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U.S. President Donald Trump, left, talks to Turkish President Recep Tayyip Erdogan, right, as they tour the new NATO headquarters in Brussels, Belgium, Wednesday, July 11, 2018. NATO countries' heads of states and governments gather in Brussels for a two-day meeting. (Presidency Press Service via AP, Pool)

Bild: AP/Presidency Press Service

Es kriselt zwischen Washington und Ankara: Das sind die 7 Streitpunkte



Der Konflikt um den in der Türkei angeklagten US-Pastor Andrew Brunson eskaliert. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan verhängte am Samstag Sanktionen gegen zwei US-Minister, nachdem die USA schon am Mittwoch zwei türkische Kabinettsmitglieder mit Strafmassnahmen belegt hatten.

Solche Vorgänge zwischen Nato-Partnern sind beispiellos. Sie kommen aber nicht völlig überraschend. Das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei ist schon seit einiger Zeit schwierig. Unter dem türkischen Präsident Erdogan häufen sich derzeit die Streitpunkte mit den USA:

Auslieferung von Fethullah Gülen

Seit dem gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 dringt die Türkei auf die Auslieferung des im US-Exil lebenden, islamischen Predigers Fethullah Gülen, den sie für den Umsturzversuch verantwortlich macht. Zur Empörung Ankaras haben die US-Behörden bisher keine rechtlichen Schritte gegen den umstrittenen Prediger unternommen, der seit 1999 in Pennsylvania lebt. Laut Washington hat die Türkei keine gerichtsfesten Beweise für die Schuld Gülens vorgelegt.

Zwei Jahre Ausnahmezustand in der Türkei in Zahlen

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Video: srf

US-Militärhilfe für syrische Kurden

Die Türkei ist verärgert über die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien, die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung ansieht. Trotz des Drängens der Türkei halten die USA an der Militärhilfe für die YPG fest, die sie als schlagkräftigen Partner im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz «Islamischer Staat» («IS») schätzen.

Prozess gegen US-Pastor Brunson

In Washington sorgt wiederum das Strafverfahren gegen US-Pastor Brunson in der Türkei für Ärger. US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence dringen auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen, der im Oktober 2016 wegen des Vorwurfs der Spionage sowie der Unterstützung der PKK und der Gülen-Bewegung in Untersuchungshaft genommen wurde. Zuletzt wurde Brunson zwar in den Hausarrest verlegt, der gegen ihn betriebene Prozess wird aber fortgesetzt. Erdogan hat vorgeschlagen, Brunson gegen Gülen auszutauschen.

US-Prozess gegen Halkbank

Medien haben auch über einen Austausch Brunsons gegen den in den USA inhaftierten türkischen Banker Mehmet Hakan Atilla spekuliert. Der Vizechef der staatlichen Halkbank war im Mai von einem New Yorker Gericht wegen Verstössen gegen die US-Iran-Sanktionen zu 32 Monaten Haft verurteilt worden. Der Halkbank droht zudem wegen ihrer Rolle in den Iran-Geschäften des Geschäftsmanns Reza Zarrab eine saftige Geldstrafe.

Inhaftierung weiterer US-Bürger

Neben dem Brunson-Prozess sorgt auch die Verfolgung mehrerer weiterer US-Bürger in der Türkei für Streit, darunter der Nasa-Wissenschaftler Serkan Gölge und mehrere Ortskräfte der US-Botschaft. Nach der Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des Istanbuler US-Konsulats im Oktober setzten die USA die Visa-Vergabe aus, woraufhin die Türkei es ihnen gleichtat. Erst Ende Dezember konnte der Streit beigelegt werden.

Der türkische Präsident wollte eigentlich Fussballer werden

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Video: srf

Kauf von russischen S400-Raketen

Die USA sind alarmiert über Pläne der Türkei zum Kauf von russischen Flugabwehrraketen vom Typ S400. Washington fürchtet eine Hinwendung ihres Nato-Partners zu Moskau. Es besteht konkret die Sorge, dass das russische Militär damit wichtige Informationen zu Nato-Flugbewegungen erhält. Ankara begründete die Entscheidung für die russischen Waffen damit, dass die USA ihr keine Patriot-Raketen verkaufen wollten.

Lieferung von F35-Kampfflugzeugen

Wegen des Brunson-Prozesses und des Streits um die S400-Raketen entschied der US-Kongress am Mittwoch, die Lieferung von F35-Kampfflugzeugen an die Türkei für 90 Tage auszusetzen, bis das Pentagon einen Bericht zu den Risiken des S400-Kaufs durch die Türkei vorgelegt hat. Ankara ist empört über die Entscheidung, da die Türkei seit Jahrzehnten an dem Programm zur Entwicklung des Kampfjets beteiligt ist. (sda/afp/vom)

«Idiot» oder «Fanboy» – Kritik an Trumps Auftritt mit Putin

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 05.08.2018 12:48
    Highlight Highlight Ausnahmsweise muss ich hier der Trump-Regierung ein gutes Zeugnis ausstellen.
    Eine Auslieferung von Gülen kommt bei einer so dürftigen Beweislage natürlich nicht in Frage!
    Dass die USA die Kurden in Syrien weiter unterstützt, ist nichts als fair und vernünftig.
    Interessant sind für mich die Verbindungen von Evangelikalen und Kurden!
    Ich kannte mal einen Kurdischen Asylanten und Kämpfer der PKK, der gleichzeitig Mitglied bei einer Schweizer Freikirche wurde.
    Ich wunderte mich damals sehr darüber, wie ein Kommunist so mir nichts Dir nichts auch Christlich fundamentalistisch sein konnte.
  • Pitsch Matter 05.08.2018 12:38
    Highlight Highlight Wenn zwei sich Streiten, freut sich der Dritte.
    Benutzer Bild
  • Hierundjetzt 05.08.2018 12:29
    Highlight Highlight Zum richtig einordnen: Die Türkei mit +/- dem BIP der CH (!) macht einen auf Weltmacht? Soso. Keine weiteren Fragen mehr.

    Die USA machen das schon gut. Besser als due Schweiz auf jeden Fall.

    Ich erinnere daran, dass aktuell 7 Schweizer inhaftiert sind. Aus Gründen (Ohne Anklage) Das EDA meint dazu, da könne man halt nichts machen. Aber bitte investiert doch ims Türgei, das ist wichtiger. Siehe dazu den Tagi-Artikel
  • Clife 05.08.2018 11:57
    Highlight Highlight Da laufen offensichtlich so viele Lügen und Trügereien im Hintergrund durch beide Präsidenten, dass ich nicht glauben kann, wie sie das eigene Volk so belügen können, ohne sich zu schämen. Von wegen „für Staatsgeheimnisse zur Nationalen Sicherheit sind Lügen erlaubt“ hier wird das einfach nurnoch ausgenutzt...
    • Paddiesli 05.08.2018 12:32
      Highlight Highlight Die Welt IST schamlos, wenn ich so rund herum schaue.
    • Pitsch Matter 05.08.2018 15:14
      Highlight Highlight Dies trifft auf fast jeden Staat zu, auch auf die Schweiz. Entweder Lügst du, oder du bist Weg. Der Druck der Wirtschaft ist zu gross.
  • Paddiesli 05.08.2018 11:42
    Highlight Highlight Erdogan wird NIE vor jemanden einknicken. Schon gar nicht vor Trump. Erdogan hat einen derartigen "Stolz", da kommt das Trump-Fähnchen im Wind nicht mit.
    • MaxHeiri 05.08.2018 12:48
      Highlight Highlight Wenn die Amerikaner ihre ganze Keule von Wirtschaftssantionen auspacken und bei Erodgan das Vermögen richtig zu schrumpfen beginnt, dann folgt auch bei ihm das Umdenken.
    • rodolofo 05.08.2018 13:00
      Highlight Highlight Sagen wir's mal so:
      Erdogan ist ein schlauer und verschlagener Machtmensch.
      Und er weiss auch, wie man Grossmächte und Möchtegern-Grossmächte gegeneinander ausspielen kann:
      "Gibt mir Donald nicht, was ich verlange, dann gehe ich eben zu Wladimir! Der ist weniger wählerisch, seitdem er Osteuropa an die EU verloren hat! Der nimmt Alles, was er überhaupt kriegen kann, sogar eine total unberechenbare und unzuverlässige Türkei, die auf seinen Freund in Syrien, Assad, losgeht!"
      Ausserdem verhält sich Erdogan, wie ein beharrlich feilschender Türkischer Bazar-Händler.
      Die haben sehr viel Geduld.
  • derEchteElch 05.08.2018 10:34
    Highlight Highlight Die Türkei ist und bleibt ein Drittweltland, dass auf möglichst grossen Abstand zu Europa gehalten werden muss.
    • sägsali 05.08.2018 11:18
      Highlight Highlight Halte deine Feinde nah...
    • rodolofo 05.08.2018 12:53
      Highlight Highlight Auch die USA tragen immer deutlichere Züge eines 3.Welt-Landes.
      Die Vorteile: Wer einmal dermassen abgestürzt ist, kann sich alles erlauben.
      Denn der Ruf eines 3.Welt-Landes verpflichtet!
  • N. Y. P. D. 05.08.2018 08:08
    Highlight Highlight US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence dringen auf die Freilassung des evangelikalen Geistlichen.

    Die zwei wichtigsten ! Männer der USA setzen sich für einen inhaftierten Geistlichen ein.
    Für einen Geistlichen !
    Und setzen massiv Druck auf.

    Da könnte man glatt meinen, dass es sich wohl eher um einen Top-Agenten der CIA handelt.

    Jetzt fürchten die USA natürlich, dass der Geistliche auspackt, wenn er dem Wellnessprogramm von Erdogan unterzogen wird.

    Das wird jetzt richtig spannend. Befreiungsversuch ?
    Massive Sanktionen ?

    *popcornmach*
    • WeischDoch 05.08.2018 09:39
      Highlight Highlight Es ist einfach nur die Tatsache, dass es ein US-Bürger ist. Gibt genug Beispiele dafür...
    • Hexentanz 05.08.2018 10:33
      Highlight Highlight Die USA sind immer unangenehm wenn es um gefangene geht. Siehe dazumals Otto Warmbier in Nord Korea und diverse andere.

      Ich finds gut heizt endlich mal jemand dem Sultan am Bosporus ein, wenn die EU schon unfähig dazu ist.
    • N. Y. P. D. 05.08.2018 11:13
      Highlight Highlight @Hexentanz
      Mir gefällt es auch, dass der Sultan einen überlegenen Gegner ha, der ihm so richtig wehtun kann.

      @swisskiss
      Halte ich auch für sehr plausibel, was Du schreibst.


      Was ist die NATO für ein beschissener Scherbenhaufen geworden.
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