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Roger Federer ist um die Zukunft des Tennis besorgt. Bild: EPA/EPA

«Er hatte keine Zeit für mich» – Streit zwischen Federer und Djokovic eskaliert

Novak Djokovic orchestrierte die Absetzung von ATP-Präsident Chris Kermode. Weder mit Roger Federer noch mit Rafael Nadal suchte er in der Causa das Gespräch. Dabei bat Federer nach eigenen Angaben um eine Unterredung. Doch Djokovic habe «keine Zeit» gehabt.

Publiziert: 11.03.19, 10:22 Aktualisiert: 11.03.19, 10:34
simon häring / ch media

Ende Jahr endet die Ära von Chris Kermode an der Spitze der Profi-Vereinigung ATP. Vor dem Masters-Turnier in Indian Wells wurde bekannt, dass der Ende Jahr auslaufende Vertrag des Briten nicht erneuert wird. Massgeblich an der Demontierung beteiligt ist Novak Djokovic, der sich als Präsident des Spielerrats für eine Erneuerung an der Spitze ausgesprochen hatte. Doch der Serbe führte damit zahlreiche Kollegen hinters Licht, wie sich nun herausstellt.

Allen voran seine beiden grössten Antipoden: Roger Federer und Rafael Nadal, die ihrerseits lange im Players Council für die Interessen der Kollegen eingestanden waren. Djokovic hat die beiden erfolgreichsten Spieler der Tennis-Geschichte vor der Beschlussfassung gar nicht erst angehört, wie er zugeben musste. Er sagte: «Wenn sie (Federer und Nadal, d. Red.) etwas wollen, können sie auf mich zukommen.» Eine Aussage, die ihn nun teuer zu stehen kommt.

Federer: «Explosive Situation»

Denn nach seinem Erstrundensieg sagte Federer vor Schweizer Medien, er habe Djokovic sehr wohl um ein Gespräch gebeten. Dieser habe ihm aber beschieden, «leider keine Zeit» zu haben. Djokovic habe ihn auf den nächsten Tag vertröstet. Auf jenen Tag, an dem der Entscheid bereits gefällt war. «Das ist für mich natürlich ... schwer verständlich», zitiert ihn der «Tages-Anzeiger». Er mache sich ein wenig Sorgen, die Situation sei «explosiv» und unsicher.

Novak Djokovic macht was er will – das kommt nicht bei allen gut an. Bild: EPA/EPA

Federer gab schon Anfang Jahr in Melbourne zu verstehen, dass er, obwohl er kein offizielles Amt mehr bekleidet, durchaus Interesse daran hat, wie sich das Tennis weiterentwickelt. Auf Frage der «Aargauer Zeitung» beschied er aber auch: «Es sind jetzt andere in der Verantwortung, sie sollen den Rat so führen, wie sie es für richtig halten.» Gleichwohl kündete er schon damals an, dass es ihm ein Anliegen sei, mit Djokovic das Gespräch zu suchen.

«Das ist ein trauriger Tag für das Tennis, wenn man bedenkt, was Chris erreicht hat.»

Stan Wawrinka

Beleidigter Nadal

Beleidigt reagierte auch Rafael Nadal auf den Umstand, dass Djokovic ihn nicht angehört hatte. Er zückte in der Medienkonferenz nach seinem ersten Spiel gar sein Telefon und sagte: «Hier, mein Telefon. Sehen Sie, niemand hat Kontakt mit mir aufgenommen.» Federer, Nadal und Konsorten hatten sich allesamt für eine Wiederwahl Kermodes ausgesprochen. Gleichwohl stimmten die drei Spielervertreter dagegen.

Nadal ist in Indian Wells ein gefragter Mann. Bild: EPA/EPA

Djokovic selber bezog nie klar Stellung, berief sich auf die «Vertraulichkeit» dessen, was im Spielerrat besprochen wird. «Ich werde mich hier nicht für oder gegen ihn positionieren, denn das käme einem Bruch der Vertraulichkeit gleich.» Er bestätigte nur, dass der ATP-Spielerrat beschlossen habe, dass es Zeit sei, eine neue Führung zu suchen. Wer Kermodes Nachfolger wird, ist offen. Der Bewerbungsprozess beginnt demnächst.

Chris Kermode wird auf Ende Jahr abgesetzt. Bild: EPA/AAP

Deutliche Worte fand auch Stan Wawrinka, der sich in der dritten Runde mit Roger Federer misst: «Das ist ein trauriger Tag für das Tennis, wenn man bedenkt, was Chris erreicht hat.» Es seien Leute im Board, die dort nicht hingehörten. Er bezog sich damit wohl auf den Amerikaner Justin Gimelstob, ein Verbündeter Djokovics, der sich wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten muss, und dem Ambitionen auf Kermodes Amt nachgesagt werden.

Alle Grand-Slam-Finals zwischen Nadal und Djokovic

US Open 2010: Nadal s. Djokovic 6:4, 5:7, 6:4, 6:2 – Ein ganz spezieller Sieg für Nadal: Mit dem ersten Titel am US Open machte er den Karriere-Grand-Slam perfekt – als erst siebter Spieler der Tennisgeschichte. Wie jetzt in Melbourne erreichte Nadal den Final ohne Satzverlust und gewann die zwischenzeitlich wegen Regens unterbrochene Partie in 3:43 Stunden. AP / MARK HUMPHREY
Wimbledon 2011: Djokovic s. Nadal 6:4, 6:1, 1:6, 6:3 – Djokovic krönt ein Traumjahr mit seinem ersten Wimbledonsieg und dem erstmaligen Aufstieg zur Nummer 1. Nach dem Sieg in 2:28 Stunden spricht der Serbe vom «schönsten Tag meines Lebens». Wimbledon sei immer sein Traum gewesen. EPA / KERIM OKTEN
US Open 2011: Djokovic s. Nadal 6:2, 6:4, 6:7 (3:7), 6:1 – Ein Jahr nach Nadal krönt sich auch Djokovic ein erstes Mal zum König von New York. Im dritten Satz fehlen ihm zwei Punkte zum Sieg, doch er lässt sich nach dem Satzverlust nicht vom Weg abbringen. Vier Jahre nachdem er am US Open seinen ersten Grand-Slam-Final gegen Roger Federer verloren hatte, setzt er sich gegen Nadal in 4:10 Stunden durch. EPA / JUSTIN LANE
Australian Open 2012: Djokovic s. Nadal 5:7, 6:4, 6:2, 6:7 (5:7), 7:5 – Ein Final für die Geschichtsbücher. 5 Stunden und 53 Minuten bekämpfen sich Djokovic und Nadal an einem schwül-heissen Melbourner Abend. Was die beiden leisten, ist übermenschlich. Nach dem längsten Final der Grand-Slam-Geschichte müssen für die Siegerehrung Stühle herbeigebracht werden, weil Djokovic und Nadal kaum noch stehen können.
French Open 2012: Nadal s. Djokovic 6:4, 6:3, 2:6, 7:5 – Zurück auf seinem Lieblings-Territorium wendet sich das Blatt für Nadal. Bei immer stärkerem Regen gerät er am Sonntagabend aus dem Tritt, ehe die Fortsetzung der Partie - aus seiner Sicht endlich - auf Montag verschoben wird. Da holt er sich bei wieder besserem Wetter nach insgesamt 3:49 Stunden den siebten Titel und wird so Rekordsieger in Roland Garros. AP / Michel Euler
US Open 2013: Nadal s. Djokovic 6:2, 3:6, 6:4, 6:1 – Trotz einer Schwächephase im zweiten Satz holt sich Nadal in 3:20 Stunden souverän seinen zweiten US-Open-Titel. Der Spanier verliert im gesamten Turnier nur zwei Sätze, der Serbe ist von einem Fünfsatz-Marathon im Halbfinal gegen Stan Wawrinka gezeichnet. EPA / JUSTIN LANE
French Open 2014: Nadal s. Djokovic 3:6, 7:5, 6:2, 6:4 – Der erste French-Open-Titel bleibt Djokovic ein weiteres Mal verwehrt. Er wird noch zwei Jahre warten müssen. Nachdem er Nadal im Final von Rom noch bezwungen hatte, behält der Spanier trotz Krämpfen am Ende in 3:30 Stunden die Oberhand. Für Djokovic ist es die fünfte Finalniederlage bei Grand-Slam-Turnieren innerhalb von zwei Jahren. AP / DARKO VOJINOVIC
Australian Open 2019: Djokovic s. Nadal 6:3, 6:2, 6:2 – Djokovic gewinnt zum siebten Mal in Melbourne, es ist sein 15. Grand-Slam-Titel. In einem einseitigen Final, der nur gerade 2:04 Stunden dauerte, lässt die Weltnummer 1 dem Spanier mit 6:3, 6:2, 6:3 nicht den Hauch einer Chance. Für Nadal ist es die erste Dreisatz-Niederlage in einem Major-Final. AP/AP / Aaron Favila
French Open 2020: Nadal s. Djokovic 6:0, 6:2, 7:5 – Im herbstlichen Paris lässt der Sandkönig im Pandemie-Final seinem Dauerrivalen keinen Chance. Nadal spielt Sandtennis der Extraklasse und stellt mit seinem 20. Major-Titel Roger Federers Bestmarke ein. keystone / JULIEN DE ROSA

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