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Offizielles Bike des Zürcher Filmfestivals: Allegro-Herren-Fixie. Bild: Colag AG

Wiedergeburt einer Traditionsmarke

Allegro erlebt sein Revival – andere Schweizer Veloklassiker sind Geschichte

Allegro soll 2015 wieder zum Leben erweckt werden. Das Revival beginnt aber schon diesen Herbst: Als offizielles Bike des Zurich Film Festivals 2014 dient ein Fixie der Traditionsmarke. Andere Schweizer Veloklassiker sind dagegen ganz verschwunden.



Es war der Beginn einer Erfolgsstory, die bis in die 80er Jahre andauern sollte: 1914 gründete der Radrennfahrer Arnold Grandjean mit seinen Brüdern die Firma Etablissements des Cycles Allegro Arnold Grandjean S.A. Neuchâtel. «Allegro» hiess das Unternehmen, weil die Fans den sportlichen Firmengründer mit dem Ruf «Allez, Gros» anzufeuern pflegten. 

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Allegro-Gründer Arnold Grandjean. Bild: Wikipedia/PD

1939 hatte Allegro 200 Mitarbeiter und war der bedeutendste Hersteller von Velos und Motorrädern in der Schweiz. 1980 gewann Robert Dill-Bundi in Moskau olympisches Gold auf einem Allegro-Rad. Doch dann ging es allmählich bergab, und das Unternehmen wurde an Mondia verkauft, das den Markennamen vorerst weiterführte. 

Wiedergeburt einer traditionsreichen Marke

Mondia – ein weiterer klingender Name. Doch ebenso wie Cilo, Condor, Tigra oder Villiger ist auch diese Schweizer Traditionsmarke verschwunden. Die Konkurrenz der US-Produzenten und der Billigimporte aus Asien bedeutete für diese Schweizer Hersteller das Aus. Die einst stolze Schweizer Fahrradbranche ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. 

Immerhin erlebt nun Allegro ein Revival: Die Marke, die vor wenigen Monaten von der Firma Colag AG gekauft wurde, soll deren Sortiment ab 2015 erweitern. Bereits jetzt lebt Allegro in einer Spezialedition für das Zurich Film Festival neu auf. 

«Wir werden als offizielles ZFF-Bike ein Fixie in Damen- und Herren-Version präsentieren», wird Alex Faddoul von der Zürcher Firma in einer Medienmitteilung zitiert. Die Velos werden in den Farben und mit dem Logo des Festivals gebrandet. Eine limitierte Auflage kommt in den Verkauf. 

Die Wiedergeburt der traditionsreichen Marke Allegro nehmen wir zum Anlass für einen bildstarken Rückblick auf diese und weitere verschwundene Klassiker der Schweizer Velo-Fabrikation: 

Allegro

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Ein Allegro-Bike aus den 70er Jahren. bild: wikipedia/nicola

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Und hier eines aus dem Jahr 2014: Allegro ZFF Fixie Special Edition, Damen.  Bild: Allegro-bikes.ch

Cilo

Mit bis zu 40'000 verkauften Fahrrädern pro Jahr war der Velohersteller Cilo SA in Romanel-sur-Lausanne bis Mitte der 90er Jahre die stärkste Schweizer Velomarke. Der Markenname ist ein Akronym für «Cycles Jean Lausanne-Oron», wobei das «J» von «Jean» für die leichtere Aussprache in ein «I» umgewandelt wurde. 2002 ging das Unternehmen, dessen Rennräder von namhaften Fahrern wie Beat Breu oder Tony Rominger gefahren wurden, Konkurs.

(Alle Bilder: velo-zuerich.ch)

Condor

Die 1893 als «Scheffer Frères» gegründete Firma Condor-Werke AG in Courfaivre JU stellte ab 1904 Fahrräder für die Post und das Militär her. Das Unternehmen existiert zwar heute noch, produziert aber seit 1995 keine Fahrräder mehr. 

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Armeerad. Bild: Keystone

(Alle Bilder: velo-zuerich.ch)

Cosmos

Der Maschineningenieur Theodor Schild gründete die «Velosfabrik Th Schild & Co» 1894 in Madretsch (heute ein Stadtteil von Biel). Ab 1905 belieferte die Firma auch die Schweizer Armee mit Fahrrädern.  

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Cosmos-Logo mit geflügeltem Rad und Globus. Bild: veloklassiker.ch

Mondia

Die 1918 gegründete Firma begann 1933 in Balsthal SO mit der Produktion von Fahrrädern. Schon 1936 gewann ein Mondia-Fahrer die Tour de Suisse. Zu Spitzenzeiten stellte Mondia über 20'000 Velos pro Jahr her. 2001 wurde die Produktion ins aargauische Strengelbach verlagert, doch das Unternehmen ging 2012 Konkurs.  

ARCHIVE --- Der ehemalige Profirennfahrer Fritz Schaer war zu seiner Zeit Aushaengeschild fuer die Mondia (undatierte Aufnahme). Die Mondia AG mit Sitz in Balsthal SO steht vor dem Verkauf. Verkaufsverhandlungen mit Schweizer Firmen sind im Gange, wie am Freitag, 8. Oktober 1999 bekannt wurde. Ein Entscheid wird in ein, zwei Monaten erwartet. Die Fahrradproduktion der Marken Mondia, Condor und Allegro war im Maerz 1998 aus der Mutterfirma Jeker, Haefeli & Cie AG in die Mondia Fahrrad AG ausgegliedert werden. (vgl. SDA bsd183) (KEYSTONE/ARCHIVE)

Profirennfahrer Fritz Schär war zu seiner Zeit Aushängeschild für Mondia.  Bild: KEYSTONE

(Alle Bilder: kichline.com)

Tigra

Der Fahrradhersteller Gretener AG (Cham/Sursee) versuchte sich im Jahr 2000 erfolglos durch eine Kooperation mit Mondia zu retten. Nur ein Jahrzehnt zuvor hatte die Firma noch jährlich rund 40'000 Velos der Marke Tigra produziert. 

Villiger

Die Villiger Gruppe verkaufte ihre 1980 gegründete Fahrradsparte 2003 an die Trek Bicycle Corporation. Diese will die Marke ab 2015 nicht mehr weiterführen. 

Velo- und Töff-Geschichte

Ein Füllhorn von alten Velo- und Töff-Fotos bietet der Katalog zur Sonderausstellung «Die Geschichte des Zweirads», die 2011 im Pantheon Basel lief. (dhr)

 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tom Schori 31.10.2014 14:29
    Highlight Highlight Ich habe gehört dass die alte Schweizer Velomarke "Alpensieg" 2015 auch ein Revival feiert. Hab es unter www.alpensieg.com gelesen. Muss ein Trend sein.
  • Maya Eldorado 16.09.2014 15:58
    Highlight Highlight Seit bald 10 Jahren habe ich ein Aarios Velo. Das ist auch ein in der Schweiz hergestelltes Velo mit Stahlrahmen.
  • veloklassiker 16.09.2014 09:08
    Highlight Highlight Viele schöne Bilder und ein interessanter Bericht!
    Es existierten unzählige kleine Hersteller in der Schweiz: Von Aero bis Zürcher. Man findet sie noch immer als Bahnhofsvelo oder eben als gepflegte Klassiker auf den Strassen. Bei richtiger Pflege halten diese Velos fast eine Ewigkeit. Mein ältestes, fahrbares Velo hat den Jahrgang 1935 - Diese Langlebigkeit war wohl mit ein Grund, für die wirtschaftlichen Probleme der Hersteller.
    Eine grosse Übersicht zu den Marken findet sich übrigens auf veloklassiker.ch.
  • Maya Eldorado 16.09.2014 02:26
    Highlight Highlight Mein erstes Velo bekam ich ende der 60er Jahre. Es war ein Dreigang Tigra.
    Das Velo hielt unglaublich viel aus. Damals auf dem Schulweg hatte es noch sehr wenig Autos. So haben wir ausprobiert, wieviele sich auf mein Velo setzen konnten. 1 auf dem Lenkrad, eine auf den Pedalen, 1 auf dem Sattel und zwei auf dem Gepäckträger. War das ein Gaudi.
    Wir versuchten Treppen hinunterzufahren - normale. Wir fuhren ausgetrocknete Bachbetter hinunter und vieles mehr.
    Sie standen den heutigen Montain-bykes um nichts nach mit einer Ausnahme. Wegen den Schutzblechen kamen sie mit dem Schlamm schlecht klar.

Warum die Bürgerlichen das Velo überall fördern müssen 

Das Stimmvolk hat sich in die Verfassung geschrieben, das Velo als Fortbewegungsmittel zu fördern. Das ist gut, reicht aber nicht. Jetzt sind die Bürgerlichen gefragt, überall! 

Von Eddy Merckx stammt das schöne Zitat: «Fahre so viel oder so wenig, wie du magst. Fahre so lange Strecken oder so kurze, wie du magst. Aber fahr!» 

Es ist ein romantisches Zitat, aber es ist in politischer Hinsicht  falsch.

Für den belgischen Radstar der sechziger und siebziger Jahre war die Parole natürlich leicht umzusetzen. Merckx' Heimatgemeinde war ein flandrisches Land-Kaff von 10'000 Einwohnern, ideal für Aus- und Trainingsfahrten, egal ob lange oder kurze.

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