von Akustikschaumstoffen überprüft worden sei. «Wir haben sofort eine interne Kontrolle der Produktinformationen und Kennzeichnungen eingeleitet.» Dann:

«Als erste Sofortmassnahme haben wir die Gefahrenhinweise verstärkt, sodass neben den Empfehlungen zur Verwendung von Schaumstoffen auch der Hinweis auf die Entflammbarkeit deutlich sichtbar ist.»

«Es ist wie bei allem anderen auch»

Ein Spezialist für pyrotechnische Produkte, der in einem Feuerwerksunternehmen arbeitet und anonym bleiben möchte, appelliert an den gesunden Menschenverstand:

«Es ist wie bei allem anderen auch: Jeder von uns ist verpflichtet, die Sicherheitshinweise für ein Produkt wie Akustikschaum zu beachten.»
Sagt der Pyrotechnik-Spezialist.

Und er fügt hinzu: «Es ist normal, dass ein als brennbar beschriebenes Produkt in der Nähe einer ausreichend starken Wärmequelle entflammt, sodass ein Feuer entsteht. Ein pyrotechnisches Produkt wie eine Wunderkerze, die Funken sprüht, aber auch an ihrer Basis eine Flamme erzeugt, stellt eine Gefahr dar, wenn sie nicht richtig verwendet wird.»

Schon Jahre vor dem Brand in der Bar hatten Mitarbeitende auf die Gefahr hingewiesen, wie sie nach der Tragödie gegenüber Medien sagten. Die Ermittlungen sollen nun zeigen, wie es zur Katastrophe kommen konnte. (nib)

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134 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Janster
14.01.2026 19:08registriert März 2021
Also den Baumärkten hier einen Vorwurf machen zu wollen finde ich falsch. In einem Baumarkt finden sich Tausende Stoffe die brennbar sind. Kleber, Holz usw...wenn jemand das zu Hause verbaut ohne sich zu informieren kann es problematisch werden. Aber das war gewerblich und der Besitzer hat es selbst gemacht um Geld zu sparen. Das ist der unterschied zum Fachbetrieb der entsprechend geschulte Mitarbeiter hat. Beim Strom gibt's zig Vorschriften und nur zertifizierte Elektriker dürfen da ran...beim Brandschutz ist das offenbar anders. Aber gut vielleicht wird das nun korrigiert...hoffe ich
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La bum
14.01.2026 19:30registriert April 2019
HEY NEIN BITTE… ! Es ist - grässlicherweise spätestens jetzt - allen klar: das Material wurde zweckentfremdet / nicht sachgemäss verwendet. Hier Hinweise ist wie wenn man beim Velo plötzlich sagen müsste „Achtung könnte kippen!!“
Ich verstehe den Schock und auch Aktionismus aus Schock und dass es sich einfach bitte bitte nie mehr zutragen sollte und das diese Tragödie def. eine zu viel war. Aber diese in die News transportierten dümmlichen Nachbeben finde ich - gerade deshalb - jetzt schwer zum Aushalten.

(Ui, mein herz-quotient wird sinken🥲)
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dega
14.01.2026 18:43registriert Mai 2021
Man liest immer, dass ehemalige Angestellte auf die Gefahren hingewiesen haben. Wo genau? Bei der Gemeinde, beim Kanton oder nur auf Social Media?

Wie man so liest wussten ja angeblich viele Gastronomen in Crans Montana vom Problem. Warum haben die dann nie was unternommen oder wollen die aktuell nur Publicity?

Falls was der Gemeinde gemeldet wurde, warum hat man nie was gemacht?

Das wären Fragen, denen man mal nachgehen könnte... Nur so eine Idee...
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