International

Frauen-Demonstration in Paraguay zur Eliminierung der Gewalt gegen Frauen. Bild: AP/AP

Macron erklärt Gleichberechtigung zum zentralen Thema seiner Amtszeit

26.11.17, 15:33

Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen sind am Samstag weltweit Frauen für ihre Rechte auf die Strasse gegangen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahm den Tag zum Anlass, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit zu erklären.

Der französische Präsident begann seine Rede am Samstag mit einer Schweigeminute für die 123 Frauen, die 2016 in Frankreich von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet worden waren. 225'000 Frauen wurden in Frankreich im vergangenen Jahr Opfer physischer oder sexueller Gewalt durch ihre Partner, nur in jedem fünften Fall wurde Anzeige erstattet.

«Unsere gesamte Gesellschaft ist an Sexismus erkrankt», sagte Macron. «Frankreich darf keines dieser Länder mehr sein, in denen Frauen Angst haben.»

Drei Prioritäten

Der Staatschef nannte «drei Prioritäten» für die kommenden fünf Jahre: «Die Bildung und den kulturellen Kampf für die Gleichstellung», eine «bessere Betreuung der Opfer» sowie eine «Verstärkung der repressiven Massnahmen».

Macron erklärt die Gleichberechtung von Mann und Frau zum zentralen Thema während seiner Amtszeit. Bild: AP/AP

Konkret kündigte Macron die Einführung des Straftatbestands «sexistische Beleidigung» an sowie ein Schutzalter für einvernehmlichen Sex, das bei 15 Jahren liegen soll.

Damit mehr Menschen sich trauen, Gewalt, Sexismus und Diskriminierung anzuzeigen, werde ein Online-Dienst eingerichtet. Opfer könnten auf diesem Weg schnell und einfach Kontakt mit den Behörden aufnehmen, sagte Macron.

Er kündigte zudem eine besondere Aufmerksamkeit für Einwanderinnen und Französinnen an, die der Beschneidung unterzogen werden. «Diejenigen, die diese Barbarei betreiben», würden konsequent verfolgt.

Schulkinder sensibilisieren

Mit Blick auf die bereits für Kinder zugängliche Pornografie im Internet sprach sich Macron für eine stärkere Regulierung von Inhalten aus. Im kommenden Jahr solle es zudem Gesetzesänderungen geben, damit sexuelle Belästigung im Internet strenger geahndet werden kann.

In allen französischen Schulen soll es nach den Worten des Präsidenten zudem eine Unterrichtseinheit zum Thema Sexismus und Belästigung geben. Präsidentengattin Brigitte Macron soll sich für die Sensibilisierung von Schülern für das Thema einsetzen.

Feministische Vereine begrüssten Macrons Ankündigungen, forderten aber mehr Geld für deren Umsetzung. Die ressortübergreifend geplanten 420 Millionen Euro seien nicht ausreichend, erklärten die Aktivistinnen Caroline De Haas und Ernestine Ronai.

Die Enthüllungen über sexuelle Übergriffe des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein haben in Frankreich wie in vielen anderen Ländern eine Debatte über sexuelle Gewalt und Diskriminierung entfacht.

Kundgebungen in verschiedensten Ländern

Am Samstag gab es in zahlreichen Städten weltweit Demonstrationen gegen Gewalt an Frauen. In Paris wurde ein Protestmarsch mit rund 2000 Teilnehmern von schwarz gekleideten Frauen angeführt, die Schilder mit den Namen von Todesopfern um den Hals trugen.

«Wenn eine Frau Nein sagt, dann ist es Nein», so das Schild einer Demonstrantin in Montevideo. Bild: EPA/EFE

In der Schweiz machten Frauen und Männer in zahlreichen Städten aufmerksam auf Gewalt an Mädchen und jungen Frauen. In Bern wurde ein Flashmob organisiert, in Genf eine Menschenkette gebildet. Der Springbrunnen Jet d'Eau leuchtete orange auf - die Farbe, welche den Kampf der Frauen symbolisiert.

Modeschau mit Opfern von Säureangriffen

Auf dem Taksim-Platz in Istanbul machten Demonstranten auf die Ermordung von Frauen aufmerksam - gemäss Aktivisten ist die Zahl der ermordeten Frauen in der Türkei seit 2011 deutlich angestiegen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versprach am Sonntag eine konsequente Bestrafung von Gewalttaten gegen Frauen. Die Regierung arbeite an einem Programm, das auch Zwangsheirat und Kinderehen bekämpfen werde.

In Madrid, Kosovo, Peru und Mexiko-Stadt gab es ebenfalls Demonstrationen anlässlich des Tags gegen Gewalt an Frauen. In einem UNO-Bericht war Mexiko erst vor wenigen Tagen als das für Frauen gefährlichste lateinamerikanische Land genannt worden.

In Indien gab es anlässlich des Tages gegen die Gewalt an Frauen eine Modeschau von und für Säure-Opfer. Bild: EPA/EPA

In Indien gab es erstmals eine Modeschau mit Frauen, deren Gesichter durch Säureangriffe entstellt worden waren. Die Angriffe geschehen zumeist durch Ehemänner oder nahe Familienmitglieder. Jedes Jahr werden hunderte dieser Angriffe gemeldet, die Dunkelziffer wird auf Tausende geschätzt. (leo/sda/afp/dpa)

Weit entfernt von Gleichberechtigung, aber schon viel näher

1m 22s

Weit entfernt von Gleichberechtigung, aber schon viel näher

Video: srf

Lismen statt lafern im Bundeshaus

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Dr.Bogyman 26.11.2017 17:43
    Highlight Macron könnte auch die Schulden von Frankreich zu einem centralen Thema machen.
    Andererseits versteh ich auch nicht wieso es für Vergewaltiger nicht so harte Strafen gibt. Wenn man aber einem Polizisten nur schon ein Härchen krümmt, es einem schon extrem an den Kragen geht.
    6 6 Melden
  • Enzasa 26.11.2017 17:05
    Highlight 👍🏻
    5 7 Melden

Reden wir nicht von Sex, sondern von Geld. Ist es Zeit für einen #MeToo-Strategiewechsel?

Catherine Deneuve schimpft auf die übersensiblen Amerikanerinnen. Sie hat nicht nur unrecht, sollte dabei aber auch die eigene ökonomische Realität im Auge behalten. Der Lohngraben zwischen den Geschlechtern zeigt klarer als jede Diskussion über übergriffige Griffe, wer wem überlegen ist.

Catherine Deneuve und 100 weitere Französinnen haben ein Pamphlet geschrieben, das auf dem Recht der Männer (und Frauen) beharrt, sich gegenseitig anmachen und dabei auch schon mal ein bisschen zulangen zu dürfen. Und das von den Frauen fordert, sich nicht immer als Opfer zu sehen.

Das Pamphlet ist auf typisch französische Art nicht sonderlich genau in der Wortwahl und tendiert zur Frivolisierung der Debatte, aber hey, so wie auch kein Gesicht symmetrisch ist, hat auch keine Geschichte zwei …

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