Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana: Ersthelfer schildert Details nach Bar-Brand an Silvester

Flowers are laid in the area where a fire broke out leaving people dead and injured, during New Year’s celebration, in Crans-Montana, Swiss Alps, Switzerland, Thursday, Jan. 1, 2026. (Police Cantonale ...
Rettungswagen vor der Bar in der Silvesternacht.Bild: keystone

Ersthelfer schildert Details nach Bar-Brand: «Das Schlimmste war der Geruch»

Ein pensionierter Chirurg hielt sich an Silvester in Crans-Montana auf. Er half bei der Erstversorgung der Schwerverletzten vor Ort. Nun schildert er seine Eindrücke.
14.01.2026, 08:0314.01.2026, 13:12

Jean-Jacques Brugger ist pensionierter Chirurg. Er verbrachte den Jahreswechsel mit seiner Frau, einer Ärztin, in Crans-Montana. Es war 2.10 Uhr in der Neujahrsnacht, als sein Handy klingelte und ein Freund Brugger bat, zur Bar «Le Constellation» zu kommen. Bei dem Lokal, das nur 500 Meter entfernt war, sei es zu einem Unglück gekommen. Es brauche Ärzte.

So schildert Jean-Jacques Brugger den Moment, in dem er von der Katastrophe im Walliser Bergdorf erfahren hatte, gegenüber der Zeitung Le Temps. Brugger und seine Frau machten sich unverzüglich auf den Weg – dort angekommen, bot sich ihnen ein Bild des Schreckens:

«Wir konnten kein Feuer mehr sehen, aber etwa fünfzehn Menschen lagen auf notdürftigen Decken am Boden. Sie schrien. Wir konnten kaum etwas sehen, und es war bitterkalt. Aber das Schlimmste war der Geruch. Verbranntes Fleisch. Es stank bestialisch … »

Brugger rang mit den Tränen, wie er der Zeitung erzählt. Obwohl er lange Zeit als Chefchirurg im Spital Pourtalés in Neuenburg, wo er herkommt, gearbeitet hatte, überwältigte ihn die Szenerie.

Viele der Opfer hätten keine Kleidung getragen, diese sei verbrannt. Ein Kellner eines Nachbarlokals habe Handtücher gebracht, mit denen sich die Verletzten bedecken konnten. Als er näher gekommen sei, habe er gesehen, wie schwer die Brandverletzungen gewesen seien: Verbrannte Gesichter, Haare, Zähne, selbst in den Mündern sei es zu Verbrennungen gekommen.

«Es war schockierend. Es war unmöglich, ihnen unter diesen Umständen etwas zu trinken zu geben. Wir konnten ihnen nur den Mund befeuchten. Ich fühlte mich in diesem Moment hilflos.»

Doch nach dem ersten Schock machte sich Brugger unverzüglich daran, sich an den Rettungsmassnahmen zu beteiligen. Er brachte Patienten mit der Trage zu den Helikoptern, die nach und nach ankamen. Mit einer Krankenschwester, die er unterwegs antraf, richtete er danach im leergeräumten Gebäude der Walliser Kantonalbank eine provisorische Station ein, um die Verletzten von der Strasse wegzubringen.

Trotz schwerster Verletzungen hätten die jungen Menschen nicht geschrien. Stattdessen seien sie teilweise bei vollem Bewusstsein gewesen, hätten sich unterhalten und gegenseitig gestützt. Er habe angefangen, die Opfer mit den schwersten Verletzungen zu behandeln, sie mit Flüssigkeit zu versorgen. Das ist bei Brandopfern essenziell, da die Haut durch die Verletzungen die Flüssigkeit im Körper nicht mehr regulieren kann.

Bluttransfusionen in den Unterarm waren laut Brugger bei den meisten Opfern nicht möglich – zu schwer waren die Brandwunden in dem Bereich. Stattdessen begann er, mit noch begrenzten Ressourcen von den Rega-Einheiten, Infusionen im Bereich des Knöchels zu legen.

Besonders nahe ging im der Fall einer jungen Frau, die er zusammen mit der Pflegerin behandelte. Es gelang nicht, eine Infusion zu legen, weder am Arm noch am Knöchel. Deshalb entschieden sie sich, eine transossäre Punktion durchzuführen. Dabei handelt es sich um eine spezielle chirurgische Methode, bei der kleine Kanäle direkt in den Knochen gebohrt werden.

Die Krankenschwester habe diesen Eingriff durchgeführt, er habe das selbst noch nie zuvor gemacht. Das werde für gewöhnlich nie gemacht, oder eben nur in absoluten Notfällen. Die Krankenschwester habe also ohne Betäubung direkt ein Loch in den Knochen der Verletzten gebohrt, damit ihr Flüssigkeit und Morphin direkt ins Knochenmark verabreicht werden konnten. Die Verletzte habe geschrien.

The interior building where a fire broke out leaving people dead and injured, during New Year’s celebration, in Crans-Montana, Swiss Alps, Switzerland, Thursday, Jan. 1, 2026. (Police Cantonale Valais ...
In der Bar «Le Constellation» kam es an Neujahr zur Brandkatastrophe.Bild: keystone

Brugger war während mehr als drei Stunden im Dauereinsatz. Gegen 5.30 Uhr kehrte er in seine Wohnung zurück. Als Held sehe er sich nicht. Das seien viel eher die Angestellten der benachbarten Bar 1900 und die Feuerwehrleute, die ihr Leben riskierten, um die Opfer aus der brennenden Bar zu holen.

Insbesondere der Fall der letzten Patientin liess den pensionierten Chirurgen nicht mehr los. Er habe lange nicht gewusst, ob sie überlebt hat. Vor kurzem erfuhr er: Sie hat überlebt und wird in der Schweiz behandelt. Er würde sich, falls es gewünscht werde, freuen, sie zu treffen, so Brugger gegenüber «Le Temps». (con)

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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana
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Der nationale Trauertag für die Opfer von Crans-Montana

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quelle: keystone / jean-christophe bott
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Augenzeuge schildert seine Flucht aus der brennenden Bar
Video: ch media
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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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forevernewbie
14.01.2026 08:30registriert März 2018
Der blanke Horror.
Nicht auszumalen, wie es den verletzten Opfern geht und im weiteren Verlauf noch gehen wird.
Viel Kraft an alle.
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DrDolittle
14.01.2026 08:40registriert September 2018
Nur schon beim Lesen und die Vorstellung daran, was für ein Bild sich den Ersthelfern bot, lässt mich erschaudern. Vielen Dank an die zahlreichen Helfer, welche bei der Brandkatastrophe im Einsatz standen und immer noch stehen.

Und natürlich den Verletzten viel Kraft auf dem Weg zur Genesung.

Mögen die Verstorbenen in Frieden ruhen! Den Angehörigen viel Kraft!
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Villicht sött mer me Rede mitenand
14.01.2026 08:50registriert Juni 2025
Immernoch um Worte ringend - es tut mir unendlich Leid was diese vorwiegend jungen Menschen erleben mussten.
Ich wünsch allen Kraft,Zuversicht und das "wenigstens " die Brandwunden gut verheilen.

Allen Helfern die dort vor Ort beherzt gelofen haben trotz der schrecklichen Eindrücke - lieben Dank und hoffentlich werdet auch ihr entsprechend betreut u.begleitet um den ganzen Horror zu mindest einzuordnen.

Auch die Organisation der Spitäler war Top,bewundernswert wie präsent sie reagiert haben auch die Nachbarländer um Hilfe zu bitten.

Respekt allen!
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