Aktuelle Themen:

Kinder spielten mit Pappfiguren von Jair Bolsonaro bei einem seiner Auftritte im September.  Bild: EPA/EFE

«Trump Brasiliens» verpasst absolute Mehrheit – warum er trotzdem noch scheitern könnte

Publiziert: 08.10.18, 00:40 Aktualisiert: 08.10.18, 08:22

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien klar gewonnen. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Wahlurnen kommt Bolsonaro auf rund 47 Prozent, wie die Wahlbehörden nach der Wahl vom Sonntag mitteilten.

Jair Bolsonaro – auch «Trump Brasiliens» genannt Bild: EPA/EFE

Auf dem zweiten Platz landete Linkskandidat Fernando Haddad von der Arbeiterpartei (PT) von Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva mit rund 28 Prozent. Bolsonaro und Haddad treten in drei Wochen in einer Stichwahl gegeneinander an.

Der linke Bewerber Ciro Gomes kam auf 12,52 Prozent, der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin auf 4,83 Prozent. Für Henrique Meirelles, Wunschkandidat des amtierenden Staatschefs Michel Temer, stimmten sogar nur 1,21 Prozent der Wähler.

Der Ausgang der Wahl ist ein Triumph für Bolsonaro, der häufig als «Donald Trump Brasiliens» bezeichnet wird. Umfragen hatten den 63-Jährigen zuletzt bei rund 36 Prozent gesehen - bei der Wahl erhielt er nun deutlich mehr Stimmen. Er kam sogar nahe an die absolute Mehrheit, mit der er die Wahl in der ersten Runde gewonnen hätte.

Harter Kampf

Der Ex-Offizier und Verteidiger der früheren Militärdiktatur (1964 bis 1985) ist immer wieder mit rassistischen und sexistischen Äusserungen aufgefallen. Er hat für den Fall eines Wahlsiegs einen harten Kampf gegen Korruption und Kriminalität angekündigt und will die Waffengesetze lockern.

Fernando Haddad Bild: AP/AP

Bei der Wahl waren rund 147 Millionen Brasilianer aufgerufen, einen Nachfolger für den konservativen Staatschef Michel Temer zu wählen. Insgesamt traten 13 Kandidaten an.

Die Arbeiterpartei hatte Haddad als Ersatzkandidaten für den wegen Korruptionsvorwürfen verurteilten und inhaftierten Ex-Staatschef Lula da Silva ins Rennen geschickt. Lula hatte lange Zeit dafür gekämpft, doch noch kandidieren zu können. Haddad, der frühere Bürgermeister der Millionenmetropole São Paulo, hatte deswegen nur wenig Zeit für den Wahlkampf – nicht einmal einen Monat.

Bolsonaro könnte Brasiliens Präsident werden:

Video: srf

Knappe Stichwahl erwartet

Zwar landete Bolsonaro in der ersten Wahlrunde weit vor Haddad. Die Stichwahl am 28. Oktober dürfte aber deutlich enger werden. Für viele Wähler ist der Rechtspopulist Bolsonaro ein schwarzes Tuch. Der 55-jährige Haddad dürfte die Unterstützung vieler unterlegener Kandidaten bekommen. Umfragen hatten zuletzt für die Stichwahl einen sehr knappen Ausgang vorhergesagt.

Vor allem die Benachteiligten in Brasilien trauern bis heute Lula nach, der umfassende Sozialprogramme für die Armen aufgelegt hatte. Während seiner Amtszeit von 2003 bis 2010 erlebte das lateinamerikanische Land einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Doch in der Amtszeit seiner Parteifreundin und Nachfolgerin Dilma Rousseff rutschte Brasilien in eine tiefe Rezession. Rousseff wurde 2016 wegen mutmasslicher finanzieller Vergehen des Amtes enthoben. Viele Brasilianer machen die Arbeiterpartei für die wirtschaftliche Misere verantwortlich und setzen grosse Hoffnung in Bolsonaro. (sda/reu/dpa/afp)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Brasiliens Fukushima: 62 Millionen Kubikmeter giftiger Schlamm kriecht in die Flüsse

Es ist die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens: Nach einem Unfall in einem Bergwerk in der Stadt Mariana krochen 62 Millionen Kubikmeter giftiger Schlamm in die umliegenden Gewässer. X02675 / RICARDO MORAES
In einem Eisenerz-Bergwerk sind am 5. November zwei Dämme gebrochen. Der austretende Schlamm zerstörte das Bergdorf Bento Rodrigues praktisch komplett. AP / FELIPE DANA
Mindestens 15 Menschen verloren ihr Leben. Das Bild zeigt einen Feuerwehrmann, der versucht, ein Pferd zu retten. X02675 / RICARDO MORAES
Inzwischen hat sich der Schlamm ausgebreitet. Der Rio Doce ist zu drei Vierteln mit dem giftigen Schlamm verseucht. X02675 / RICARDO MORAES
An einigen Stellen enthält der Fluss das zehnfache der gesetzlich erlaubten Menge an Arsen. X02675 / RICARDO MORAES
Auch Uno-Experten warnen vor dem Gift und fordern die Regierung, umgehende Massnahmen für die Bevölkerung zu treffen. X02675 / RICARDO MORAES
Das Wasser kann nicht mehr getrunken oder zum Kochen verwendet werden. X02675 / RICARDO MORAES
Mittlerweile sind neun Tonnen verendete Fische aus dem Fluss entfernt worden. X02675 / RICARDO MORAES
Das teilt die Umweltbehörde mit. X02675 / RICARDO MORAES
Der Betreiber der Mine, Samarco, behauptet, der Schlamm sei gar nicht giftig. X02675 / RICARDO MORAES
Diese Haltung und der Fakt, dass Samarco die Wahlkampagne der Präsidentin Dilma Rousseff kräftig mitfinanziert hat, löste im Netz einen Shitstorm aus. X02675 / RICARDO MORAES