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Kapuziner-Mönch vergewaltigte jahrelang Kinder – Orden und Bistum schauten weg



Le Frere Agostino Del-Pietro, provincial des capucins suisses, parle lors d'une conference de presse de La Province des Capucins suisse, sur les conclusions de l'enquete independante chargee d'examiner les abus sexuels d'un pere capucin sur le fribourgeois Daniel Pittet ce mardi 27 mars 2018 a Fribourg. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Kapuziner Agostino del-Pietro und Behörden informieren die Medien. Bild: KEYSTONE

Im Fall des Kapuzinerpriesters, dessen pädophile Übergriffe vor einem Jahr in einem Buch enthüllt wurden, haben der Orden und die katholische Kirche jahrelang weggeschaut. Das zeigt der am Dienstag präsentierte Untersuchungsbericht.

Wie der ehemalige Freiburger Kantonsrichter Alexandre Papaux in Freiburg vor den Medien sagte, hat die Untersuchung nichts an der Zahl der Opfer geändert. Es geht um 22 Kinder in der Schweiz und zwei in Frankreich.

Sie wurden Opfer eines heute 77-jährigen Mannes, dessen Übergriffe vor einem Jahr das Missbrauchsopfer Daniel Pittet in einem Buch enthüllte. Papst Franziskus höchstpersönlich lieferte dem Freiburger das Vorwort. Er bezeichnet darin Kindsmissbrauch als «fürchterliche Sünde». Der Kapuzinerorden kündigte in der Folge die Untersuchung an.

Wie diese nun zeigt, gingen erste Klagen zu Übergriffen des Kapuzinerpriesters in den 1970er Jahren ein. Die Oberen des Ordens gingen zuerst nicht auf die Klagen ein. Später begnügten sie sich damit, den Priester zu versetzen.

Alexandre Papaux, president de la commission d'enquete, avocat et ancien juge cantonal, parle lors d'une conference de presse de La Province des Capucins suisse, sur les conclusions de l'enquete independante chargee d'examiner les abus sexuels d'un pere capucin sur le fribourgeois Daniel Pittet ce mardi 27 mars 2018 a Fribourg. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Alexandre Papaux. Bild: KEYSTONE

Auch die Diözese Lausanne, Genf und Freiburg der katholischen Kirche blieb passiv gegenüber den Opfern und schaltete die Justiz nicht ein. Die Kirche rief auch dann nicht die Justiz auf den Plan, als der Priester 1989 einen noch nicht verjährten Missbrauch zugab.

Provinzial bittet um Vergebung

Der heutige Provinzial der Schweizer Kapuziner, Agostino del-Pietro, sagte am Dienstag in Freiburg, ein solcher Fall dürfe sich nie mehr wiederholen. Er bat im Namen seines Ordens um Entschuldigung. Ab sofort würden bei den Kapuzinern Fragen der Sexualität in die Aus- und Weiterbildung integriert.

Erst im Mai 2017 war der pädophile Priester, der heute in einem Kloster in der Ostschweiz lebt, vom Orden ausgeschlossen worden. Damals wurde er auch aus dem Priesterstand entlassen.

Der Ex-Priester stand nach Angaben der Schweizer Bischofskonferenz von vergangenem Jahr drei Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht. Zweimal ging es um verjährte Fälle, im dritten Fall sei der Mann 2012 zu einer Haft von zwei Jahren bedingt verurteilt worden. Dabei sei es um den Missbrauch zweier Opfer in den 1990er Jahren gegangen. Pittets Fall ist strafrechtlich abgeschlossen.

Bischof begrüsst Untersuchung

Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, begrüsste in einer Mitteilung vom Dienstag die Untersuchung der Kapuziner. Die Diözese habe der Untersuchungskommission, der drei Personen angehörten, zur Unterstützung ihre Archive geöffnet.

Auch habe das Bistum den Kontakt zu Opfern und Zeugen ermöglicht. Es geht um Personen, die sich seit der Veröffentlichung des Buches an die Diözese wandten.

Morerod ruft im Communiqué Opfer dazu auf, sich auf jeden Fall bei der Justiz zu melden. Auch falls ihre Fälle strafrechtlich verjährt sein sollten, könnten sich zwei für solche Fälle gebildete kirchliche Kommissionen um Wiedergutmachung kümmern. (sda)

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