Wirtschaft

Bitcoin steht vor einem weiteren Scheideweg. Im November wissen wir mehr.

Um Bitcoin tobt ein Machtkampf – und trotzdem steigt der Preis! Wir erklären weshalb

11.10.17, 14:17 12.10.17, 03:11

Um die Mutter aller Kryptowährungen ist ein Streit entfacht. Ein Streit, der im Moment vor allem sein positives Gesicht zeigt: ein Börsenkurs, der steil nach oben zeigt. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein.

Weshalb wird denn gestritten?

Bitcoin hat Schwächen und muss sich weiterentwickeln: Zum Beispiel bei den Transaktionskosten oder auch bei der Transaktionsgeschwindigkeit. Andere, ebenfalls auf der Blockchain-Technologie basierende Projekte sind Bitcoin nicht nur in dieser Hinsicht bereits überlegen.

Um den Anschluss nicht zu verpassen, braucht es Updates. Und genau darum geht es bei diesem Streit. Die verschiedenen Parteien sind sich nicht mehr einig, wie dieses aussehen soll. 

Man sieht sie, aber nur selten: Bitcoin-Automaten. Noch sind ihre Transaktionszeiten für den Alltagsgebrauch zu gross. Bild: KEYSTONE

Okay, es geht um ein Update ...

Genau: Ursprünglich wurde für Bitcoin ein Update-Paket beschlossen. Das sogenannte SegWit2x. Segwit2x besteht aus zwei Elementen, einem Update auf SegWit und einer Erhöhung der Blockgrösse in der Blockchain von einem Megabyte auf zwei Megabyte.

Das Update auf SegWit erfolgte im August – und verlief ebenfalls nicht ohne Streit. Als Folge dieses Zwists entstand die zusätzliche Kryptowährung Bitcoin Cash.

Im November, so will es die ursprüngliche Abmachung (das sogenannte New-York-Protokoll), soll nun die Blockgrössenerweiterung stattfinden. Doch dagegen regt sich Widerstand. Frühere Supporter dieser Idee haben sich plötzlich zurückgezogen. Es herrscht ein Machtkampf.

Was sind die möglichen Konsequenzen dieses Streits?

Eine Anpassung der Blockgrösse ist nur durch eine sogenannte «Hard Fork» möglich – eine radikale Abnabelung von der alten Blockchain. Im Idealfall stirbt die alte Version ab und die neue kann ungestört prosperieren. Die Gegner der Blockchainvergrösserung wollen die alte Blockchain aber am Leben erhalten. Die Folge ist, dass zwei verschiedene Blockchains und damit auch zwei Kryptowährungen weiterexistieren würden.

Ist doch kein Problem! Koexistenz!

So einfach ist es nicht. Die wichtigste Frage, die geklärt werden muss, ist, welche der beiden Währungen sich weiterhin Bitcoin nennen darf und wer einen neuen Namen (Bitcoin Gold zum Beispiel oder Bitcoin 2X) annehmen muss? Beide Parteien nehmen im Moment das Label Bitcoin für sich in Anspruch. 

Ein weiteres Problem ist, dass das Bitcoin-Netzwerk aus verschiedenen Pfeilern besteht: Miner, Entwickler, User und Business-Leute. Nur ein Zusammenspiel dieser Gruppen ermöglicht das Funktionieren des Netzwerks.

Es sind aber genau Exponenten dieser Gruppen, die unterschiedliche Vorstellungen der Blockgrösse haben. So haben bereits diverse Entwickler angedroht, ihre Arbeit an Bitcoin niederzulegen, sollte sich die Angelegenheit nicht in ihrem Sinne entwickeln.

Die Chancen stehen gut, dass wir nach Bitcoin Cash bald eine weitere Bitcoin-Abspaltung sehen werden. Bild: AP/AP

Uiuiui. Tönt ja schlimm. Und trotzdem steigt der Preis?

Das liegt an der Architektur der Blockchains. Eine potentiell neue Kryptowährung basiert auf derselben Blockchain wie Bitcoin. Deshalb werden bei einer Abnabelung aus Bitcoinbesitzern automatisch auch Halter der neuen Währung (sofern man im Besitz der eigenen Schlüssel ist und die Coins nicht auf einer Tauschbörse gelagert werden). Die Annahme ist nun, dass bei einer Koexistenz ohne gegenseitige Kompatibilität diese Coins verkauft werden könnten, ohne den Verlust der Original-Bitcoins zu riskieren. Jetzige Bitcoin-Besitzer kämen quasi zu «Gratis»-Coins.

Unter anderem auch wegen dieser Annahme ist die Nachfrage nach Bitcoin und damit auch der Preis in den letzten Tagen wieder drastisch gestiegen.

Aber dann müsste sich der Preis von Bitcoin doch gleich nach der Abnabelung  (um den Wert der neuen Währung) verringern!

Ja, das wäre die logische Konsequenz. Doch logisch ist im Kryptomarkt nicht mehr viel. Die Annahme der jetzigen Investoren ist, dass die Einnahmen mit dem Verkauf des neuen Coins höher liegen, als der Verlust durch den Bitcoin-Kurssturz.

Wie der unlogische Kryptomarkt so spielt, kann es sogar sein, dass der erwartete Kurssturz ausbleibt, das Gegenteil eintrifft und der Kurz explodiert. Das ist Teil der Spekulation, das ist Teil des Spiels, das ist Teil der Faszination. In dem Sinn: Viel Glück in den kommenden Tagen. Es kann noch heiter werden.

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tatwort 12.10.2017 01:38
    Highlight Wem soll ich vertrauen: Einer Gruppe von Leuten, denen primär (pekuniäre) Macht am Herzen liegt, die also mit allen Mitteln versuchen, sich die Zukunft von Bitcoin für den eigenen Profit unter den Nagel zu reissen,
    oder
    einer Gruppe von Entwicklern, zugegebenermassen zum Teil semi-autistisch, aber im Bewusstsein, dass es hier um viel Geld geht. Auch um das anderer Leute. Und dass deshalb Sicherheit das oberste Gebot ist?
    Ich für meinen Teil habe mich schon vor langem entschieden: NOX2. Segwit ja, Segwit2X/NYA Nein.
    5 0 Melden
  • salamandino 11.10.2017 19:33
    Highlight Mein Input dazu:
    25 0 Melden
    • remim 11.10.2017 21:36
      Highlight 😎😎😎
      11 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 17:03
    Highlight Wer mit Bitcoin rumspielen will sollte sich zuerst etwas seriös informieren. Dazu gibt es genügend Youtube Kanäle von den unterschiedlichsten Lagern.
    Vorallem wichtig zu wissen ist, was die fehlende Replayprotection beim 2x fork bedeutet, sonst ist man auf einmal seine Bitocin los und weiss nicht warum.

    Hardcore Bitcoiner sind da durchaus auch der Meinung das es gut sei, wenn dumme Bitcoinhalter ihre Coins verlieren (nicht meine Meinung).
    10 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 18:38
      Highlight Ich bin auch im No2x Lager aber eine Replayprotection ist für 2x vorhanden.

      kurz: Replayprotection durch einen zweiten Output bei der Transaktion an eine "Botaddresse" so wird der Output auf der anderen Chain gesperrt.

      lang: siehe Video
      3 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 21:47
      Highlight Du hast ja schon recht. Das Problem ist aber das man dies wissen muss, und so viel ich weiss, muss man dazu den letzten Core als Fullnode am laufen haben.
      Wer das nicht weiss und vieleicht noch eine ältere Wallet am laufen hat, hat eben ein gewisses Risiko.
      2 0 Melden
  • Tikvaw 11.10.2017 15:47
    Highlight Bei Bitcoin Cash ist zumindest am Anfang der Kurs tatsächlich explodiert. Wer seine "gratis" BitcoinCash danach auf dem Höchststand verkaufen konnte, erhielt pro Coin ~$850. Zurzeit sind es immerhin noch ~$300.

    Genauso wird es (eventuell) mit dem neuen Fork laufen.
    Wenn man also jetzt Bitcoins kauft besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass man den neuen Altcoin ebenfalls wieder mit Profit verkaufen kann. Wann bei diesem dann der Zeitpunkt zum Verkauf gekommen ist, ist natürlich DIE Frage ;-)



    2 0 Melden
    • mal! 11.10.2017 19:36
      Highlight Genau diese 'Free Money' Gier wird dazu führen, dass es immer wieder Splits gibt, bis der Ruf von BTC endgültig ruiniert ist. Boykottiert die Splitcoins einfach.
      13 0 Melden
    • Tikvaw 12.10.2017 10:09
      Highlight Ach bitte... "Bitcoin" als "Retter der Menschheit" vor den "bösen Banken und Shareholders" ist doch schon seit Jahren gestorben (hatte nie die Chance).

      Das ist ja gerade das witzige daran. Die Bitcoin Community hat sich mit ihrem eigenen kapitalistischen Denken selbst zerfleischt.
      Oder noch besser: sie hat die inhärente menschliche Gier tabulos ans Licht gebracht.

      Und Schuld an diesen "Splits" ist nicht der einzelne Spekulant oder Käufer sondern die Mining-Konglomerate etc, die (wer hätte es gedacht) in den Händen von reichen Kapitalisten liegen.
      3 0 Melden
  • freezeee 11.10.2017 15:10
    Highlight @Partik Toggweiler Heisst das ich bekomme ein Bitcoin Gold gratis wenn ich ein Bitcoin halte, aber nur in einem Cold Wallet z.B JAXX wallet?
    7 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 17:50
      Highlight Ja.
      Es sei denn dein Exchange der deine Bitcoins verwaltet, schreibt dir die gut.
      7 0 Melden
    • xHascox 11.10.2017 18:48
      Highlight Bei der tauschbörse poloniex erhielt man als btc besitzer auch bitcoincash
      2 0 Melden
    • Patrick Toggweiler 11.10.2017 23:03
      Highlight @freezeee: Im Moment sieht es danach aus. Wie die Fork dann tatsächlich abläuft und ob überhaupt genug Hash-Power vorhanden ist für eine weitere Währung, wird sich zeigen. Sicher ist im Moment nur die Unsicherheit.
      3 0 Melden
    • bubu108 11.10.2017 23:26
      Highlight Bitcoin Gold nutzt Equihash als Hashing Algo und nicht SHA256 wie Bitcoin. Da ist genug Hash-Power vorhanden vorausgesetzt es ist profitabler wie ZEC.
      2 0 Melden
  • mal! 11.10.2017 14:41
    Highlight Das NYA (New York Agreement) war eine Zusammenkunft einiger weniger reicher Akteure und einer Mehrheit von Bitcoin Mining-Pool Betreibern. Sie wollen insbesondere dem aktuellen Bitcoin Core Entwicklerteam den Einfluss entziehen. Wenn SegWit2x (der Vorschlag des NYA) damit durchkommt, wird Bitcoin noch stärker zentralisiert und der Kontrolle der Miner unterworfen. Auch wenn die Core Entwickler nicht Grad offen für neues sind, sind sie doch die besseren Hüter über das Protokoll. SegWit2x ablehnen!
    12 0 Melden
    • bobi 11.10.2017 18:34
      Highlight Wer entscheidet letztlich wie es weitergeht?
      0 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.10.2017 21:51
      Highlight bobi: Die Mehrheit der Miner, nach Hashpower.

      Jeder kann jederzeit Bitcoin forken. Wenn aber nicht ein grosser Teil der Miner mitmachen, bringt der Fork nichts.
      Und Miner interessieren sich meist nur für den Profit. Wenn es sich lohnt zu minen, werden die es tun, sonst eben nicht.
      Es geht überall nur ums Geld auch hier.
      6 0 Melden

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