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Er hat gut lachen: Amazon-Manager David Limp mit einer Wanze namens «Echo». Bild: AP

Was du über Smart Speaker wissen musst, aber nicht zu fragen traust

Ob von Amazon, Google oder Apple: Lautsprecher mit automatischer Spracherkennung sind das am meisten unterschätzte Gadget des Jahres, findet der watson-Redaktor. Allerdings nicht im positiven Sinn.

Publiziert: 26.01.18, 15:21 Aktualisiert: 15.02.18, 15:59

Schon gehört? 2018 drängen die «smarten» Lautsprecher in unsere Wohnzimmer.

Es soll sich um einen der «Tech-Trends» des Jahres handeln, wie uns Journalisten und Blogger weismachen wollen.

Der bekannte Spiegel-Online-Kolumnist Sascha Lobo sieht gar schon das Ende der Text-Eingaben bzw. Tastaturen nahen. Die Sprachsteuerung sei nicht mehr aufzuhalten.

Amazon Echo und Google Home seien die Einstiegsdrogen, die sich nicht nur in den USA schnell verbreiteten. Die Folgen seien «so tiefgreifend» wie beim Smartphone.

Bild: giphy

Nun ja. Wir sollten uns nicht verrückt machen lassen.

Nach meiner Einschätzung sind Smart-Lautsprecher das am meisten unterschätzte Gadget des Jahres. Aber nicht im positiven Sinn, denn:

  • Die Dinger sind unpraktisch.
  • Sie halten nicht, was sie versprechen.
  • Man holt sich (potenzielle) Wanzen ins Haus.
  • Die Marktforscher liegen falsch: Wie schon bei den Wearables sind die Verkaufsprognosen übertrieben.
  • Sprachsteuerung wird generell überschätzt.

Womit ich mit Sascha Lobo einig gehe, ist seine Einschätzung, dass die «Kinderkrankheiten» verschwinden werden. Bei zukünftigen Lautsprecher-Generationen wird die automatische Spracherkennung tadellos funktionieren.

Sind das erfreuliche Aussichten?

«Das weiss ich leider nicht.»

Standard-Antwort von Alexa

Auch bei den praktischen Anwendungsmöglichkeiten wird sich dank Künstlicher Intelligenz (KI) viel tun. Noch ist KI aber zu dumm für Otto Normalverbraucher – und umgekehrt.

Millionen Amerikaner haben bereits einen «Smart Speaker» zuhause. Dank einer relativ neuen Erhebung wissen wir, dass sie die Spracherkennung vor allem verwenden, um:

  • Musik abzuspielen,
  • allgemeine Fragen zu stellen,
  • die Wetterprognose abzufragen und
  • sich Witze erzählen zu lassen.

Dafür soll man sich also ein zylinderförmiges Ding in die eigenen vier Wände holen, das wegen der direkten Anbindung ans Internet ein beträchtliches Sicherheitsrisiko darstellt?

Wir sollen US-Grosskonzernen vertrauen, die uns auf Schritt und Tritt überwachen und jede Bewegung auswerten? Sei dies, um mit personalisierter Werbung Geld zu verdienen oder durch den Direktverkauf von Produkten und/oder «Content».

Was Amazon und Google im Schild führen, ist klar, wenn man die Geschäftsmodelle betrachtet. Aber was ist mit Apple?

Bekanntlich lanciert auch der iPhone-Hersteller einen Lautsprecher mit Sprachsteuerung. Warum sich der für Dezember 2017 angekündigte «Home Pod» verspätet, ist nicht bekannt. Nun soll der Verkaufsstart am 9. Februar erfolgen – aber nicht in der Schweiz, sondern nur in den USA, UK und Australien.

Apple hat den «Home Pod» Mitte 2017 vorgestellt – und nun soll er bald erhältlich sein.  Bild: AP

Dass Apple den Anschluss an die Konkurrenz verpasst hat, ist «Bullshit». Der «Home Pod» wird um die 350 Franken kosten und sich neben dem Preis auch bezüglich Sound-Leistung und Datenschutz von Amazon Echo und Co. abheben.

Sicher lanciert aber auch der iPhone-Hersteller den «Home Pod» als Absatzkanal für eigene Produkte (Apple Music etc.). Und ein Problem muss sich der Siri-Lautsprecher mit allen anderen Geräten aus der neuen Produkte-Kategorie teilen: Es handelt sich um eine Lösung, die nach einem echten Problem sucht.

Noch wissen wir gar nicht, ob sich Smart-Lautsprecher auf breiter Basis durchsetzen werden. Wie schon bei den Smartwatches und anderen Wearables überschlagen sich die Marktforscher derzeit mit beeindruckenden Absatzprognosen. Ob die Dinger ein nachhaltiges «Milliardengeschäft» werden, ist fraglich.

Ersetzen Smart-Lautsprecher die herkömmlichen Radio-Geräte? screenshot: twitter

Damit sind wir beim «Smart Home» und der so genannten Heimautomatisierung angelangt. Ich stehe dem Thema grundsätzlich positiv gegenüber – trotz Sicherheitsbedenken.

Heimautomatisierung kann aber nur zufriedenstellend funktionieren und einen echten Mehrwert bieten, wenn sich die vernetzten Geräte auf sinnvolle Weise steuern lassen. Und da kann ich nach meinen praktischen Erfahrungen sagen, dass Sprachbefehle lustig sein mögen, aber für komplexe Aufgaben nicht taugen.

Abgesehen davon gibt es zuhause Situationen, in denen ich definitiv keine elektronischen Lauscher wünsche, deren Daten übers Internet auf US-Servern «ausgewertet» werden ...

Hand aufs Herz: Wer will Richtmikrofone im Bad, Schlafzimmer oder in anderen privaten Räumen, wenn man stattdessen das Smartphone oder – noch viel besser, weil bequemer! – die Smartwatch nehmen kann?

Auch das sind mobile Empfänger für Sprachbefehle («OK Google», «Hey Siri»), die sich aber jederzeit wo anders ablegen oder abhörsicher in der Schublade verstauen lassen.

Hast du zuhause einen (oder mehrere) Smart-Lautsprecher?
Leider hat was nicht geklappt. Bitte versuche es später nochmals.
Die Bezeichnung «Smart» ist bei den heutigen Lautsprechern eine Mogelpackung – zumindest aus User-Sicht.

Mehr zu Smart-Lautsprechern?

Einen ausführlichen Testbericht zur Spracherkennung bei den verfügbaren Modellen von Amazon und Google bietet Golem. Titel: «Okay Google, es ist Zeit für einen Sprachkurs».

Spiegel-Online-Redaktor Matthias Kremp hat den Echo Spot getestet, den neusten und günstigsten Amazon-Lautsprecher.

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