Pastor Brunson sprach ein Gebet für Donald Trump.
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Pastor bittet Gott um «übernatürliche Weisheit» für Trump – 5 Punkte zur Brunson-Affäre
Ausreisesperre und Hausarrest aufgehoben
Nach monatelangem diplomatischen Tauziehen war US-Pastors Andrew Brunson am Freitag freigelassen worden. Er reiste gleichentags aus der Türkei aus. Zwischengelandet war er auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz, wo er vom US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, empfangen worden war.
Richard Grenell.
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Brunson war im Oktober 2016 wegen Terrorvorwürfen in der Türkei festgenommen und später in Untersuchungshaft genommen worden. Ende Juli hatte ein Gericht die Haft in Hausarrest umgewandelt. Auch zwischen Deutschland und der Türkei hat die Inhaftierung von Bundesbürgern immer wieder zu schwerem Streit geführt.
Brunson beschreibt seine Gefühle, als er in Deutschland ankam.
Trump: «Kein Deal»
Die USA haben nach den Worten von Präsident Donald Trump keine Gegenleistung für die Freilassung von Brunson in der Türkei erbracht. «Ich mache keine Deals für Geiseln», schrieb Trump auf Twitter.
«Es wurde kein Deal mit der Türkei für die Freilassung und Rückkehr von Pastor Andrew Brunson gemacht.» Bei einem Empfang Brunsons im Weissen Haus am Samstag bedankte sich Trump mehrfach beim türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. «Ich möchte Präsident Erdogan dafür danken, das ermöglicht zu haben», sagte er. «Es war nicht leicht, und es war für ihn nicht leicht.» Trump fügte hinzu: «Wir haben lange und hart verhandelt.»
Und was sagte Erdogan?
Erdogan versuchte mit einem Tweet an Trump dem Eindruck entgegenzutreten, dass er auf den Gerichtsbeschluss zu Brunson Einfluss genommen haben könnte. Die türkische Justiz habe ihre Entscheidung auf unabhängige Weise getroffen, betonte Erdogan.
«Herr Präsident, wie ich immer betont habe, hat die türkische Justiz ihre Entscheidung unabhängig getroffen. Ich hoffe, dass die Vereinigten Staaten und die Türkei weiterhin in einer Weise zusammenarbeiten werden, die zwei Verbündeten würdig ist.»
Experten haben Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Justiz. Ein Gericht in der westtürkischen Küstenmetropole Izmir hatte den Hausarrest und die Ausreisesperre Brunsons am Freitag aufgehoben.
User zerstören iPhone-Geräte für Erdogan:
Video: watson
Wie geht's weiter?
Der Fall Brunson stand im Zentrum einer schweren Krise zwischen Washington und Ankara. Trump hatte im Zuge der Krise Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt und Strafzölle gegen die Türkei erhöht. Der US-Präsident hatte damit die Talfahrt der Landeswährung Lira noch einmal beschleunigt.
Normalisiert sich nach der Freilassung des US-Pastors Brunson die Beziehung zwischen den USA und der Türkei?
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Trump sagte am Samstagabend (Ortszeit) bei einer Wahlkampfrede in Richmond im Bundesstaat Kentucky: «Wir werden jetzt wahrscheinlich eine fantastische Beziehung zur Türkei aufbauen.» Auch nach der Rückkehr Brunsons gibt es allerdings Streitpunkte zwischen Washington und Ankara: Der Nasa-Wissenschaftler Serkan Gölge – ein US-Staatsbürger – sowie einheimische Mitarbeiter von diplomatischen Vertretungen der USA sind weiterhin in der Türkei inhaftiert. Auf scharfe Kritik stösst ausserdem, dass das Nato-Mitglied Türkei mit Russland den Kauf von S-400-Flugabwehrraketen vereinbart hat.
Der US-Sender NBC hatte am Donnerstag von einer «geheimen Vereinbarung» berichtet, die den Weg für Brunsons Rückkehr in die USA ebne. Die USA hätten im Gegenzug zugesagt, wirtschaftlichen Druck von der Türkei zu nehmen. Das Aussenministerium in Washington hatte eine solche Vereinbarung nicht bestätigt.
Besuch im Weissen Haus
Pastor Andrew Brunson hat bei seinem Empfang im Weissen Haus für US-Präsident Donald Trump gebetet. «Wir würden gerne für Sie beten», sagte Brunson am Samstag im Oval Office, wo Trump ihn nach seiner Rückkehr aus der Türkei empfing.
«Wir beten als Familie oft für Sie.» Trump entgegnete unter Gelächter der Anwesenden: «Ich brauche es wahrscheinlich mehr als jeder andere in diesem Raum.» Der Präsident fügte dann ernst hinzu: «Das wäre sehr schön, danke.»
Brunson kniete vor Trump zum Gebet nieder und legte dem Präsidenten die linke Hand auf die Schulter. Dann betete er: «Oh Gott, ich bitte Dich, dass Du Deinen Heiligen Geist über Präsident Trump ergiesst. Dass Du ihm übernatürliche Weisheit gibst, um alle Pläne, die Du für dieses Land und für ihn hast zu erfüllen.»
Weiter betete der Pastor: «Ich bitte darum, dass Du ihm Weisheit gibst, wie er dieses Land zur Rechtschaffenheit führt. Ich bitte darum, dass Du ihm Beharrlichkeit, Ausdauer und Mut gibst, für die Wahrheit zu stehen. Ich bitte darum, dass Du ihn vor Verleumdung durch Feinde schützt, vor jenen, die unterhöhlen. Ich bitte darum, dass Du ihn zu einem grossen Segen für dieses Land machst.» (sda/dpa/vom)
Trump auf dem Titel:
«The New Yorker», Juni 2019
«The New Yorker», März 2019
«The New Yorker», Januar 2019
«The New Yorker», November 2018
«The New Yorker» , September 2018
«The New Yorker», Juli 2018
«The New Yorker», Mai 2018
«The Spectator», April 2018
«New Statesman», März 2018
«The Economist», März 2018
«The New Yorker», Januar 2018
«The Economist», Januar 2018
«The Economist», November 2017
«Der Spiegel», August 2017
«The Economist», August 2017
«New Statesman», August 2017
«The New Yorker», August 2017
«The Economist», August 2017
«Charlie Hebdo», Juli 2017
«The New Yorker», Juli 2017
«The Economist», Juli 2017
«The New Yorker», April 2017
«Der Spiegel», April 2017
«The New Yorker», März 2017
«The Economist», Februar 2017
«Der Spiegel», Februar 2017
«New Statesman», Februar 2017
«The Economist», Januar 2017
«The Spectator», Dezember 2016
«The Economist», November 2016
«Der Spiegel», November 2016
«The Spectator», November 2016
«The New Yorker», November 2016
«Charlie Hebdo», November 2016
«New Statesman», November 2016
«The Economist», Oktober 2016
«Letras Libres», Oktober 2016
«The Economist», Juli 2016
«The Spectator», Juli 2016
«The New Yorker», Mai 2016
«The Economist», Mai 2016
«The Spectator», März 2016
«Businessweek», Februar 2016
«The New Yorker», Februar 2016
«The Spectator», Januar 2016
«New York», September 2015
«The New Yorker», Juli 2015
Erdogans wahnsinniger Präsidentschaftspalast:
Das ist er – oder sagen wir einmal, ein Teil davon: Der Präsidentschaftspalast der Türkei in Ankara. Sein Preisschild: 500 Millionen Euro. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Der gigantische Komplex wurde 2011-2014 auf einem 200'000 Quadratmeter grossen Areal erbaut, das ursprünglich zu einem Naturschutzgebiet gehörte. Eine Baubewilligung hatte Erdogan nicht. PHOTO: Wikimedia Commons.
Verschiedene Gerichte, unter anderem auch das oberste Verwaltungsgericht, erklärten den Bau als illegal. «Sollen sie ihn doch abreissen, wenn sie die Macht dazu haben», entgegnete Erdogan – und zog Ende 2014 in die Anlage ein. PHOTO: Wikimedia Commons.
In einem Interview mit dem TV-Sender A-Haber erklärte Erdogan den trivialen Entstehungsgrund des Monsterbaus: «Im alten Regierungssitz wurden die Gäste in den Badezimmern von Kakerlaken belästigt. Deshalb errichteten wir diesen Palast». Kritiker warfen Erdogan Prunksucht vor. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Der Präsidentschaftspalast in Ankara ist rund 30 Mal so gross wie das Weisse Haus und rund dreimal so gross wie der Buckingham Palace. Er umfasst rund 1150 Zimmer. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Das erste offizielle Staatsoberhaupt, welches den Palast besuchte, war Papst Franziskus im November 2014. Das katholische Oberhaupt lebt bekanntlich in einer Zweizimmerwohnung neben dem Petersdom in Rom. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Der Palast ist mit diversen Bunkern ausgestattet, welche den Präsidenten vor Angriffen mit nuklearen, biologischen und chemischen Waffen schützen sollen. EPA / KAYHAN OZER / PRESIDENTIAL PRESS
Allein für Erdogans Familie stehen 250 Zimmer zur Verfügung. Laut der britischen «Sun» sollen sich die Heizkosten in einem Jahr auf rund 600'000 Euro belaufen. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Goldverzierte Trinkgläser im Palast haben einen Wert von 300 Euro pro Stück – weiss ebenfalls die «Sun». Der Inhalt der Gläser ist hingegen weit weniger exklusiv. Erdogan ist bekannt für den Spruch: «Jeder, der Alkohol trinkt, ist ein Alkoholiker.» AP Turkish Presidential Press Service
Die Sicherheitszentrale des Gebäudes sei mit 143 Bildschirmen ausgerüstet. Zwei Supercomputer helfen dabei, verdächtige Personen im ganzen Land zu verfolgen. Trotz all dem Hightech: Die Hälfte der Baukosten verschlangen laut Schätzungen allein die vielen Fenster. EPA / OZGE ELIF KIZIL / ANADOLU AGENCY
Erdogans Frau Emine (l.) ist für ihre Kaufwut berüchtigt. Um in Brüssel ungestört einkaufen zu können, liess sie einmal ein gesamtes Einkaufszentrum sperren. Der Legende nach soll sie für ein Kilo Tee einmal 1'800 Euro ausgegeben haben. Und wenn wir schon bei den Kosten sind: Der monatliche Verbrauch von Erdgas ist im Palast so hoch, dass man damit 363 türkische Minimallohn-Saläre bezahlen könnte. AP Pool Presidential Press Service / KAYHAN OZER
Knapp 400 extra hohe Flügeltüren wurden im «Weissen Palast» verbaut. Kostenpunkt: Knapp 6 Millionen Euro. AP Pool Presidential Press Service / MURAT CETINMUHURDAR
Die Teppiche in den verschiedenen Gebäuden sollen einen Wert von 8,2 Millionen Euro haben. AP Presidential Press Service / KAYHAN OZER
Gewinnt Erdogan die Abstimmung zum Verfassungsreferendum, könnte er theoretisch bis ins Jahr 2034 im Amt und damit im Palast bleiben. PHOTO: Wikimedia Commons. Wikimedia Commons
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