Künstlicher Körper, echtes Gehirn: Scarlett Johansson als Major in «Ghost in the Shell» (2017).
Bild: AP/Paramount Pictures
Weshalb du «Ghost in the Shell» trotz Hollywood-Rassismus schauen musst
1995 hätte das Jahr des endgültigen Durchbruchs für japanische Animes im Westen werden sollen. Um das zu bewerkstelligen, wurde zum ersten Mal ein Anime in Japan, den USA und England gleichzeitig veröffentlicht. Die Massnahme schlug fehl.
Während der Film in seinem Heimatland zum Gassenfeger wurde, interessierten sich in den USA und England nur ein paar Nerds für den Streifen von Mamoru Oshii. Der Name des Werkes: «Ghost in the Shell».
Was war schief gelaufen?
Der Film, der auf den Ideen des legendären Zeichners Masamune Shirow basiert, erhielt brilliante Kritiken. Sein Look sei einmalig, der Soundtrack stimmig. Das «Deutsche Filmlexikon» schwärmt von «philosophischen Dialogen» und einem «meditativen Erzählstil». So weit so gut. Dass «Ghost in the Shell» im Westen zu Beginn floppte, hat trotzdem seine Gründe.
Es handelt sich dabei nicht um einen klassischen Plot-Film, keinen klassischen «Held kriegt Problem, Held löst Problem»-Film. Diese Elemente existieren zwar, sie werden aber vom fast allmächtigen philosophischen Überbau des Films dominiert. Und dieser beschäftigt sich mit Fragen ganz existenzieller Natur – mit Fragen der Identität.
Was ist die Seele? Was sind Erinnerungen? Sind Fantasie und virtuelle Ereignisse als Realität zu akzeptieren? Was passiert, wenn eine künstliche Intelligenz ein Bewusstsein entwickelt? Wie unterscheidet sich dieses von der menschlichen Seele?
«Ghost in the Shell» (1995) erdreistete sich, den Zuschauer unaufhörlich mit schwierigen Fragen zu konfrontieren und am Ende ohne Antworten wieder nach Hause zu schicken. Das war zu viel für das amerikanische Massenpublikum.
Und so wurde Oshiis Werk erst später in den Videotheken zum Geheimtipp. 2008 sicherte sich Steven Spielberg mit seinem Studio DreamWorks die Rechte an der Realverfilmung. Und diese kommt nun am 30. März ins Kino.
Um es vorweg zu nehmen: «Ghost in the Shell» ist auch in der Realversion von 2017 ein ausgesprochen interessanter Film:
- Visuell steht er seinem alten Vorgänger in nichts nach.
- Des alte «Ghost in the Shell»-Gefühl kommt deshalb durchaus auf.
- Die Actionszenen sind zum Teil fast schnittgetreu übernommen worden – und sind erneut packend.
- Die Story lehnt sich stark an den Vorgänger an, bietet aber genug Neues, um auch für alte Fans gewisse Spannung zu bieten.
Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Filmen besteht in der Gewichtung des philosophischen Überbaus. «Ghost in the Shell» (2017) ist im Gegenteil zu seinem Vorgänger kein Film, der vom Konzept getrieben wird. Der Realfilm ist ein Plot-Film.
Bild: AP/Paramount Pictures
Der Zuschauer wird zwar weiterhin mit den Fragen zur Identitätsfindung konfrontiert, Regisseur Rupert Sanders («Snow White and the Huntsman») liefert aber auch Antworten. Diese sind zwar nicht immer besonders überraschend, eignen sich aber gleichzeitig als dankbaren Plot, der im Original komplett fehlt. Die – typisch Masamune Shirow – nur schemenhaft erklärten politischen Verhältnisse im Jahre 2029 lässt der Brite bewusst weg.
Dass Sanders die Story simplifiziert und die schwierigen ungelösten Fragen etwas zurück stellt, ist nicht nur schlecht. Der Film wird leichter verdaulich und somit einer breiteren Masse zugänglich gemacht – auch wenn «Die Hard»-Fans Verrat am Original-Konzept beanstanden und Gift und Galle speien werden.
Aber das werden sie sowieso. Denn der Realfilm ist so etwas wie ein Best-of der vielen Spin-offs, die seit 1995 im «Ghost in the Shell»-Dunstkreis erschienen sind. Dass die Rosinenpickerei ohne Rücksicht auf allfällige storytechnischen Ungereimtheiten geschieht, wird den alten Fans ebenfalls nicht gefallen.
Die eigentliche Leistung des Realfilms ist es, die schwer verdaulichen philosophischen Fragen an einem leicht süsslichen Plot zu servieren. Dadurch wird «Ghost in the Shell» für Feinschmecker zwar etwas uninteressanter, für den Mainstream ist er allerdings jetzt geniessbar – und Fast Food ist er bei weitem noch immer nicht. «Ghost in the Shell» ist auch im Jahre 2017 noch immer mehr «Matrix» als «Captain America».
Sieht gut aus, aber halt nicht asiatisch: Scarlett Johansson.
Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE
Noch ein Wort zur Besetzung von Major Motoko Kusanagi (Scarlett Johansson): hier handelt es sich um einen klaren Fall von Hollywood-Rassismus, einen klaren Fall von «Whitewashing». Dass dies auch in diesem Film passiert, ist deshalb etwas tragisch, weil «Ghost in the Shell» nicht mit der Besetzung der Hauptrolle steht oder fällt. Dieser Film ist grösser als seine Hauptrolle.
Gerade als Fan des Animes wäre es ein Einfaches gewesen, den Realfilm kaputt zu kritisieren. Ehrlicherweise muss man aber gestehen, dass trotz des Rassismus-Fauxpas und des Dumbing-Down-Effekts ein wirklich interessanter Film entstanden ist. Und das spricht wiederum für die Vorlage. Oder eben doch auch für die Umsetzung. Oder beides. Ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall wieder einmal ins Kino gehen.
Sexiest Woman Alive
Penélope Cruz auf dem Titelbild des «Esquire». Die Schauspielerin wurde vom US-Magazin zur Sexiest Woman Alive 2014 gekürt. AP/Esquire
Die 40-jährige Spanierin ist mit dem Schauspieler Javier Bardem verheiratet, mit dem sie für «Vicky Christina Barcelona» auch schon zusammen vor der Kamera stand. EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
Scarlett Johannson bei der Präsentation des Films «Under the Skin» auf dem Filmfestival Venedig. Die amerikanische Schauspielerin hat 2013 den Preis des «Esquire» gewonnen. AP/AP / Andrew Medichini
Mila Kunis anlässlich der Premiere von «Third Person» im Juni 2014. Kunis ist die «Esquire»-Preisträgerin 2012. Jordan Strauss/Invision/AP/Invision / Jordan Strauss
Zur Abwechslung mal ein Popstar: Die Sängerin Rihanna durfte 2011 den Preis für die Sexiest Woman Alive entgegennehmen. X02452 / CARLO ALLEGRI
Minka Kelly – bekannt aus «Drei Engel für Charlie» – bekam den Preis 2010 überreicht. Getty Images North America / Michael Loccisano
Kate Beckinsale in einem Interview während des Toronto Film Festivals. Beckinsale gewann die Trophäe im Jahr 2009, ein Jahr zuvor ... Getty Images North America / Jonathan Leibson
... ging der Titel an die Schauspielerin Halle Berry. Jordan Strauss/Invision/AP/Invision / Jordan Strauss
2007 durfte sich die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron mit dem Titel Sexiest Woman Alive schmücken. X01981 / LUKE MACGREGOR
Scarlett Johansson zum Zweiten: 2006 wurde die US-Amerikanerin mit 21 Jahren zur Sexiest Woman Alive gekürt. Damit ist sie die bis heute jüngste Titelhalterin in der Geschichte der «Esquire»-Wahl. AP / KEVORK DJANSEZIAN
Jessica Biel im Dolby Theater in Los Angeles. Die Freundin von Popstar Justin Timberlake räumte 2005 ab. Invision / JORDAN STRAUSS
Nein, nicht die Queen, sondern Angelina Jolie gewann den «Esquire»-Titel 2004, als das Magazin erstmals die Sexiest Woman Alive kürte. Hier bekommt sie von Queen Elizabeth das Ordenszeichen einer Honorary Dame Commander überreicht. X80003 / POOL
Wohin führt uns die Zukunft?
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