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Klaus Zaugg im Interview mit Tom Lüthi und Dominique Aegeter. bild: watson

Lüthi zu Kumpel Aegerter: «Bringen wir es auf den Punkt: Du bist viel zu oft am Handy»

Tom Lüthi gehört in der am Sonntag in Katar beginnenden Töff-Saison zu den Topfavoriten auf den Moto2-Titel. Nicht mehr in seinem Team ist Dominique Aegerter. Im watson-Interview sprechen sie über Rennsport, Freundschaft und Handy-Sucht.

25.03.17, 07:53 25.03.17, 09:42

Nach zwei Jahren im gleichen Team trennen sich die Wege der Töffstars Tom Lüthi und Dominique Aegerter wieder. Vor dem ersten GP am kommenden Wochenende in Doha (Katar) blicken die beiden Schweizer im Doppelinterview auf die gemeinsame Zeit zurück.

Beim letzten gemeinsamen Interview am 14. August 2014 fuhren Sie beide noch nicht im gleichen Team – und jetzt sind Sie beide nicht mehr im gleichen Team.
Tom Lüthi: Ja, das war vor zwei Jahren ...
Dominique Aegerter: ... in einer anderen Zeit.
Lüthi: Viel ist passiert, viel hat sich verändert seither, wir sind beide älter geworden.

Was war die grösste Veränderung?
Lüthi: Ich überlege gerade, was ich in diesen zwei Jahren alles von Domi gelernt habe.
Aegerter: Ha, ha. Aber wir sind Freunde geworden und waren gemeinsam in den Ferien.
Lüthi: Das war cool, ja, das sollten wir auch künftig wieder einmal machen. Es war wirklich toll, was wir gemeinsam erlebt haben.
Aegerter: Ja, wir haben einiges gemeinsam erlebt.

Dominique Aegerter und Tom Lüthi sind gute Kollegen, aber keine Freunde geworden. bild: watson

Seid ihr wirklich Freunde geworden?
Aegerter: Ja, ich denke schon.
Lüthi: Wir sind durch die gemeinsame Zeit im gleichen Rennteam im Laufe der zwei Jahre sehr gute Kollegen geworden. Freunde sind etwas anderes: Freunde sind meine Vertrauten schon aus der Schulzeit. Aber ich hätte ja schon nie gedacht, dass ich mal mit dir Ferien mache.
Aegerter: Ich habe dich vorher nicht gut gekannt und falsch eingeschätzt. In den zwei Jahren haben wir uns besser kennengelernt und ich habe jetzt ein anderes Bild von dir. Wir haben ja tatsächlich viel erlebt und es ist gut, dass vieles davon unter uns bleibt. Das gehört zu einer guten Kollegschaft.

Wie hat sich das Bild von Tom verändert?
Aegerter: Ich dachte immer, Tom sei zurückgezogen, nicht so offen und immer so ernsthaft und nicht für Spass zu haben. Aber er ist auf dem Rennplatz einfach konzentriert.

Tom, sind Sie ein Schauspieler?
Lüthi: Ja, ich glaube schon. Es ist so, wie Domi sagt: Wenn es um den Job geht, dann mache ich keine Kompromisse und ich bin hundertprozentig konzentriert. Es kann sein, dass ich dann auf andere reserviert oder fast abweisend wirke. Das bin ich mir bewusst. Aber wenn es nicht mehr um den Job geht und ich in einem Umfeld bin, zu dem ich Vertrauen habe, dann bin ich bewusst lockerer und für einen Spass zu haben.

Haben Sie Vertrauen zu Domi?
Lüthi: Ja, auf jeden Fall.
Aegerter: Das gilt auch für mich und es müssen wirklich nicht immer alle alles wissen, was wir gemeinsam unternommen haben.

Jetzt seid ihr wieder Gegner. Ändert sich dadurch etwas?
Lüthi: Es ändert sich nichts an unserem guten Verhältnis. Aber wir sind nun wieder in verschiedenen Teams, wir reisen nicht mehr gemeinsam und verbringen weniger Zeit zusammen.

Bringen die getrennten Wege für Sie, Dominique, auch eine Befreiung?
Aegerter: Ja, ja, das musste ja kommen. Ja, ja, ich habe jetzt keinen Lüthi-Komplex mehr, weil ich nicht mehr in seinem Team bin. Für mich ist es gleich wie für Tom. Wir verbringen nun weniger Zeit zusammen und sonst ändert sich nichts. Ich hoffe, dass ich ihn nun auf der Rennpiste wirklich herausfordern kann. Wir warten ja alle darauf, zwei Schweizer auf dem Podest zu sehen.

Aegerter will mit Lüthi um Podestplätze kämpfen. Bild: EPA/EFE

Wann ist es so weit?
Aegerter: Beim Saisonauftakt am 26. März haben wir die erste Chance.

Aber es ist eben schon so, dass Sie im gleichen Team wie Tom immer kleiner geworden sind.
Aegerter: Ich bin immer noch 174 Zentimeter gross. Ich bin also nicht kleiner geworden. Ja, meine Leistungen stimmten in den zwei Jahren nicht. Aber was sind die Gründe? Dass Tom mein Teamkollege war? Weil wir auf Kalex umgestiegen sind? Weil ich schwer gestürzt bin? Es gibt viele Ursachen.

Aber Sie wirken jetzt selbstsicherer, lockerer.
Aegerter: Aber nicht, weil Tom nicht mehr mein Teamkollege ist. Es ist vieles anders geworden. Die Sportler-RS im vergangenen Winter hat mir auch geholfen. Der Militärdienst hat Spass gemacht und ich konnte von den anderen Spitzensportlern viel lernen und einen Schritt vorwärts machen. Und es hat gutgetan, während des Winters sechs Wochen in Spanien zu trainieren. Ich fahre jetzt mit der Suter wieder die Maschine, die ich wollte, und fühle mich in einem neuen Team wohl.
Lüthi: Ich verstehe, was du meinst. Wenn immer alles gleich ist, dann tut ein Wechsel manchmal gut. Ja, manchmal ist ein Wechsel notwendig. Ich denke, dass es nicht der Wechsel von der Kalex zurück auf die Suter ist, der dir helfen wird, sondern einfach der Wechsel in ein anderes Team.

Warum waren Sie im gleichen Team gut und warum Dominique nicht?
Lüthi: Wir hatten ja beide innerhalb des Teams unsere eigenen Leute. Ich habe aber am Rande mitbekommen, dass es zwischen Domi und dem Cheftechniker nicht gepasst hat. Das spielte eine wichtige Rolle. Aber es ist nicht so, dass seine Resultate etwas mit meiner Präsenz zu tun haben. Ich wollte ihm nicht etwas wegnehmen.
Aegerter: Das sehe ich ja auch so. Natürlich habe ich, als bekannt wurde, dass du in unser Team kommst, auch gedacht: Du und ich im gleichen Team, das geht nicht.
Lühti: Das ging mir auch so.
Aegerter: Aber wir haben uns schnell zusammengerauft und wir haben nie gegeneinander gearbeitet und ich hatte nie das Gefühl, dass du mir etwas wegnimmst. Das Problem warst nicht du. Es war die Summe vieler Kleinigkeiten, die mich um die Resultate gebracht haben.

Zwei Alphatiere im gleichen Team – geht das überhaupt?
Lüthi: Es gibt Beispiele, die zeigen, dass es funktioniert.

Aber bei euch hat es nicht funktioniert.
Aegerter: Ja, aber nicht, weil wir Probleme miteinander hatten. Tom war in diesen zwei Jahren einfach zu gut. So einfach ist das.
Lüthi: Deine Schwierigkeiten hatten nichts mit unserem Charakter zu tun. Bringen wir es doch auf den Punkt: Du wirst viel zu sehr von deinem Handy abgelenkt. Ständig bist du mit diesem Ding beschäftigt. Aber Konzentration ist das A und O in unserem Sport.
Aegerter: Na ja, ich bin schon ein wenig handysüchtig.
Lüthi: Ein wenig? Du bist ganz schwer handysüchtig. Du drehst ja gleich durch, wenn du mal irgendwo keine Verbindung kriegst und keinen Zugang zum Internet hast. Du funktionierst ohne Internetverbindung gar nicht mehr.
Aegerter: Es ist eben auch ein Zeitvertreib. Ich kann schauen, was meine Kollegen so machen ...
Lüthi: ... und die Kolleginnen.
Aegerter: Die Kolleginnen auch, ja. Das gehört halt dazu. Aber während der Arbeit lasse ich mich nicht ablenken. Du bist nicht der Einzige, der deswegen ständig hinter mir her ist. Auch der Sigi (Manager von Aegerter, Anm. d. Red.) sagt das immer wieder und er wollte mir schon das Handy wegnehmen.

Die drei Schweizer Moto2-Piloten: Lüthi, Aegerter und Jesko Raffin. Bild: Waldemar Da Rin

Was hätten Sie getan, wenn er Ihnen das Handy weggenommen hätte?
Aegerter: Ich hätte heimlich ein neues gekauft.
Lüthi: Schaltest du das Handy überhaupt einmal aus?
Aegerter: Ja, wenn ich schlafen will.
Lüthi: Aber was machst du, wenn jemand Hilfe braucht? Dann bist du nicht erreichbar. Ich lasse es eingeschaltet.

Sind die Unterschiede im Fahrstil auch so offensichtlich wie bei der Handynutzung?
Lüthi: Ja, die Unterschiede sind so gross, dass sie sogar bei den TV-Bildern gut ersichtlich sind. Ich fahre flüssiger, runder.
Aegerter: Ich habe deinen Stil auch probiert. Es ging nicht. Aber ich bin jetzt lockerer drauf als vor einem Jahr.

Luethi und Aegerter im gleichen Team – das ging nicht. Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Wisst ihr eigentlich, wie viel der andere verdient?
Aegerter: Äh, nein, darüber haben wir noch nie gesprochen.
Lüthi: Das Geld war noch nie ein Thema.

Wer von euch verdient mehr?
Aegerter: Also bei mir ist es nach den letzten zwei Jahren schon weniger geworden. Ich denke, du verdienst mehr.
Lüthi: Dann lassen wir das so stehen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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