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Griechische Polizisten prüfen die Papiere von Flüchtlingen.
Bild: EPA/ANA-MPA

Athen in der Flüchtlingskrise unter Druck: «Was wollen Sie, dass wir tun?»

Publiziert: 25.01.16, 19:32 Aktualisiert: 26.01.16, 09:05

Griechenland gerät in der Flüchtlingskrise massiv unter Druck: Athen müsse seine «Hausaufgaben» machen und die Schengen-Aussengrenzen besser sichern, forderte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière beim Treffen der EU-Innenminister..

Es sei ein «dauerhafter, spürbarer, nachhaltiger Rückgang der Flüchtlingszahlen» schon in den nächsten Wochen nötig. Denn «die Zeit läuft uns davon», sagte de Maizière am Montag in Amsterdam.

Der Schengen-Raum, zu dem auch die Schweiz gehört, umfasst insgesamt 26 Staaten. In diesem Raum war bis vor kurzem ein Reisepass- und ID-freies Reisen möglich. Aufgrund der unkontrollierten Zuwanderung von Flüchtlingen führten jedoch mehrere Schengen-Staaten wieder Grenzkontrollen ein - darunter Deutschland, Österreich und Schweden. Diese Grenzkontrollen sind jedoch zeitlich beschränkt.

Gerettet auf Lesbos.
Bild: Santi Palacios/AP/KEYSTONE

De Maizière erinnerte nun daran, dass spätestens im Mai eine solche Entscheidung über eine mögliche längerfristige Verlängerung der vorübergehenden deutschen Grenzkontrollen ansteht. Dazu muss gegebenenfalls festgestellt werden, dass es «dauerhafte» Defizite beim Schutz der EU-Aussengrenze gibt.

«Dazu würde dann auch eine kritische Betrachtung der Rolle Griechenlands gehören», sagte de Maizière. «Aber ehrlich gesagt: Ich möchte mit all diesen Fragen bis Mai nicht warten.»

Mario Gattiker.
Bild: THOMAS HODEL/REUTERS

Für die Schweiz sieht Staatssekretär Mario Gattiker zurzeit keine Notwendigkeit für solche Massnahmen. Man stelle keine «Störung der öffentlichen Sicherheit» fest. «Sollte dies eintreffen, dann wird der Bundesrat die Lage neu beurteilen.» Gattiker vertrat die Schweiz am Treffen, die als Schengen-Mitglied regelmässig eingeladen wird.

Griechenland beklagt Schwarzpeter-Spiel

Griechenland ist für viele Flüchtlinge das Eintrittstor nach Europa. Hunderttausende sind in den letzten Monaten von der Türkei aus nach Griechenland übergesetzt und auf der sogenannten Balkan-Route weitergereist, vor allem nach Deutschland.

Griechenlands Migrationsminister Ioannis Mouzalas wehrte sich jedoch gegen die Vorwürfe: «Wir sind es müde zu hören, dass wir unsere Grenzen nicht sichern können.» Die Seegrenze zur Türkei könne nicht abgedichtet werden.

Ioannis Mouzalas.
Bild: Yorgos Karahalis/AP/KEYSTONE

«Was wollen Sie, dass wir tun?», fragte er. Nach internationalem Recht, nach dem Seerecht, nach der Genfer Konvention, nach europäischem Recht und nach griechischem Recht sei die einzige Handlungsoption, die Menschen zu retten. Vielmehr gab Mouzalas den Schwarzpeter zurück an die anderen EU-Staaten. Sein Land erhalte nicht genug Unterstützung aus Europa.

Österreich setzt Druck auf

Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erklärte es für einen «Mythos», dass die Grenze nicht zu sichern sei. Sie plädierte für den Ausschluss von Griechenland aus dem Schengen-Raum, wenn sich die Situation nicht bald bessert.

«Wenn es nicht gelingt, die europäischen Aussengrenzen - sprich die türkisch-griechische Grenze - zu sichern, dann wird sich die Schengen-Aussengrenze Richtung Mitteleuropa bewegen.» De Maizière schloss ebenfalls einen möglichen Ausschluss Griechenlands nicht aus.

Bereits im Dezember letzten Jahres waren Stimmen laut geworden, Griechenland aus Schengen auszuschliessen. Ein solcher Schritt ist jedoch rechtlich gar nicht möglich. Die anderen Schengen-Staaten können aber wieder Grenzkontrollen zu Griechenland einführen.

Schweiz sieht EU-Grenzschutzagentur «positiv»

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos unterstrich in Amsterdam: «Nichts dergleichen ist vorgeschlagen oder diskutiert worden.» Vielmehr komme es darauf an, Länder an den Aussengrenzen der EU besser zu unterstützen.

Daher schlägt die EU-Kommission vor, die Kompetenzen der Grenzschutzagentur Frontex auszuweiten. Gemäss Brüssel soll diese zur Not etwa auch gegen den Willen eines Landes aktiv werden könnten, was jedoch bei den EU-Mitgliedstaaten äusserst umstritten ist.

Die 31 eindrücklichsten Bilder des Flüchtlingsdramas 2015

Mazedonisch-griechische Grenze bei Gevgelija. (21. August 2015) EPA/EPA / GEORGI LICOVSKI
100 Meter vor der griechischen Insel Lesbos. (12. September 2015) X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
In der Nähe von Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze. (27. August 2015) X02784 / BERNADETT SZABO
Bahnhof in Budapest, Ungarn. (31. August 2015) X02784 / BERNADETT SZABO
Dieses Bild ging um die Welt: Eine Kamerafrau bringt einen Flüchtling in Röszke offenbar absichtlich zu Fall. (8. September 2015) X01390 / MARKO DJURICA
Bahnhof Bicske, Ungarn. (3. September 2015) X90146 / LASZLO BALOGH
Flüchtlingszelte fliegen in Röszke, Ungarn, durch die Luft. (9. September 2015) X01390 / MARKO DJURICA
Bahnhof Gevgelija an der mazedonisch-griechischen Grenze. (15. August 2015) X01507 / STOYAN NENOV
Am Strand der griechischen Insel Kos. (15. August 2015) X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Tausende von zurückgelassenen Schwimmwesten am Strand der griechischen Insel Lesbos. (9. November 2015) X03368 / ALKIS KONSTANTINIDIS
In der Nähe von Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze. (28. August 2015) X02784 / BERNADETT SZABO
Dobova, Slowenien. (20. Oktober 2015) X00501 / SRDJAN ZIVULOVIC
Lesbos, Griechenland. (30. Oktober 2015) X03162 / GIORGOS MOUTAFIS
Akçakale an der türkisch-syrischen Grenze. (15. Juni 2015) X90076 / UMIT BEKTAS
Selfie nach geglückter Überfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Kos. (9. August 2015) X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Eine syrische Flüchtlingsfamilie kurz vor Erreichen des Strands bei einem Restaurant auf der griechischen Insel Kos. (11. August 2015) X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Ein überfülltes Flüchtlingsboot in der Ägäis zwischen der Türkei und Griechenland. (11. August 2015) X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Flüchtlinge in der Ägäis. (30. Mai 2015) X00025 / YANNIS BEHRAKIS
UNHCR-Camp auf der griechischen Insel Lesbos. X00025 / YANNIS BEHRAKIS
Flüchtlingscamp in Calais, Frankreich. (12. Dezember 2015) AP/AP / Michel Spingler
Die türkische Küstenwache entdeckt ein Flüchtlingsboot in der Ägäis. (9. Dezember 2015) EPA/EPA / TOLGA BOZOGLU
Presheva, Serbien. (17. November 2015) EPA/EPA / DJORDJE SAVIC
Miratovac an der serbisch-mazedonischen Grenze. (19. November 2015) EPA/EPA / DJORDJE SAVIC
Spielfeld an der österreichisch-slowenischen Grenze. (17. November 2015) EPA/APA / ERWIN SCHERIAU
Lesbos, Griechenland. (25. November 2015) AP/AP / Muhammed Muheisen
Lesbos, Griechenland. (2. Dezember 2015) AP/AP / Santi Palacios santi palacios
Griechisch-mazedonische Grenze. (3. Dezember 2015) EPA/MTI / ZOLTAN BALOGH
Lesbos, Griechenland. (23. Oktober 2015) AP/AP / Santi Palacios
Rigonce an der slowenisch-kroatischen Grenze. (25. Oktober 2015) AP/AP / Darko Bandic
Vor der Küste der griechischen Insel Lesbos. (20. September 2015) AP/AP / Petros Giannakouris
Eine Frau in einem Zug, der in Bicske, Ungarn, gestoppt wurde. (3. September 2015) AP/AP / Petr David Josek

Die Minister berieten an ihrem Treffen zum ersten Mal über diesen Vorschlag. De Maizière unterstützte diesen: «Wir wollen, dass aus dieser Agentur eine europäische Küstenwache wird», sagte er.

Spaniens Innenminister Jorge Fernández Díaz machte aber Vorbehalte geltend. «Wir müssen das aufmerksam prüfen.» Dies sei eine Frage, welche die nationale Souveränität beschränke, sagte er. «Wir werden für die Schaffung dieses Korps keinen Blankoscheck ausstellen.»

Die Schweiz beurteile eine europäische Grenzschutzagentur «grundsätzlich positiv», sagte Gattiker. «Wir finden den Schutz der Aussengrenze zentral für die Sicherheit in Europa aber auch für ein gutes glaubwürdiges Asylsystem.» (sda/apa/reu/dpa)

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