Aktuelle Themen:

«Liebe Frau Mauch, das Timing fürs Parkplatz-Killen ist genial ...»

Kurz vor dem zweiten Ständeratswahlgang im Kanton kündigt der rotgrüne Stadtrat den Abbau jedes zehnten Parkplatzes in der Stadt Zürich an. Und killt damit auch die grüne Ständeratskandidatin Marionna Schlatter.

Publiziert: 08.11.19, 14:48 Aktualisiert: 08.11.19, 15:22

Liebe Frau Mauch

Sie sind als Stadtpräsidentin von Zürich jetzt nicht gerade eine Erscheinung. Also so auf den ersten Blick jedenfalls geht Ihnen das ambassadorenhafte ein wenig ab. Kein Vergleich zu ihrem Vorgänger, Dauer-Schnurri Elmar Ledergerber. Der konnte noch einer Tonzwerge-Ausstellung im Gemeinschaftszentrum Buchegg bei Darvida und Migros-Eistee den Anschein weltpolitischer Bedeutung verleihen.

Das können Sie nicht so gut. Dafür haben Sie andere Qualitäten. Es sind vor allem deren zwei: Unscheinbarkeit und Coolness.

Die Unscheinbarkeit bringt im politischen Leben einen entscheidenden Vorteil mit sich, nämlich den, dass man gerne unterschätzt wird. Was wiederum von unschätzbarem Wert ist.

Ein wenig habe ich Sie im Verdacht, dass Sie kalkuliert so operieren. Darin wurzelt jeweils auch die Alphaness, mit der Sie Ihre politischen Auseinandersetzungen führen und beenden können. Selten habe ich mich so diebisch mit einer Politikerin gefreut, wie an den Medienkonferenzen, bei denen Sie Kollegin Nielsen zur Stadtrats-Praktikantin degradiert hatten. Oder Filippo Leutenegger sofort nach gewonnener links-grüner Mehrheit im Stadtrat gegen seinen Willen vom Tiefbau- zum Bildungsdirektor gemacht haben.

Das hatte so richtig schön Schneid, insbesondere im Kontrast zu den Reaktionen der Abgeschossenen. Kollege Leutenegger fluchte wie ein aufgeregter Rohrspatz in die Kameras und Kollegin Nielsen trat aus Rache so kurz vor den Wahlen zurück, dass Ihre Partei keine SP-Kandidatin mehr aufstellen konnten. Den Sitz erbte dann eine Grüne ...

Was uns zum jüngsten Geniestreich der von Ihnen repräsentierten Genossinnen und Genossen führt: Der einseitigen Aufhebung des Parkplatzkompromisses in der Stadt Zürich zwischen Bürgerlichen und Linken. Anders als bisher sollen die oberirdischen Parkplätze in der Innenstadt jetzt weg, ohne dass sie unterirdisch kompensiert werden sollen.

Aus städtischer Sicht macht das Sinn, wir wollen ja nicht, dass die Agglo-SUVs nutzlos auf unserem teuren städtischen Boden rumstehen und auf dem Weg dahin unsere Kinder totfahren. Auch aus Sicht der rot-grünen Wählerschaft und Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat, die den Platz aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen für Velo-Wege freimachen wollen, ist der Parkplatz-Abbau ein logischer Schritt.

Nur aus Sicht der Bundeshausambitionen der Zürcher Grünen dürfte die Aktion zum jetzigen Zeitpunkt ein bisschen «unrelatable» sein, wie man heutzutage sagt. Nicht einmal zwei Wochen vor dem zweiten Zürcher Ständeratswahlgang? In dem die Grüne Marionna Schlatter gegen FDP-ler Ruedi Noser gewinnen sollte? Schliesslich hat Rot-Grün die Mehrheit in Stadt- und Gemeinderat schon seit über einem Jahr ...

Die Ständerate werden ja nicht nur zwischen Limmatplatz und Kalkbreite gewählt, sondern auch in Dübendorf, Rümlang und Hinwil, da wo die Agglo-SUVs herkommen. Ich kann Ihnen aus erster Hand sagen, dass deren Lenkerinnen und Lenker schon von der epidemischen Ausweitung der städtischen Tempo-30-Zonen ausreichend genervt sind. Wenn jetzt noch der emotional besonders aufgeladene Parkplatz-Abbau dazu kommt, dann ist der bürgerliche Noser wohl mehr als nur der einen oder anderen Mode-Grünenwählerin aus der Agglo näher als Schlatter.

Ich kann mich wie immer täuschen. Ich weiss nicht, ob und wie sehr Sie den Grünen die nationalen Wahlverluste Ihrer SP heimzahlen wollen. Und ich habe auch keine Ahnung, wie sehr Sie Ihre städtische SP im Griff haben.

Aber es würde mich keine Sekunde wundern, wenn herauskäme, dass das alles kein Zufall ist und Sie sich im stillen Kämmerlein diebisch über einen weiteren Coup freuen – ganz cool und unscheinbar.

Liebe Grüsse

Maurice Thiriet

Mini-Jeeps: Die wohl coolste Fussnote der Autogeschichte!

Es gab mal eine Zeit – Mitte der 60er, etwa – als einige Automobilhersteller ein neues Konzept als zukunftsweisend einstuften: Offroader-Versionen von Kleinstwagen – Mini, Döschwo und Konsorten im Jeep-Format. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Mini Moke🇬🇧: Der Austin Moke («Moke» = alter englischer Slang für «Esel») basierte auf dem Austin Mini und war ursprünglich tatsächlich als Militärfahrzeug vorgesehen. flickr / flickr
Als Ultraleicht-Jeep sollte er per Fallschirm abgeworfen werden und so von Truppen als Verbindungsfahrzeug benutzt werden können. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Freilich merkte man alsbald, dass klitzekleine Räder und sportwagenähnliche Bodenfreiheit für das Fahren im Gelände eher suboptimal waren, weshalb es mit der Militärkarriere des Mokes vorbei war, ehe sie angefangen hatte. wikicommons / wikicommons
War aber egal. Denn der Moke legte trotzdem eine sehr erfolgreiche Karriere hin. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Als mediterran-tropische Alternative zum Mini wurde er während den Swinging Sixties ein überaus erfolgreiches Kultfahrzeug – besonders in Frankreich, Australien, den USA und in vielen Ferienorten der Karibik. mokeinternational.com / mokeinternational.com
Und ES GIBT IHN IMMER NOCH. Neuerdings auch als Elektroauto! mokeinternational.com / mokeinternational.com
Citroën Méhari 🇫🇷: Vielleicht weil an der Côte derart viele Mini Mokes herumfuhren, machte sich Citroën daran, eine Jeep-Spassmobil-Version seines 2CVs zu entwickeln. challenges.fr/ / challenges.fr/
Technisch basierte der Méhari weitgehend auf dem Citroën Dyane, der etwas besser ausgestatteten Version des 2 CVs, ... classicargarage.com / classicargarage.com
... nur dass beim Méhari die Karosserie war aus Plastik war. classicargarage.com / classicargarage.com
YEAH. classicargarage.com / classicargarage.com
ABS, um genau zu sein (Lego, etwa, ist aus ABS). Rosten konnte die Karosserie also nicht. Dafür aber brennen, weshalb der Wagen in gewissen Ländern keine Zulassung bekam. wikicommons / wikicommons
Trotzdem wurde das Teil ein Verkaufsrenner. Von 1968 bis 1987 wurden um die 145'000 Méhari gebaut. wikicommons / wikicommons
Interessanterweise legte der Méhari die umgekehrte Karriere des Mini Mokes hin: Er wurde als Spassmobil entworfen, in der Folge aber mit 4x4-Umrüstung und stärkerem Motor als Militär-Fahrzeug eingesetzt. 15'000 Stück wurden für die französische Armee produziert. classicargarage.com / classicargarage.com
Eine Filmkarriere hatte der Wagen auch noch – und zwar in ... ach, ihr ahnt es selbst. spotern.com / spotern.com
Meyers Manx Dune Buggy 🇺🇸: Der ursprüngliche Beach Buggy basierte auf ... nun vielleicht ahnt man's ... sothebys.com / sothebys.com
Genau: Die Offroad-Version des VW Käfers ist ein durch und durch kalifornisches Produkt. sothebys.com / sothebys.com
Hach ... diese Sonne, diese Wellen ... aber wir schweifen ab. sothebys.com / sothebys.com
Bruce Meyers – Ingenieur, Künstler, Bootsbauer und Surfer (eine südkalifornischere Jobbeschreibung gibt es kaum) – baute 1963 seinen ersten Beach Buggy auf Basis eines verkürzten VW-Käfer-Chassis. Hier sieht man ihn in Aktion. twitter / twitter
Der Buggy mit Bezeichnung Manx (benannt nach der schwanzlosen Katzenrasse von der Isle of Man) hatte also VW-Fahrwerk, Geländefederung und eine Fiberglas-Karosserie. Damit war er sehr leicht und deshalb ordentlich flink. sothebys.com / sothebys.com
Von 1964 bis 1971 wurden um die 6000 Meyers-Manx-Strandbuggies gebaut, aber als die Konstruktion populär wurde (und zudem einfach zu konstruieren war) gab es geschätzte 250'000 Nachbauten weltweit. sothebys.com / sothebys.com
Ach ja, Elvis besass so ein Ding. Beziehungsweise sein Hund, Brutus. museumsyndicate.com / museumsyndicate.com
Ferves Ranger 🇮🇹: Das, verehrte Damen und Herren, ist die Jeep-Version des Fiat 500! Der Ranger wurde 1966 von niemand Geringerem als Carlo Ferrari entworfen, um den Italienern eine Offroad-Lösung für Fahrzeuge wie den Fiat 500 zu bieten. silodrome.com / silodrome.com
Es sollte ein erschwingliches und einfaches Auto sein, das ebenso für die engen, verwinkelten italienischen Innenstädte geeignet war wie auch für das Durchqueren von Feldern und Geländeflächen. silodrome.com / silodrome.com
Das Auto, das sowohl mit Zwei- als auch Vierradantrieb angeboten wurde, bekam eine eigene Markenbezeichnung: Ferves ist ein Portmanteau von FERrari VEicoli Speciali (= Ferrari-Spezialfahrzeuge) silodrome.com / silodrome.com
Es wurden aber nur 600 Stück des Rangers bis 1971 hergestellt. Heute erzielen gut erhaltene Exemplare auf Oldtimer-Auktionen Preise um die 40'000 Franken. silodrome.com / silodrome.com
Renault 4 Rodeo 🇫🇷: Okay, wenn Citroën schon Erfolge mit seinem Méhari feierte, dürfte der grosse Konkurrent auf dem französischen Markt nicht nachstehen. wheelsage.org / wheelsage.org
Auf Basis seines Kleinwagen Renault 4 bot Renault den Rodeo an. Wie man sieht, ein durch und durch ähnliches Konzept ... bloss minus den Charme des Méhari. wheelsage.org / wheelsage.org
Geiler war da eher der Renault 4 Plein Air ... autoplus.fr / autoplus.fr
... aber damit wären wir streng genommen bei einer anderen Autoklasse, nämlich den Beach Cars, die wir ein anderes Mal hier besprechen. Versprochen. historicvehicle.org / historicvehicle.org

Mehr Post vom Chefredaktor

«Lieber Herr Dubler, Sie haben recht ...»

«Lieber Herr Koch, ich habe mich geirrt ...»

«Liebe Frau Keller-Sutter, lassen Sie die Leute gegen Bill Gates demonstrieren ...»

«Liebes Coronavirus, lass uns den Tanz beginnen ...»

«Liebe Parlamentarier, kontrollieren Sie sich doch erstmal selbst ...»