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Vielerorts wächst Widerstand gegen 5G, meist aus Angst vor Gesundheitsschäden wegen zusätzlicher Strahlenbelastung. Bild: KEYSTONE

Nach Kritik wegen Strahlung: 5G-Technologie heizt auch den Stromverbrauch an

Die neuen Mobilfunkantennen rufen Kritiker wegen der Strahlenbelastung auf den Plan. Doch kaum jemand spricht über den Energiebedarf.

Publiziert: 20.06.19, 04:37 Aktualisiert: 20.06.19, 07:01
ANDREA SÖLDI / CH MEDIA

Bis Ende Jahr soll die Schweiz als erstes Land in Europa flächendeckend mit schnellem mobilem Internet versorgt sein. Die fünfte Generation drahtloser Kommunikationstechnologie soll rund hundertmal schnellere Datenübertragung ermöglichen als die derzeit üblichen 3G- und 4G-Netzwerke. Die Telecom-Gesellschaften Sunrise und Swisscom bauen emsig neue Antennen. Einige sind bereits im Betrieb.

Vielerorts wächst Widerstand, meist aus Angst vor Gesundheitsschäden wegen zusätzlicher Strahlenbelastung. Gleichzeitig ist ein anderer Aspekt kaum Thema, obwohl klimapolitisch äusserst relevant: Wie wird sich die allgegenwärtige Verfügbarkeit grosser Datenmengen auf den Stromverbrauch auswirken?

Serverfarmen zapfen Strom

Bereits heute schluckt die gesamte IT-Branche rund 7 Prozent des weltweit produzierten Stroms. Während der Bedarf der Endgeräte durch die Miniaturisierung stetig zurückgeht, sind die immer grösseren Rechenzentren mit ihren Serverfarmen wahre Stromfresser. Ein Teil des Verbrauchs fällt auch in den Übertragungsnetzen an. Besonders ins Gewicht fallen Videos, weil sie sehr datenreich sind.

Wenn dereinst also immer mehr Menschen unterwegs hoch aufgelöste Filme schauen, wird der Stromverbrauch nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland ansteigen. Für eine Stunde Streaming seien derzeit etwa 300 Wattstunden Strom nötig, sagt Friedemann Mattern, Professor für Informatik an der ETH Zürich.

Damit könnte man 2 Kilometer mit einem Elektroauto fahren oder im Wasserkocher 3 Liter Wasser zum Kochen bringen. «Wir werden weniger fernsehen oder Internet über Festnetz nutzen, obwohl beides deutlich weniger Energie benötigt», ist Mattern überzeugt.

Gemäss Angaben der Swisscom ist 5G aber deutlich energieeffizienter als ältere Technologien. Das Übertragen eines Bits benötige sowohl beim Sender als auch beim Empfänger einen Bruchteil des Stroms, teilt Mediensprecherin Esther Hüsler mit. Zudem stelle die schnelle Datenübertragung die Basis für zahlreiche neue Anwendungen dar, die einerseits Vorteile für die Schweizer Wirtschaft bringen und anderseits auch energetisch relevant sind.

So zum Beispiel für Smart Grids: Die intelligenten Stromnetze können Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen. Sie werden vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbau unregelmässig anfallender Strommengen wegen der erneuerbaren Energien grosse Bedeutung erlangen: Wenn in Norddeutschland gerade der Wind weht oder in Spanien die Sonne scheint, können mit dem Strom Autobatterien geladen oder Kühlhäuser betrieben werden.

Auch in Gebäuden könnten Heizung und Beleuchtung besser auf die aktuelle Belegung ausgerichtet werden. Doch die Swisscom-Verantwortlichen räumen ein, dass der starke Anstieg der übertragenen Daten die Stromersparnisse wieder zunichtemachen könnte.

Professor Mattern ist jedoch der Ansicht, für die energiesparenden Technologien brauche es 5G nicht unbedingt. «Die meisten dieser Anwendungen wären mit 4G oder WLAN genauso gut möglich.» Wegen der kürzeren Reaktionszeiten verspreche 5G hingegen neue Chancen bei der Steuerung von Maschinen, Robotern und Fahrzeugen aus der Ferne.

Zudem erlaube die Technologie, grosse Datenmengen zu übertragen – etwa hochauflösende Konstruktionspläne auf Baustellen oder im Bereich Augmented Reality.

Das 5G-Netz werde parallel zu den bestehenden erstellt, sagt der Fachmann. 2G und 3G würden wohl kontinuierlich reduziert und mit der Zeit abgeschaltet. Doch 4G befinde sich immer noch im Ausbau und werde wohl noch über Jahrzehnte weiterbetrieben, prognostiziert Friedemann Mattern. «5G kommt zusätzlich. Es wird nicht weniger Strom verbraucht.»

Die fünf ersten 5G-Smartphones im Überblick

Sunrise verkauft das 847 Franken teure Mi Mix 3 5G von Xiaomi seit Anfang Mai. Das Slider-Display lässt sich rund einen Zentimeter nach unten schieben, um die Frontkamera freizulegen.
Das Mi Mix 3 ermöglicht Downloads mit bis zu 2 Gbit/s (2000 Mbit). So lässt sich eine Netflix-Folge in wenigen Sekunden herunterladen. Das China-Handy nutzt den aktuell schnellsten Prozessor für Android-Smartphones.
Die wichtigsten Spezifikationen: 6,39-Zoll-Display, 128 GB Speicher, 8 GB RAM und ein grosser Akku (3800 mAh) mit Schnellladefunktion.
Das 999 Franken teure Oppo Reno 5G mit einer Pop-up-Kamera (Foto) gehört ebenfalls zu den ersten 5G-Handys. Das Reno 5G kommt mit 8 GB Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz.
Das China-Handy punktet mit einem sehr grossen Akku (4065 mAh) mit Schnellladefunktion, einer 48-Megapixel-Kamera (10-facher Hybridzoom und Nachtbildmodus) sowie dem aktuell schnellsten Mobile-Prozessor für Android-Smartphones (Qualcomm Snapdragon 855). watson / watson
Das 997 Franken teure Huawei Mate 20 X 5G ist ab sofort verfügbar. Es hat ein sehr grosses 7,2-Zoll-Display, einen grossen Akku (4200 mAh) sowie 8 GB RAM und 256 GB Speicher.
Das Mate 20 X kommt mit dem schnellsten Prozessor der Chinesen von Huawei und einer der aktuell besten und vielseitigsten Handy-Kameras (starker Zoom, Ultraweitwinkel, Makromodus, Nachtmodus etc.)
Das Samsung Galaxy S10 5G ist eine technisch leicht aufgemotzte und grössere Version des normalen S10 Plus. Das Highlight sind die ausgezeichnete Dreifach-Kamera sowie ...
... der äusserst starke Akku mit 4500 mAh. Das Display ist 6,7 Zoll gross, der Speicher fasst 256 GB mit 8 GB RAM. Kostenpunkt: 1279 Franken. AP/AP / Manu Fernandez
Auf den ersten Blick sieht das LG V50 ThinQ wie ein gewöhnliches Smartphone aus ...
... doch die Südkoreaner von LG verkaufen das 1099 Franken teure Handy mit einem nochmals 200 Franken teuren Zusatz-Display, das gleichzeitig als Schutzhülle dient.
Das LG V50 ThinQ wird mit der Display-Hülle zu einem Dual-Screen-Handy. Es hat zudem eine Dreifach-Kamera, einen grossen Akku (4000 mAh) und ...
... den aktuell schnellsten Prozessor für Android-Smartphones. LG will so vor allem Gamer ansprechen.

Verschwörung? Fake-News? Besteck!

Video: watson / Angelina Graf

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