Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nach dem Schnee droht die Flut: «Das wird schlimmer als 1999, viel schlimmer»

Kaum einer kennt sich besser aus mit Lawinen als Werner Munter. Die aktuelle Situation sei äusserst kritisch. Die eingeschneiten Touristen tun ihm nicht leid. Sorgen macht ihm etwas ganz anderes.

23.01.18, 05:33 23.01.18, 09:14

Samuel Schumacher / Nordwestschweiz



Werner Munter steht bis zum Bauch im Schnee, als das Handy klingelt. Rund um ihn herum liegt meterhoch weiss glitzerndes Pulver, am Hang hinter ihm steht sein eingeschneites Haus; das höchstgelegene im Walliser Ort Arolla zuhinterst im Val d’Hérens. 

Werner Munter

«Wenn es jetzt wärmer wird, dann gibts eine Katastrophe.» Bild: aargauer zeitung / Emanuel Per Freudiger

«Der Sicherheitsdienst der Gemeinde hat mich heute Morgen angerufen und gesagt, ich solle das Haus nicht verlassen», erzählt der «Lawinenpapst» dem Reporter am Telefon. «Aber der Hund muss halt auch mal Pipi machen.»

«Bliibed deheim, ganz eifach!»

Werner Munter

Das Werk «3×3 Lawinen», das Munter in den 90er-Jahren geschrieben hat, gilt als Standardwerk der Lawinenforschung. Kaum einer in der Schweiz weiss mehr über die Gefahren der weissen Macht als der einstige Bergführer, der vor seiner Pensionierung 2006 zehn Jahre lang für das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos gearbeitet hat. Seine Ex-Kollegen in Davos haben für weite Teile des Wallis, des nördlichen Alpenkamms und für Teile des Kantons Graubünden die höchste Lawinengefahrenstufe (Stufe 5, «sehr gross») ausgerufen.

Der viele Schnee, die stürmischen Winde und die überdurchschnittlich hohen Temperaturen würden zu einer aussergewöhnlichen Situation führen, teilt das SLF mit. Erwartet werden auch teilweise grosse Lawinen, die bis in die Täler vorstossen und auch sonst weniger betroffene Verkehrswege und Gebäude gefährden könnten. Nicht zuletzt darum blieben Ortschaften wie Andermatt, Elm oder Zermatt auch gestern von der Umwelt abgeschnitten.

Sagt die Touren ab!

Werner Munter macht die aktuelle Situation Sorgen. «In den vergangenen 36 Stunden haben wir hier einen Meter Neuschnee gekriegt.» Problematisch sei aber nicht in erster Linie der viele Schnee, sondern die steigende Temperatur. «Wenn es jetzt wie angekündigt wärmer wird, dann gibts eine Katastrophe», erklärt der Wahl-Walliser in breitem Bernerdialekt. Damit sich der Schnee setzen könne, brauche es Zeit und Kälte. Fehlt die Kälte, dann sei das Risiko gross, dass ganze Schneedecken abgleiten und Lawinen auslösen, sagt Munter.

Video: srf

Wallis versinkt im Schnee

Video: © sda-Video

Wie verheerend solche schweren Nassschneelawinen sein können, zeigte sich zuletzt 1999. Im damaligen «Lawinenwinter» kamen in der Gemeinde Evolène, zu der auch Munters Wohnort Arolla gehört, am 21. Februar zwölf Menschen in einer Lawine ums Leben. Munter selbst wurde damals evakuiert und verbrachte mehrere Tage im Hotel du Mont-Collon.

Tiefere Lagen: Hochwasser und Schlamm

Während in den Alpen der Schnee zu Einschränkungen führte, zeigten die starken Regenfälle im Unterland ihre Auswirkungen. Im Jura etwa war die Bahnlinie zwischen Cortébert und Courtelary wegen Hochwassers unterbrochen. Und in Champéry VS lief der Fluss über und hat eine Schlammlawine durch das Dorf gespült.
Auch an den grossen Flüssen in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau ist das Hochwasserrisiko gestiegen. Die Rheinschifffahrt zwischen Rheinfelden AG und der Schleuse Kembs (F) ist wegen Hochwassers gestern gar eingestellt worden. (sda/nch)

Der Vergleich mit dem Lawinenwinter hinke aber, sagt er. «1999 lag in Evolène nur etwa ein halber Meter Schnee. Der grosse Schneefall kam damals erst nach den Lawinengängen.» Heute lägen teilweise bis zu viereinhalb Meter Schnee an den Hängen. «Wenns hier reinregnet, wird das schlimmer als 1999, viel schlimmer», fürchtet Werner Munter.

Schneechaos in der Schweiz

Allen Wintersportlern rät er in den kommenden Tagen dringend, die geplanten Ausflüge in die Berge abzusagen. «Bliibed deheim, ganz eifach!» Jetzt rauszugehen, könne fatal enden. Und an Ski- oder Schneeschuhtouren sei in den verschneiten Alpenräumen sowieso kaum zu denken. «Ich sinke mit meinen Schneeschuhen knietief ein. Man kommt kaum vorwärts.» Wenn es in den kommenden Tagen kälter werde, dann sehe die Situation vielleicht bald besser aus.

Opfer sind die Tiere

Wie das Wetter auch wird: Werner Munter ist vorbereitet. «Ich wäre dank meinen Müesli- und Milch-Vorräten rund zehn Tage autark», erzählt er. «Zudem habe ich einen Gaskocher mit Gas für rund fünf Stunden.» Selbst wenn der Strom ausfallen würde, könnte er notfalls kochen. Nur seine Lebenspartnerin sieht er wohl ein paar Tage lang nicht. «Die ist in unserem Chalet in Vernamiège. Aber wir telefonieren, es geht uns prima.» Im Grunde seis ja eigentlich wunderbar, dass so viel Schnee liege. «Das ist endlich mal wieder ein richtiger Winter.»

Trotzdem: Eine Sache macht dem bärtigen Bergler Sorgen. Nicht die rund 9000 Touristen, die in Zermatt derzeit festsitzen, nein. «Die sind ja ausgerüstet, die sollen nicht klagen», sagt Munter. «Sorgen machen mir die Tiere. Ich beobachte hier Eichhörnchen, die sich nicht mehr bis zu ihren Vorräten durchgraben können. Und auch meine zehn Kilo Vogelfutter sind schon fast verbraucht.» Munter schätzt, dass bis zu 50 Prozent der Vögel in den betroffenen Gebieten verhungern könnten. «An die Rehe und Gämsen will ich gar nicht denken: diese armen Viecher …»

Dann hängt Munter auf und stapft zurück in die warme Stube. Da wird er bleiben, bis die weisse Gefahr in ein paar Tagen gebannt und der Spuk vorüber ist – genau wie die Touristen in Zermatt und all den anderen abgeschnittenen Ortschaften. Nur hat Munter im Vergleich zu ihnen keine Jass- und Gesprächspartner. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

«Dünne Menschen sind Arschlöcher»

Jetzt kommt das Gratis-Internet in den Zügen – es sei denn, du bist Swisscom-Kunde

In der Schweiz leben 2 Millionen Ausländer – aber aus diesen 3 Ländern ist kein einziger

Norilsk no fun? «Im Gegenteil», sagt Fotografin Elena Chernyshova

Wenn Instagram-Posts ehrlich wären – in 7 Grafiken

Wir haben Schweizer Eishockey-Stars verunstaltet – erkennst du sie trotzdem?

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • PaLve! 23.01.2018 10:17
    Highlight Ich sehe schon Trump: So viel Schnee?? Nein, Klimawandel gibts nicht
    45 10 Melden
    • Snowy 23.01.2018 10:47
      Highlight Genau dasselbe gedacht!

      Interessanterweise ist´s ja genau der Klimawandel, der uns soviel Schnee (Niederschlag) und warme Temperaturen beschert.

      Normalerweise fällt Niederschlag im Januar bis in tiefe Lagen - heute regntes bis 1600 M.ü.M.
      47 8 Melden
    • rodolofo 23.01.2018 11:51
      Highlight Oder: "I have seen so much snow! It was fantastic! Huge! I am the president that has seen the most snow ever in Davos! I'm such a genius!"
      35 4 Melden
  • rodolofo 23.01.2018 09:37
    Highlight Je mehr wir die Natur unter Kontrolle zu bringen versuchen, desto mehr gerät sie ausser Rand und Band...
    Das gilt übrigens auch für die menschliche Natur!
    Darum sollten wir vom Irrweg der gekünstelten Über-kultivierung abweichen und wieder mehr in Richtung freie Natürlichkeit gehen!
    Einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen haben dabei die letzten Reservate der Wildheit:
    Urwälder, Sümpfe, frei mäandrierende Flussläufe, Indigene Naturvölker, moderne KünstlerInnen, "Behinderte" und "Verrückte"!
    Wenn wir diese nicht mehr verachten und belächeln, wird es auch uns wieder besser gehen!
    41 24 Melden
    • Luku luku 23.01.2018 11:28
      Highlight Aber Kontrolle ist einfacher.. Oder so
      3 2 Melden
    • rodolofo 23.01.2018 12:06
      Highlight In vielem sogar wesentlich aufwändiger!
      Darum erzählt der Schöpfungs-Mythos ja auch von der "Vertreibung aus dem Paradies"!
      Dieses Paradies sollten wir uns allerdings nicht mit Fake-News als flauschigen Wölkchen-Himmel mit Harfen-Klängen, oder als Schlaraffenland-Garten vorstellen!
      In Wahrheit ist das Paradies zugleich eine karge Halbwüste, oder eine "Grüne Hölle" mit giftigen Pflanzen und Tieren und mit gefährlichen Raubtieren, Krankheits-Erregern und Parasiten!
      So gesehen leben wir auch heute noch in einem Paradies, einfach in einem, welches sich evolutionär weiterentwickelt hat...
      4 4 Melden
    • Es ist Nachgerichtet 23.01.2018 21:39
      Highlight Ziemlich selten dass ich dich Herze. Der Ursprungspost hat das aber verdient. Vielleicht reflektierst du auch mal was du sonst so kommentierst im Lichte deiner vorherigen Worte.
      Ich verteile lieber Herze als Blitze :)
      1 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Scaros_2 23.01.2018 08:25
    Highlight Und alle die in flussgegenden wohnen können schon einmal anfangen die keller leer räumen und sachen in sicherheit bringen. Das wasser wird kommen. Unweigerlich
    168 4 Melden
    • Humpe 24.01.2018 00:21
      Highlight Die Frage ist nur, in welcher zeitlichen Verteilung das Wasser kommt. Reine Schmelze produziert kein extremes Hochwasser. Dazu braucht es ergiebigen Regen. Die Disposition ist sicher vorhanden und muss im Auge behalten werden.
      0 0 Melden
  • Snowy 23.01.2018 08:07
    Highlight Grossartiger Mensch und Forscher!
    Lese noch immer mindestens einmal pro Winter in seinem Standardwerk 3x3 Lawinen.

    Morgen Mittwoch werden im Schweizer Alpenraum leider einige Variantenfahrer (auf Tour geht morgen ohnehin niemand) ihr Leben verlieren.
    Weil:
    - Erster schöner Tag nach historischen Schneefällen (noch immer Stufe gross)
    - Temperaturanstieg bevor sich der Schnee gesetzt hat.


    107 4 Melden
  • Bär73 23.01.2018 07:12
    Highlight Wenigstens EINER der auch an die Tiere denkt !!
    481 13 Melden
    • LeChef 23.01.2018 09:51
      Highlight Wenn das Wetter garstig ist, dann sterben Tiere eben manchmal. Das ist der Lauf der Dinge.
      29 17 Melden
    • Bär73 23.01.2018 10:52
      Highlight So ist es. Habe auch nichts anderes behauptet. Ich sagte nur dass endlich auch mal jemand die Tiere erwähnt und nicht nur die "armen" eingeschneiten Touristen (die übrigens in der warmen Stube sitzen können).
      Achja....ich habe halt lieber Tiere als Menschen. Sie sind einfach ehrlicher 😉
      53 7 Melden

Drei Personen nach Schiesserei in Oberentfelden AG notoperiert

Bei einer Schiesserei in einem privaten Club in Oberentfelden AG sind in der Nacht auf Sonntag drei Personen teils schwer verletzt worden. Sie befinden sich nach einer Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr. Die Hintergründe der Tat sind noch unklar.

Die kantonale Notrufzentrale erhielt gegen Mitternacht eine Meldung, wonach in Oberentfelden Schüsse gefallen seien. Die Patrouillen konnten vor dem Vereinslokal Blutspuren feststellen, welche ins Innere des Gebäudes führten.

Zeitgleich erhielt die …

Artikel lesen